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C-Sharp - Der Zeilenkoenig

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September 26, 2020
C-Sharp - Der Zeilenkoenig by SparkleFuchs
Suggested by Flammenfeder
SparkleFuchs's avatar
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Literature Text

Wer sitzt so spät vorm Bildschirm und schreit?

Es ist der Programmierer, mit seinem Leid.

Sein Kopf ist weich, der Abend aber noch lang.

Auf Fehler folgt Fehler, doch er tut, was er kann.


“Mein Code, mein Code, jetzt tu doch deine Pflicht!”

Ich mach doch, was deiner Anweisung entspricht!

Der Compiler, er führt keine Diskussion.

Wie wäre es mit etwas mehr Präzision?


“Du lieber Code, bitte, mach es für mich!”

Gar schöne Exceptions habe ich für dich.

Lustige Zeilen in einer Message Box,

ist das für dich nicht schon paradox?


“Mein Code, mein Code, warum quälst du mich?”

Siehst du etwa deinen Breakpoint nicht?

Trink ein Schluck und ich zeige dir,

was dem Compiler missfällt, glaube mir!


Das Statement ist ganz ohne Fehler,

doch was willst du mit diesem Zähler?

“public class” bist du dir da sicher?

Wäre “private” da nicht heimlicher?


“Mein Code, mein Code, was ist mit dem Switch.

Ist er verantwortlich für diesen Glitch?”

Diese Methode ist nicht ganz rund,

ein Fehler im “case” ist vermutlich der Grund!


Die Klasse, sie macht nicht, was sie soll…

Ich weiß, ist das nicht toll?

Ein String-Array sie erwartet,

mit einem Integer sie aber gestartet!


Dem Programmierer graust’s, er schreibt geschwind,

doch der Ausgang, der ist unbestimmt.

“Nun reicht’s mir aber, du landest im Korb,

und dann bist du endlich für immer fort!”

Es ist doch immer wieder dasselbe... Man hat nicht genug Zeit, um das Programm zu vollenden und dann läuft gänzlich alles schief.
Dieses Gedicht ist auf Basis des Erlkönigs von Johann Wolfgang von Goethe (1782) entstanden, während ich für die Klausur (Im Fach Anwendungsentwicklung) gelernt habe. Dabei dienten sowohl uralte sowie recht neue Erfahrungen als Grundlage. Wobei aus Gründen der Gedichtform, manches etwas verändert werden musste...
Jemand, der zumindest etwas Ahnung vom Thema hat, wird wohl so einiges wiedererkennen.

~Für alle Programmierer und Programmiererinnen, und die leiden, die Zeitdruck so mit sich bringt.



*"Erlkönig des 21. Jahrhunderts" oder auch "Die Leiden des Programmierers"




Begriffserklärungen:

Hier befindet sich der Versuch bestimmte Begriffe für Leihen möglichst einfach greifbar zu machen...


Code: Quelltext; Programm als Text
Compiler: Programm, welches die den Quellcode in Maschinensprache übersetzt. Der Compiler benötigt eindeutige Anweisungen.
Breakpoint: Punkt im Quellcode, an dem das debuggen gestartet wird.
debuggen: Programm wird Schritt für Schritt ausgeführt, sodass Menschen folgen können.
Statement: Aussage/Bedingung/Äußerung; z.B. (Ist 1 größer 7?) oder "tue Folgendes...
"public": uneingeschränkter Zugriff
"private": eingeschränkter Zugriff
Switch: "übersichtlichere" Form von "Wenn das, dann tue das..."
"case": Ein Fall vom Switch
string: Text
integer: Ganze Zahl
Array: "Sammlung" mehrerer Variablen des gleichen Typs.
Datentyp: z.B. string oder integer
Klasse: Sammlung von Methoden und Eigenschaften für einen bestimmten Zweck.

© 2020 - 2022 SparkleFuchs
Comments30
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DuchesseOfDusk's avatar

Hier jetzt nochmals eine ausführliche Rückmeldung zu deinem Gedicht. Ich finde es ja immer wieder toll, deine Verse zu lesen. Ich habe zwar nicht super viel Programmiererfahrung, aber ich erkenne doch vieles wieder. In der ersten Strophe finde ich vor allem das Bild „Sein Kopf ist weich“ sehr schön anschaulich. Ja, so fühlt es sich manchmal an, wenn man zu lange vorm Code gesessen hat und es irgendwie nicht so richtig klappen will.

Tja, da war bei den vielen Exceptions wohl noch nicht die richtige dabei. Sonst würde der Code die ja beim Ausführen werfen anstatt des Fehlers. Wenn das Debuggen nicht funktioniert ist es auch ganz schön gemein. Dann weiß man gar nicht, wo das Programm gerade ist und was gerade schief läuft. Sehr ärgerlich. Tja, „public“ und „private“ sollte man besser auch nicht verwechseln. Und wenn im „case“ für den „switch“ was nicht richtig drin steht, läuft es dann für den entsprechenden Fall auch nicht, oder tut eben irgendwas Komisches. Lachen musste ich vor allem als es heißt „Die Klasse macht nicht was sie soll. Ist das nicht toll?“ Das ist so schön ironisch *lol*

Na, am Ende hat der Programmierer ja immerhin einige Sachen in seinem Code gefunden. Zumindest verstehe ich das Gedicht so, dass er die Fehler auch findet und beheben kann, die in den verschiedenen Strophen erwähnt werden. Daher finde ich es schade, dass er den Code am Ende wegwirft, anstatt ihn zu verbessern oder frustriert den PC zu verlassen und es am nächsten Tag nochmals zu versuchen.

Insgesamt ist dir hier ein wirklich amüsantes Gedicht voller anschaulicher Beispiele gelungen, was beim Programmieren so schief laufen kann. Und jetzt muss ich irgendwie wieder an mein Python-Projekt denken, was schon seit 6 Monaten rumliegt …


This critique brought to you by The Jolly Old Roger, Merry Critmas!