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Aufbruch zu Neuen Gestaden (K1: Tischgespraeche)

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Montag, 18.7.2377

Ein tiefes Dröhnen durchfuhr das Quartier des Interstellaren Händlers Boe. Dieser erwachte vom Ge-räusch, welches seit seiner Ankunft auf Starbase K-8 vor 15 Jahren jeden Morgen die Decks 17E-18B belebte. Anfangs hatte der Bolianer den Laut, welcher aufgrund hydraulischer Routine-Einstellungen täglich entstand, nicht ausstehen können, doch mit der Zeit, so musste Boe eingestehen, hatte er sich daran gewöhnt. Ihm schien es, dass dieses Geräusch inzwischen das einzige war, was ihn aus seinem festen Schlaf erwecken könnte. Es war ihm unwillkürlich zu einem Wecker geworden.

Mit geringer Mühe wuchtete er seinen mächtigen Körper von der Stahlpritsche. Als er sich in eine sit-zende Position erreicht hatte, fuhr er sich mit seinen Armen in den Nacken und gähnte mehrfach aus-giebigst. Danach erhob er sich endgültig von dem schmalen Bett und wankte, sich reckend und stre-ckend, in die Sanitärzelle des winzigen Quartiers. Der Fairness halber musste man jedoch erwähnen, dass es sich ohnehin nicht um ein Quartier handelte, sondern um ein ungenutztes Generatorgehäuse, dass man ihm in Ermangelung einer angemesseneren Unterkunft gegeben hatte. Auch an dieses hatte er sich so stark gewöhnt, dass er, als erste Quartiere frei wurden, gar nicht umziehen wollte.

In der Sanitärzelle angekommen, begab er sich in die Schalldusche und aktivierte diese auch sogleich. Während des Schlafens trug er nur Boxershorts und ein Unterhemd, welches praktischerweise vom Schall direkt mit gereinigt wurde. Nachdem er sich geduscht hatte und halbwegs wieder sauber war, griff er zu einer herumliegenden Hose, um diese anzuziehen. Müde blickte er in den Spiegel, der in der Sanitärzelle angebracht war. Seine blaue Haut wirkte fleckig, schlaff und spiegelte sein momentanes Empfinden nur allzu gut wieder. Ohne sich näher darum zu kümmern, verließ er diese enge Räumlichkeit auch schon wieder und machte sich auf, Frühstücken zu gehen, um anschließend, pünktlich zum Ende der Alpha-Schicht seinen Technik-Laden zu eröffnen.

Als er die Tür des Quartiers passierte, griff er sich einen alten, mit Öl verschmierten Kittel, der ihm seit Jahren eine Art Dienstuniform war, und zog ihn sich über das noch immer mit Dreck verschmierte weiße Hemd. Nachdem Boe das kleine Quartier verlassen hatte, bemerkte er das Grummeln in seiner ausgedehnten Magengegend. „Zeit für ein kleines Frühstück." Das ein 'kleines Frühstück' in dem Lokal, das er anstrebte zu besuchen, als '4 Personen Frühstück' ausgeschildert war, war ihm durchaus bewusst, doch er hatte nun einmal Hunger und den wollte er nun auch stillen.

Raschen Schrittes schritt Boe den Gang entlang, bis er an einem Turbolift erreichte, den er auch sogleich betrat. „Computer, Deck 14G, äußere Promenade." Die Kabine mit dem Händler setzte sich augenblicklich mit dem Bolianer an Bord in Bewegung. Um zum gewünschten Ort zu gelangen, würde der Lift nicht nur vertikal, sondern auch in horizontaler Ausrichtung fahren. Vermutlich würden einige der Zivilisten hinzukommen, denn das zivile Sicherheitskommando unter Major Mira Lagor war dafür bekannt, nach Ende der jeweiligen Schichten einige Zeit auf der Promenade zu verbringen. Vor allem die Alpha-Schicht war verschrien, aus bummelwütigen Damen zu bestehen, was die meisten Ladenbesitzer hinter ihren Tresen hervorlockte.

Tatsächlich stiegen bekannte Leute in den Lift hinein, der aufgrund von Dienstplänen wie regelmäßigen privaten Ausflügen fast schon an die routinierten Fahrpläne der MagetoTrain Linienfahrten auf Antares erinnerte. Die auf Zivilstationen wie K-8 geräumiger und luxuriöser ausstaffierten Kabinen boten auch Platz für etwa 30 Leute. „Schön Sie zu sehen, mein Guter." Dieser Gruß galt Boe, der sich auch augenblicklich seinem Freund, Doktor Jeffray Allston zuwandte. „Morgen, Jeff." Boes Freund hatte seine Arztpraxis etwa zur selben Zeit eröffnet, als der Bolianer selbst hier angekommen war, weshalb sie einander sehr vertraut waren. Als einziger Mensch unter einer Unzahl von Antarianern hatte man es hier nicht leicht, obwohl es im Kerngebiet natürlich noch weniger Nichtantarer gab.

„Sag mal, Doc, hast du Zeit für ein Frühstück im Caopté?" Die Miene des dunkelhäutigen Oberarztes verdüsterte sich etwas: „Leider nein. Ich habe ein Dutzend Assistenzärzte, die auf mich warten, und außerdem muss ich noch einen Bericht aushändigen. Aber in einer halben Stunde hätte ich Zeit für einen Kaffee. Wenn du dann noch im Caopté bist sehen wir uns." Mit diesen Worten ließ er Boe dann auch im Turbolift zurück, während er auf Deck 15B ausstieg, wo seine Praxis lag.

