Group Info Group Founded 3 Years ago 158 Members
7,658 Pageviews161 Watchers

Gallery Folders

Featured
Africa
11755076 1620483884900174 3424678358076219778 N by salahatia
Off The Road by AmiraAshraf
Symphony II by mohamedsaberartist
My Angel by AmiraAshraf
Asia
Perhaps we only notice things when the time comes by heart-WORM
Don't stop looking - by heart-WORM
Years go by and nothing's slowing down the time by heart-WORM
Travel Through Experience by AnthonyPresley
Australia
[ DR Collab Adopts #2 - 1/3 OPEN ] by boba-deer
[F] - Shadow Alice by boba-deer
Casino birthday bonus 6 by n2n44
Australia  Fires  by Tenabnurz
Europe
Cotinus by Telais
BRACHIUM IX [DolphinByDefault] by DolphinByDefault
Sparkle Evening by Yeraa
composition beyond the polar circle by stalker034
North America
trina cheile by DelightfulDolphin
Of mystic fog... by thewolfcreek
Cold silence... by thewolfcreek
an t-arm by DelightfulDolphin
South America
Commission - Sayari and Sylveon by plua3dart
Childhood memories by xKamillox
Cloud's dream by xKamillox
I wanna take you for a ride! by plua3dart
NSFW - Africa
Catwoman by xKamillox
NSFW - Asia
Japanese Garden by Pajunen
Shiba Park by Pajunen
Shinjuku Gyoen Garden II by Pajunen
Return to Meiji Shrine by Pajunen
NSFW - Australia
NSFW - Europe
These Feelings Inside Me by silviya
NSFW - North America

