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2080

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Draußen liegen deine Überlebenschancen bei fünfzig Prozent. Zu zweit alleine draußen halbieren sie sich ein weiteres Mal. Und zu zweit alleine draußen mit nur einem intakten Luftfilterschildgenerator wäre es klug, schon einmal dein Testament zu verfassen. Gesetz dem Fall, dass du überhaupt etwas besitzt, das es wert wäre, vererbt zu werden.
 Dunkel lag die Nacht über der Ebene tief unter uns. Sie verschluckte alles wie ein endlos schwarzes Loch, welches nicht einmal von Sternen erhellt wurde. Wie auch? Unser Himmel war stets verhangen von einer grauen Smogschicht, welche die Atmosphäre vergiftete und einen Menschen binnen Stunden getötet hätte. Wenn nicht kluge Köpfe die Generatoren erfunden hätten.
 »2080«, knurrte ich meinen verbliebenen Kameraden an, »Du kannst pennen gehen. Ich übernehme die erste Wachschicht. Nachher wecke ich dich.«
 Ohne den überraschten Blick, der daraufhin folgte, zu erwidern, stocherte ich in unserem sorgfältig errichteten Lagerfeuer herum. Die Nächte in den Bergen waren kalt. Daher hatte ich genauestens berechnet, wie viel Brennmaterial wir benötigen würden, bis die sengende Sonne aufging, wir unser Lager abbrechen und durch das glühende Geröll weiterziehen konnten.
 »Sollte nicht jemand die Umgebung absuchen?«, kam da der wahnwitzige Vorschlag von 2080, »Vielleicht gibt es noch andere Überlebende wie uns...«
 »Zu gefährlich«, schnitt ich ihm das Wort ab.
 »Aber Offizier 1307 hat gesagt...«
 »Er ist tot!«, fuhr ich 2080 an, »Wann geht das in deinen Schädel rein? Er ist tot! Exakt wegen solcher Leichtsinnigkeiten!«
 Ich schob die Glut auf einen Haufen. Es war wichtig, dass sie beisammen blieb.
 »Die anderen...«
 »Könnten auch tot sein, nach allem, was wir wissen!«
 Ich wandte mich 2080 zu, um ihm mit einem einzigen Blick voller Nachdruck zu verstehen zu geben, dass das hier kein Spaziergang war, sondern eine Notsituation.
 Stur starrten die dunkelgrünen Augen mir gegenüber zurück. Ich würde diese Leichtsinnigkeit und Abenteuerlust wohl nie verstehen. Dank jener waren wir jedenfalls nicht als potentiell einzige noch am Leben.
 »Wenn sie nicht schon tot sind, dann verdammst DU sie gerade zum Sterben!«, warf 2080 mir vor, »Niemals überleben die die Kälte! Und ohne Generator kriegt keiner ein Feuer zustande!«
 »Der Generator umfasst fünf Quadratmeter! Fünf! Hast du überhaupt eine Ahnung davon, wie froh wir sein können, dass das Zelt hier reinpasst? … Was hast du vor?«
 2080 war aufgestanden. Jetzt bückte er sich nach seinem Helm und war drauf und dran, ihn aufzusetzen und an seinem Außeneinsatzanzug zu befestigen.
 »Deine Herrschsucht und Besserwisserei tu ich mir nicht länger an!«, knurrte er, »Ich gehe nach Überlebenden suchen! Ob es dir passt oder nicht! Wie kannst du bloß beim Militär sein und null an deine Kameraden denken?«
 Diese Worte brachten das Fass zum Überlaufen. Ich pfefferte meinen Stock bei Seite und war schneller auf zwei Beinen, als ein wütender Felsenwurm aus seinem Loch hervorspringen konnte.
 »Ich denke nicht an meine Kameraden, eh?«, zornig packte ich 2080 am Kragen, »Du bist doch der dümmste Idiot, der mir je untergekommen ist!«
 »Ach ja? Bin ich das? An wen denkst du denn schon?«
 Wuchtiger als nötig trafen mich zwei Hände an der Brust und ließen mich mit einem Keuchen zurückweichen. Ganz bestimmt würde ich das so nicht auf mir sitzen lassen.
 »An dich, du Arsch!«, ich holte aus, »Ich hab dir dein beschissenes Leben vor der durchgedrehten Erunt-Herde gerettet!«
 Blut spritzte auf, als ich 2080 mit einem gezielten Faustschlag die Nase brach. Dann stand ich heftig atmend und mit vorgeschobenem Unterkiefer da und stierte ihn an.
 Zunächst reagierte er nicht, fassungslos darüber, dass ich ihn geschlagen hatte. Schließlich aber brachte er ein einziges geflüstertes Wort hervor.
 »Arin...«
 Er hob eine Hand zu seiner Nase, betrachtete das Blut, das daran hängen blieb, und wischte sie anschließend geistesabwesend in seine Hose.
 »Nenn mich nicht so«, brummte ich, »Halt lieber still.«
 Ich packte ihn erneut am Kragen – vielleicht etwas sanfter als zuvor – und tupfte mit einem zerfetzten Tuch aus meiner Tasche das Blut fort.
 »Glaub mir, für mich alleine zu sorgen, wäre um einiges einfacher gewesen. Ich hätte nicht riskieren müssen, dass ein einziger Generator nicht ausreichen könnte. Für zwei zu jagen wäre mir auch erspart geblieben.«
 Fachmännisch begutachtete ich das Gesicht vor mir, befand es für sauber genug und steckte mein Tuch wieder ein. Danach fügte ich an: »Jetzt nimm mir wenigstens die Last ab, auch für zwei denken zu müssen, verflucht noch eins.«
 »Ich...«, Worte des Danks schienen ihm nur schwer über die Lippen zu gehen, »...aye, Arin.«
 »2081!«
 »Vergiss es!«
 Er grinste und war von einem Moment zum nächsten derselbe vorlaute Kerl, mit dem ich mir tagein, tagaus ein Zimmer teilte. Er ließ sich neben das Feuer auf den Boden fallen, dann sah er mich von unten her verschmitzt an.
 »Geh du schon schlafen. Ich pass auf.«
 »Ich hatte vorhin doch gesagt...«
 »Du hast Schlaf nötiger als ich. Also gehst du.«
 Dagegen wusste ich nicht einmal mehr etwas einzuwenden.
 »Gute Nacht«, brummte ich leise, bevor ich ins Zelt verschwand, »Und gib Bescheid, sollte dir etwas Ungewöhnliches auffallen.«
 Ich glaubte, irgendeine geblödelte Antwort zu vernehmen. Doch die reichte allemal. Denn selbst, wenn ich es wahrscheinlich nie vor ihm zugeben würde, so wusste ich dennoch, dass auf ihn Verlass war. Auf Nummer 2080.
 Meine 2080, um genau zu sein.
 »Solemn...«
 Kaum hörbar sagte ich seinen Namen in das Dunkel des Zeltes hinein. Vielleicht konnte ich für ihn demnächst eine Ausnahme machen...
Oneshot mit Arin und Solemn, OCs meiner Schwester :iconmichaelsilverleaf:
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