Nun, nach Boes Meinung war dies sehr gut gelaufen, denn er wusste, dass Dr. Allston ein gefragter Arzt war, und er war überhaupt froh, ihn noch häufig genug zu sehen. Schon seltsam, dachte er, die meisten Ärzte verbachten im Laufe ihrer Karriere immer weniger Zeit im Hospital, angefangen mit den nie zu enden scheinenden Schichten als Assistenzärzte bis hin zu den Mindeststunden, die ein Chefarzt dort verbringen muss. Bei Jeff Allston verhielt es aber sich genau umgekehrt. Dieses eifrige Engagement war wirklich beneidenswert, dachte Boe, der an sich wenig von Stress und hektischem Treiben hielt.

Angekommen auf dem Teilbereich der Promenade, den er hatte aufsuchen wollen, stieg er, von einem Schwall diverser Wesen mitgezogen aus. Für Leute, die einsteigen wollen, war der übergewichtige Bolianer wohl so etwas wie der Fels in der Brandung, der die Flut von Individuen aufteilte, während er selbst langsam und gemächlich aus der großen Kabine schritt.

Beim Anblick der Promenade, bemerkte man, dass nur wenige der anwesenden Leute auf Durchreise waren. Die meisten Gesichter waren Einwohnern dieser Stadt im Weltall, wie man Zivilstationen wie diese hin und wieder nannte, die die Läden nach allem möglichen zu durchstöbern, während einige Läden noch rasch öffneten, um die Scharen von Zivilisten zu empfangen. Das Licht befand sich, in Anlehnung an die Dämmerung der Klasse M-Welt, welche die Station umkreiste, noch in gedämmtem Zustand. Boe seufzte, erfüllt von tiefer Erleichterung, dass Veränderungen hier nur so langsam Einzug erhielten.

Die vielen zivilen Sicherheitskräfte der Alpha-Schicht, waren leicht zu erkennen an ihren grün-türkisen Uniformen mit dem Emblem der „SecForce", wie die Abteilung der Stationsverwaltung sich nannte. Der Erhalt von Recht und Ordnung an Bord zählte zu den Primäraufgaben der Stationsleitung und die junge Major Lagor nahm diese Aufgabe äußerst ernst.

Boe schritt, den Blick auf die Aufgänge zu den Emporen gerichtet, zügig über den breiten Haupt-Korridor hin zu einem dieser Aufgänge, von wo aus er sich auf die Galerie begab, auf der das Caopté lag. Augenscheinlich war das Café nichts Besonderes, schlichte Räumlichkeiten, einfache Sitzgelegenheiten und ein Tresen, doch wer einmal dort gespeist hatte, wollte nie wieder wo anders frühstücken. In diesem Lokal bereitete man Raktajino, Tee, Kaffee, sowie fast sämtliche weiteren auf Extraktion basierenden Getränke, die es in der Föderation gab, noch per Hand zu und das aus echten Feldfrüchten. Es gab regelmäßig Lieferungen an dieses Café, die von der antarischen Kolonie, zu der die Freie Raumstation K-8 gehörte, bereitwillig übernommen wurde, da dieses Restaurant viele Lichtjahre weit bekannt war.

Als Boe sich näherte, öffneten sich die Glastüren automatisch und sofort stieg ihm der aromatische Duft vieler verschiedener Heißgetränke in die Nase. Er schritt auf den Tresen zu und nestelte bereits an einer der Taschen seines Kittels herum, um die so genannte Black Card hervorzuholen. Eine auf digitaler Datenerfassung basierende Karte, die nebst dem ID-Chip eine Speichermöglichkeit für diverse Angebote, seien sie vom Staat oder aber von Unternehmen, und Kontodaten miteinander verbanden und in einer Karte einbanden.
Als er an der Reihe war, nahm die Bedienung auch sogleich seine Karte entgegen, um darauf zu ver-merken, was er konsumierte. „Ihre Bestellung bitte?" Da brauchte der Bolianer nicht lange zu überlegen: „Das übliche und dazu einen großen Raktajino mit Heredel-Brant versetzt." Freundlich fragte die Antarerin hinter dem Tresen nach: „Kalt oder heiß?" Angewidert verzog Boe das Gesicht: „Wie kann man Raktajino nur heiß trinken?" Die Angestellte registrierte seine Bestellung und bat ihn, sich einen Moment zu gedulden.
Es dauerte eine Weile bis ein 4-Personenfrühstück zubereitet war, selbst wenn die Grundzutaten repli-ziert wurden. Diese Zeit nutzte Boe dazu, um sich die aktuelle Ausgabe der Federal Times auf sein Padd herunterzuladen, welches er, wie viele geschäftige Zivilisten, immer bei sich trug. Dazu zog er die Black Card durch einen Schlitz an einem dafür vorgesehenen Terminal und wählte sein Padd auf dem Display für die Übertragung aus. Innerhalb von wenigen Sekunden war der Vorgang beendet und er konnte bereits ein wenig die Schlagzeilen überfliegen, bevor er sein Frühstück erhielt.