Mature Content

Sexy Male Stripper 1 by SolomonBarroa
NSFW - South America
Img   by salahatia
Literature - Africa
Literature - Asia
Don't let the days go by by heart-WORM
Literature - Australia
Literature - Europe
Aurora Borealis - Frankreich 19721. Reisende(Frankreich, Express Paris-Tolouse, Sommer 1972),Myriam sah zu, wie der letzte Schienenstrang näher kam und mit einem kleinen Ruck unter ihr verschwand. Das monotone Schütteln des Zuges war einschläfernd, aber ihre innere Unruhe hinderte sie daran, sich zu entspannen. Außerdem ging ihr das hirnlose Geschwätz zweier älterer Frauen auf die Nerven. Kurz entschlossen stand sie auf und suchte sich einen anderen Platz. Früher hatte sie derartige Zurschaustellungen eigener Überflüssigkeit nicht so wahrgenommen. Aber in letzter Zeit wurde von ihr dauernd erwartet, vernünftig zu sein. Erwachsen. In Wirklichkeit hieß das: „Schluck ein paar Dinge, die dir überhaupt nicht passen, und mach keinen Aufstand.“Es war später Vormittag und der Wagen von Paris nach Toulouse war angenehm leer; die Sonne schien und die Landschaft war so schön, wie sie nur hier sein konnte. Sie hatte den Autos und ihren in der Sommerhitze schwitzenden Insassen zugesehen und die Cabriofahrer beneidet, bevor die Fernstraße, die anscheinend der Bahntrasse folgte, oder umgekehrt, die Seite gewechselt hatte. Außerhalb der Vororte von Paris wurde es Grün, Dörfer und Äcker, vereinzelte Wälder begannen sich abzuwechseln. Sonnenblumen leuchteten goldgelb auf den Feldern. Für Myriam, die auf einer Insel aufgewachsen und an das Meer gewöhnt war, hatten Städte und Eisenbahnfahrten immer den Hauch von Urlaub, während es den meisten Menschen wohl genau umgekehrt ging.Papa musste schon mit Jezanne im Flugzeug sitzen. Glückwunsch, jetzt hatte sie ihn endlich für sich alleine. Myriam gestatte sich ein trotziges Grinsen. Sie kannte ihren Vater; und die meiste Zeit würde für den dummen Staudamm draufgehen. Und trotzdem wäre sie gerne nach Afrika mitgekommen. Immerhin war sie dort geboren, selbst wenn ihre Eltern aus Algerien fortgezogen waren, bevor sie drei war. Jetzt musste sie die zwei Jahre bis zum Abschluss in diesem Nest absitzen. Es war, als ob man ihr die beste Zeit des Lebens gestohlen hätte. Na klar hatte sie sich vorgestellt von der Insel fortzugehen, um zu studieren oder zu arbeiten – nach der Schule. Aber plötzlich in so ein Mädcheninternat abgeschoben zu werden, kam ihr wie ein Alptraum vor, wie ein schlechter Film. Klar, das Internat war angeblich modern, weltoffen, mit diesem und jenem und gutem Ruf und Blabla. Alles was sie damit verband, war Wut, Frustration und ein wenig Angst. Außerdem war es das erste Mal, dass Myriam auf sich allein gestellt war, und dann gleich endgültig. Ihr Vater war für Jahre im Ausland, ihr Haus auf Jersey hatte er verkauft. Zuhause gab es nicht mehr.Myriam sah eine Weile aus dem Fenster, ohne auf etwas Bestimmtes zu achten, ohne an etwas Bestimmtes zu denken. Erinnerungen tauchten auf und verblassten wieder, unzusammenhängend. Ein Zug jagte vorbei, in Gegenrichtung, auf Armeslänge entfernt Fetzen von Gesichtern, ein kurzes, widerlich schrilles Dröhnen, dass sie aus dem Tagtraum riss. Unwillkürlich sah sie auf ihre Uhr, ihr Zeitgefühl stellte sich wieder ein.Am Abend würde sie schon in ihrem neuen Zimmer schlafen. Ob sie wohl ein eigenes Zimmer haben würde? Oder musste sie sich zusammen mit anderen Mädchen eins teilen? Die Vorstellung, auf jede Privatsphäre zu verzichten war unheimlich, aber vielleicht war es besser, nicht allein zu sein. Wie war das mit den anderen? Kannten sich die meisten schon seit Ewigkeiten, wie an ihrer alten Schule? Aber es hatte geheißen, dass dieses Internat darauf spezialisiert war, Schüler aufzunehmen, die, so wie sie, aus beruflichen oder familiären Gründen ihrer Eltern plötzlich die Schule wechseln mussten, sogar aus dem Ausland kamen. Oder bei denen aus anderen Gründen ein Schulwechsel angeraten war. Zwischen den Zeilen klang das nach schwierigen Fällen. Doch auf einmal kam Myriam das nicht mehr so abschreckend vor, sondern machte sie neugierig. Eine unsinnige aber unwiderstehliche Euphorie packte sie plötzlich. Bestimmt würde sie neue Freundinnen finden. Und wie eine Erwachsene behandelt wird. Vermutlich konnte sie dort Dinge anstellen, die sie zu Hause nicht gedurft hätte. Alles war so aufregend und Myriams Gedanken drehten sich im Kreis, während der Zug nach Süden rollte.Der Zug hatte Orleans verlassen. Myriam hatte die Loire bewundert (das Wasser von Flüssen war viel malerischer und friedlicher als das Meer) und trotz der Aufregung bekam sie es langsam mit einem ganz grundlegenden Verlangen zu tun, Hunger. Sie hatte in den letzten Tagen in Paris nicht gut geschlafen oder gegessen, eine Art Abschiedsreise und ein etwas angespannter Einkaufsbummel, der von ihrem Vater gesponsert wurde, wahrscheinlich aufgrund eines schlechten Gewissens.Myriam war normalerweise eine ziemlich aktive Person die gerne im Freien war, mit einem gesunden Appetit und ihr Körper war daran gewohnt, täglich einiges an Nahrung umzusetzen, und jetzt meldete sich ihr Magen mit einem flauen Gefühl und hörbarem Knurren. Glücklicherweise hatte der Zug einen Speisewagen, sie genoss es nicht wirklich, an ihrem Platz zu essen, während alle zuschauten und von anderen Fahrgästen zugequalmt zu werden.Das erinnerte sie daran, irgendwo ein Päckchen Zigaretten zu besorgen. aber wo? Die letzten paar Tage unter Papas Nase waren schon schlimm genug gewesen, sie rauchte natürlich direkt zu Hause auch nicht, damit er es nicht merkte, aber da war es einfacher drum herum zu kommen. Wäre es in der Schule erlaubt? Was war mit den anderen Mädchen dort?Das Gehen im fahrenden Zug erinnerte sie ans Bootfahren. Selbst wenn der Zug keine Kurven durchquerte war man immer etwas unsicher auf den Füßen. Als sie den nächsten Wagen betrat und sich an einem Sitz festhielt, stand vor ihr ein junge Frau auf, wohl im gleichen Alter. Sie sah nur kurz in Myriams Richtung, ihre Blicke trafen sich nicht. Die Kleidung des Mädchens hätte aufsässig gewirkt, wenn sie nicht so gedankenlos schlampig dahergekommen wäre; dunkel, ohne schwarz zu sein, Jeans, ein weites T-Shirt, staubige, halb geschnürte Stiefel. ,Myriam, die sich normalerweise nicht zurückhielt, was ihre Meinung über das Aussehen andere Leute anging, kam nicht dazu, einen Gedanken dazu zu verschwenden. Sie hätte kaum sagen können, warum, aber die Bewegungen der Unbekannten zu verfolgen bereitete ihr einen geradezu euphorischen Genuss. Als Kind hatte sie oft wie hypnotisiert anderen Menschen bei bestimmten Tätigkeiten oder Bewegungen zugesehen, aber irgendwann war dieser Effekt verloren gegangen, und mehr die körperliche Attraktivität an die Stelle getreten. Aber hier war es beides, wie auf einen Schlag, die Andeutung einer körperlichen Herausforderung, die sonst meist von Jungs ausging. Hätte Myriam das Gesicht nicht gesehen, hätte sie das Mädchen für wesentlich älter gehalten. Markant proportioniert, trotzdem schlank, nicht nur wegen der dunklen Kleidung.Sicher würde sie eine gute Schwimmerin abgeben, dachte Myriam automatisch, sie konnte das schon beurteilen, schließlich war sie lange genug im Schwimmteam der Schule und im Club gewesen, und eine der Besten; das waren ordentliche Lungen und was für Schultern, aber ihr selbst wäre das zu maskulin gewesen, mal abgesehen davon, dass dahinter mehr Zeit und Anstrengung steckten, als ein Amateur normalerweise aufbrachte. Die Fremde war wohl einen halben Kopf größer als sie selbst, die mit ihrem Meter fünfundsiebzig ja auch nicht gerade klein war. Und als konkurrenzbewusster Athletin hatte Myriam ein Auge auf Herausforderinnen, und diese brachte mindestens zwanzig Kilo mehr auf die Waage, und bestimmt kein Fett. Seltsam eigentlich, nach jemand, der sich diszipliniert abrackerte, sah das Äußere des Mädchens wirklich nicht aus. Im wechselnden Licht des Zuges undefinierbar schwarzes Haar fiel ihr bis auf die Höhe der Achseln und machte einen etwas struppigen Eindruck. Während Myriam ihr in Richtung Speisewagen folgte, empfand sie so etwas wie erleichterte Eitelkeit; bei allem Neid auf die Ausstrahlung, die Fremde würde vermutlich in den meisten modischen Sachen ziemlich albern aussehen, da waren keine Muskeln vorgesehen. Myriam wünschte sich, sie könnte das Gesicht noch einmal sehen. Ein ungewöhnliches Gesicht. Woher kam sie wohl?Inzwischen hatten beide den Speisewagen erreicht, und zu Myriams Freude schien auch die Unbekannte dort etwas essen zu wollen. Myriam suchte sich einen Platz, wo sie sie einigermaßen unbemerkt beobachten konnte und bestellte sich eine Suppe als Vorspeise, dann überbackene Kartoffeln und Salat; sie war zwar keine ausgesprochene Vegetarierin, aber der Gedanke an die Tiere machte ihr doch zu schaffen. Die Stimme des anderen Mädchens war höher, als Myriam erwartete hatte, angenehm und selbstbewusst, aber eindeutig nicht älter als sie selbst. Die Scheibe als Spiegel benutzend, setzte Myriam ihre Beobachtung fort, etwas anderes hatte sie gerade ohnehin nicht zu tun. ,Sie hatte etwas mit viel gebratenem Fleisch bestellt, keine besondere Tierfreundin möglicherweise, und war mit großem Appetit, um nicht zu sagen gierig bei der Sache. An überentwickelten Tischmanieren schien sie nicht zu leiden, wozu auch Messer und Gabel benutzen wenn es mit den Fingern viel schneller ging. Sie hatte sehr dunkle, weit stehende Augen, die merkwürdig aussahen, ohne dass Myriam auf Anhieb sagen konnte, wieso. Der Mund hübsch, aber nicht außergewöhnlich, mit hellen, ungeschminkten Lippen, bis für einen Augenblick ein breites, strahlendes Lachen darüber flog, von solchem Zauber, dass Myriam mitten in der Bewegung erstarrte. Einen schmerzhaften Moment lang versuchte sie das Bild festzuhalten. Sie riss sich los und schob den kalten Bissen mechanisch in den Mund, während sie die Musterung fortsetzte. Eine kräftige, fast archaische Gesichtsform schälte sich unter dem letzten Babyspeck heraus, dazu eine flache, leicht gebogene Nase, auch wenn das in der schwachen Reflektion täuschen konnte. Woher sie wohl kam? Helle Haut mit einem Stich ins Oliv, aber sonst von überall und nirgendswo. Die Haare sahen aus wie schwarze Drahtwolle, voll kräftig, verschwitzt. Wie direkt aus dem Lied, das sie am Strand gesungen hatten, zu Bens Gitarre, besser als im Radio, der süße Ben. Trotz der Energie die sie ausstrahlte kam sie eher bedrückt daher, eine Stimmung, mit der sich Myriam leicht identifizieren konnte.Sie war nicht die einzige war, die das Mädchen beobachtete. Einige Männer sahen immer wieder neugierig oder grinsend zu ihr hinüber, und Myriam ärgerte sich darüber, aber die Betroffene schien es entweder nicht zu bemerken, oder es kümmerte sie nicht, vielleicht weil sie es gewohnt war.Myriam wünschte, sie hätten miteinander sprechen können, aber das kam ihr dann etwas seltsam vor; sie hatte ja auch keinen Anlass. Außerdem fühlte Myriam aus irgendeinem Grund einen ziemlichen Respekt und wäre im Boden versunken, wenn sie sich mit einer dummen Frage blamiert hätte. Also saß sie noch eine ganze Weile länger im Speisewagen, schob ihre Gratin lustlos herum und war etwas traurig, dass sie dieses Mädchen nie kennen lernen würde... Draußen glitt ein weiterer Ort vorbei. Chateauroux war an den Bahnsteigen angeschlagen. In weniger als einer Stunde würden sie Limoges erreichen. Myriam nahm ihr Portemonnaie heraus; da war der Zettel mit der Adresse und mehr als genug Geld für ein Taxi. Tatsächlich hatte sie jetzt sogar ihr eigenes Konto von dem sie sich selber versorgen würde. Im Gegensatz zu ihrem bisherigen Taschengeld bekam sie einen reichlichen monatlichen Unterhalt von ihrem Vater. Jetzt konnte sie sich viele Dinge einfach kaufen, ohne vorher um Geld zu betteln oder lange Erklärungen abzugeben. Wenn sie sparte, konnte sie irgendwann mit der Fahrprüfung anfangen und sich vielleicht sogar ein kleines gebrauchtes Auto kaufen. Und schnell einmal alte Freunde besuchen...Am meisten fehlten Myriam ihre Freundinnen. Sie hatte ihren Vater gern, aber er arbeitete zu viel und besonders seit er mit Jezanne zusammen war, sahen sie sich kaum noch. Myriam hatte häufig bei Jessie oder Pip übernachten und gegessen und deren Familien hatten sie ein bisschen ‚adoptiert’. Hoffentlich bekam sie bald Post von zu Hause. Wenn es ging, würde sie heute Abend noch schreiben. Das würde ihr bestimmt auch über das Heimweh weg helfen.Myriam ertappte sich dabei, wie sie immer wieder auf die Uhr sah. Die merkwürdige Euphorie war verflogen, nachdem sie wieder aus dem Speisewagen zurückgekehrt war, und tausend kleine Bedenken bohrten an ihrem Selbstvertrauen. Der Mann gegenüber half ihr, den Koffer von der Ablage herunterzuheben. Der Zug wurde bereits langsamer. Obwohl sie nur ein bisschen Kleidung und ein paar persönliche Dinge dabei hatte, waren die beiden Koffer und der Rucksack doch recht schwer (der Kaufrausch in Paris machte sich unangenehm bemerkbar). Die meisten Dinge gab es im Internat und was sie sonst noch brauchte, konnte sie sich vor Ort kaufen. Trotzdem hoffte Myriam, dass sie nicht allzu weit mit ihrem Gepäck laufen musste. Dem Mädchen vorhin würden so ein paar kleine Koffer nichts ausmachen. Myriam spürte plötzlich ein gewisses Unbehagen, wenn sie an ihre neue Selbstständigkeit dachte...2. Neue FreundeEine der Rollen des Kofferwagens drehte sich immer zur Seite und klemmte; und Myriam wurde klar, warum sie überhaupt einen gefunden hatte. Trotzdem war sie froh, ihr Zeug nicht schleppen zu müssen - die Mittagshitze stand flirrend auf den Bahnsteigen und die wenigen Reisenden, hatten sich beeilt, in den Schatten des zu kommen.Warum konnte die verdammte Bahn die Dinger nicht in Ordnung halten? Wahrscheinlich war aber natürlich nur ihrer kaputt. Nach einigen Metern hatte sie den aber den Bogen einigermaßen heraus und beeilte sich, ebenfalls in den Schatten zu gelangen.Der Bahnhof war ein eigenwilliges Bauwerk, mit einer ausladenden Kuppel und unterschiedlich großen Türmchen an den Ecken, und Myriam versuche sich zu darüber klar zu werden, ob sie ihn schön oder albern fand.