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Was bleibt.

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By Lodrice   |   Watch
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Published: May 19, 2018
Was bleibt am Ende stehen.

Dessen was Dein gewesen ist,
Dessen was Du geschaffen geglaubt hast,
Dessen deine Taten gar frei von Dir waren und bleiben,
obwohl du doch gar nicht bist.

Zu glauben es wäre Bedeutung in dem, was am Ende noch steht,
obwohl doch zeitgleich du nicht mehr bist als die Gesamtheit dessen,
was mit Dir untergeht.

Wunder dich nicht.
© 2018 - 2020 Lodrice
Comments12
anonymous's avatar
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MachaetFafnir's avatar
MachaetFafnirProfessional Traditional Artist
Fafnir: Düster und melancholisch. Mag ich sehr. Erinnert stark - wenngleich in abgewandelter Form und auch nur aus meiner Sicht - an ein Zitat des Mammons aus Hugo von Hoffmannsthals "Jedermann", als er über das Geld gesagt hat "war dir nur geliehen auf ird´sche Täg´" und später "zur Grube fährst du nackt und bloß, so wie du kamst aus Mutters Schoß"
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LodriceStudent Digital Artist
Mag einen düsteren Eindruck erwecken, ist für mich aber auch eine Form der Erleichterung. Die Befreiung von nicht zu fassender Bedeutung. Die Ablehnung aller über den Verstand hinausreichenden Dinge, die Konzentration auf das tatsächlich Fassbare, so wenig es auch sein mag. Gleichzeitig, dieses Wenige nicht künstlich durch zweifelhafte Bedeutung überhöhen, sondern als das zu akzeptieren, was es ist.
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MachaetFafnirProfessional Traditional Artist
Fafnir: Dem stimme ich zu
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FlammenfederHobbyist Writer
Huch, sehr nihilistische Worte. Grundsätzlich nicht ganz meine Weltanschauung, aber ich mag besonders den Satz: "obwohl doch zeitgleich du nicht mehr bist als die Gesamtheit dessen, / was mit Dir untergeht"

Allerdings verstehe ich die Logik von diesen Versen nicht ganz: "
Dessen deine Taten gar frei von Dir waren und bleiben, / obwohl du doch gar nicht bist."
Weshalb 'obwohl'? Es scheint logisch zu sein, dass Taten von einem frei bleiben, wenn man nicht ist, daher scheint das 'obwohl' an dieser Stelle nicht wirklich Sinn zu ergeben.
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MachaetFafnirProfessional Traditional Artist
Fafnir: Sorry wenn ich aufdringlich erscheine^^;

Ich deute den Vers "Dessen deine Taten gar frei von Dir waren und bleiben, / obwohl du doch gar nicht bist." so: Taten können auch für sich stehen, auch ohne Bezug zu der Person, die sie vollbracht hat. Das gilt auch für Kunst, Bauwerke oder andere Dinge, die Menschen geschaffen haben. Sie verbleiben, auch wenn die Schöpfer schon lange nicht mehr sind. Aber irgendwann werden auch ihre Schöpfungen vergehen. - Das ist meine Meinung dazu.;)
Flammenfeder's avatar
FlammenfederHobbyist Writer
Ist okay, ist doch gut, wenn über die Texte geredet wird xD

Heh, jah gut, das könnten sie wohl, aber unsere Gesellschaft legt dann eindeutig zu viel Wert darauf, diesen Bezug zwischen dem Werk und dem Schöpfer aufrecht zu erhalten. Was ja nichts Schlechtes sein muss.
MachaetFafnir's avatar
MachaetFafnirProfessional Traditional Artist
Fafnir: Stimmt^^
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LodriceStudent Digital Artist
Das Gegenteil ist der Fall. Ich verneine die Notwendigkeit einer höheren Bedeutung, eines über das Leben hinausgehenden Grundes. Ich verneine die Bedeutung des Besitzes, des Schaffens und der Tat an sich, den sinnlosen Glauben an das Ego, die verzweifelte Selbstüberhöhung der eigenen Existenz. Denn diese führt zu Schmerz, wann immer sie mit der gleichgültigen Realität kollidiert, wann immer der unüberbrückbare Abstand offenbar wird. Jedoch, das Leben im Bewusstsein dieses einen unumstößlichen Faktes, der so einfach ausgesprochen und so schwer zu empfinden ist, lässt bescheiden werden, lässt dankbar werden, lässt ruhig werden, lässt Leid verhindern. Daher empfinde ich diese Worte nicht als nihilistisch sondern im Gegenteil, als zutiefst dem reinen Leben zugewandt, ohne sinnlose und schmerzhafte Illusionen.
In dem Kontext liest sich der Vers "...obwohl du doch gar nicht bist" gleich anders, findest du nicht?
Flammenfeder's avatar
FlammenfederHobbyist Writer
Okay, den 'obwohl' Satz kann ich mit der Erklärung jetzt nachvollziehen. 
Das Gedicht an sich kann ich allerdings noch immer nicht in dem von dir intendierten Sinne lesen. Ich empfinde es als relativ mühsam, die hier genannte Bedeutung in die Worte zu bringen. Mir scheinen sie dafür nicht stark genug zu sein. 
Vielleicht liegt es daran, dass so viel Gewicht in die Botschaft 'es wird nichts von dir bleiben' gelegt wird. Mir fehlt dazu das 'und das ist okay'. Insbesondere das 'Wunder dich nicht' am Ende klingt wie eine Drohung, ein kommendes 'ich habs dir doch gleich gesagt', stattdessen hättest du hier eben in die Richtung dieser 'es ist in Ordnung so' Botschaft gehen können, indem du z.B. schreibst 'Quäle dich nicht' oder 'Sorge dich nicht'. 
Lodrice's avatar
LodriceStudent Digital Artist
Ich glaube, ich verstehe dein Problem. Es liest sich sehr negativ, der positive Teil kann lediglich imliziert zwischen den Worten gelesen werden - wenn man das möchte. Andernfalls bleibt nicht viel mehr als: das Leben ist bedeutungslos, nichts bleibt von dir zurück.
Flammenfeder's avatar
FlammenfederHobbyist Writer
Mh, jah, vielleicht liest du das zwischen den Zeilen, aber das ist eben genau die Gefahr, der man sich als Autor gegenüber sieht: Es ist egal, was die eigene Intention war, wenn der Leser sie im Text nicht wiederfindet, ist grundsätzlich nicht der Leser zu doof sondern der Text nicht deutlich genug^^'
Ich weiss ja nicht, wie weitere Rückmeldungen aussehen würden, vielleicht bin ich ja auch wirklich ein Einzelfall.
Lodrice's avatar
LodriceStudent Digital Artist
Das schöne ist ja, es spielt keine Rolle. Und wenn jeder etwas anderes aus dem Text liest, dann bin ich damit auch zufrieden. Danke zumindest für dein Feedback!
anonymous's avatar
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