„Hier, lassen Sie es sich schmecken." Boe war schon so lange Stammgast, dass niemand ihn mehr danach fragte, ob seine Familie bereits an einem der Tische warte. Dafür war der Bolianer auch sehr dankbar, denn diese ständigen Fragen waren schon lästig gewesen. Mit einem Grinsen nahm er das Tablett entgegen und machte sich auf, einen freien Platz zu suchen. Unglücklicherweise sorgte die in Bälde anstehende Beta-Schicht dafür, dass die Plätze in den Restaurants und Cafés sehr begrenzt waren.

Einen solchen Platz erspähte der bolianische Kleinhändler am hinteren Ende des Lokals, wo die Be-leuchtung nur spärlich war und nur wenige Gäste lange blieben. Gemütlich trottete Boe mit seinem Tablett dorthin und setzte sich neben einen Antarer, der mit seinen vier Armen gerade irgendein Tier verspeiste. Als Boe an den Tisch heranschritt und fragte, ob er sich setzen dürfe, antwortete der Mann: „Kein Problem, setzen Sie sich doch!"

Klirrend stellte der dicke, blauhäutige Mann sein Tablett ab und kramte das Data-Padd aus seinem Kittel hervor. Boe beachtete den Antarer nicht länger sondern widmete seine Aufmerksamkeit einem Artikel, der ihm vorhin schon ins Auge stach, als er die Schlagzeilen durchgegangen war. Kommandantin für diplomatische Mission ausgewählt.  Bei dem Titel handelte es sich um einen Artikel, der in der Rubrik ‚Kerngebiet Antares' veröffentlicht worden war. Boe lud sich stets nur  diese und die News für ‚Bolias', seine Heimatwelt, sowie ‚Starbase K-8' herunter. Mehr hätte er eh nicht lesen gekonnt, da er im Regelfall alle Hände voll zu tun hatte mit seinem Laden, seinen Freunden an Bord sowie seinen Freizeitaktivitäten.

Vor drei Tagen hat der Antarische Admiralsrat beschlossen, dass die junge, bolianische Commandress Dial die Reise ins Romulanische Reich antreten soll. Auf die Frage, warum gerade eine so junge Offizierin erwählt wurde, antwortete man uns lediglich, dass diese Mission als ein „Akt des Vertrauens" gelte und jemand ausgewählt wurde, der diese Art von Auftreten perfekt beherrsche. Tatsächlich ist Commandress Dial bei der Sternenflotte nicht unbekannt. Sie hat mehrere Jahre als Erste Offizierin gedient, unter anderem auf der USS Einstein und der USS Eloth, wo sie vorzüglich ihre Kommandofähigkeiten ausübte, aber auch beim Erstkontakt mit fünf Spezies gute Kenntnisse der Sternenflotten-Direktiven bewies.
Die Wahl einer Bolianerin im antarischen Kerngebiet missfiel einigen Admirals wohl zusehends, gerade jenen Sektorkommandanten im inneren Raum um Antares, die lieber einen Antarer an der Stelle gesehen hätten. Gleichzeitig reagierte Commandress Dial, die wir auf der USS Opaka antrafen, ebenfalls überrascht, ausgewählt worden zu sein. Auf die Frage, ob sie sich in der Lage sähe, ein Schiff zu kommandieren, erklärte sie, dass der Dominionkrieg sie mehrfach in dieser Hinsicht geprüft hatte. Recherchen unsererseits ergaben, dass sie tatsächlich für einen längeren Zeitraum das Kommando über ein Schiff der Defiant-Klasse besaß.


Während er einige Abschnitte überflog, aß Boe gleichzeitig mehrere kleine Früchte, Teigwaren seiner Heimatwelt und allerlei tierische Produkte. Inzwischen konnte er aus dem Gedächtnis heraus sagen, wie die Teller mit den vorzüglichen Speisen angeordnet waren und somit genau zur richtigen Stelle greifen. Dadurch, dass er die unwichtigen Stellen überlas, blieb er erst beim vorletzten Abschnitt wieder hängen.

Commandress Dial hat beschlossen, Lieutenant Commandress Dha'ra Jesha, die derzeit suspendiert ist und erst kürzlich von ihrem Vorgesetzten zu ihrem jetzigen Rang degradiert wurde, als Sicherheitschefin und taktische Offizierin für die kleine USS Reliant zu wählen. Damit sorgte sie natürlich für einigen Wirbel. Schließlich war das Zuwiderhandeln Jeshas gegen ihren vulkanischen Kommandanten ein er-heblicher Verstoß gegen die Sternenflottenvorschriften. Allerdings hat sich auch der Ausschuss zur Gleichbehandlung und ein Teil der Gewerkschaft eingeschaltet und den Vorwurf von rassistischer Dis-kriminierung vorgebracht. Obwohl nichts bewiesen werden konnte, stehen die Vorwürfe gegen Commander Tulok noch immer im Raum.

Momentan befindet sich Commandress Dial auf der Anreise auf die zivile Raumstation K-8, wo sich Dha'ra Jesha momentan aufhält. Die Lieutenant Commandress hat uns jegliche Auskunft über ihre neue Chance verweigert ohne einen näheren Grund zu nennen. Wir werden sie in jedem Fall jedoch auf dem Laufenden halten über die weiteren Schritte, die die Bolianerin unternimmt, um ihre Crew zu sammeln.