(Gare de Benedictines, Limoges),Unvermittelt sah sie das Mädchen aus dem Zug wieder. Sie trug jetzt eine kurze, ziemlich mitgenommene Lederjacke, die hier und da schon etwas brüchig war, und hatte einen modernen, riesigen Rucksack auf dem Rücken, einen Koffer und einige Taschen neben sich, und sah sich gerade suchend um.Myriam ahnte, wonach sie Ausschau hielt und winkte ihr zu. Ihre Laune war wie ausgewechselt „Das ist der letzte“, rief sie. „Wollen wir ihn uns teilen?“Das Mädchen drehte sich herum und sah sie mit diesen unglaublich dunklen Augen erstaunt an. Myriam spürte, dass sie wie ein Honigkuchenpferd strahlte, konnte aber nichts dagegen tun. „Suchst du einen Wagen?“ wiederholte sie ihre Frage. „Ich habe nicht so viel Gepäck, es ist noch Platz“, fügte sie unnötigerweise hinzu, um ihre Verlegenheit zu überspielen.Nach einem Augenblick der Überraschung begann auch ihr Gegenüber zu lächeln.„Hey, gerne. Ich dachte schon ich muss das Zeug bis zum Bus schleppen.“ Sie stellte den Koffer und die Taschen auf den Wagen. „Ich bin nicht von hier – kannst du mir sagen du die abfahren?“ Das Mädchen sprach mit einem Akzent, über den sich Myriam nebenher den Kopf zerbrach. „Nö. Aber ich weiß auch nicht wo der Taxistand ist. Wir könnten zusammen suchen, mal sehen wer schneller ist. Der Verlierer muss sich länger mit der Karre plagen.“Das fremde Mädchen lachte kurz auf. „Abgemacht.“ Sie setzten sich in Bewegung. „Ich versuche mir die ganze Zeit darüber klar zu werden, woran der Bahnhof mich erinnert. Was für ein verunglückter Stil“, sprudelte es aus Myriam heraus, die unbedingt im Gespräch bleiben wollte.„Art Déco“Myriams Verblüffung musste ihr so offensichtlich im Gesicht stehen, dass dieser knappen Auskunft eine Erklärung folgte.„Hat mir jemand erzählt. Frag mich mal, was das ist.“„Was ist das?“ antwortete Myriam, immer noch überrumpelt. Kulturelle Höhenflüge hatte sie nicht erwartet.„Kuppeln und Türmchen. Sieht man doch.“ Beide lachten sie los. Der Karren klackerte über die Steinfliesen in der großen Halle. Hier war es wenigstens kühl. Vor der großen Glasfassade, vor dem Ausgang, blieb Myriam stehen. „Wohin willst du eigentlich?“ Jetzt hatte sie sich getraut, zu fragen..„Soulac. Stückchen außerhalb. Da gibt’s –“„Ich auch“, unterbrach Myriam sie. „Ne, oder?“Sie sahen sich beide an. Dann lachten sie so plötzlich los, dass sich überall Köpfe in ihre Richtung drehten.Draußen standen ein paar Taxis. Myriam setzte sich wieder in Bewegung. „Los, fahr mit mir mit im Taxi. Kostet doch das gleiche.“„Wir können teilen.“„Also gut. Wir teilen uns das Geld und den alten Wagen bis zum bitteren Ende.“Myriam hatte den Ausgang gesehen und hielt wieder einigermaßen darauf zu.„Ich heiße Myriam. Von Jersey. Warst du schon mal auf einem Internat? Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie das ist!“„Inez. Jersey? Das ist doch eine Kanalinsel. Bist du Britin?“„Nein, unsere Familie ist aus Frankreich. Aber ich wohne da, ich meine, ich hab da gewohnt, bis jetzt.“„Das erste Mal für dich? Ich bin aus Luxemburg. Aber ich bin schon ewig weg, seit ich zwölf war auf Internaten, und auch schon von einigen runtergeflogen. Man gewöhnt sich dran; und es kann auch ganz lustig sein.“Myriam war erschrocken. „Ist das nicht schlimm? Was haben deine Eltern dazu gesagt?“„Na gut, so toll ist es nicht, besonders wenn du Freunde da hast. Und meine Eltern sagen nichts dazu, im Grunde wollten sie mich nicht zu Hause haben, also haben sie immer dafür gesorgt, dass ich woanders untergekommen bin. Und ich bin wahrscheinlich nur etwas stur.“Sie entdeckten eine kleine Reihe von Taxis vor dem Bahnhof. Die Fahrer standen im Schatten einer ausladenden Platane und unterhielten sich. Einer schnippte eine Zigarette auf den Boden und bemerkte dabei die beiden Mädchen. Er machte eine Bemerkung zu den anderen und grinste. Die anderen lachten und winkten Inez und Myriam zu. Einer, ein kleiner, graugesichtiger Mann ging ihnen entgegen.„Einen wunderschönen Tag wünsche ich. Wohin soll’s denn gehen, Mesdemoiselles?“ Er lüpfte eine zerknautsche Mütze. Myriam sah auf ihren Zettel. „Soulac, das Internat im Chateau Marmont.“ Sie sah etwas skeptisch auf das kleine, etwas klapprig wirkende Taxi. Aber das war hier nicht Paris. „Passen wir den rein, mit dem ganzen Gepäck?“Der Mann winkte ab. „Aber natürlich. Lasst mich nur machen. Doch er schien sich aufrichtig über seine Fahrgäste zu freuen. Er schaffte es, sie samt ihrem Berg von Gepäck irgendwie unterzubringen, hielt ihnen die Türen auf, und brachte es sogar fertig, Inez ein Kompliment zu machen. Nicht unbedingt die Sorte, die Myriam gewohnt war, aber aufrichtig. Sie hatten Limoges bald hinter sich gelassen und fuhren durch eine Gegend kleiner Dörfer und Höfe; überall war Vieh auf den Weiden. Dann wurde die Gegend hügeliger; die Ausläufer des Zentralmassivs machten sich bemerkbar; Wald, zwischen große alte Buchen und Ahorn erschien das dunkle Grün von Fichten. ,Als sie an einem verwildert aussehenden Lavendelfeld vorbeikamen, war die Luft von warmen Duft nach Sommer erfüllt. Myriam drehte sich um zu Inez, die zusammen mit einem Haufen Gepäck, das absolut nicht in den Kofferraum gepasst hatte, auf dem Rücksitz eingequetscht war. „In welchen Jahrgang kommst du?“ „Première.“„Oh. Aber das ist gut. Ich auch… weil ich ja von einer ‚englischen‘ Schule komme. War nicht zu ändern. Was war’s bei dir?“„Ich war anderer Meinung. Zu oft.“ „Umso besser“, kommentierte Myriam gnadenlos, „ist Schicksal, dass wir zusammenkommen.“Ein alter Land Rover wartet rollte einen Feldweg entlang zur Hauptstraße und zog eine Staubfahne hinter sich her. Jemand hatte ihn bunt angemalt und auf der Ladefläche standen und saßen mehrere junge Leute, winkten und ließen sich den Wind durch das Haar wehen. Fast unbewusst nahm sie war, dass der Fahrer auf der rechten Seite saß. Es gab ihr einen kleinen Stich – Erinnerungen an Sommerabende zu Hause – aber gleichzeitig stimmte sie der Anblick irgendwie fröhlich. Der Taxifahrer hupte zum Gruß. „Die machen das richtig. Als ich jünger war bin ich auch rumgekommen, hab was von der Welt gesehen. Wann sonst.“Die Mädchen sahen sich nach den Hippies um. „Die campen seit einiger Zeit unten an der Tardoire. Hab sie schon ein paar Mal gesehen, diesen Sommer. Gar nicht weit vom Internat.“ Er zwinkerte.Myriam fing an, ihn zu mögen. Sie zwinkerte zurück. „Vielleicht wird es doch nicht so langweilig, wie ich befürchtet hab.“„Wo kommst du her, Mädchen?“„Jersey. Vom Kanal.“„Ich war mal dort im Urlaub. St. Helier. Hat mir gut gefallen.“Myriams Stimmung sank. „Mir auch. Mein Vater hat unser Haus verkauft, wegen der Arbeit…“„Tut mir leid. Tut weh, wenn man sein Zuhause verliert. Aber ihr seid in dem Alter wo es heißt, aufzubrechen. Ihr jungen Mädchen habt heute alles vor euch, und ihr kommt an den richtigen Ort. Hat einen guten Ruf, die nehmen nicht jeden. Und“, er senkte die Stimme, „ dass sind nicht die üblichen langweiligen Pauker da oben. Es heißt, die waren alle früher beim Maquis. Geht mal unten im Ort ins ‚Fleur‘, da hängen noch die alten Bilder.“ Er drehte sich zu Inez um. „Auch die Mädels. Ich komm aus dem Nachbarort. Ich weiß wovon ich rede!“Inez runzelte die Stirn. „Was ist da dran?“„Oh das wird schon stimmen.“ Der Alte sonnte sich in der Aufmerksamkeit der beiden jungen Frauen. „Aber es redet keiner darüber. Wegen den Kommunisten…“„Die vom Chateau?“„Die? Nee. Der alte Malegarde hat das aufgezogen. Seiner Familie gehört doch der Laden. Schon seit Ewigkeiten. Alter Adel. War früher Offizier, ein Draufgänger, und ein ganz wilder Hund in seiner Jugend. Kein Wunder das es da die hübschesten Lehrerinnen im ganzen Department gab. Sind sie immer noch. Naja. In meinem Alter. Wird alles schwieriger, irgendwann.“„Was?“„Ach nicht so wichtig. Macht euch keine Sorgen. Wir sind gleich da.“Er setzte den Blinker und bog scharf rechts und bergauf in eine Seitenstraße einbog. Die Straße kurvte durch etwas Wald. Sie erreichten bald die Spitze des Berges, der eher die höchste Erhebung einer Hügelkette war. Der Wald blieb zurück und vor ihnen lag ein altmodisches Chateau, erbaut auf den Resten einer alten Burg. Da war ein lang gestrecktes, dreistöckiges Gebäude aus massivem Gemäuer mit einigen Anbauten und, alles überragend, ein alter Bergfried. Daneben waren Gärten und die Umrisse von halb zerfallenen Mauern und einer kleinen Kapelle. Die Reifen knirschten auf dem kiesgedeckten Platz vor dem Eingang. Es war Nachmittag, ein wunderbarer Sommertag und die Luft hier auf dem Berg war klar, manchmal frisch und harzig vom nahen Wald. Sie waren am Ziel ihrer Reise angekommen.(Chateau Marmont),Auf Jersey hätte Myriam die Zeit am Wasser verbracht. Hoffentlich gab es hier wenigstens einen Platz, wo sie ungestört ein Sonnenbad nehmen konnte. Marmont hatte eine lange Tradition, einen guten Ruf und billig war es auch nicht gerade. Nur Schwimmsport war nicht gerade der Schwerpunkt, offensichtlich, konnte ja fast Schloss Dracula sein. Gut, das war etwas ungerecht, vielleicht gab’s ja ein Schwimmbad im Ort, und der Taxifahrer hatte einen Fluss erwähnt. „Selbst schuld“, murmelte sie. Papa hatte ihr die Wahl gelassen, aber sie hatte geschmollt und gehofft, alles würde irgendwie nicht wahr sein. Also hatte er entschieden. Er hatte ihr unzählige Male erzählt was für einen guten Ruf der Laden hat und das sie auf Schüler spezialisiert waren die das Schulsystem wechselten oder Stoff verpasst hatten und so weiter. Vermutlich hatte er nur Sorge, dass er Sie doch nach Afrika holen musste, wenn sie wegen dem Umzugskram ihren Abschluss vermasselte.Sie stiegen aus und luden zusammen das Gepäck aus. Inez in ihren schwarzen Klamotten und der bescheuerten Sonnenbrille und sie fragte sich, ob ihre Eltern sich wohl Sorgen machten. „Schwitzt du nicht in deinen dunklen Klamotten und der dicken Lederjacke?“„Schwarz hält die Sonne ab. Viele Wüstenbewohner tragen dunkle Kleidung.“ Von der Unterkante der Jacke bis zur Jeans klebte Inez’ Hemd nass an ihrem Rücken und ihre Haare sahen noch verschwitzter aus als am Bahnhof. „Eine dumme Antwort auf eine dumme Frage“, dachte Myriam, „sie wird bestimmt einen ganz schlechten Einfluss auf mich haben, Papa...“Sie legten ihr Geld zusammen und Myriam bezahlte die Taxe.Eine Frau kam aus dem Haupteingang zu ihnen herüber. Sie nahm zwei Stufen auf einmal und überquerte den Vorplatz. Während Inez sich demonstrativ umsah und sie nicht beachtete, beobachtete Myriam bestürzt wie sie sich trotz der hohen Absätze mit der Präzision eines deutschen Panzers auf sie zubewegte, dazu passend in grau gekleidet, erstklassiges Outfit, das nur auf den ersten Blick bescheiden und etwas streng daherkam. Sie speicherte die Frau unter ‚Besser nicht zum Feind machen‘, strich sich die Haare gerade und lächelte lieb.„Mesdemoiselles Kurtz und de Villefort?„Myriam.“ Myriam nickte energisch. Sie zeigte auf Inez die sich hinter ihrer Sonnenbrille versteckte. "Das ist Inez.“Die Frau ließ für Myriam strahlend weiße Zähne aufblitzen und sah dann zu Inez hinüber. „Inez. Wir wussten nicht genau wann du ankommen würdest.“Inez hatte immer noch kein Wort gesagt und Myriam warf schnell ein: „Wir haben uns am Bahnhof getroffen und sind zusammen herauf gefahren.“Die Frau lachte. Sie sah nach Anfang Dreißig aus, etwa streng, bestimmt attraktiv, wenn sie es darauf anlegte. „Und, wer von euch beiden hat den Mund aufbekommen?“Inez schob mit einer melodramatischen Geste die Sonnenbrille hoch und nickte Myriam zu. „Sie.“Myriam musste lachen. Schließlich lachten sie alle drei. „Ich bin Claire. Claire Beranger. Kommt schon. Ich bin auch erst seit diesem Jahr am Internat. Es sind ja noch Ferien, sonst ist kaum jemand da, ich helfe euch, eure Sachen nach oben zu bringen.“ Sie folgten ihr die steinerne Treppe hinauf zur Eingangshalle. Innerhalb der Mauern war es angenehm kühl, die Sommerhitze blieb hinter ihnen zurück. „Ihr werdet bei mir voraussichtlich Mathematik und Biologie haben. Soweit ich eure Unterlagen im Kopf habe, Myriam, ist es für dich ja ohnehin Wiederholung, und ihr seid ja beide keine hoffnungslosen Fälle.“Sie deutete auf eine schwere Doppeltür gegenüber dem Eingang.„Geradeaus ist der Hauptflur, zu den Klassenräumen und der Mensa, aber hier links geht es zum Wohnbereich.“ Sie passierten einen kleinen dunklen Flur. Claire öffnete die innere Tür.Vor ihnen lag eine große Halle mit hohen Fensternischen, steinerne Säulen und einem bunten Sammelsurium aus Einrichtungsstücken, wie ein großes Wohnzimmer, dessen Bewohner sich nicht über den Stil hatten einigen können. ,„Das ist der Ballsaal. Der Vorhof zur Hölle. Was hier passiert geht uns Lehrer nichts an. Habt ihr euch die Schulregeln durchgelesen?“Myriam nickte, Inez schüttelte den Kopf. Myriam überlegte es sich anders und schüttelte den Kopf ebenfalls. „Schon klar. Am Ende der Ferien bekommt ihr noch eure Rede, aber es gibt eine Kurzfassung. Ab hier gibt es keine Zigaretten, keinen Alkohol und keine Jungs. Merkt euch die Reihenfolge. Werdet ihr im Ballsaal erwischt, gibt’s Ärger. Jenseits des Ballsaals“, sie deutete auf eine weitere Tür über der in Leuchtschrift die Lettern ‚Girls‘ angebracht waren, „jenseits des Ballsaals fliegt ihr raus. Alles klar?“Myriam wollte reflexartig nicken, aber Inez kam ihr zuvor.„Und wenn wir nicht erwischt werden?“Claire war offensichtlich nicht die Sorte, die sich von so etwas aus der Ruhe bringen ließ.„Na, dann werdet ihr nicht erwischt. Wir sind nicht im Kindergarten.“Myriam unterdrückte ein Grinsen. Offensichtlich ging es hier etwas anders zu als sie es von zu Hause gewohnt war. Inez gab ihr einen Stups und deutete auf etwas. Myriam sah einen Kühlschrank mit Glastür. Und dann die Bierdosen in der zweiten Reihe. Sie stiegen eine gewundene Treppe empor, mit ungleichmäßigen, ausgetretenen Steinstufen. „Die erste Etage ist dieses Jahr freigeworden. Nächste Woche kommt die Seconde, dann wird es voll, aber ihr könnt euch noch Zimmer aussuchen.