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SimonStardust666's avatar
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»Es ist also wieder so weit, hm?«
 Wie nebenbei fuhr ich mit den Fingern durch das schüttere, ehemals grüne Haar des Pflanzenaliens, dann ließ ich mich neben ihn fallen.
 »Eigentlich wäre ich schon seit drei Wochen in Hiberstase«, brummte er und zog die Decke enger um seine Schultern.
 »Hah... wem sagst du das?«, ich steckte mir eine Zigarette an, »Da, wo ich herkomme, feiert man heute Advent. Man sitzt bei Kerzenschein zusammen und isst Süßes, ließt sich Geschichten vor, singt Weihnachtslieder...«
 »Singt?«
 Zorro warf mir einen misstrauischen Seitenblick zu.
 »Ist doch eh egal. Wir sitzen hier fest.«
 Ich zuckte die Schultern, dann zupfte ich an Zorros Decke, um ihm zu verstehen zu geben, dass ich mit darunter wollte. Ein nicht allzu begeistertes Brummen folgte, aber ich bekam meinen Willen.
 »Wie lange braucht Frankie noch? Hat er was gesagt?«
 »Nö. Unverändert. Ohne Sprit kommen wir hier so schnell nicht weg.«
 »Weil wir den Mondkäfer nicht erwischt haben.«
 »Nein«, schnaubte ich und sah Zorro tadelnd an, »Weil Ruffy so dumm war, das Mistvieh bis in unzivilisierte Gefilde zu verfolgen.«
 Unsere Blicke kreuzten sich; voll konkurrierender und streitlustiger Energien wie eh und je.
 Im nächsten Moment aber besannen wir uns eines Besseren und wandten uns seufzend voneinander ab. Wenn man so lange wie wir im Weltall an Ort und Stelle festhing, verlor jeder Streit seinen Sinn.
 Lieber lehnte ich meinen Kopf an Zorros Schulter, genoss meine Zigarette und blickte durch die Kuppel des Aussichtspostens hinaus ins Sternenmeer. Momente wie dieser waren selten – Momente, in denen mir bewusst wurde, wie unwichtig ein jeder von uns für das Universum doch war, während wir einander hingegen die Welt bedeuteten. Wir konnten nicht ohne einander. Keiner von uns. Um als Piraten im All zu überleben, brauchten wir die Stärke und den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft.
 Ganz besonders aber brauchte ich den (zumindest in den Sommermonaten) grünen Idioten neben mir.
 »Was glaubst du?«, fragte ich ihn, »Von welchem dieser Sonnensysteme da draußen kommst du?«
 Er antwortete nicht gleich, sondern schwieg nachdenklich. Schließlich aber streckte er einen Arm unter der Decke hervor und deutete auf einen orange schimmernden Sternennebel im vierten Quadranten.
 »Irgendwo aus der Galaxie da«, brummte er, während ich überrascht zu den so fern daliegenden Sonnen hinaufstarrte. Ich hatte nicht wirklich eine Antwort auf diese Frage erwartet. Schon gar nicht von jemandem, der sich auf einem schnurgeraden Gang verlaufen konnte.
 »Wie kannst du dir so sicher sein?«, hakte ich vorsichtshalber nach.
 »Na, sie sieht aus wie ein Frosch. Daran kann ich mir das merken«, er zog seine Hand zurück unter die Decke, »Und du?«
 »Was?«
 »Wo kommst du her?«
 Ein halb belustigtes, halb bedauerndes Schnauben war alles, was ich daraufhin von mir gab.
 »Dann halt nicht!«, regte Zorro sich gleich wieder auf, »Aber mir gerade noch erzählen, dass die da heute Süßes essen!«
 »Dort, wo ich aufgewachsen bin, ja«, erklärte ich beschwichtigend, »Ich bin den Leuten, die sich meine Eltern nennen, von irgendwelchen Aliens vor die Tür gelegt worden. Mehr weiß ich nicht.«
 Ich paffte eine Rauchwolke, während Zorro mich unerwartet durchdringend ansah.
 »Du weißt nicht, wer deine Familie ist?«
 Er schien schockiert.
 Da begann ich zu lächeln, sah noch einmal zum Sternenmeer auf und anschließend direkt in Zorros dunkle Augen.
 »Ihr seid meine Familie, Marimo«, sagte ich mit leiser Stimme, »Du bist meine Familie.«
 Zorro antwortete nicht. Er bewegte sich nicht einmal. Einzig sein Blick ruhte weiterhin auf mir.
 Dann plötzlich umfasste mich ein sehniger Arm, der mich mit sanfter Gewalt zu Zorro in eine liegende Position zog. Ich schmunzelte in mich hinein, nahm mit einer Hand die Zigarette aus dem Mund und vergrub die andere in dem, was nach Winterbeginn von Zorros Haar noch übrig war.
 Der Kuss, der folgte, war kurz, aber er bedeutete mir umso mehr, weil er von Zorro ausging. Seine Rasse kannte diese Art des Liebesbeweises nicht und so hatte ich ihm Wochen zuvor erst erklären müssen, was ich von ihm wollte. Offensichtlich mit Erfolg.
 »Ich bin gerne deine Familie«, brummte er.
 Was ich meinerseits damit beantwortete, dass ich noch einmal an meiner Zigarette zog und dann Zorro fester an mich drückte.
 Arm in Arm lagen wir schließlich da und sahen durch die Kuppel weiter zu den Sternen auf. Normalerweise schenkte ich ihnen keine Beachtung; sie waren für einen Space-Piraten völlig gewöhnlicher Alltag. Gerade eben jedoch war ich ihnen dankbar. Dankbar dafür, dass sie in exakt jener günstigen Konstellation zueinander standen, die es Zorro und mir erst möglich gemacht hatte, aufeinanderzutreffen, uns hassen und letztendlich auch lieben zu lernen.
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