„Interessanter Artikel, nicht wahr?" Irritiert blickte Boe auf. Er war in den Artikel vertieft gewesen und war entsprechend überrascht, als der Antarer ihn ansprach. „Ja, sehr. Zumal er von meiner Schwester handelt." Mit einem überraschten Ausdruck quittierte der Fremde diese Aussage. „Commandress Dial von der Sternenflotte ist ihre Schwester? Und sie kommt in sechs Monaten her?" Diese Details hatte Boe wohl überlesen und antwortete ausweichend: „Scheinbar ja." Dem Antarer fiel dies nicht weiter auf und so fragte er munter weiter: „Sie hat Ihnen nichts gesagt?" „Nein. Ich weiß nicht mal, ob Sie überhaupt weiß, dass ich hier lebe."

Boes Gegenüber schien diese Nachricht betrübt aufzufassen. Zumindest deuteten die körperlichen Anzeichen des Antarers, auffälliges  Zusammenkneifen der Augenbrauen und die Faltenbildung an der Stirn, auf Besorgnis hin. Scheinbar war dies Teil der berühmten Empathie der antarischen Spezies. Doch die Mimik entspannte sich wieder, bevor er auf sein Chronometer sah und plötzlich meinte: „Ich muss weg. Es hat mich sehr gefreut mich mit Ihnen zu unterhalten." Während der Mann aufstand, sein Tablett in die Hände nahm, nickte Boe ihm zu, was auf Antares und sämtlichen Welten im hiesigen Kerngebiet als eine Art informeller Abschiedsgruß bekannt war. Der Bolianer fragte sich stets, ob diese Bemerkungen am Ende eines Gespräches, die überraschend viele Antarer machen, wohl mit deren Vorstellungen von Höflichkeit zu tun hätte.

Überrascht musste Boe feststellen, dass von seinem Frühstück nicht mehr geblieben war als eine Tafel irdischer Schokolade und ein kleines Töpfchen irdischen Marzipans. In der gesamten Föderation war diese Art, Marzipan zu servieren, Tradition geworden, obwohl dies auf der Erde niemals so zelebriert wurde. Bestenfalls im Kerngebiet Sol konnte man hoffen, Marzipan auf andere Weise geliefert zu be-kommen, doch selbst dort ist es selten. Mit dem Messer holte Boe eine große Menge Marzipan aus dem Topf und verstrich die Rohmasse auf dem Anfang der Tafel. Dann biss er das beschmierte Stück ab und wiederholte den Vorgang. Das ging solange, bis alle Stücke verzehrt waren und sich Boe in den Stuhl zurücklehnte. Sein Bauch fühlte sich voll an und das enge Unterhemd passte noch weniger als sonst.

„Ah, Boe. Schön, dass ich dich noch erwische!" Jeffray Allston setzte sich mit einem dampfenden Kaffee-Becher neben ihn. Er trank einen Schluck des schwarzen Goldes, wie er das Heißgetränk zu nennen pflegte, bevor er tief seufzte. „Wie geht es dir?" Das schlaffe Gesicht, das Boe heute Morgen noch besaß, hatte sich verändert. Genau diese Veränderung hatte der dunkelhäufige Arzt bemerkt. „Irgendetwas beunruhigt dich doch? Ich sehe es in deinen Augen."

Die Bemerkung heiterte Boe ungemein auf. Niemand auf der gesamten Station hätte ihn mit einer solchen Aussage so sehr beruhigt. Das Blau seiner Haut wirkte etwas weniger fleckig, seine Mundwinkel zogen sich etwas nach oben und ein Lächeln erschien auf den dunkelblauen Lippen. „Es ist eigentlich nichts. Meine Schwester wird voraussichtlich in einigen Monaten hier eintreffen. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll." Nachdem er dies gesagt hatte, biss der bolianische Kleinhändler ein wenig auf seiner Unterlippe herum. Jeffray versuchte, ihm gut zuzureden: „Was soll schon groß werden?" Doch Boe winkte ab: „Mach mir nichts vor, Jeff, bitte. Sieh mich an, ich bin ein fetter, bolianischer Kleinhändler irgendwo im nirgendwo. Meine Besitztümer kann man in zwei Kisten packen und überhaupt, was habe ich schon erreicht? Dial hingegen ist hochdekorierte Sternenflotten-Offizierin. Sie kommandiert die Reliant, die auf diplomatischer Mission ins Romulanische Reich aufbrechen wird. Was habe ich ihr denn schon entgegenzusetzen?"

Verdutzt blickte Jeffray ihn an: „Wer bitte bist du? Hast du mich nicht in den letzten fünfzehn Jahren bestimmt ein Dutzend Mal darüber belehrt, dass die bolianische Gesellschaft nicht auf Rivalitäten setzt? Dass auf Bolias jeder für das respektiert wird, was er tut. Dass jeder stolz ist auf das, was er tut? Hast du mich nicht immer gewarnt vor der Terranisierung, die deine Welt durchmacht. Und selbst mein Volk hat die Wettbewerbstheorien, halbwegs zumindest, vergessen. Was ist los, Boe?" Boe ließ unbeeindruckt ein „Uff" verlauten, bevor er weiter ausholte: „Viele Fragen, die du da hast. Wo fang ich am besten an. Ich weiß nicht, warum ich dieses Gefühl habe, nicht gut genug zu sein. Aber vielleicht liegt es daran, dass mir selbst mein Leben nicht mehr gefällt?"
Dr. Allston musste sich im Zaum halten, um nicht die Geduld zu verlieren: „Darüber haben wir gefühlte Hundert Male geredet und jedes Mal kam dasselbe dabei heraus. Wenn du ein anderes Leben willst, ändere dein Leben. Willst du Dinge beibehalten, behalte sie bei! Mehr Freiheit als du im Moment hast, wirst du niemals erhalten." Nachdem der Arzt das gesagt hatte, trank er einen weiteren Schluck seines geliebten Kaffees. Er hasste es, seine Aufmerksamkeit nicht den Röstaromen geben zu können, doch sein Freund war ihm momentan wichtiger.