“„Und unser Jahrgang?“„Wir verteilen die Räume nach Bedarf, aber fast alle sind in der oberen Etage. Die meisten Zimmer sind aber belegt.Sie traten auf einen Flur. Rechts von ihnen war eine kleine, offene Küche mit einem großen, tiefen Fenster. Die Mauern sahen massiv aus und es war auch hier, trotz der Hitze draußen, angenehm kühl.„Was ist mit unten?“ fragte Inez unvermittelt.So, hier sind wir.“ Die Lehrerin blieb vor der ersten der Türen stehen, welche die linke Seite des Ganges säumten, gleich, bis auf die Nummern. Sie holte einen Schlüsselbund aus der Handtasche und machte sich am Schloss zu schaffen. Sie griff Inez Frage auf.„Ihr seid ja schon älter. Unten ist die Abschlussklasse, aber wenn ihr da unterkommen wollt, müsst ihr selbst rumfragen, wenn sie wieder da sind.“Inez und Myriam sahen zu, wie sie die Tür öffnete. Helles Licht strömte ihnen entgegen.,Claire drehte sich zu ihnen um. „Die Eins ist ein Doppelzimmer, fast alle anderen sind Vierer. Manchmal ändern wir das, nach Bedarf. Also, bleibt ihr zusammen?“Das Zimmer war hell, mit hoher Decke, mit eine großen Fenster aus dem man weit über Hügel und Wälder hinwegsehen konnte. Ein großes, stabil aussehendes Etagenbett, einige Schränke, Schreibtische und eine Sitzecke sowie ein Waschbecken neben dem Eingang vervollständigten die Einrichtung. Das Mobiliar war etwas zusammengewürfelt, aber massiv und keine billige Massenware.„Es ist wahrscheinlich eine Umstellung von dem, was ihr von zu Hause gewohnt seid, aber an die Zimmer kann man sich gewöhnen. Ihr bekommt eure eigenen Schlüssel, und die Wände und Türen sind dick genug, dass ihr euch auch mal etwas länger unterhalten oder Radio hören könnt, ohne jemanden zu stören.“Myriam biss sich auf die Lippe und sah Inez an, die mit ihren Gedanken ganz woanders zu sein schien.Claire wiederholte die Frage. „Wollt ihr beide hier einziehen? Falls auf dem Flur von eurem Jahrgang etwas frei wird, könnt ihr immer noch wechseln.“Myriam setzte die schweren Koffer ab und wartete einen weiteren langen, bangen Moment, bis sie das beruhigende Geräusch aufsetzenden Gepäcks hörte. „Ich schlafe unten“, stellte Inez fest.„Gut. Dann haben wir das. Bevor ich euch die Schlüssel gebe, will ich noch etwas klar stellen. Das ist hier ein Institut für junge Frauen, nicht für Kinder. Ihr werdet hier so behandelt, und es wird erwartet, dass ihr euch so verhaltet. Und noch etwas, für den wahrscheinlichen Fall, dass eure Eltern nicht darüber gesprochen haben, oder das ihr nicht zugehört habt.“„Dies ist ein freies Institut, obwohl wir keine kirchliche Einrichtung sind. Wir regeln unsere Dinge selbst und wir nehmen nicht jeden, dazu sind wir zu klein, und zu anspruchsvoll.“Inez und Myriam sahen sich an. Die Beranger räusperte sich. „Ihr braucht gar nicht so ein Gesicht zu machen. Wir haben ausführlich mit euren Eltern gesprochen und eure Unterlange durchgesehen. Das machen wir immer.“Myriam fragte sich, was ihr Vater erzählt hatte. Was wusste er eigentlich über sie? Sie musste grinsen.Claire starrte sie an. Myriam hörte auf zu grinsen. „Du brauchst nicht zu versuchen, mich um den Finger zu wickeln, Myriam. Hinter meinem Rücken machst du doch, was du willst. Ich werde dir nicht den Gefallen tun und behaupten ich wäre für dich verantwortlich. Du bist für dich selbst verantwortlich und das gilt für die Leistung so gut wie für das Vergnügen. Myriam versuchte ihr unverbindliches Lächeln aufrecht zu erhalten, während sie fieberhaft nachdachte, was Papa rausbekommen hatte. War sie deswegen hier?„Wir ziehen hier keine Lämmchen auf. Wenn ihr hier abgeht, werdet ihr früher oder später wichtig sein. Einfluss haben. Ihr hab das Potential dafür, von eurer Herkunft, eurem Charakter, euren Fähigkeiten. Ob das an der Seite eines einflussreichen Mannes ist oder ob ihr selber Karriere machen werdet, auf euch wartet ein Haifischbecken, und ihr werdet euch Respekt verschaffen müssen, um nicht gefressen zu werden. Respekt verdient man sich, und das fängt bei euch selbst an.“Sie nahm sich Inez vor. „Nicht dein Problem, Inez? Es war amüsant, bei deinen früheren Schulen anzurufen und zuzuhören, wie sie sich winden. Die haben dich in guter Erinnerung behalten. So wie du rumläufst und dich verhältst, die haben gedacht, du weißt es nicht besser, aber damit lagen sie falsch, nicht? Dabei ist das einfach nur Verachtung für uns niedere Kreaturen die sich mit Äußerlichkeiten abgeben. Du bist gut, verdammt gut, und du hast einen eisernen Willen und die Disziplin dazu, wenn es sein muss. Wenn man dich in ein Haifischbecken setzt, bist du am nächsten Tag allein, nicht wahr?“Inez grinste, aber die Kälte in ihren großen, schwarzen Augen erinnert Myriam wirklich an einen Hai, der die Zähne fletschte. Die Beranger schien nicht beeindruckt. „Bevor du dich mit mir anlegst, musst du früher aufstehen. Du spielst hier in einer anderen Klasse. Sei doch froh, dass du mal jemand auf Augenhöhe um dich hast.“Sie nickte. „Schön, das hätten wir. Es freut mich, dass ihr zusammenzieht. Ich denke ihr beiden könnt viel voneinander lernen. So, hier sind eure Schlüssel, bringt eure Sachen rein und regt euch über mich auf. Ich hole euch dann“, sie sah auf ihre Uhr,“ in einer Stunde ab, wir machen einen Rundgang und wir gehen noch mal ein paar Formalitäten durch.“Sie ließ die beiden stehen, drehte sich dann aber noch einmal im Flur um und zeigte auf die Tür.„Oh, und Inez?“Inez wuchtete gerade ihren Rucksack zurück auf die Schulter. „Hmm?“„Hier sind die Duschen.“Und weg war sie. Inez starrte hinter ihr her. Dann hob sie einen Arm und schnupperte an ihrer Achsel.„Könnte vielleicht wirklich nicht schaden“, stellte sie fest. Sie schleppten ihre Koffer ins Zimmer. Myriam erlebte einen regelrechten Kulturschock. Auf ihrer alten Schule waren alle, also zumindest die Lehrer, viel traditioneller, formeller gewesen, und das ganze Erwachsenwerden hatte darin bestanden, in der Oberstufe mit Herr und Frau angesprochen zu werden.Eine Lehrerin die ihr ins Gesicht sagt, dass sie unzuverlässig und unaufrichtig ist und das in einem Atemzug und bei der ersten Begegnung, war dort undenkbar. Da war meist von Vertrauen und Enttäuschung und gutem Ruf zu hören, und schon gar nicht über sie. Sie sah neugierig zu, wie Inez ihr bisschen Kleidung auf dem Boden verstreute(fast alles grau und schwarz) und dann aus dem Rucksack einen kleinen Kofferplattenspieler hervorzauberte, dazu Unmengen von sorgfältig verpackten Schallplatten. Einiges kannte sie, vieles sagte ihr nichts, und mit dem klassischen Zeug konnte sie nicht viel anfangen. „Ich glaube ich mag sie“, dachte Myriam laut nach, während sie ihre Klamotten in den Kleiderschrank stopfte. „Oder ich mag sie nicht. Eins von beiden.“,„Selbsterkenntnis ist nicht deine Stärke, oder?“Das war das erste was Inez von sich gegeben hatte, seit sie eingezogen waren, abgesehen von Nicken oder Kopfschütteln als Myriam die Hoheitsgebiete im Zimmer abgesteckt hatte. Myriam warf ihre Pyjamas und ein paar Bücher aufs Bett und kletterte nach oben. Sie ließ die Beine baumeln.„Ich hätte zu Hause gerne ein Hochbett gehabt. Das ist toll. Ich hab nur ein bisschen Angst runterzufallen, im Schlaf. Andererseits bin ich noch nie aus dem Bett gefallen, egal wie hoch. Ich frage mich, warum man nicht aus dem Bett fällt.“Inez sah hoch. „Ich bin schon mal aus dem Bett gefallen.“„Oh. Hat es weh getan?“„Weiß nicht, ich bin nicht aufgewacht.“Sie fingen beide an zu lachen. So von oben, dachte Myriam, sieht sie süß aus. Sie wirkt nur so maskulin, wenn sie sich wie eine Schrankwand vor einem aufbaut. War vermutlich nicht leicht für sie, an Jungs zu kommen. „Hast du einen Freund?“„Nö. Nicht wie du es meinst. Wie viele Jungs trifft man schon, wenn man auf Mädcheninternaten abhängt. Und du?“„Jetzt nicht. Letztes Jahr war ich mal ziemlich in einen Jungen verliebt. Aber er ist weg.“„Seltsam das ein Junge ein Mädchen wie dich für eine andere sitzen lässt.“„Nicht so. Er war ein Typ vom Strand, ohne feste Wohnung, zog mit ein paar anderen herum. Er konnte wunderbar singen und Gitarre spielen, und super lieb. Als der Sommer zu Ende ging ist er weg, per Anhalter. Der Sonne hinterher, nach Süden.“„Man kann von einer Insel per Anhalter runter?“Myriam wollte erklären wie das ging, aber in dem Augenblick kamen ein paar Erinnerungen zurück, und ihre Stimme machte nicht mit. Sie nickte nur und schluckte, atmete tief durch.„Ich hatte gehofft, dass er dieses Jahr wieder kommt. Vielleicht kommt er noch, kann ja sein, per Anhalter und so. Aber dann bin ich nicht mehr da.“Inez sah nachdenklich zu ihr hinauf, sagte aber nichts. Myriam versuchte das Thema zu wechseln.„Was hältst du von der Beranger? Ich meine, sie hat uns ganz schön auflaufen lassen, oder?“„Ach was. Mach dir da nichts draus.“„Naja. Aber ganz falsch lag sie nicht. Vielleicht ist sie ok? Ich meine sie scheint ja auch noch nicht so alt zu sein, und sie ist auch neu hier. Mathe und Bio...“„Hör zu – trau ihr nicht.“„Hmm? Wie meinst du das? Wieso?“Inez stand auf. „Nur so ein Gefühl. Ich geh duschen.“„Warte auf mich!“ Zu Hause war es irgendwie üblich, öffentliche Toiletten immer mit einem anderen Mädchen im Schlepptau zu besuchen, aber Inez schien es an Verständnis für diese Art von Anstandsmaßnahmen zu mangeln. Sie hatte ein Gesicht gezogen, aber doch abgewartet, bis Myriam ihre geliebte alte Tunika übergezogen hatte, die irgendwann einmal ein Bademantel in voller Größe gewesen war, und obwohl sie inzwischen mehr als etwas herausgewachsen war, konnte sie sich nicht davon trennen..Sie fühlte sich in ihrer neuen Umgebung immer noch zu unbehaglich, um mit wenig mehr als einem Handtuch über der Schulter bekleidet über den Flur zu gehen, selbst wenn die Duschen direkt neben ihrem Zimmer lagen. Und niemand da war, wie Inez etwas ärgerlich festgestellt hatte.Der Waschraum war recht spartanisch eingerichtet, einwandfrei sauber aber bestenfalls funktional und man sah ihm die Generationen von Schülerinnen an, die hier durchgespült worden waren. Es gab ein paar Toiletten und Waschbecken, Duschen und sogar zwei Waschmaschinen, was vermutlich bedeutete, dass sie sich um ihre Wäsche selbst kümmern mussten.Aber das hatte Myriam zu Hause auch gemusst, daran war sie gewöhnt. Da war aber noch etwas anderes, was ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie konnte es nicht recht glauben und fing an zu kichern.,„Guck mal, was die hier haben.“ Sie zeigte ungläubig auf den Automaten. Das wäre an ihrer Schule auf Jersey komplett unvorstellbar gewesen.Inez warf nur einen gelangweilten Blick auf den Inhalt. Aber dann hellte sich ihr Gesicht auf.„Oh die sind ja gar nicht so teuer hier. Geil.“Myriam spürte, wie ihre Augen heraustraten.„Wir haben die immer aufgeblasen und in der Eingangshalle versteckt, wo man sie irgendwann sehen musste, wenn Eltern oder irgendwelche wichtigen Leute erwartet wurden.“Sie senkte die Stimme.„Du kannst auch warmes Wasser reinfüllen und irgendeinem Mädchen ins Bett legen. Mit etwas Glück platzt das Ding wenn sie versucht, es loszuwerden…“„Oh. Richtig“ war alles was Myriam angesichts dieser kindlichen Freude stammeln konnte. „Ähm. Hört sich lustig an.“ fügte sie mit etwas Verspätung hinzu.„Wir müssen das Ausprobieren!“ strahlte Inez, aber dann warf sie Myriam einen seltsamen Blick zu, der einen angewiderten Ausdruck annahm.„Igitt. Was hast du denn dabei gedacht. Das ist ja richtig eklig!“ Sie sah entsetzt aus.Myriam lief rot an. „Ich? Nichts… ich meine, nur – nichts.“ Trotz der äußerlich prüden Umgangsformen zu Hause war sie gewohnt mit ihren Freundinnen ausgiebig und direkt über Sex zu sprechen und wusste jetzt nicht genau, ob sie jetzt von Grund auf verdorben oder Inez unfasslich naiv war.Inez starrte sie empört an, während Myriam sich innerlich wandte. Doch plötzlich zog Inez ein Augenlid nach unten und grinste verschlagen.„Verarscht.“Verdammtes Miststück, dachte Myriam, während sie ein Schafslachen hervorbrachte. Das kriegst du zurück…Gemeinschaftswaschräumen und Umkleidekabinen war Myriam aus dem Schwimm-Club von klein auf gewohnt, trotzdem dachte sie beim Anblick der tristen, hässlich gekachelten Wände mit Wehmut an ihre geliebte Badewanne.In der letzten Zeit hatte sie ihren Vater und vor allem Jezanne damit bis zur Weißglut gereizt, dass sie sich im Bad eingeschlossen und stundenlang vor dem Spiegel mit Make-Up herumexperimentiert hatte, wenn ihr danach war. Nicht, dass sie tatsächlich so aufgedonnert herum lief, aber es war lustig.In einem Waschraum, der immer genau etwas zu kalt war und in den dauernd andere Leute hineinkamen, konnte sie das vergessen. Vielleicht würde Inez ihr ihre Ruhe lassen, aber trotzdem war es ein Verlust von Privatsphäre. Myriam gönnte sich ein wenig Selbstmitleid.Inzwischen begannen Dampfschwaden den Raum zu füllen, und Myriam beobachtete Inez im Spiegel, die sich das heiße Wasser auf den Rücken prasseln ließ, und das trotz der Sommerhitze draußen. Normalerweise hielt sich Myriam nicht mit Vergleichen auf, sie war es gewohnt von ihren Freundinnen für ihre Figur beneidet zu werden, der das Schwimmen noch zu Gute kam. Aber das war etwas Anderes. Inez war nur ein paar Zentimeter größer als sie selbst, aber sie hatte bestimmt das doppelte Lungenvolumen und die entsprechenden Schultern dazu. Irgendeinen Sport musste sie betreiben, Myriam zerbrach sich den Kopf was es sein konnte. Inez hatte sicher nicht die Sorte Muskeln die den Bodybuildern am Strand wie Würste aus dem Körper quollen. Der Spiegel ließ sie üppiger aussehen, als sie wirklich war, mit den kleinen, spitzen Brüsten, dem süßen Po und den schlanken Gelenken, wirkte sie eigentlich noch ziemlich mädchenhaft und irgendwie unschuldig. Wie viel von der Szene vorhin war tatsächlich gespielt gewesen?,Myriam musste über ihre eigenen Gedankengänge lachen und beschloss, sich an Inez zu für die Sache mit den Gummis zu rächen. In einer Ecke stand ein Wischeimer, und sie begann, diesen mit kalten Wasser zu füllen.Inez bemerkte ihre Absicht erst im letzten Moment. Sie wich zurück.