„Ja, ich weiß. Aber es wäre so viel, was ich ändern will." Allston legte ihm seinen Arm um die breite Schulter: „Mach kleine Schritte. Und wenn es nicht klappt, fang noch einmal an." Erneut seufzte der Arzt. „Wenn ich dir irgendwie helfen kann, sag mir Bescheid." Doch der Bolianer war in seinen Gedanken und bekam das Angebot seines Menschen-Freundes nur verspätet mit. Verwirrt murmelte er etwas von „Danke sehr" und spann seinen Gedanken zu Ende. „Ich will diese Dha'ra Jesha kennen lernen." Jetzt war es an Jeffray, der Verwirrte zu sein: „Wer ist das?" „Oh, hatte ich das nicht erwähnt? Sie ist Lieutenant Commandress. Wegen ihr kommt Dial überhaupt erst her. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe das Gefühl, dass es eine gute Idee ist, sie kennen zu lernen."

Während Boe seinen Gedanken ausgeführt hatte, hatte sich der menschliche Arzt noch einmal am Kaffee verbrannt. Da der Becher isolierend wirkte und man dies von Zeit zu Zeit vergaß, konnte man sich auch nach einer Weile noch den Mund daran verbrennen. Zum Beispiel, wenn man zu viel auf einmal trank. Doch der Geschmack war es wert. Schließlich handelte es sich um nicht-replizierten Kaffee aus echten Bohnen. So etwas Gutes war schwer aufzutreiben, wenn einen über Tausend Lichtjahre von der Heimatwelt trennten.

Nachdem er den Schmerz überwunden hatte, den Boe süffisant auskostete, bemerkte Allston: „Vielleicht kann ich dir da behilflich sein. Ich glaube, eine Lieutenant Commandress der Sternenflotte als Patientin zu haben. Übermorgen wollte sie eine Rundum-Untersuchung. Ich nehme an, dass deine Schwester erst in einigen Wochen, wenn nicht sogar Monaten eintrifft, oder?" Boe nickte kurz. Die Distanzen im Weltall waren groß, man vergaß das leicht, wenn man sein Leben lang auf einer Welt lebte und die Abenteuer von Picard und Sisko als Holo-Novellen präsentiert bekam, in denen eine Reise mit Warp-Geschwindigkeit nur wenige Tage dauerte, in denen man die Föderation in ein paar Monaten durchqueren konnte. „Wunderbar, Boe. Dann kriege ich bei meinem Termin mit ihr etwas über diese Jesha heraus und du kümmerst dich hinterher darum." Sie gaben sich darauf die Hand, eine Geste, die irgendwie menschlich war, aber von Allston und Boe regelmäßig zweckentfremdet wurde.







Mit gewaltigem Abstand zur Raumstation, hunderte Lichtjahre weiter, durchquerte die USS Foucault ein Gebiet nahe der Grenze zur Neutralen Zone. Ständig hin und her beordert, um gelegentlichen Forschungsaufträgen in der Zone nachzugehen, die die Romulaner von Zeit zu Zeit bewilligten, war vor mehreren Tagen die Nachricht eingegangen, dass die Erste Offizierin des Schiffes abkommandiert worden war. Noch immer befand sich Commandress Dial jedoch an Bord, da man sie mit einem Shuttle genau dort absetzen wollte, von wo aus sie binnen eines Monats die Raumstation K-8 erreichen könnte. Die Nachricht über ihr Kommen war der Station seit mehreren Tagen bekannt und inzwischen auch zu den Nachrichten durchgedrungen, die eifrig alles verrieten, was sie über die junge Kommandantin und ihre Mission in Erfahrung bringen konnten.

Momentan fand eine kleine Abschiedsfeier an Bord statt, zu der alle Mitglieder der Crew, sofern sie nicht gerade Dienst taten, geladen waren. Man hatte Synthehol in rauen Mengen replizieren lassen, um das Fest gebührend zu feiern. Schließlich hatte man mit Synthehol sämtliche Vorzüge von Alkohol ohne dessen Nebenwirkungen. Es war ideal. Doch durch den großzügigen Ausschank war die Party auch sehr schnell in Schwung gekommen. Waren anfangs noch Reden geschwungen worden, tanzte man momentan in einem Teil der Offiziersmesse, während andere sich zu Gesprächen zurückgezogen hatten.

Dial selbst kam sich irgendwie verloren vor auf ihrer eigenen Feier. Deshalb nahm Captain Yamares sie kurzerhand zur Seite. Die Antarerin war filigraner als der Rest ihrer Spezies und hatte sich stets für ihre Erste Offizierin interessiert. „Commandress, was stört Sie? Sie wurden befördert." Dial strich sich eine Strähne, die sich aus ihrem Dutt gelöst hatte, aus dem Gesicht. „Nichts. Es kommt nur alles so überraschend. Im einen Moment führt man seine Pflicht aus, im nächsten muss man Crewlisten zusammenstellen. Ich fühle mich überfordert." Ola Yamares legte betrübt die Stirn in Falten: „Ja, das kenne ich selbst nur zu gut. Es ging mir damals nicht anders. Allerdings war ich bereits Captain, als ich mein erstes Kommando übernahm." Dial hakte nach: „Und wie haben Sie diesen Stress bewältigt?" Nun musste die vierarmige Frau lächeln: „Man kann ihn nicht bewältigen. Man kann lediglich versuchen,  einen Ersten Offizier zu suchen, der einem dabei hilft, all das zu schaffen." „Aber welcher Lieutenant Commander hat schon diese Qualifikationen."

Yamares hatte Dial zur Bar geführt, ohne dass sie es anfangs gemerkt hätte. „Zwei Sharan Nights bitte!" Die Drinks wurden schnell geliefert und Ola reichte Dial ihr Glas, bevor sie gemeinsam den Cocktail genossen. „Es geht nicht darum, jemanden zu finden, der Qualifikationen hat. Verdammt, es ist beinahe schwieriger den Ersten Offizier zu finden als einen Lebenspartner zu finden. Sie brauchen jemanden, der Sie versteht, der Ihnen unter die Arme greifen kann, der aber auch nicht zu ähnlich ist. Er oder sie muss jemand sein, dem Sie vertrauen können. Er oder sie muss Sie an all das erinnern können, woran Sie nicht denken, und noch vieles mehr." Einen Moment dachte Yamares nach, bevor sie fortfuhr: „Ich glaube, Sie sind jemand, der das Sternenflottenhandbuch wie an der Akademie gefordert in zwei Tagen durchgelesen hat, jemand, der von Disziplin und Autorität innerhalb der Kommandokette überzeugt ist, richtig?" Dial nickte kurz und knapp. „Suchen Sie sich am besten jemanden, der kein bisschen so ist. Suchen Sie sich jemanden, der statt Disziplin Kreativität von seinen Untergebenen fordert, jemanden, der statt zu lernen, auf der Akademie ein Frauenheld war!"

Von dieser Aufforderung war Dial mehr als überrascht: „Aber, Ma'am, wie soll so jemand mit mir als Kommandantin klarkommen?" „Wer hat denn etwas von klarkommen gesagt? Er oder sie soll Sie ruhig hassen, wenn das nötig ist. Vielleicht ist das sogar besser. Dann wird er oder sie mit, Sie mit  aller Kraft an Ihre Fehler erinnern." Sie trank den letzten Schluck ihres Sharan Night und meinte abschließend: „Mir ging es so mit meinem Ersten Offizier und Sie wissen ja, was aus mir geworden ist!" Aufmunternd zwinkerte sie Dial noch einmal zu, bevor sie endgültig in der Menge verschwand.

Dial hatte diese Frau stets bewundert. Sie war tapfer, mutig und hatte die richtigen Werte verinnerlicht. Nun war sie müde, noch immer ein wenig betrübt und angetrunken. Vielleicht sollte sie die Party still und leise verlassen. Dial steuerte zielstrebig auf den Ausgang zu, wurde dann jedoch von jemandem abgefangen. Ein Ensign, der ihr den Weg versperrte. „Gehen Sie aus dem Weg, Mantali. Ich will durch." Sie kannte den kleinen Norianer nur zu gut und hatte keine Lust, mit ihm zu reden.

„Sie wollen jetzt schon von Ihrer eigenen Party verschwinden. Tut mir leid, Commandress, aber das kann ich nicht zulassen." Nach einem kurzen Moment, in dem Dial überlegt hatte, sich ernsthaft zu wiedersetzen, ließ sie sich darauf ein. „Na gut, Mantali. Dann unterhalten Sie mich! Bringen Sie mich dazu zu bleiben!" „Nichts leichter als das."

Während er die Commandress zu den Tischen führte, wissend, dass sie keine Lust haben würde, zu tanzen oder an die Bar zu gehen, fragte er sie: „Hätten Sie gerne noch etwas vom Büfett? Sie haben zuletzt nur einmal davon gekostet. Reex hat sich doch alle Mühe gegeben." Tatsächlich mochte Dial das Essen des verexianischen Chefkochs und sie hätte auch gerne mehr gegessen, doch sie achtete auf ihre Figur. „Vielleicht noch einen Happen."

Nachdem sie sich ein paar der Köstlichkeiten genommen hatte, wurde sie vom kleinwüchsigen Ensign gefragt: „Was ist im Moment die liebste Aktivität, die sie mit unserer Crew unternehmen möchten, bevor wir sie morgen absetzen?" Dial überlegte einen Moment lang, bevor sie frage: „Egal wie abwegig das ist?" Der norianische Ensign nickte: „Egal, wie abwegig es ist." Mit einem spitzen Lächeln schlug die blauhäutige Commandress vor: „Kartenspielen. Eine gepflegte Runde antarisches Poker, Silly Time Rush, wäre himmlisch." Mantali hakt nach: „Und mit wem?" „Egal, Hauptsache es sind nicht nur Offiziere." „Das sollte sich einrichten lassen."

Eine Viertelstunde verging und drei Unteroffiziere, zwei Crewmen und ein weiterer Ensign hatten sich zu Mantali und Dial gesellt. Die Bolianerin kannte nicht jeden von ihnen und genau so hatte sie es sich gewünscht. Denn, egal wie weit man Poker auch entfremdete, es blieb ein Spiel, das von Bluffs lebte. Wenn man die Mitspieler kannte, verlor sich der Reiz irgendwann.