„Das wagst du nicht!“, drohte sie. Aber da kannte sie Myriam schlecht. Die hatte auf Jersey quasi im Wasser gelebt und konnte nie genug davon kriegen, darin herumzutollen. Und die, abgesehen von Inez, eigentlich auch eher zu den Größeren im Schwimmteam gehört hatte und für eine kleine Rangelei immer zu haben war. ,Myriam erwischte sie mit der vollen Ladung. Inez schrie wie am Spieß, eine abgehärtete Athletin war sie anscheinend nicht, und rutschte beinahe aus, als sie versuchte, dem kalten Guss zu entgehen. An ihrem Temperament war nichts auszusetzen. Sie schüttelte sich, schnappte nach Luft und dann stürzten sich die beiden lachend und kreischend aufeinander.Myriam wehrte sich nach Kräften, aber Inez bekam sie zu packen und revanchierte sich voller Begeisterung, bis es Myriam irgendwie gelang, die neunzig Kilo von sich herunter zu hebeln, weil sie ein paar Stellen entdeckt hatte, an denen Inez kitzelig war. ,Innerhalb kürzester Zeit stand der Waschraum unter Wasser, aber anscheinend war das Gebäude wirklich leer und massiv, denn niemand reagierte auf das Geschrei und Spektakel.Nach einigen erfolglosen Anläufen das Gemenge zu beenden hatten schließlich beide genug aufgestaute Anspannung abgebaut und saßen beide nach Atem ringend auf den Fliesen.„Du bist ziemlich frech“, stellte Inez fest.„Du hast doch angefangen.“Inez zuckte mit den Schultern und beobachtete, wie das Wasser unter der Tür hindurch und auf den Flur lief. „Wir sollten das vermutlich beseitigen, bevor die Beranger wieder auftaucht...“ Sie schafften es gerade so. Nicht wegen der Überschwemmung. Myriam war in Gedanken zu Hause, bei ihren Freunden, bei ihrem Vater und was sie ihm schreiben könnte, wenn morgen das Telegramm mit der Adresse vom Hotel kam. Im Zug waren ihr tausend Argumente durch den Kopf gegangen, um ihn zu überzeugen. Nach dem was sie vorhin zu hören bekommen hatte, war sie sich aber nicht mehr ganz sicher, wovon eigentlich. Denn was Claire gesagt hatte, war im Grunde richtig. Sie ertappte sich dabei, dass sie ihre Gedanken auf Französisch formulierte. Überall lagen Sachen von Inez herum. Es störte sie nicht, nur, dass sie nicht versehentlich darauf treten wollte. Unschlüssig, mit etwas Scheu, hob sie eine ausgefranste Jeans auf. Inez starrte aus dem Fenster. Viel gesprochen hatten sie nicht, aber es war eher die unausgesprochene Vereinbarung, dass sie beide etwas Zeit brauchten, um nachzudenken, um anzukommen.Jetzt sah sie herüber, zu Myriam, die immer noch mit der Jeans da stand, und machte eine leichte Kopfbewegung in Richtung eines weiteren Stapels Wäsche auf ihrem Bett.„Findest du, dass ich einen deutlichen Akzent habe?“ Myriam legte die Jeans zur den anderen Sachen.„Klar. Ich auch. Macht nichts. Das ist keine Grande École. In der Schweiz waren wir froh, wenn wir uns auf die wichtigsten Wörter einigen konnten, die einzige, die ein ordentliches Französisch sprach, war die Prinzessin.“ Inez lachte in sich hinein, und Myriam fragte sich wo dabei der Witz war.„Was für eine Prinzessin?„Ah, wir haben sie nur so genannt. Sie war so hübsch, hatte von allen die besten Manieren und war schwarz wie die Nacht. Sie war aus Benin, und hatte sogar einen Diener.“ „Einen Diener?“ Inez wurde ernst. „Die Sorte, die mit einer Kanone herumlaufen. Sie war wirklich lieb, ein bisschen verloren, wie die meisten von uns. Letztes Jahr ist sie plötzlich weg.“Myriam nickte. „Macht Sinn. Seit zwei Jahren gibt’s da Ärger, seit den letzten Wahlen. Vielleicht sind ihre Eltern in Schwierigkeiten.“Inez sah sie verblüfft an. Doch Myriam warf aus dem Gefühl, etwas vergessen zu haben, einen Blick auf die Uhr.„Die Beranger! Wann… Ich glaub wir müssen runter. Jetzt…“Unten auf dem Flur kam ihr Madame Beranger zusammen mit einem anderen Lehrer entgegen, den sie noch nicht kannten, ein fülliger, freundlich lächelnder Herr, der seltsamerweise trotz der Hitze Handschuhe und einen Schal trug. Claire stellte sie vor.„Das ist unser Monsieur Trepanier. Leider habe ich gerade erfahren, dass er aus gesundheitlichen Gründen einige Fächer abgeben wird. Anscheinend werden wir uns doch öfter sehen als erwartet, ihr beiden.“Trepanier nahm sich einen Stuhl und setzte sich. Aus der Nähe wirkte er eher aufgequollen als übergewichtig. „Ja, das ist ärgerlich, aber ich fürchte der gute Auguste hat doch recht gehabt. Ich habe schon mit der Schulleitung gesprochen. Ich werde die Chemiekurse weitermachen und ansonsten kürzer treten, warum eigentlich nicht.“ Er musste Pause machen um wieder Luft zu schöpfen.Myriam versuchte nicht auf seinen geröteten, angeschwollenen Hals zu starren. „Ich mag Chemie. Ich hoffe es geht Ihnen bald besser.“, sagte sie, eher aus Höflichkeit, auch wenn es nicht gelogen war. Trepanier schnaufte, und stoppelte ein Lächeln zusammen. „Das hört man selten genug, junge Dame. Dann will ich mal auf den Doktor hören.“Myriam wandte sich an Claire. „Ich wollte zur Post, nach einem Telegramm fragen.“„Ah… heute nicht mehr, die hat schon zu.“Inez kam gerade die Treppe herunter. „Warte…“ Sie stoppte, als sie die kleine Versammlung bemerkte.Die Lehrerin sah Inez’ dunkle, schlampige Sachen an, sagte aber nichts.Inez sah den Blick, verzog keine Miene und sagte auch nichts.Myriam tat so, als betrachtete sie ihr ihre Schuhe und grinste, möglichst so, dass es keiner sah, vor allem nicht Inez.„Ihr scheint ja schon unzertrennlich geworden zu sein.“Die Worte ärgerten Myriam. Warum wusste sie nicht genau; aber sie ließ sich nichts anmerken. Aber abgesehen davon war Claire zuckersüß und freundlich und ließ sogar Inez weitgehend in Ruhe, wenn auch nicht aus den Augen. Die meiste Zeit plauderte sie mit Myriam. Sie machten eine Rundgang durch den Schultrakt, die Bibliothek und die Mensa, mussten ein paar Karteikarten ausfüllen und standen am Ende mit einem Stapel Hektographien da, die noch nach Spiritus rochen.„Ich bringe Frühstück mit“, hatte Claire zum Abschied versprochen, „wenn ihr rechtzeitig aufsteht.“Myriam sah ihr nach. „Endlich ist sie weg.“ Sie zwinkerte Inez verschwörerisch zu. „Komm mit…“Zur Straßenseite gab es eine kleine Mauer, hinter der der Berg steil abfiel. Alles sah überwachsen und natürlich aus, aber man konnte erahnen, dass dies einmal Befestigung gewesen war. Von hier hatte man eine wunderbare Aussicht, die Straße wandte sich um die kleinen Hügel, und die Sonne stand jetzt tiefer, und das Licht fing an einen goldenen Schimmer auf die Landschaft zu legen, und die Luft war warm aber nicht mehr zu heiß und es roch nach Harz, von den Fichten, deren Kronen bis an die Mauer reichten, und Inez saß auf der Mauer und sah zu, wie Myriam in ihre Bluse griff. Höhenangst hatte sie anscheinend nicht.,„Rauchst du?“ Inez schüttelte den Kopf. „Stört es dich?“ Noch ein Kopfschütteln.„Ich bin ganz gut darin, dass es keiner merkt.“ Sie dachte daran, was Claire gesagt hatte. „Dachte ich zumindest bis jetzt.“ Sie nahm einen Zug.„Das ist besser. Hab den ganzen Tag drauf gewartet.“Sie sah sich um.„Weißt du, ich dachte ich würde es hier hassen.“„Und?“ Myriam sah sich um. Noch ein Zug, gemischt mit einer seltsamen Euphorie. „Willst du mal probieren?“Und noch ein Kopfschütteln. „Hab schon.“Myriam lachte. „Auch gut. Dann schnorrst du wenigstens keine von mir. Keine Ahnung. Ich hatte was anderes erwartet. Es ist… besser als ich gedacht habe.“Inez sah sie skeptisch an. „Besser?“Myriam rauchte ihre Zigarette und fühlte in sich hinein. Was es genau war. Sie sah zu Inez, die auf der Mauer saß, mit ihren großen, dunklen Augen, auf eine Antwort wartend, aber nicht ungeduldig. Oh ja.„Besser.“Zurück in ihrem Zimmer spürte Myriam die Müdigkeit, von der Reise, und weil sie am Abend zuvor lange zu unruhig zum Einschlafen gewesen war. Sie schloss die Augen. Vom offenen Fenster her kamen das laute Zirpen der Grillen und ein angenehmer Duft nach Sommernacht. Immerhin gab es Fliegengitter, so dass sie die Fenster ganz öffnen konnten.Myriam lag auf ihrer Bettdecke und wippte auf der fröhlich quietschenden Matratze auf und ab. Das Bett groß und bequem, aber das letzte Mal, dass sie in einem solchen Hochbett geschlafen hatte waren mal ein paar Tage auf einem Schulausflug gewesen, und sie war sich noch nicht ganz sicher, ob sie es mochte. Es gab auch oben wie unten eine kleine Leselampe. Trotzdem war es eine angenehme Perspektive, so von oben herabzuschauen. Myriam hängte sich über die Bettkante und sah sich um. Inez lag ebenfalls auf ihrer Decke; natürlich trug sie ein schwarzes Hemd und Slip. Myriam hatte das Bedürfnis zu plaudern, um den Schwindel und die kreisenden Gedanken aus ihrem Kopf loszuwerden.„Wir brauchen eine Couch oder so. Ich weiß nicht, ob ich zu schlau werde, wenn mir das Blut die ganze Zeit in den Kopf steigt.“Inez sah auf. "Der Druck wird nur ein paar Pickel herausdrücken."Myriam war weitgehend über ihre Akne weg und wollte an dieser Stelle wirklich nicht daran erinnert werden.„Weißt du was ich glaube? Die stecken uns zusammen in diese Zimmer, damit wir aufeinander aufpassen und nichts mit Jungs anfangen… oder so.„Das hast du erst jetzt rausgefunden? Warst du immer ein braves Mädchen, zu Hause? Aber man kann das leicht umgehen, man teil einfach schwesterlich.“„Schwesterlich teilen kenn ich, das gibt immer nur die Reste. Wo hast du eigentlich den ganzen schwarzen Kram her? Und nein – ich hab nicht gefragt, warum du das Zeug trägst.“„Ach, es spart mir, mich über den Geschmack von Eltern, Verwandten und Bekannten zu ärgern. Ich haue einfach alles was sie mir schicken in die Bleiche und färbe es dann. Ist billiger. Mittlerweile kann ich das ganz gut. Vor allem färbe ich mich nicht mehr selbst, wie am Anfang.Einmal ist das Zeug überall dran geblieben, das war richtig schlecht! Ich konnte mich nirgends hinsetzen oder was auch immer. Und was noch ekliger war: An der Haut hat es natürlich perfekt gehaftet, ich hatte lauter schwarze Stellen und sah aus wie so eine schwarz-weiß-gescheckte Milchkuh. Tina hat sich in die Hosen gemacht, vor Lachen.“„Tina?“ Inez nickte, aber nur kurz, und schwieg.Myriam hatte bisher angenommen, das Inez ein Einzelgänger war. Aber warum sollte sie nicht auch Freunde haben, die sie vermisste. Bevor die Stille zu offensichtlich wurde, wechselte sie das Thema.„Weißt du, ich bin froh, dass wir uns getroffen haben. Es wäre scheußlich, hier alleine und einsam herumzuhocken. Ich hab noch eine Packung Tee im Koffer, den koch ich uns. Magst du Plätzchen? Ich hatte heute Morgen welche für unterwegs gekauft, falls ich im Zug Hunger kriege, und dann vergessen. Willst du Musik anmachen? Es scheint doch keinen zu stören. Oder wir gehen runter, da war ein Fernseher.“Myriam hütete sich, eine Antwort abzuwarten, sprang vom Bett und landete elegant. Sie kam sich cool vor, grinste, griff den Tee und stürmte aus dem Zimmer in Richtung Küche. Es war schon nach neun, und sie wusste genau, dass sie nach einer halben Kanne nicht schlafen konnte.Was soll’s, dachte sie sich. Schließlich hatte niemand etwas von frühem Aufsehen gesagt. Es hieß, wenn man den Tee länger ziehen ließ, würde er beruhigend wirken, aber das war Unsinn, fand sie. Er schmeckte einfach nur bitter. Myriam kam eine Melodie in den Sinn und sie durchwühlte summend und pfeifend die Küche auf der Suche nach einem Kessel und Geschirr. Der altmodische Gasherd war ihr etwas unheimlich, aber das Wasser kochte in Rekordzeit und in weniger als einer Viertelstunde war sie zurück im Zimmer mit Tassen, Tee und sogar einem verstaubten Stövchen mit Kerze.Inez hatte einen Tisch umgestellt und das Deckenlicht ausgemacht; dafür brannte eine Kerze. Myriam fand es romantisch, stellte den Tee und die Tassen auf dem Tisch auf, und setze sich zu Inez auf einen Sessel. Sie tranken den Tee anscheinen beide ohne alles, das machte es einfach. Sie zog einen der Sessel näher und setzte sich zu Inez.,„Na komm, erzähl ein bisschen. Ich muss doch bei Pip und Jessie mit dir angeben können, dumme Witze kann jeder reißen. Wo kommst du her? Wie alt bist du? Warum bist du nicht mehr in der Schweiz. Du musst doch gut in Sport sein, so wie du aussiehst. Machst du was? Warum trägst du lauter schwarzen Kram? Die Beranger hat gesagt, du hältst dich für was Besseres. Wie hat sie das gemeint?“„Sie hat gesagt ich bin besser. Wofür ich mich halte, kann sie nicht wissen.“ An Minderwertigkeitskomplexen litt Inez offensichtlich nicht. Myriam musterte sie frech von oben. „Du darfst keine Geheimnisse vor deiner neuen besten Freundin haben.“„Hat die Beranger nicht auch gesagt, du bist leichtsinnig?“ Aber anscheinend hatte Myriam Inez am Haken. „Mal sehen. Ich bin ein halbes Jahr älter als du…“„Woher weißt du, wie alt ich bin?“„Weil ich vorhin aufgepasst habe, als du deine Karte für die Bibliothek ausgefüllt hast, Doktor Watson. Ich bin auf Internaten seit ich zwölf war…“„Bei meinem Vater war’s die Arbeit. Und eine neue Flamme. Da war ich wohl im Weg. Und bei dir?“Inez starrte an ihr vorbei. „Beziehungsscheiß. Meine Eltern streiten die ganze Zeit. Irgendwann haben sie laut genug geschrien, dass ich verstanden hab, dass mein Vater, also meine Mutter muss wohl was mit jemand anderem gehabt haben, was mich angeht. Dann haben wir uns für eine Weile zu dritt geschrien und dann dauerte es nicht lange bis ich auf meinem ersten Internat gelandet bin. Mittlerweile… ist es mir so egal, dass wir ohne Geschrei reden können. Sogar für einige Minuten.“„Tut mir leid“, rutschte es Myriam unwillkürlich heraus. „Ich kann mich kaum noch an meine Mutter erinnern, nur das ich ziemlich unglücklich war, als sie gestorben ist. Und du weißt nicht, wer dein richtiger Vater ist?“„Mit meiner Mutter kann man darüber nicht reden, sie kriegt die Krise. Aber es gibt wohl keinen Zweifel dran, so ein Blutgruppendings. Wer auch immer es ist, interessiert sich nicht für mich, also warum sollte ich mich für ihn interessieren. Vielleicht jemand von der Arbeit.“„Na klar. Mein Vater ist Architekt, nicht für normale Häuser, sondern richtig große Sachen und deshalb viel unterwegs, und irgendwo dabei Jezanne abgeschleppt. Kein Wunder, dass er immer Überstunden machen musste. Ich mag sie nicht besonders, aber da war ich sechzehn – vielleicht hätte ich meine Mutter auch nicht ausstehen können. Wenn ich Bedürfnis nach Familie hatte, hab ich bei Jessie oder Pip übernachtet.“Genau genommen, dachte Myriam, kann ich mich nicht beschweren. Plötzlich merkte sie, dass Inez weiter erzählte.„Zu Hause hab ich meistens mit Jungs abgehangen, Fußball gespielt, mich geprügelt. so was. Mit den meisten Mädchen bin ich nicht ausgekommen.“„Du musst doch gut in Sport sein. Wir hätten dich im Schwimmteam brauchen können.“„Keine Ahnung. Bei uns bin ich nur angeeckt und es gab blöde Kommentare.“„Naja. Ich bin über eine Freundin ans Schwimmen gekommen, das war dann was ganz anderes. Es wird mir fehlen. Und dann?“„Was glaubst du? Als ich ins Internat kam, wollten sie mich erziehen. Ein bisschen spät. Ich war gewohnt mich körperlich durchzusetzen. Damit kamen sie nicht klar. Der erste Laden war ziemlich schick, vielleicht hatten meine Eltern ein schlechtes Gewissen. Die anderen Mädchen haben sich entsprechend aufgeführt.“„Bist du da auch schon so rumgelaufen?“„Nein. Es war mir einfach egal, wie ich aussah. Na, um es kurz zu machen, es endete mit einem ziemlichen Wirbel und dem dringenden Rat an meine Eltern, mir einen anderen Platz zu suchen.“„Warum das denn?“„Ich hab einer der eingebildeten Schlampen die Vorderzähne ausgeschlagen. Sie hatte in paar von ihrer Clique dabei und hat wohl geglaubt sie könnte frech werden. Ihr Glück, dass gleich ein paar Lehrer auftauchten.“Sie trank ihren Tee. Myriam war es gewohnt, beliebt zu sein. Da war es einfach, auch mal gemein oder überheblich zu sein. Ein Anflug von schlechtem Gewissen begann ihr die Stimmung zu verderben. Draußen wurde es langsam dunkel.„Sag mal, hast du Lust noch mal runter zu gehen? Was hat Claire gesagt – In den Ballsaal? Es sah doch ganz witzig aus, und da war auch ein Fernseher. Wir nehmen den Tee mit und ich besorg uns was aus der Mensa.“ Jetzt, wo sie darüber nachdachte, bekam sie Hunger. „Ich hab das so verstanden, dass wir das dürfen.“Inez hatte etwas unzufrieden ausgesehen, aber nur bis Myriam aufs Essen kam. Zehn Minuten später hatten sie die Speisekammer ausgeräumt und sich unten im Ballsaal vor dem Fernseher eingerichtet. Niemand war da. Myriam fand die Deckenbeleuchtung ungemütlich. „Lass uns den Kamin anmachen.“„Im Sommer?“„Klar, fast wie ein Lagerfeuer am Strand.“ Zu den Fähigkeiten, die sich Myriam mangels elterlicher Aufsicht angeeignet hatte, gehörte es, Dinge schnell und ohne überflüssigen Kollateralschaden in Brand zu setzen. Das Kaminfeuer leistet keinen Widerstand. Myriam betrachtete zufrieden ihr Werk und ging zur Tür um das Licht auszuschalten, als drei Mädchen hereinkamen. Etwas unsicher sah sie zu Inez herüber und setzte ein strahlendes aber leicht ertappt wirkendes Lachen auf.Die drei waren in ihre Unterhaltung vertieft und anscheinend kurz angebunden. „Seid ihr neu?“, fragte eine Rotblonde im Vorübergehen, und nicht besonders freundlich.Myriam nickte, etwas perplex, sagte aber nichts. Sie und das fremde Mädchen begannen sich anzustarren und die anderen beiden blieben stehen und sahen sich um. Aber Myriam war nicht so leicht einzuschüchtern.Doch dann wechselte die Rotblonde einen Blick mit ihren Freundinnen und drehte sich um. Myriam spürte plötzlich, dass Inez neben ihr stand. „Lasst die Finger vom Kühlschrank.“ Sie wollten weitergehen, aber Inez stand ihnen ihm Weg. Die Mädchen waren bestimmt aus dem Abschlussjahrgang, in ihrem Alter. Erst jetzt wurde Myriam wieder bewusst, wie groß Inez eigentlich war, als die drei abrupt stehen blieben und zu ihr aufsehen mussten. Aber noch verblüffender war, wie schnell sich Inez trotz ihrer Größe bewegen konnte. Bevor die drei um sie herumgehen oder auch nur einen dummen Spruch machen konnten, war Inez über die Sitzecke gesprungen und beim Kühlschrank. Eins der Mädchen, das ein bisschen wie Pip aussah, mit kurzen braunen Haaren, warf einen unsicheren Blick über die Schulter auf Myriam. Sie grinste, nicht mehr so nett wie vorher. Verscheißt euch, dachte sie. Inez nahm ein Bier aus dem Kühlschrank. Sie sah die Rotblonde an. „Deins?“ Als sie keine Antwort bekam, öffnete sie die Dose und setzte an.Myriam kannte den Blick. Es gab ein paar Jungs vom Hafen, die am Strand Ärger machten. Als sie noch kleiner war, hatte sie ein paar Mal mit ihnen Mist gebaut, aber dann rechtzeitig Abstand gehalten. Sie kam mit ihnen klar, halbwegs, aber einmal musste sie dazwischen gehen, als sie Ben beinahe zusammengeschlagen hätten. Es war ziemlich knapp gewesen.Sie beobachtete wie Inez die Dose in einem Zug austrank. Die Typen vom Hafen waren Verlierer, und Inez war ein ganz anderes Kaliber, aber Myriam musste daran denken, wie beiläufig Inez davon gesprochen hatte, dass sie jemand die Zähne ausgeschlagen hatte, eine belläufige Gewalttätigkeit, die nur darauf wartete, herausgefordert zu werden.Anscheinend gewann bei den drei Zicken der angeborene Selbsterhaltungstrieb die Oberhand und sie machten sich ohne einen weiteren Kommentar davon. Inez kam zu ihr herüber und warf die zerdrückte Dose ins Feuer. „Was für eine Pisse“. Sie feixte, wie nach einem gelungenen Streich.„Das gibt Ärger“, bemerkte Myriam.„Und wenn schon. Den gibt’s immer.“ Sie fingen an zu lachen und machten es sich vor dem Kamin bequem.,Nachdem sie sich mit Salami und Käse vollgestopft hatte, wurde Inez gesprächige und ließ sich bereitwillig von Myriam ausfragen, während sie am Fernseher herumfummelte. „… meine Noten wurde immer schlechter, meine Eltern bekamen die übliche Abfolge von Briefen und Anrufen, und dann war auch da Schluss. Und dann kam ich in die Alpen, an der Schweizer Grenze. Da hab ich mich mit einem der älteren Mädchen angefreundet. Ich fing an Ski zu fahren und wir machten Bergtouren.“Das beantwortete Myriam zumindest teilweise die Frage, wo Inez ihre Kondition her hatte. Aber sie ließ sie weiterreden.„Ich verstand mich gut mit ihr, und auf einmal klappte es auch in der Schule besser. Das mit den schwarzen Klamotten hab ich von ihr. Vorher bin ich einfach nur schlampig herumgelaufen, weil ich keine Lust hatte mich mit meinem Aussehen zu beschäftigen.“„Tina?“, fragte Myriam aus einer Intuition heraus. Inez nickte nur kurz.„Hast du nicht trotzdem Lust, mal was Schöneres anzuziehen? Es stört dich doch nur, weil du es nicht versucht hast.“„Ist doch immer die gleiche Diskussion. Das ist eine Art Sprache. Und meistens Arroganz, Anpassung oder Angeberei und dazu noch fast immer gelogen. Dem Rest fällt nichts ein. Bildlich gesprochen. Schwarz ist Schweigen, und wenn ich etwas sagen will, kann ich das immer noch tun. Und abgesehen davon… müsste ich erstmal etwas finden, was meinen Geschmack trifft.“ „Ausreden. Aber du kannst mir ruhig deine Meinung sagen, was du von meinem Kram hältst. Das ist immer lustig. Früher oder später kriege ich raus, was dir steht. Aber sag mal, wenn es dir so gut dort gefallen hat, warum bist du dann weg?“„Du bist ganz schön neugierig, hat dir das schon mal jemand gesagt? War diesmal nicht mein Verdienst. Der Laden war nicht so groß, und als die Prinzessin weg war, fehlte wohl Geld. Sie haben Klassen aufgelöst, und dann fingen Schüler an wegzugehen. Am Ende war es nicht mehr das gleiche.“Inez sah zur Seite und atmete tief durch. Als sie weiter sprach, klang sie ungeduldig. „Das sollte doch erstmal für deine Freundinnen reichen. Noch mehr von meiner Lebensgeschichte die Post nimmt den Brief nicht mehr mit.“ Sie hatte im Fernsehen einen Western entdeckt und wandte sich ab. Myriam verstand, dass das Gespräch damit beendet war und starrte eine Weile ins Feuer. Vielleicht sollte sie tatsächlich noch mit den Briefen anfangen. Von draußen drang ein blasser Lichtschein, der sich an der Decke abzeichnete und Myriam rollte sich auf den Bauch und betrachtete die nachtfahle Welt durchs Fenster. Ein paar helle Flecke waren noch da, Fenster und Straßenlaternen, und ein letzter Rest Abenddämmerung glühte hinter den Hügeln, wo sich die dunklen Flecken von Wald scharf vom tiefblauen Himmel abhoben.Es hieß, der Himmel in Afrika leuchtete in kräftigeren Farben als hier in Frankreich.Was wäre jetzt anders, wenn sie mit ihrem Vater geflogen wäre? Sie musste zugeben, dass sie nicht mal genau wusste, was sie wollte. Angenommen, sie könnte nach Hause zurück. Was dann? Wäre es nur ein Aufschub. Warum war sie wütend auf ihren Vater? Solange sie nicht wusste, was sie wollte, war sowieso ein Ort wie der andere.Es war wie eine Vertreibung aus dem Paradies, bevor man überhaupt dazu gekommen war, den Apfel zu probieren. Myriam dachte an Inez, die sich anscheinend über eine Schießerei freute, und verschluckte das Kichern. Fürs Erste war ihr das Heimweh vergangen. Es würde noch früh genug wiederkommen. Eine Weile starrte sie die Decke an. Es gefiel ihr nicht, dass sie keine Kontrolle über die Veränderungen in ihrem Leben hatte. „Ich muss von jetzt an selbst entscheiden, was ich mit mir anstelle“, dachte sie. Dann schlief sie ein und merkte es nicht einmal.Myriam erwachte aus einem frustrierenden Alptraum, der sie auf der Suche nach jemand durch endlose schäbige Korridore, heruntergekommene Zimmer vollgestapelt mit irgendwelchem Kram, Flaschen, überquellenden Aschenbechern, Kisten. Endlos hohe Decken und Türen, die hartnäckig verschlossen blieben. Irgendwann steckte sie in einer ausweglosen Klemme und wurde wach. Für einen Moment fragte sie sich, wo sie war und wie sie überhaupt in dieses Bett gekommen war. Es war längst hell, trotzdem brauchte sie einen Moment um sicher zu sein, dass der Traum vorbei war. Unter ihr sah es auch nicht gerade nach einer erholsamen Ruhe aus: Inez lag da wie erschossen, auf dem Bauch, das Gesicht in die zusammengeknüllte Bettdecke gepresst. Ihr Kissen war irgendwann in der Nacht über Bord gegangen. Myriam rollte sich erleichtert auf den Rücken und las über Kopf die Uhrzeit von ihrem Wecker ab. Halb acht. Ihr Vater wollte ihr aus Kinshasa ein Telegramm schicken, bevor er mit Jezanne weiterflog. Es gab keine Zeitverschiebung, und vermutlich hatte er es sowieso schon gestern aufgegeben. Ob es schon da war? Eigentlich war es Schwachsinn, in den Ferien so früh aufzustehen, aber da war diese Unruhe und die Lehrerin von gestern, Beranger, hatte etwas von Frühstück versprochen, soweit sie rechtzeitig aufstehen. Was war wohl rechtzeitig. Vielleicht war das Telegramm auch schon da? Ging das überhaupt? In Filmen wurden Telegramme doch immer persönlich überbracht?Kein Grund, Inez zu wecken. Myriam kletterte leise vom Bett, suchte ihre Sachen zusammen und ging sich waschen. Für einen Moment hatte sie das Gefühl, etwas vergessen zu haben, aber sie kam mit dem Nachdenken nicht weiter, wegen der Telegrammgeschichte.Ihr Spiegelbild putzte sich inzwischen die Zähne und starrte mürrisch zurück in die gekachelte Waschraumwelt. Vielleicht hätte sie Inez doch wecken sollen? Und was für ein Umstand! Hätte ihr Vater nicht anrufen können? In Wirklichkeit machte er es sich nur einfach, so wie er die Entscheidung, von Jersey wegzuziehen einfach alleine getroffen hatte. So sparte er sich die Diskussion.In Wirklichkeit. In Wirklichkeit redeten sie nicht mehr miteinander, seit Jezanne da war.Die Lehrerin las ihre Zeitung und trank Milch mit etwas Kaffee drin, genau wie Jezanne. Sie hatte einen vollen Frühstückskorb von unten mitgebracht, die menschenfreundliche Absicht, Myriam Gesellschaft zu leisten und – kein Telegramm. Die Quittung, dass es nichts zu sagen gab.Ach Unsinn. Das war es nicht.Myriam rührte noch mehr Zucker in die schwarze Flüssigkeit und verbarg ihren Trotz unter einem aufgesetzten Lächeln. Ein Luftzug von den offenen Fenstern ließ sie frösteln.,Ihr Blick fiel auf die Tür und dann auf Inez, die plötzlich in der Tür stand, so als ob sie gerade aus dem Bett gefallen war, mit bloßen Füßen, die Mähne halb im Gesicht hängend und noch im T-Shirt von gestern, das sie jetzt nachlässig in die Jeans stopfte.Ihre Stimme klang noch verschlafen und heiser und außerdem ziemlich gereizt.„Mach nächstes Mal deinen blöden Wecker aus.“ Myriam brauchte ein paar Augenblicke, in denen sie sich dumm vorkommen konnte, und als sie dann etwas sagen wollte, kam ihr Claire mit ihrer guten Laune dazwischen.„Noch nicht ganz wach, Engelchen? Setz dich und trink einen Kaffee.“Inez ignorierte sie. Auf dem Tisch lag eine Tüte mit Croissants. Ohne groß zu fragen, steckte sie sich eins davon in den Mund, nahm sich eine Tasse und setzte sich neben Myriam, ohne sie anzusehen. Myriam fragte sich, was los war. Innerlich erwartete sie, dass Inez irgendeinen niederschmetternden Grund vorbringen würde, um sich ein eigenes Zimmer zu suchen. Oder, noch schlimmer, dass sie keinen Grund äußern würde. Nichts geschah. Die ältere Frau beobachtete Inez amüsiert. „Du scheinst dich ja schnell einzugewöhnen.“„Ich weiß, wie das läuft.“ Die hohen, schwingenden Obertöne der Stimme ließen Myriam aufsehen. Inez saß da, über den Tisch gebeugt, wie vorher Myriam, aber unter den Strähnen, die ihr ins Gesicht fielen, fixierte sie die Lehrerin. Die schien es nicht zu bemerken. Oder doch.„Mademoiselle de Villefort ist ein Grognard.“ Inez hielt die Tasse mit beiden Händen, während sie trank.„Wir sind die, die durchgekommen sind.“ Ihre Stimme war jetzt ganz sanft. „Der Kaffee ist gut.“,Die Spannung war so plötzlich weg, dass Myriam an ihren eigenen Nerven zu zweifeln anfing. Was war eigentlich los? Inez lutschte sich die letzten Krümel von den Fingern und gähnte hemmungslos und sah Myriam zu wie Myriam ihr zusah ohne sich davon stören zu lassen. Manchmal sind grüne Stellen in ihren Augen, dachte Myriam. Was sieht sie gerade? Niemals kann man sich selbst so sehen, wie andere einen sehen.Sie saß noch eine ganze Weile so da und sah aus den Fenstern, als die anderen schon aufgestanden waren....
Devious Folder