„Sie eröffnen, Commandress?" Diese ungezwungene Atmosphäre bei Spielen liebte sie. Hier war man nicht mehr als man im Spiel konnte und Dial konnte einiges. Ihr Pokerface galt als unschlagbar und so teilte sie die 60 Karten aus. Jeder erhielt 6 Karten. Nachdem Dial ihre Karten aufgenommen hatte, betrachtete sie sie nachdenklich.

Das Spiel war im Prinzip sehr einfach. Es gab fünf Farben: Herz, Karo, Pik, Kreuz und Quin. Von allen gab es die Zahlen 2 bis Ass in der klassisch-irdischen Wertigkeit. Ziel des Spiels war es, mit einer Kombination aus verschiedenen Karten  zu gewinnen. Diese orientierten sich teilweise am echten, irdischen Original-Poker, waren teils sogar übernommen worden, andere waren im Laufe der Zeit entstanden. Um diese Kombinationen zu erreichen, ist es bei der antarischen Variante allerdings erlaubt, in Paaren zusammen zu arbeiten. Diese würden festgelegt, indem die Spieler den Namen ihres Wunschpartners nennen. Jeder hatte nur eine Chance und nur, wenn zwei Spieler jeweils den Namen des anderen nannten, konnten sie als Paar spielen. Deshalb, und nur deshalb wurde diese Pokervariante „Silly" Time Rush genannt.

Commandress Dial hatte ihre Karten lange genug angeschaut. Ein Herz König, eine Herz Dame, ein Karo-König, eine Drei und eine Fünf der Farbe Quina, sowie eine Quina Dame waren kein schlechtes Blatt, eigentlich sogar sehr gut. Sie an der Reihe, ihren Einsatz an goldgepressten Latinum-Stücken zu setzen oder sich aus dem Spiel herauszuhalten. Sie spielte natürlich mit und setze den verlangten Ersteinsatz von genau fünf Stücken goldgepressten Latinums.

Alle anderen hatten sich ebenso entschieden. Die erste Runde war immer ein allmähliches Erkunden. Jeder legte nun zwei seiner Karten, frei nach seiner Wahl auf den Tisch. Danach würde das endlich Paare-Finden beginnen. Dial spielte ihre beiden Herz –Karten, um zu einem Königshof, das heißt 2 Königen, 2 Damen und 2 Buben, einzuladen. Und tatsächlich legte ein anderer einen Herz-Buben und eine Karo-Dame. Die besten Chancen für Dial, wenn sie jetzt zuschlug.

In dem Moment, in dem Veriga „Dial!" rief, erwiderte die Commandress: „Veriga" Damit war das erste Paar definiert. Dial und Veriga würden nun zusammen spielen. Die meisten anderen Spieler hatten ihre Chancen vertan, indem sie Namen riefen, die jedoch nicht erwidert worden. Ein weiteres Paar aber, bestehend aus Mantali und Nimaj Shear, hatte sich ebenfalls gebildet. Ein zweites Paar verringerte die Chancen auf den Sieg enorm, denn im Regelfall hatten diese äußerst starken Kombinationen. Doch Dial war zuversichtlich.

Nachdem eventuelle Paare festgelegt waren, ging das Spiel im Prinzip wie ganz normales Poker weiter. Die Einsätze wurden seitens der Paare stark angehoben, sodass nur Leute weiterziehen würden, die hohe Kombinationen wie zum Beispiel einen Vierling oder gar einen 6 Card Flush auf der Hand hatten. Auch andere Kombis wie zum Beispiel eine Straße waren tendenziell stark, könnten aber kaum mithalten mit den Kombinationen, die nur Paaren offen standen, weil diese eben 12 statt der für Einzelspieler üblichen 6 Karten besaßen, womit ihnen die stärksten Kombinationen offen standen, die das Spiel zu bieten hatte.

Langsam begannen die zwei verbliebenen Einzelspieler zu überlegen, ob es sich lohnen würde, weiterzuspielen. Schließlich befanden sich inzwischen 24 Streifen goldgepressten Latinums im Jackpot,  also umgerechnet 2400 Stücken des Edelmetalls, welches im gesamten Weltall so begehrt war, weil man es nicht replizieren oder anderweitig künstlich herstellen konnte. Es hatte den Stellenwert, den Gold, Silber oder andere seltene Stoffe in vielen planetaren Gesellschaften  inne hielten, sofern diese kapitalistisch orientiert waren. Dies traf für die Heimatwelt der Commandress, Bolias, nicht zu. Dennoch hatte sie sich an ein Gehalt, welches die Sternenflotte jedem seiner Mitglieder zahlte, gewöhnt, auch wenn sie es zuhause nicht ausgeben könnte.

„Ich erhöhe auf 8 Streifen." Dial schob noch 2 Einheiten der interstellaren Währung in die Mitte des Tisches. Ihr Partner Veriga tat es ihr augenblicklich nach. Dies war wieder ein Unterschied zum klassischen Poker, in dem das Erhöhen und Mitgehen des geforderten Betrags in einer streng eingehaltenen Reihenfolge  erfolgte. Hier aber galt nur die Regel, dass erst dann erneut erhöht werden konnte, wenn alle noch im Spiel befindlichen Einzel- sowie Paar-Spieler den momentanen Beitrag hinzugefügt hatten. Dials rasante Erhöhung brachte den Crewman Sasimo, ein blasslilanes Alien, dazu, sich aus dem Spiel zurückzuziehen. Er warf seine Karten, natürlich verdeckt, fort und flüsterte mit der ewig heiseren Stimme, eines der nervigsten Merkmale seiner Spezies, wie Dial fand: „Ich passe."