Affiliates

:icondeutschedichter::icondreamcats-dimension::iconanime-commission::iconstarwarsarts::iconruslangwriters::iconahsokatanoarts::iconacceptedallarts::iconfavoritefandoms::iconall-art-4-ever::iconcolorful-artwork::iconall-deviantarts-art::iconthe-art-universe::iconoc-tea::iconall-adopt-adoptable::iconenterthespectrum::iconoverwatch-ladies::iconart--is--love::iconadoptik:

Admins

Welcome Banner (Free To Use) by Nemoii


This group main focus is to gather all kinds of art from every country across the world.



Arrow left by Drawn-MarioAll kind of art is allowed here but everything need to be placed in the right folder.

Arrow left by Drawn-MarioThere is three division sets of folders:
  1. Continents (ex: [Africa] [Asia])
  2. NSFW (ex: [NSFW - Africa] [NSFW - Asia]).
  3. Literature (ex: [Literature - Africa] [Literature - Asia]).

Arrow left by Drawn-MarioOnly your own art can be posted in this group because you will place it in accord of the continent you are from.

Arrow left by Drawn-MarioYou can post up to 4 deviations per week.

The rules of the group can be modified according to its needs

Founder


:iconzidkon:

Deviants

Comments


Add a Comment:
 
:iconplua3dart:
plua3dart Featured By Owner Oct 5, 2020  Professional Digital Artist
Yo! Goku and Gohan here! by plua3dart Commission - Sayari and Sylveon by plua3dart Whoa... Let's do this! by plua3dart Eevee - New render and wallpaper for smartphones by plua3dart And guess who's here? by plua3dart
==================================================
Arrow Bullet (Rainbow) - F2U! COMMISSIONS: OPEN HERE (From 10 ~ 35 USD, With DISCOUNTS!)
==================================================
Instagram New Icon Intagram: HERE
:youtube: Youtube Channel: HERE
DeviantArt  Portfolio: HERE
Ko-fi (2017) Icon ultramini Ko-fi: HERE
Pokemon Mystery Dungeon- Arrow right Tutorials: HERE
Reply
:iconplua3dart:
plua3dart Featured By Owner Aug 22, 2020  Professional Digital Artist
Yo! Goku and Gohan here! by plua3dart


- 3D Digital Art -


! --- COMMISSIONS OPEN --- !

! --- FREE ART FOR ALL --- !

COMMISSIONS OPEN!INDEXSlots / Places AvailableCommission TypesRequesting Commissions and payment methodsLimitationsTerms Of Service (TOS)Delivery / Production timeQuestions and answers (FAQ)1. Slots / Places AvailableCurrently, I can offer my services to 2 people. The first to arrive will be served first. I will be giving discounts for the first two.FREE: Put your name here (8% discount)FREE: Put your name here (5% discount)This topic will be kept up to date over time. Therefore, if you are interested in knowing when spaces will be available, feel free to note me or send an email to plua3dart@gmail.com, or simply leave a comment here. As soon as a vacancy becomes available I will send you a notification.2. Commission TypesAs a 3D digital artist, I can offer different types of services to meet more specific or diverse needs. For example, like other artists, I can produce images of scenes with characters, but I can as well create 3D models to be used in games, for 3D printing, etc. You can customize your order, and get interesting discounts depending on your choice. The following table shows the services I offer, and their respective prices (I only work with US dollars).OBS 1: When I say Human, characters with any humanoid appearance are included.For the first service offered (ID 1), you will receive not only one, but many HD images (it can be 3, 5, 10, 15, but no more than 20) taken from different angles, and without adding anything to the final price. The final resolution of the image can have the desired aspect ratio (any width and height), but no greater than 4000 pixels in height or width.So, for example, if you want a scene to be created with a full-body human character, the price to be paid will only be $ 35, and you will receive several images (files) of the created scene. If you want to get the 3D files (obj, fbx, etc.) to open in a 3D program, then the amount will be added with another $ 35. In this case, you will get an 18% discount (see the discount table), and the final price will be $ 57.40 (35+35=70, 18% of 70=12.6, 70-12.6=57.40).If you want an image of a scene with some kind of background:Discounts types (for further clarification, see the Question and answers FAQ topic):If you want some kind of exclusivity when receiving the content produced by me. This type of feature is completely optional (that is, if you want me to not post anything publicly):3. Requesting Commissions and payment methodsThe process itself can be summarized in the following steps:Send me a Note, or email to plua3dart@gmail.com with the desired commission information. Please try to leave the title with the name Commission.All the work that will be done by me will take into account what is written in the Note or email content, therefore, the present content must specify exactly what will be done, and which character will be created. Ideally (as this will make my job easier), the content should contain images of references that demonstrate the result expected by you, the customer. The more references, the easier and faster I can complete your project.With the request/order sent, I must give a reply saying whether or not I accept the job. If I accept, I'll immediately send you a payment link with a invoice. Payment will be mediated through the PayPal platform, but you can pay either with a PayPal account, or just with a credit/debit card (no need for a PayPal account if you don't want to or don't have one). Please do not send me a payment, instead I will be sending you an invoice. Every day I check my email and enter my DeviantArt page. I will work with commissions as I receive them, that is, commissions with older dates will have priority to be accepted first.If you have any questions, you can add a comment here, send an email to plua3dart@gmail.com , or just send me a Note.4. LimitationsDue to current hardware limitations, I can only create scenes with a maximum of 3 to 4 creatures, or 2 to 3 full-body humans. Likewise, open world scenes, or very complex ones cannot be produced. I am planning to improve my workstation, aiming to produce better, faster, and bigger works. Also:Arts I do only for triple the price:NSFW / Sex / Porn / Nude / suggestive sexual, mature, lewd, fetish contentArts I do not do in any way:Mecha / MechRealismExtreme violenceOvercomplicated/Complex armorsOvercomplicated/Complex clothesAny idea of racial, religious, political offense or discrimination, or anything that disrespects an individual's citizenshipOBS: For items listed at triple the price (above), I will in NO way involve minors.5. Terms Of Service (TOS)Submitting a commission request means that you have read and agreed to the following:All prices listed are in USD and must be payed through PayPal. You do not necessarily need to have a PayPal account. Please do not send me payment directly, I'll send you an invoice.Full payment must be made before I start to work on your project.If you want to cancel your project after payment has been made, and before I start working on it, I can make you a 80% refund of the original amount agreed.If you want to cancel your project after payment has been made, and I have already started working on it, no refunds will be made.I undertake to exchange progress images of your project, so that you can keep track of the work being done, and that it remains as desired, described mainly in the commission request.Making changes, or adding new elements to your project that have not been requested in the original commission request, can be done with or without the need to pay an additional amount, something that will depend entirely on the complexity of what will be added / changed, as well as my schedule.I reserve the right to publicly post any artwork created by me on commission requests. Except only with the Payment for Exclusivity.I reserve the right to refuse any commission requests before they are accepted, but I undertake to provide justification.6. Delivery / Production timeThe average time for the production of any 3D model varies greatly between each case. Sometimes it may take less time, sometimes more. It does not usually take the maximum estimated time.For the values seen with the + sign in front, it will first be necessary to produce the model first, which will take the respective time to complete. Once ready, the days after the + sign will be added. For cases where a 3D model is already ready / finished / completed, and it is only required to obtain its files, this will certainly not take more than a day.7. Questions and answers (FAQ)01 - Do you only make Pokemons or Pokemon related art/commissions?No! I do any art commissions related to any anime, manga and/or cartoons (like Disney, for example). In the future I will be open to make art related to comics, like DC and Marvel and etc.For creatures, I make any type of creature, as long as it is not overly complex, just like in Pokemon series, for example.02 - Do I need to have a Paypal account to make the payment?No. Paypal is just the platform (vehicle / medium) used for money transfer. You can pay with a credit or a debit card. You can also pay with a Paypal account, if you have one, or know someone who does. It is up to you to decide.03 - Why NSFW arts, porn, etc. have triple the price? And why you do it? Look at my gallery for example, or my other social medias. The idea of my work is to produce something that can be seen by any type of person, and/or that brings joy to everyone's life. This type of content could not be displayed publicly in my gallery, and honestly, it is not something I like. However, if it returns some good financial value, I am willing to do it.04 - Why do you charge for exclusivity?Every art I post on the internet gives me some kind of feedback. To create a art and not showing it hinders my career development. As a way to compensate for this and allow exclusivity for anyone who wants to, I do charge an additional fee. I must remind you that this feature is optional, and should be of interest only to those who want to obtain some kind of exclusivity.05 - What is the difference between a simple creature and a creature?I consider simple creatures to be those who:Do not have many geometric shapesDo not have complex geometric shapesDo not have paintings, and if they do, they are not complexHave no hair, and if they do, they are very fewThis factor must be taken into account, as it creates a big difference when modeling and delivering the final result. Depending on the type of creature, I can complete it in a single day.Taking Pokemons as an example, here is a brief list of Pokemons that I consider to be simple creatures:Azurill, Oddish, Diglett, Poliwag, Bellsprout, Ditto, Igglybuff, Seedot, Trapinch, WeedleVoltorb, Luvdisc, Solosis,06 - Can I request a character with more than one outfit?Yes you can, but an additional amount will be charged, which will depend a lot on the clothes that will be made.07 - How many images will I get with the first service (ID 1), and what will each look like?In short, imagine that we create a scene, and we freeze it in time. With the scene frozen, we can take several pictures of it, and from different angles. Taking photos from different angles will not alter the value of the final price to be paid. This is one of the wonders of working with 3D art. In addition, the entire rendering process will be the same, that is, each rendering made will have the same final quality. You can request any desired number of images from the same scene, but with a limit of up to a maximum of 20.08 - If I ask for the production of a 3D background (ID 8), can I reuse it with other characters?Of course! You can reuse a 3D background in previous projects that I have done with you. In this case, I will not charge you any additional fees for using the 3D background. This type of option is very useful when you want to add more characters to the scene, or to change one that has already been present. This is another one of the wonders of the 3D world!Also, you can use 3D backgrounds from other commissions requested by other people, but in this case you will have to pay for the use of the 3D background, and the amount will remain the same.For additional questions, please leave a comment, send me a Note, or send an email to plua3dart@gmail.com . As soon as I can I will be answering you.
Some good news and the next projectINTROHey guys! I hope you all had a great week! After 4 months using DeviantArt, I was able to see and meet amazing people here. People with fantastic talents in the most diverse areas. But beyond that, I was able to meet people who believe in my work and me. I can only thank you for how important you all have been in my life. Thank you! You know, every day I’m producing something to share with you. Like any other artist, I always try to challenge myself, expose my skills, and at the same time create things that are interesting. But more than that, my main goal is to be able to bring something that brings a moment of joy, peace or inspiration. My intention is to be able to add something good, positive to everyone.A NEW PROJECTAlthough I am often out of time due to work, I would like to be able to repay a little bit of the support I receive. I’m thinking of making a new scene (like any other project that I have already put in my gallery) based on your opinion/idea.The goal is to make a kind of popular vote so that the next project that I will do is chosen by you all. Everyone can collaborate by giving an idea. If you've always wanted to see a scene with a character or something, that's your moment! This is more than ideal space to do this.In order for it to work properly without ending up in a mess, and so that the voting lasts long enough for it to be fair, I will be defining some rules:I will be putting a featured comment on this post. In this comment you can give ideas for the next project that will be done. Ideas for the next project will be accepted only if given in this featured comment.If you liked the idea given by another user/person, please leave a like in the comment for the given idea.If you want to comment something that is not an idea, make your comment out of my featured comment. If you comment on anything other than an idea in the featured comment, your comment will be deleted. Please do not take this as a rude attitude, but only as a way of keeping everything well organized.You can give as many ideas as you want! Don't be afraid to express your creativity and add ideas, as this will not be seen as spam. However, please try not to give ideas that are too similar, okay? Before giving one, try to keep in mind exactly the scene you want to see.The voting will end when I reach 200 watchers.Don't be afraid to ask a friend to vote on your idea. I even encourage you to do that.At the end, the idea comment with the most likes will be chosen for the next project.THE FINAL RESULTRegarding what can or cannot be done for the next project, I will be able to create a scene with up to a maximum of 2 characters, and a 3D scenario if desired (it can also be just one character, or no 3D background, but that is up to you). Everything must be chosen and defined by you. The position of the characters, their faces, clothes, the background with their elements, etc., all of this should be chosen by you.When the next project is chosen, during its production I will be placing here in my gallery the WIP images for everyone to follow the development, as this will not be my project, but ours. In the end, I will produce maybe not one, but some high resolution images and at different angles of the created scene. You can use them as wallpaper on your computer, on your cell phone, or as and where you want. The images will belong to everyone. The only thing I will be doing is placing my signature, but it will be put in a way that does not hinder the vision of what has been done.The characters that will be created can come from any anime, cartoons, games, Original Characters (OC), characters fusions, and so on. They just need to exist (I need images as references to work).LIMITATIONSUnfortunately, I can't do everything, so there are certain limits. If your idea is something that goes beyond my abilities or my computer's ability to render polygons, I'm sorry, but I will not consider it, even if it is good and I think it is phenomenal, or that it ends up with many votes.Additionally, I will not be producing any NSFW, pornographic, nudity, fetish, extreme violence, mecha / mech work. Likewise, I will not be able to produce anything that goes out of my art style, for example, something super realistic.MORE GOOD NEWSAnyone who has known me for some time knows that, in addition to showing my work, I also offer courses, tutorials, and videos (on my Youtube channel and in my gallery), all for those who are curious or interested in working with 3D digital art. I not only expose my art, but I also show the step by step.A great news for anyone who wants to obtain any of my materials is that the prices of my online store on Gumroad are all being revised, and will drop dramatically, offering much more access. My 3D Fanart Production Course, for example, had its price cut in half (Misty's, remember?). Other previous contents has been removed to be redesigned with new prices, and will be re added shortly. In addition, my future projects will also be in my store following the same price line, always in a more accessible way.Another interesting news is that my Commissions Page has been updated. Now it is a little more organized and less bureaucratic, without 2 types of optional charges. In addition, the commission delivery estimate is also slightly faster, providing greater satisfaction for those who want to get their orders faster.Before today ends (22, August, 2020) or, at the latest tomorrow (23, August, 2020), I will be posting new content! You will find news here on my DeviantArt page, on my Instagram, on my Ko-fi, on my Gumroad page, and on my Youtube channel.I'm very happy to be able to bring you new and interesting content. I wish you all a great weekend, and may all the best happen in your life. Thank you!...
Reply
:iconhonkhonk233:
honkhonk233 Featured By Owner Aug 17, 2020   Digital Artist
Auction open!!!
Adopt#12(OPEN) by honkhonk233
Reply
:iconplua3dart:
plua3dart Featured By Owner Jul 21, 2020  Professional Digital Artist
Gallery: HERE
Instagram: HERE
Youtube: HERE
Commission - Max's Gift by plua3dart  
Reply
:iconplua3dart:
plua3dart Featured By Owner Jul 13, 2020  Professional Digital Artist
!--   COMMISSIONS OPEN    --!
10% DISCOUNT
Want some character you love made in 3D with the style shown below? Please, I'm here to serve you.