Damit war die Spieleranzahl auf 5 reduziert. Die vierte Runde begann. Vor jedem Spieler lagen inzwischen vier aufgedeckte Karten, was Einblick in die Möglichkeiten für Kombinationen der einzelnen Spieler bot. Dial und Veriga hatten ihren Königshof bereits präsentiert, doch auch Mantali und seine Partnerin hatten mit 6 Quin Karten inzwischen eine mächtige Kombination, nämlich den 6 Card Flush. Ab einem 8 Card Flush würde Dials Königshof, also zwei Buben, zwei Damen und zwei Könige, je in zwei Farben, wertlos werden. „Erhöhe um 6 Streifen Latinum."

Dial witterte einen Bluff und ging mit. Sie erkannte in Verigas Gesicht das Entsetzen über diesen kühnen Schritt. Doch sie hatte keine Wahl. Entweder würde sie mitziehen und 6 weitere Streifen setzen, wie ihre Partnerin der ihre Karten gingen in Dials Besitz über und sie hätte nichts davon. Also zahlte sie das Geld leise murrend. „Ich bin raus." Damit war der letzte Einzelspieler verschwunden. Zuletzt legte  Nimaj den Beitrag und zwang alle Spieler so zum Aufdecken einer weiteren Karte.

Nun war das Spiel sehr eindeutig geworden. Vor Dial lagen folgende Karten ausgebreitet: Herz König, Herz Dame, Karo-König, Quina Drei und Quina Dame. Ihre Partnerin hatte zusätzlich den Herz Buben, die Karo Dame sowie den Karo Buben und zwei weitere, unwichtige Karten gezeigt. Ihr Königshof war komplett. Ihre Gegner hatten inzwischen sieben Quin Karten und beteten, so hoffte es zumindest Dial, dass der andere noch eine Quin Karte hatte. Hätten sie diese jedoch wirklich, so würde Dial viel Geld verlieren und Veriga auch, was diese schon vor einer Runde schockiert hatte.

„Bleibe dabei." Nun, da niemand mehr erhöhen wollte, war es an der Zeit, die letzten vier Karten, die sich noch auf den Händen der Spieler befanden, aufzudecken. Verigas Herz raste. Sie spielten inzwischen schließlich um mehrere Monatsgehälter. Doch der Gewinn, auch wenn sie ihn sich mit Dial würde teilen müssen, wäre enorm. 58 Streifen Latinum lagen in der Mitte des Spielfelds. „Na gut, aufgedeckt, ihr beiden!" Erst legte Mantali seine Karte auf den Tisch, dann Veriga und Dial und zuletzt war es an Nimaj Shear, ihre Karte zu zeigen. Alle blickten die arme Unteroffizierin wie gebannt an. Doch sie schien gelähmt. Dial und Veriga begannen zu schmunzeln. Sie hatten soeben jeweils 29 Streifen Latinum gewonnen, das schien ihnen gewiss.

Dann aber senkte Shear endlich ihre Karten und ein Lachen breitete sich auf dem Gesicht aus. „Gewonnen, gewonnen, ja! Kommt her, ihr lieben Streifen." Dials und Verigas Gesichtsausdrücke glitten in pure Verzweiflung über. Sie hatten haushoch verloren und sich bereits als Sieger gefühlt. Doch nun musste Mantali seine Partnerin daran erinnern, dass der Deal bei Paar-Spielern Hälfte, Hälfte  war und sie nicht den kompletten Gewinn behalten durfte. Doch das minderte deren Freude nicht im Geringsten. Sie war soeben um drei Monatsgehälter bereichert worden.

Dial hatte ein halbes Monatsgehalt bei ihrem aktuellen Stand in der Sternenflottenbesoldung verloren und Veriga wohl etwa zwei Drittel. Ein schmerzlicher Verlust, doch umso mehr packte sie die Lust, das verlorene Latinum wieder reinzuholen. Sie hatte nicht ihre Föderationscredits, die offizielle Währung der Föderation, teuer bei Ferengi Händlern gegen Latinum eingetauscht, um jetzt bei ihrer Lieblingsvariante von Poker zu verlieren. Aber auch wenn sie es nicht reinholen würde, so war ihr eins gewiss. Es hatte sich gelohnt auf der Party zu bleiben. Sie hatte inzwischen beinahe völlig vergessen, dass sie ab morgen ein völlig anderes Leben führen würde als designierte Kommandantin eines Raumschiffs der Midway-Klasse. Nur ein bohrendes Gefühl in ihrem Hinterkopf, was sie jedoch auf den Synthehol schob, erinnerte sie an ihre neue Bürde. Doch nun hieß es Zocken, Spielen, Geld verlieren und dabei noch ein bisschen Freude haben.
Kapitel 1 "Tischgespräche". Ich habe bemerkt, dass ich es vorziehe, Fanfictions als PDFs zu veröffentlichen, aber leider verwendet DA ja seine eigene Methode...
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