COMMISSIONS OPEN!INDEXCommission TypesRequesting Commissions and payment methodsLimitationsTerms Of Service (TOS)Delivery / Production timeSlots / Places AvailableQuestions and answers (FAQ)1. Commission TypesAs a 3D digital artist, I can offer different types of services to meet more specific or diverse needs. For example, like other artists, I can produce images of scenes with characters, but I can as well create 3D models to be used in games, for 3D printing, etc. You can customize your order, and get interesting discounts depending on your choice. The following table shows the services I offer, and their respective prices (I only work with US dollars).OBS 1: When I say Human, characters with any humanoid appearance are included.For the first service offered (ID 1), you will receive not only one, but many HD images (it can be 3, 5, 10, 15, but no more than 20) taken from different angles, and without adding anything to the final price. The final resolution of the image can have the desired aspect ratio (any width and height), but no greater than 4000 pixels in height or width.So, for example, if you want a scene to be created with a full-body human character, the price to be paid will only be $ 35, and you will receive several images (files) of the created scene. If you want to get the 3D files (obj, fbx, etc.) to open in a 3D program, then the amount will be added with another $ 35. In this case, you will get an 18% discount (see the discount table), and the final price will be $ 57.40 (35+35=70, 18% of 70=12.6, 70-12.6=57.40).If you want an image of a scene with some kind of background:Discounts types (for further clarification, see the Question and answers FAQ topic):If you want some kind of exclusivity when receiving the content produced by me. This type of feature is completely optional (that is, if you want me to not post anything publicly):In case I have to research and create an idea from scratch for scenes and models. This type of feature is completely optional (for further clarification, see the Question and answers FAQ topic):If you want your original character to be produced (for further clarification, see the Question and answers FAQ topic):2. Requesting Commissions and payment methodsThe process itself can be summarized in the following steps:Send me a Note, or email to plua3dart@gmail.com with the desired commission information. Please try to leave the title with the name Commission.All the work that will be done by me will take into account what is written in the Note or email content, therefore, the present content must specify exactly what will be done, and which character will be created. Ideally (as this will make my job easier), the content should contain images of references that demonstrate the result expected by you, the customer. The more references, the easier and faster I can complete your project.With the request/order sent, I must give a reply saying whether or not I accept the job. If I accept, I'll immediately send you a payment link with a invoice. Payment will be mediated through the PayPal platform, but you can pay either with a PayPal account, or just with a credit card (no need for a PayPal account if you don't want to). Please do not send me a payment, instead I will be sending you an invoice. Every day I check my email and enter my DeviantArt page. I will work with commissions as I receive them, that is, commissions with older dates will have priority to be accepted first.If you have any questions, you can add a comment here, send an email to plua3dart@gmail.com , or just send me a Note.3. LimitationsDue to current hardware limitations, I can only create scenes with a maximum of 3 to 4 creatures, or 2 to 3 full-body humans. Likewise, open world scenes, or very complex ones cannot be produced. I am planning to improve my workstation, aiming to produce better, faster, and bigger works. Also:Arts I do only for triple the price:NSFW / Sex / Porn / Nude / suggestive sexual, mature, lewd, fetish contentArts I do not do in any way:Mecha / MechRealismExtreme violenceOvercomplicated/Complex armorsOvercomplicated/Complex clothesAny idea of racial, religious, political offense or discrimination, or anything that disrespects an individual's citizenshipOBS: For items listed at triple the price (above), I will in NO way involve minors.4. Terms Of Service (TOS)Submitting a commission request means that you have read and agreed to the following:All prices listed are in USD and must be payed through PayPal. You do not necessarily need to have a PayPal account. Please do not send me payment directly, I'll send you an invoice.Full payment must be made before I start to work on your project.If you want to cancel your project after payment has been made, and before I start working on it, I can make you a 80% refund of the original amount agreed.If you want to cancel your project after payment has been made, and I have already started working on it, no refunds will be made.I undertake to exchange progress images of your project, so that you can keep track of the work being done, and that it remains as desired, described mainly in the commission request.Making changes, or adding new elements to your project that have not been requested in the original commission request, can be done with or without the need to pay an additional amount, something that will depend entirely on the complexity of what will be added / changed, as well as my schedule.I reserve the right to publicly post any artwork created by me on commission requests. Except only with the Payment for Exclusivity.I reserve the right to refuse any commission requests before they are accepted, but I undertake to provide justification.5. Delivery / Production timeThe average time for the production of any 3D model varies greatly between each case. Sometimes it may take less time, sometimes more. It does not usually take the maximum estimated time.For the values seen with the + sign in front, it will first be necessary to produce the model first, which will take the respective time to complete. Once ready, the days after the + sign will be added. For cases where a 3D model is already ready / finished / completed, and it is only required to obtain its files, this will certainly not take more than a day.6. Slots / Places AvailableCurrently, I can offer my services to 2 people. The first to arrive will be served first. I will be giving discounts for the first two.SmartHearth003Empty: Put your name here (10% discount)This topic will be kept up to date over time. Therefore, if you are interested in knowing when spaces will be available, feel free to send an email to plua3dart@gmail.com or Note me , or simply leave a comment here. As soon as a vacancy becomes available I will send you a notification.7. Questions and answers (FAQ)001 - Do you only make Pokemons or Pokemon related art/commissions?No! I do any art commissions related to any anime, manga and/or cartoons (like Disney, for example). In the future I will be open to make art related to comics, like DC and Marvel and etc.For creatures, I make any type of creature, as long as it is not overly complex, just like in Pokemon series, for example.002 - Why NSFW arts, porn, etc. have triple the price? And why you do it? Look at my gallery for example, or my other social medias. The idea of my work is to produce something that can be seen by any type of person, and/or that brings joy to everyone's life. This type of content could not be displayed publicly in my gallery, and honestly, it is not something I like. However, if it returns some good financial value, I am willing to do it.003 - Why do you charge extra for the creative part on scenes?This type of addition is only given if you want me to invent/create a situation or a scene for a character. Like: Pikachu sitting and eating a Cupcake. If you already have an idea of how you would like your character to be, what would you like him/she/it to be doing, in which pose, or want him/she/it to be still, stationary, or doing nothing, I will not charge you for anything.004 - Why do you charge extra for original characters?The reason is quite simple. A character known worldwide attracts a lot more audience than a character that only you know. Consequently, whether we like it or not, it impacts my work.005 - Why do you charge for exclusivity?Every art I post on the internet gives me some kind of feedback. To create a art and not showing it hinders my career development. As a way to compensate for this and allow exclusivity for anyone who wants to, I do charge an additional fee. I must remind you that this feature is optional, and should be of interest only to those who want to obtain some kind of exclusivity.006 - What is the difference between a simple creature and a creature?I consider simple creatures to be those who:Do not have many geometric shapesDo not have complex geometric shapesDo not have paintings, and if they do, they are not complexHave no hair, and if they do, they are very fewThis factor must be taken into account, as it creates a big difference when modeling and delivering the final result. Depending on the type of creature, I can complete it in a single day.Taking Pokemons as an example, here is a brief list of Pokemons that I consider to be simple creatures:Azurill, Oddish, Diglett, Poliwag, Bellsprout, Ditto, Igglybuff, Seedot, Trapinch, WeedleVoltorb, Luvdisc, Solosis,007 - Can I request a character with more than one outfit?Yes you can, but an additional amount will be charged, which will depend a lot on the clothes that will be made.008 - How many images will I get with the first service (ID 1), and what will each look like?In short, imagine that we create a scene, and we freeze it in time. With the scene frozen, we can take several pictures of it, and from different angles. Taking photos from different angles will not alter the value of the final price to be paid. This is one of the wonders of working with 3D art. In addition, the entire rendering process will be the same, that is, each rendering made will have the same final quality. You can request any desired number of images from the same scene, but with a limit of up to a maximum of 20.009 - If I ask for the production of a 3D background (ID 8), can I reuse it with other characters?Of course! You can reuse a 3D background in previous projects that I have done with you. In this case, I will not charge you any additional fees for using the 3D background. This type of option is very useful when you want to add more characters to the scene, or to change one that has already been present. This is another one of the wonders of the 3D world!Also, you can use 3D backgrounds from other commissions requested by other people, but in this case you will have to pay for the use of the 3D background, and the amount will remain the same.For additional questions, please leave a comment, send me a Note, or send an email to plua3dart@gmail.com . As soon as I can I will be answering you. Bankai! by plua3dart   And guess who's here? by plua3dart I wanna take you for a ride! by plua3dart   With love to you! Female Mewtwo! by plua3dart  
Reply
:iconsdois:
Sdois Featured By Owner Dec 21, 2019  Hobbyist Digital Artist
Reply
:iconlass1e:
Lass1e Featured By Owner Dec 7, 2019  Hobbyist Digital Artist
Check out me and my girlfriend's cheap point commissions!

Long Girl by Lass1e   Defying Gravity by Lass1e   I Guess It All Depends On Your Point Of View by Lass1e  

Apoc Lass Icon by SquishSquishCult Eryn Pagedoll by SquishSquishCult
Reply
:icondiggershrew:
DiggerShrew Featured By Owner Jul 18, 2019  Hobbyist Traditional Artist
Reply
:iconsailorbomber:
SailorBomber Featured By Owner Nov 20, 2018  Hobbyist Digital Artist
Thanks for the invitation n.n
Reply
:iconbears-3d-forge:
Bears-3D-Forge Featured By Owner Nov 20, 2018  Hobbyist Digital Artist
thanks for the invite yah, i will contribute often when i can
Reply
Add a Comment: