Group Info Group Founded 11 Years ago 458 Members
23,494 Pageviews367 Watchers

Wir verwirren die Welt mit unseren Geschichten

Ja, das tun wir. Aber mit welcher Art von Geschichten?

:bulletblue: Von Romatik bis zu Horror.
:bulletblue: Eigene Geschichten und FanFictions!
:bulletblue: Von Kurzgeschichten und Triologien

:damphyr: Wir schreiben was das Zeug hält!

Gallery Folders

Featured
Prosa
Wahlfamilien en gros Teaser 067„Von ihrer Sozialstruktur her ähneln die Violetten am ehesten einer zölibatären Priesterkaste“, machte Thúlo weiter, „vergleichbar mit den Geistlichen der Umfassenden Wahrheit. Ihren Nachwuchs rekrutieren sie aus den anderen Farben, mit Ausnahme der Grauen, die die einzige echte Endogamiegruppe darstellen – also eine Gruppe, deren Mitglieder nur untereinander heiraten“, ergänzte er hastig, nachdem Maßwerk und Marmor fragende Gesichter gezogen hatten. Er atmete tief durch und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn. „Rot und Blau sind die zwei Männerfarben. Sie bewohnen getrennte Territorien. Die Hauptaufgabe beider Farben ist die Kriegführung. Zwischen ihnen herrscht eine traditionelle Feindschaft, die so stark ist, dass sie immer wieder in gewalttätige Konflikte ausartet. Dennoch dienen beide den Violetten. Entsprechend dazu gibt es zwei Frauenfarben, Gelb und Grün. Die Grünen kontrollieren die Landwirtschaft, die Gelben den Handel und das Handwerk. Auch diese beiden Kasten sind traditionell miteinander verfeindet, wenn es auch nicht zu Kämpfen kommt, es sind schließlich Frauen.“ Ein vernichtender Blick der Heereskommandeurin traf den Vortragenden, der zusammenzuckte und das Thema wechselte. „Ehen“, er hustete kurz, „sind zwischen Frauen und Männern aller Farben möglich, außer wie gesagt den Grauen. Sie werden aber nicht von den Individuen geschlossen, sondern von den Violetten arrangiert, vermutlich nach eugenischen Gesichtspunkten.“ Vorsichtshalber ließ Thúlo seinen Blick noch einmal über die Zuhörer streifen, doch das Wort Eugenik schien bekannt zu sein. „Die Grauen sind die zahlenmäßig stärkste einzelne Farbe, bilden aber dennoch eine Minderheit. Sie sind eine ...“ er unterbrach sich, „also wie gesagt, sie heiraten nur untereinander. Ihre Stellung ist offenbar zwiespältig. Sie sind für Teile der Technik und Infrastruktur zuständig, was ihnen einen gewissen Status verschafft, gelten aber gleichzeitig als unrein und nicht entwicklungsfähig, letzteres vor allem, weil die Violetten aus ihrer Gruppe niemanden für ihren Nachwuchs rekrutieren.“ „Wer sich das ausgedacht hat, ist wirklich verdammt früh aufgestanden“, erklang plötzlich die Stimme des ersten Ministers. „Das Militär ist in zwei feindliche Gruppen gespalten, die sich gegenseitig neutralisieren, die produktiven Gruppen ebenfalls, so kommt keine politische Einheit in der Mitte der Gesellschaft zustande, die opponieren könnte. Es gibt eine Kaste der Buhmänner, die praktischerweise auch noch die Dreckarbeit macht, auf die aber alle herabsehen, weil sie der Täuschung unterliegen, selbst als Lieferanten für den Nachwuchs der Oligarchie einen Anteil an der Elite zu haben. Ausgefuchstes System. Sorgt zwar für eine völlig gelähmte Gesellschaft, aber das dürfte denen an der Macht egal sein. Das heißt, das war es, bis ihr Licht zu flackern begonnen hat.“ Thúlo blickte den ersten Minister staunend an, sagte aber nichts. Dann sah er zu Énvo. Käyrns Nachfolger schluckte und erhob sich. „Sie fragen sich vielleicht, wie die Farbe zustanden kommt“, nahm er den Faden auf. „Sie ist künstlich erzeugt und zwar mittels eines Hautpilzes, mit dem jedes Kind sofort nach der Geburt einer Gruppe zugeordnet wird – von den Violetten natürlich. Sie sichten die Kinder und nehmen sich die von ihnen, die ihren Kriterien entsprechen. Die natürlichen Hautfarben des Bunten Volks entsprechen in etwa unserem Spektrum.“ „Was die Anatomie betrifft“, fuhr er nach einem Augenblick fort, „so bestehen derartig viele verblüffende Ähnlichkeiten zwischen ihnen und uns, dass man fast von Verwandten sprechen kann. Die wichtigsten Unterschiede sind das Fehlen des Wadenbeins, eine abweichende Zahnformel, eine schlichtere Struktur des Verdauungsgangs und eine im Schnitt etwa um ein Siebtel geringere Größe. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass unsere beiden Rassen gemeinsame Nachkommen zeugen können.“ „Wäre im Anschluss an einen militärischen Sieg recht praktisch für die Eingliederung“, ließ sich von See wieder von hinten vernehmen. „Die Kinder, die die Violetten den anderen Farben wegnehmen, sind beiderlei Geschlechts“, fuhr Énvo fort. „Die Erwachsenen Violetten zeigen aber eine einheitliche, androgyne Form. Das einzige Exemplar, das uns zugänglich ist – der Violette, der den telepathischen Angriff auf die Mine geführt hat und der von Edavi von Dyckeburg getötet wurde“, (wieder streiften Héyyu Dyckeburg eine Reihe von Seitenblicken) „weist keine Geschlechtsorgane mehr auf, weder männliche noch weibliche. Warum die Violetten ihre Neumitglieder so umformen, wissen wir nicht.“ „Das kann man sich an den fünf Fingern abzählen“, warf der fette Mann von hinten ein, „so werden die Brücken hinter ihnen verbrannt.“...
Das Double R Experiment Luxtra Rubber TF Teil 2<b>Das Double R Experiment – Luxtra Rubber TF Teil 2</b>Original "The double R experiment – Luxray (part 1)" © by ©pic. Übersetzung von Eine Commission bestehend aus zwei Bildern mit Geschichte, die ich bei How bestellt habe. Sie ist so toll geworden, dass ich beide Teile und Bilder gerne mit euch teilen möchte. Danke How für die Erlaubnis der Übersetzung und des Reposts! Wie immer bei meinen Übersetzungen versuche ich den Original Stil des Autors so gut wie möglich zu erhalten.,Statusbericht 517L-23-ADatum **.**.2021Bericht Subjekt: Projekt Double R, [ANONYMISIERT] – StatusaktualisierungFreigabestufe 6 – Priorität 1Hinweis: Ausnahmelos alle Mitarbeiter, die dieses Dokument ohne ordnungsgemäße Genehmigung (oder erteilte Genehmigung durch einen Administrator) lesen, werden bestraft und werden selbst eine Testperson werden.Sehr geehrte Admins **** ******, ****** *****, und ********,Mit Freude darf ich Ihnen mitteilen, den vollen Erfolg eines weiteren Haustieres zu verzeichnen.Subjekt 131a-LUX (LUX) mit dem Namen [ZENSIERT] wurde mit dem Standard ZA – X Geschirr mit angebrachtem Luxtra Schwanz ausgestattet.Verfahrensdauer: ** Monate, ** Tage, ** Stunden und ** Minuten, somit bedeutend schneller, als der aufgezeichnete Durchschnitt. Wichtige Anmerkungen: Zu Subjekt LUX lagen einige Dokumentationen vor, dass bei mehreren Gelegenheiten eine Faszination zu den Gerüchten zum Geheimprojekt „Rubber Rocket“ zum Ausdruck gebracht wurde. (Randnotiz: Untersuchen Sie, woher die Gerüchte stammen und führen sie Korrekturmaßnahmen durch) Im Gegensatz zu unseren vorherigen Probanden schien Subjekt LUX eines unserer Haustiere werden zu WOLLEN. (siehe Dokument A für weitere Details). Als es von mir gefangen genommen wurde, empfahlen mir einige meiner Mitarbeiter, dass Subjekt LUX angesichts seiner zuvor dokumentierten Wünsche nicht am Projekt Rubber Rocket teilnehmen sollte. Sie dachten es sei keine Bestrafung und wollten es härter verurteilen. Ich habe mich persönlich für das Subjekt eingesetzt, weil ich sehen wollte, wie der Prozess bei einem willigen Subjekt, verglichen zu einem unwilligen verläuft. Willige Testpersonen zu nehmen verringert theoretisch die Notwendigkeit einer künstlichen, mentalen Kontrolle unserer Haustiere und verringert auch das Risiko eines Rückfalls und/oder von Vergeltung erheblich. Ich glaube sogar, wenn ein Proband bereit ist dem Verfahren zuzustimmen, kann unsere Rechtsabteilung einen Vertrag aufsetzen und das ganze Legal machen, was die Risiken, die mit dem Kidnapping „freiwilliger“ verbunden sind deutlich verringert. Mein zweites Argument war angesichts der erstaunlichen Fähigkeiten, die Subjekt LUX beim Hackingversuch an den Tag gelegt hatte, dass es besser für uns wäre, wenn eine Person mit diesen Fähigkeiten in ein harmloses und wirklich gehorsames Rubber-Haustier umgewandelt würde und wir seine Talente so zu unseren Bedürfnissen umformen.Verfahrenszusammenfassung:Subjekt LUX wurde am Ersten Tag in Material ******** eingeschlossen und wurde mit einer 24/7 Überwachung alleine gelassen. Das Geschirr hat sich routinemäßig anfangs einmal die Woche und nach einem Monat zweimal pro Woche automatisch zugezogen. Subjekt LUX zeigte einen bemerkenswert schnellen mentalen Fortschritt. Ich beschloss mich von der typischen, allumfassenden Team Rocket Assimilation abzuwenden und habe stattdessen Rezeptoren zugefügt, die sowohl das Vergnügen an dem Rubber erhöhten, als auch dazu ermutigten die unterwürfigen Gedanken und Loyalität zu fördern. Außerdem habe ich darauf geachtet, grundlegende mentale Rückfallebenen einzubauen, sollte das Experiment nach Hinten los gehen. Jedoch glaube ich nicht, dass das notwendig sein wird. Die mentale Akzeptanz am Verfahren schien sich spürbar auf die physischen Veränderungen auszuwirken, da diese schneller als normal abliefen. Es wurde festgestellt, dass sich Subjekt LUX bereits wie ein Pokémon verhalten hat, obwohl es noch relativ normale, menschliche Merkmale aufwies. Im Laufe des Verfahrens, wurden diese Pokémon Verhaltensweisen jedoch natürlicher und anmutiger, während die menschlichen Verhaltensweisen komplett abgelegt wurden. Nach * Monaten und ** Tagen war keinerlei menschliches Verhalten mehr nachweisbar und komplett durch das instinktive Verhalten des Pokémons ersetzt. Die letzten physischen menschlichen Merkmale blieben bis zum Tag *** erhalten.Das Experimentieren mit Elektrizität begann am Tag *** durch elektrisieren der Wände in der Testkammer. Das Subjekt begann sich an den Wänden zu reiben und kam am Tag *** mit statischer Elektrizität in Kontakt. Dadurch begann sich auch elektrische Energie im Körper von Subjekt LUX zu sammeln. Die elektrische Leistung stieg standardmäßig an, bis eine Leistung von [ZENSIERT] Megawatt erreicht wurde, eine überdurchschnittliche Kapazität für ein typisches Luxtra. Das Videomaterial zeigt wie Subjekt LUX damit experimentieret und mit seinen neuen elektrischen Eigenschaften selbst trainiert, mit einer beeindruckenden Lerngeschwindigkeit.Das Verfahren wurde am Tag *** um **:**Uhr als abgeschlossen angesehen und anschließend wurde die Auswertung und das Training eingeleitet. Er bestand seine ersten Tests mit Bravour (siehe Bild oben). Ich bin davon überzeugt, dass er bereit für seine erste Mission ist!Mit freundlichen GrüßenLevel 7 Senior Forscher Dr. [ANONYMISIERT]...
Das Double R Experiment Luxtra - Rubber TF Teil 1<b>Das Double R Experiment – Luxtra Rubber TF Teil 1</b>Original "The double R experiment – Luxray (part 1)" © by ©pic. Übersetzung von Eine Commission bestehend aus zwei Bildern mit Geschichte, die ich bei How bestellt habe. Sie ist so toll geworden, dass ich beide Teile und Bilder gerne mit euch teilen möchte. Danke How für die Erlaubnis der Übersetzung und des Reposts! Wie immer bei meinen Übersetzungen versuche ich den Original Stil des Autors so gut wie möglich zu erhalten.,Operation Double RDas stand auf der Überschrift des Dokumentes. Schön, sauber und mehrdeutig. Alleine das Überfliegen der zugehörigen Absätze machte klar wofür die beiden Rs standen – Rubber Rocket.Bevor ich diese Worte lesen konnte, scrollte ich zuerst an mehreren dutzend Warnungen vorbei, dass diese Dokumente AUSSCHLIESSLICH für die Rocket Personalabteilung und höher bestimmt waren.Ich war Level 2.Vor einem Jahr bin ich Team Rocket als normaler Rüpel mit Level 0 beigetreten, um leichtes Geld zu verdienen … und ich gebe zu, dass ich nicht zuletzt wegen der Gerüchte, die in Johto verbreitet wurden angeheuert habe: Dunkle und mysteriöse Experimente, die Menschen angeblich Pokémon-Qualitäten verleihen sollten. Es gab so viele unterschiedliche Gerüchte: Manche behaupteten, dass sie Menschen entführen und in Pokémon verwandeln würden. Andere sagten sie würden an Wegen forschen, um Menschen in stupide, gehorsame Drohnen zu verwandeln, die blind jeden Befehl ausführten. Einer hatte sogar behauptet, dass sie eine bestimmte Goo Mischung verwenden würden, um Menschen in unterwürfige Rubber Pokémon zu verwandeln! Gerade dieses letzte Gerücht wurde von den meisten in der Gesellschaft als lächerlich betrachtet und abgewiesen, aber genau das machte mich neugierig. War so etwas überhaupt möglich?Ich fragte mich wie es wohl wäre, ein glücklicher Rubbersklave zu sein und für immer Team Rockets Befehlen zu folgen. Mit nichts als der glückseligen Loyalität gegenüber deinem Trainer und dem Team. Sich um nichts mehr kümmern zu müssen, außer deinem Trainer zu gefallen.Diese Idee war irgendwie … verlockend.Leider war das in der Gesellschaft anders. Wenn man diese Fantasien nicht streng geheim hielt, wurde man als seltsam, pervers und ehrlich gesagt ekelhaft erklärt. Diese allgemeine Ablehnung in Kombination mit meiner Neugier legten letztendlich den Grundstein dem mysteriösen Team Rocket beizutreten. Vielleicht konnten sie mir bieten, wonach ich mich schon so lange heimlich sehnte? Hier scherte sich niemand um deine Überzeugungen, deinen Geschmack oder Aussehen – sie behandelten einfach jeden unter sich wie Dreck. Die großen Fische an der Spitze waren unantastbar. Die Admins verhöhnten das Management. Das Management spottete über die Forscher, die Forscher über die Techniker und einfach jeder missbrauchte die einfachen Rüpel.Wenn du keinen hohen Abschluss, viel Geld, ein wirklich ungewöhnliches Talent oder Verwandte in den oberen Etagen hattest, gab es kaum eine Chance das Level des Rüpels zu verlassen.Aber ich war sowieso nicht wegen den Beförderungen hier, sondern wegen der Informationen.Um zu sehen ob es wahr war …Und es war die Wahrheit!Da lag es vor mir – Operation Double R! Ich konnte es kaum glauben. Die Geschichten waren wahr! Es war tatsächlich wahr!Aufgeregt klickte ich auf eines der Dokumente, in dem detailliert eines der Experimente aufgeführt war.Subjekt 119xZA – Rubber Zorua.Einer der Ordner darin war randvoll mit endlosen Mengen an Fotos, die jedes Detail der Transformation sorgfältig festhielten. Ein anderer Ordner war voll mit Videodokumenten. Noch mehr waren mit wissenschaftlicher Fachsprache gefüllt – Grafiken, Datensätze, Seiten über Seiten mit Analysen. Eine Seite erregte meine Aufmerksamkeit besonders. Statusreport 55*813A.Im Gegensatz zu den anderen Dokumenten, schien dieser Bericht von einem der führenden Wissenschaftler persönlich geschrieben worden zu sein. Aufgeregt überflog ich die Seite und saugte jedes Wort in mir auf. Es war genau so wie ich es mir erträumt hatte – ein einfaches, gehorsames Leben unter der Fittiche eines Trainers ohne Stress oder Sorgen. Keine Verachtung oder Misshandlung durch meine Vorgesetzten. Das war’s! Nicht mehr dieser geistesgestörten, rückenbrechenden Sklaverei ausgesetzt sein, die wir Rüpel über uns ergehen lassen mussten. Es klang einfach zu perfekt – genau wie in meinen Träumen. Je aufgeregter ich wurde, desto mehr fragte ich mich, wie ich mich möglicherweise selbst für das Programm anmelden könnte.Die Antwort kam schneller als gedacht, als sich eiskalte, stählerne Klauen in meinen Nacken bohrten.„Keine Bewegung!“Ich wurde aggressiv von einem blau-schwarzen Wolwerock in der Mitternachtsform aus dem Raum gedrängt und seine Klauen gruben sich in meine Schultern. Mir wurde etwas gegen meinen Mund gepresst und verschwommen konnte ich noch eine menschliche Gestalt im Flur erkennen, bevor ich mein Bewusstsein vollständig verlor. Benommen wachte ich in einem großen, leeren Raum auf. Bis auf einen raumhohen Spiegel und einer großen Glasscheibe auf der gegenüberliegenden Seite, war er vollkommen kahl. Als sich der Nebel in meinem Kopf langsam löste, bemerkte ich, dass ich ungemütlich auf meinen Händen und Knien stand und eine quälende Enge meinen Körper einschnürte. Mit einem Blick auf meine Hände, stellte ich fest, dass sie mit roten Armbändern gefesselt waren. Ein roter Riemen führte von jedem Handgelenk zu meinem Oberarm. Ich trug ein Geschirr – eines der Geschirre, die ich in diesen Dokumenten gesehen habe!!! Es gab jedoch einen bemerkenswerten Unterschied: Ein langer, dünner metallener Schwanz hing schlaff an meinem Hinterteil und ein metallener Stern zierte dessen Spitze. Die Form erkannte ich sofort. Luxtra!„Hallo Tobias.“Eine Stimme dröhnte durch einen versteckten Lautsprecher, der den kleinen Raum einfach beschallen konnte.„Sie scheinen Interesse an unserem kleinen geheimen Haustierprojekt entwickelt zu haben. Sie haben sich die Zorua Dokumente angesehen, richtig?“Mit einer Mischung aus Jubel und Angst nickte ich.„Nun, Sie müssen wissen, dass ich mit Stolz behaupten kann, dass er sich sehr gut gemacht hat. Seine Fähigkeiten haben alle unsere Erwartungen übertroffen. Ich war selbst massiv beeindruckt in welcher Art und Weise er perfekt mit Ihnen umgegangen ist.“Umgegangen … mit mir? Meine Gedanken kehrten zurück in das Büro. Das Wolwerock … war das … ?„Da Sie so … besessen darauf waren mehr über unser Projekt zu erfahren, habe ich beschlossen, dass Sie den Prozess aus erster Hand erleben dürfen. Fügen Sie der Datenbank, die sie so nachlässig gehackt haben, ihre eigenen Daten zu. Der einzige Weg, wie ein Rüpel wie Sie je von unserem streng geheimen Projekt erfahren sollte, ist es eines unserer „geschätzten“ Meerschweinchen zu werden. Schade, denn Sie hatten so viel Potenzial. Mit Ihrem demonstrierten Hacking Talent, hätte ein niederer Rüpel wie Sie einer unserer Spezialisten werden können …“Ich versuchte ein strahlendes Lächeln zu vermeiden, da ich befürchtete, wenn zu viel Freude zeigte, dass das Verfahren abgebrochen wurde und durch etwas Schlimmeres ersetzt werden würde.„ … aber es wird verdammt schwer werden einen Computer mit steifen Gummipfoten zu bedienen! Offensichtlich sind Sie besser geeignet Team Rocket als williger, gehorsamer Sklave in Knechtschaft zu dienen. Aber genug gesprochen, Sie werden sich danach eh an nichts mehr erinnern. Auf Wiedersehen, Rüpel. Ich freue mich darauf in ein paar Monaten Luxtra zu sehen.“Die Gegensprechanlage wurde knackend abgeschaltet und hinterließ völlige Leere. Ich stand da und saugte das alles in mir auf, während ich versuchte irgendwie mein Gleichgewicht zu halten. Mein Herz pochte vor Aufregung, Vorfreude und nur einem geringen Anflug von Angst. Was, wenn das Experiment schief lief? Was, wenn Team Rocket mich nicht gut behandelte? Was, wenn der Prozess nicht funktionierte?Es war zu spät um umzukehren, aber wer sagte, dass ich das wollte?Ich konnte meine Erregung kaum unterdrücken, als eine klebrige Flüssigkeit aus einem Loch in der Decke tropfte und dicke, gummiartige Strähnen nach unten Richtung meines wartenden Körpers sickerten. Aufgrund meiner festgebundenen Position konnte ich dem Latex nicht entkommen, selbst wenn ich es versucht hätte.Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken, als die Flüssigkeit meinen Körper berührte. Dickes, kohlschwarzes Rubber sammelte sich auf meinem Hintern verschmolz und lief über die Seiten meines Körpers. Ich zitterte vor Freude als das Zeug sich um meinen Rücken schloss. Es fühlte sich genauso gut an, wie ich es mir immer vorgestellt hatte – nein Besser! Je mehr es gegen meine Kleidung presste, desto mehr wollte ich es. Meine Freude wenn mein Körper erst einmal für immer vollkommen eingeschlossen war, konnte ich mir einfach nicht vorstellen!Das Goo sprudelte und krabbelte über meinen Körper, als hätte es einen eigenen Willen. Meine Fassade fiel, als Latexklumpen auf meine Arme tropften und ich konnte meine Freude nicht länger verstecken. Die gummiartige Flüssigkeit komprimierte und streckte sich und schlängelte sich zwischen Geschirr und meiner Haut. Während sich meine neue Latexhaut weiter aufbaute spürte ich, dass das Geschirr sich immer fester zog und die formbare Masse tiefer in mein Fleisch presste. Unter der pressenden Schicht löste sich meine Kleidung vollständig auf und meine nackte Haut wurde dem Film aus Latex schutzlos ausgesetzt. Ich schnappte wegen dem angenehmen Kribbeln auf meiner Haut nach Luft und die blanke Ektase ließ mich fast zu einem zitternden Haufen zusammenfallen, wenn mich die Fesseln nicht aufrecht gehalten hätten.Die Transformation konnte nicht schnell genug ablaufen.Überschüssiges Rubber sammelte sich unter mir und tropfte von meinem schwarz gefärbten Bauch, als das blubbernde Zeug begann zu wirbeln und mit Farbstreifen vermischte. Ein leuchtendes, elektrisches Blau streifte über meinen Bauch und breitete sich aus wie Lebensmittelfarbe. Energetisch blaue Ranken wickelten sich um meine Arme und Beine, pulsierten wie Blutgefäße, bevor sie meine Gliedmaßen mit einer sirupartigen Schicht vollkommen überzogen hatten. Immer mehr Ranken flossen über mich und legten sich auf bereits vorhandene Schichten aus Latex. Eine besonders dicke, schwarze Kugel rollte meine Arme herunter und sammelte sich auf meinen Händen. Die überwältigende Kraft der Kugel drückte meine Finger allmählich zusammen: Sie verbanden sich und wurden zu schmerzhaft engen Fäusten zusammengepresst, komplett in Latex verschmolzen. Selbst nachdem der letzte Finger vollkommen eingeschlossen war, drückte es immer weiter und fester, sodass es fast unmöglich war die Hände noch zu bewegen.Das Gummi verstärkte sich rund um meine Handflächen und bildete eine feste Isolierschicht zwischen dem Boden und meinen zerquetschten Händen. Ich zitterte vor Freude, als das selbe mit meinen Beinen passierte. Das Goo war auf einmal so gemütlich und angenehm warm, dass meine unbedeckten Teile des Körpers sich bitterkalt anfühlten.Etwas an meiner Wirbelsäule begann zu zucken, als die ersten Tropfen der Masse begannen auf den leblosen Metallschwanz, der hinter mir auf dem Boden lag, zu fallen. Hingezogene Streifen nährten den immer größer werdenden Fleck, bis das metallische Grau verschwunden war und durch wunderschönes Mitternachtsschwarz ersetzt wurde. Der Stern färbte sich leuchtend gelb und das Licht spiegelte sich etwas in den noch feuchten, glänzenden Flecken. Wie sehr ich mich danach sehnte ihn endlich so bewegen zu können wie meine anderen Gliedmaßen! Leider spürte ich aber nur ein enttäuschendes leichtes Kribbeln in meiner Wirbelsäule.Von meiner Enttäuschung wurde ich erst durch eine Bewegung unter meinem Gesicht abgelenkt. Goo kletterte von unter dem Lederhalsband um meinen Hals nach oben und umschloss bereits mein Kinn. Zeitgleich begann eine Düse an der Decke dicke, schwere, schwarze und glänzende Klumpen auszuspucken, die meinen Kopf trafen. Diese verliefen, rannen über meine Haare und an meinem Gericht herunter. Mein strahlendes Lächeln und meine Nase waren zunehmend mehr von mehreren Schichten flüssigem Latex verkrustet, während einzelne Tentaklen unaufhaltsam in meinen Mund und die Nasenlöcher krochen.Der widerliche Gestank von Rubber füllte meine Nasenhöhlen, während das Zeug in meinem Mund sich zu einer Art halbflüssigen Knebel formte. Ohne zu zögern schluckte ich die Flüssigkeit herunter, als wäre es Soda. Das Goo war angereichert mit Sauerstoff und Nährstoffen, damit mein Körper überleben konnte, während er langsam von den menschlichen „Notwendigkeiten“ entwöhnt wurde. Ich konnte es kaum erwarten frei von diesen restriktiven menschlichen Eigenschaften zu sein und stellte mir vor wie es sein würde, wenn ich endlich aus den Grenzen dieser Gesellschaft entlassen war. Die Orte, die ich bereisen konnte, die extra Zeit, die mir geschenkt wurde … Diese Notwendigkeiten wie Atmen, Schlafen oder Essen waren so in unsere menschliche Psyche eingebettet, dass es unmöglich war sich ein Leben ohne vorzustellen – dass es überhaupt machbar war.Meine Sicht verschwamm, als das Goo über meine Augen lief und ich warf mit meinen menschlichen Augen einen letzten Blick durch den Raum, bevor die Schicht sich schloss und mich in vollkommene Dunkelheit hüllte. Alles war unangenehm taub.Es fühlte sich an, als würde ich in einem Bett aus halb festem Kleber schweben. Das Latex drückte aus allen nur erdenklichen Winkeln auf mich und versiegelte die kleinsten Risse, Spalten und Unebenheiten. Es gab absolut keine Möglichkeit sich zu bewegen, oder auch nur irgendwie zu wackeln.Mein Körper schien durch den massiven Druck gewaltsam zerdrückt zu werden und es war weitaus qualvoller, als ich es mir vorgestellt hatte, aber das Rubber schien eine seltsam beruhigende Fähigkeit zu besitzen und absorbierte die meisten Schmerzen, dadurch dass es über meine Haut floss und diese massierte, was die Schmerzen effektiv linderte.Die Zeit verlangsamte sich zu einer nicht messbaren Geschwindigkeit und es gab nichts mehr als Rubber. Rubber erstickte meine Augen, kitzelte in meiner Nase und floss munter in meinem Mund. Rubber war alles was ich sah, roch und schmeckte.Rubber, wunderschönes Rubber.Um mir die Zeit zu vertreiben, erinnerte ich mich an die Dokumente, die ich über den Verwandlungsprozess von Zorua gelesen hatte. Der fortwährende Druck des Geschirrs und das Rubbers schien in einem Zyklus zu wirken: Verengen, etwas lockern. Verengen, etwas lockern. Verengen, etwas lockern. Immer enger. Je mehr es sich verengte, desto weniger Schmerzen hatte ich. Es wurde ein natürliches Ereignis. Verengen und lockern. Perfektionieren! Ich wollte umarmt werden. Ich wollte diesen Druck. Tag für Tag wuchs meine Freude daran. Es war mir egal wie lange es dauern würde, denn es machte mich perfekt.Auch begann ich immer wieder Stimmen in meinem Kopf zu hören. Nur kurze, flüchtige Momente, aber in denen schien ich an nichts anderes Denken zu können. In diesen Momenten verspürte ich einfach pure Freude. Rohe, ungefilterte Glückseligkeit. Bei jedem noch so kleinen Gedanken schüttelte es mich vor Zufriedenheit und Genugtuung. Es war so himmlisch …. Ich konnte es kaum ertragen!Wenn ich an Team Rocket dachte, vervielfachte sich der Nervenkitzel und Krämpfe von reiner Euphorie erschütterten meinen kompletten Körper.Diene Team Rocket…Gehorche Team Rocket…Den Gedanken wiederholte ich immer wieder in meinem Kopf, wie bei einem defekten Plattenspieler, im unstillbaren Verlangen nach mehr Dopaminschüben. Schon sehr bald verband mein Gehirn Team Rocket mit den Stößen aus Glück und der Freude am Latex.Team Rocket ist Freude.Team Rocket ist pures Glück.Leere deinen Geist und erfülle ihn mit Glück, sei für immer glücklich.Leere deine Gedanken, es existiert ausschließlich Team Rocket. Gehorche.Immer wieder wiederholte ich dieses Mantra in meinem Kopf.Team Rocket ist Freude. Team Rocket ist pures Glück. Gehorche.Gehorche.Gehorche.Gehorche.Lu … Gehorche.Lux … Gehorche.L – LUXTRAAAA!Stück für Stück wurden die Stimmen lauter und das Verlangen danach immer größer. Mein Gehirn reproduzierte die Worte und wiederholte sich von alleine, ob ich darüber nachdachte, oder nicht. Egal woran ich dachte, das Mantra war allgegenwärtig und ich liebte es.Schon bald wollte ich an nichts anderes mehr denken. Warum sollte ich auch? Ich wollte ein loyales Haustier sein. Ein wunderschönes, perfektes Rubber-Haustier.Mit der Zeit wurden meine Gedanken immer unschärfer. Zuerst wurden kleine Details von vergangenen Ereignissen in Team Rocket Ereignisse verfälscht: Essen gehen bei Team Rocket. Urlaub machen im Team Rocket-Freizeitland. Zum Supermarkt gehen, um neue Opfer für Team Rockets Experimente zu kidnappen. Die kleinen Dinge des Lebens eben.Ich konnte es kaum erwarten von meinem Chef, meinem Trainer, eingesetzt zu werden – meinem Meister.Das Wort ging mir durch den Kopf, zusammen mit einer Flut an Dopamin. Natürlich waren sie meine Meister! Quatsch, ich musste aufhören diese menschlichen Begrifflichkeiten zu verwenden, wenn ich an meine Besitzer dachte und ich fragte mich welche Aufgaben ich für sie zu erfüllen hatte.Aber warum solltest du darüber nachdenken? Ein Haustier wie du sollte sich um solche Dinge keine Sorgen machen. Deine Besitzer werden dir sagen, was zu tun ist.Wow, die Stimme in meinem Kopf hatte mehr als Recht!Hör endlich auf eigenständig zu Denken. Lass diese stressige Aufgabe deine Trainer für dich übernehmen! Dein einziger Zweck ist es deinen Herrchen zu Dienen! Auf diese Weise erfüllst du deinen Zweck für Team Rocket am Besten.Auf einmal klang das alles so offensichtlich. Ich war echt so dumm!Natürlich bist du es, du dummes Luxtra. Und genau darum übernehmen die Trainer das Denken für dich! Ein perfektes Luxtra wie Du gibt sich mit so etwas nicht ab. Zeitverschwendung! „Denken“ oder „Entscheidungen treffen“ schwächen dich. Du hast nicht zu Denken. Du hast zu handeln. Zu Gehorchen. In Kämpfen ist keine Zeit zum Denken, denn es zählen nur Gehorsam und Leistung.Denken ist Zögern. Zögern ist Unvollkommenheit. Unvollkommenheit schwächt Team Rocket. Du BIST Team Rocket. Du bist ihr Werkzeug. Gehorche denen, die dir überlegen sind. Zerquetsche diejenigen, die dir unterlegen sind, unter deinen Pfoten.Ja … Lu – Luxtra …Die dicke Schicht aus Goo veränderte meinen Körper immer weiter. Mein Herz pumpte nährstoffreiches Rubber durch meine Adern und winzige Fragmente klebten an meinen Blutzellen und Geweben. Wie bei einem Virus veränderten sich die Blutzellen zu Mini- Latexfabriken und pumpten ohne Unterlass mehr davon in meinen Körper. Ständig wurden meine Knochen gebrochen und in einer zunehmend katzenartigen Position sofort wieder geheilt. Inzwischen löste jede noch so kleine Veränderung pures Glück in mir aus. Alles andere fühlte sich langweilig an. Es gab nur noch Rubber. Rubber überall, innen und außen.Eines Tages öffneten sich einfach so meine Augen. Mit überraschender Leichtigkeit klärte sich meine Sicht und ich sah den Raum, den ich … schon immer … besessen habe.Ein leises, schlagendes Geräusch wurde von meinen Ohren aufgeschnappt und ich drehte mich um, um es zu lokalisieren – bis ich bemerkte, dass es aus meinem Körper kam.Es war mein schlagendes Herz.Mein ganzer Körper machte Geräusche, von den Magensäften bis hin zum Schlucken.Und sie widerten mich an! Im Grunde genommen war ich ein wandelndes Megafon! Wenn mein makelloser Gehörsinn das erkennen konnte, konnte es auch jeder andere. Ich musste absolut still sein. Stille erhöht meine Tödlichkeit. Stille ist Perfektion.Lärm zeigt Schwäche – diese erbärmliche Minderwertigkeit, die Team Rocket so verabscheute. Lärm war ein Laster der Menschen. Stümperhafte Idioten! Kein Wunder, dass meine Meister mich brauchten. Aber noch war ich nicht so weit, denn ich musste meine Schwächen noch überwinden.Das Geschirr, das mich an meinen Platz gebunden hatte, war glücklicherweise verschwunden und erlaubte mir mich zu bewegen. Ich war Frei!Vorsichtig trat ich einen Schritt nach vorne und spürte, wie meine Latex Ballen sich gegen den Boden stemmten. Geräuschlos. Effizient. Völlig tödlich. Genau so, wie es meine Meister mochten.Ich ging ein paar Schritte mehr und wackelte bei jedem Versuch, da sich meine Vorderbeine anfühlten, als bestünden sie aus Gelee und wären nicht in der Lage mein Gewicht zu tragen. Gerade so, als ob sie normalerweise nicht für solche Zwecke gemacht wären. Es dauerte eine Woche, bis diese erbärmliche Hilflosigkeit nachließ. Je mehr ich lief, desto natürlicher wurde es für mich. Langsam passten sie sich an ihren neuen Job an und stützten meinen muskulösen Körper mit wachsender Leichtigkeit. Solide Muskeln aus reinem Gummi, die ausschließlich zum Gehen, Sprinten und Springen geeignet waren wuchsen und dehnten sich aus, während alte und unnütze Gewebemuskeln zu Nichts verdorrten. Eine weitere Woche dauerte es, bis die störenden Geräusche in mir verstummten und nichts als reine, wundervolle Stille zurückließen.Eines Tages, während eines Sprinttrainings, streifte ich versehentlich eine Wand meines Raumes und bekam dadurch einen statischen Schock, der meinen Körper minimal zucken ließ. Instinktiv zuckte ich zusammen und schlitterte etwas, bis ich stand. Das tat weh!Doch dann spürte ich einen weiteres kleines Britzeln in meiner Mähne, nahe des ersten Schocks. Und noch einer. Und noch einer!Trotz der anfänglichen Beschwerden wollte ich bald mehr und schrubbte mich an den Wänden meines Raumes und spürte jeden kleinen statischen Schlag auf meiner Rubberhaut wie tausend winziger Insektenstiche. Wie auch immer, die winzigen Nadelstiche aus statischer Energie waren nichts gegen den Jubel, der sich in mir aufbaute, wenn die größeren elektrischen Funken über meinen Körper sprangen. Sie machten meine natürliche Euphorie fast unerträglich berauschend. Das Element Elektrizität war so gut wie unter meiner Kontrolle – nur noch ein bisschen mehr!Allmählich nahm die Intensität meiner statischen Energie zu. Mich an den Wänden zu reiben erzeugte mehr und mehr und die produzierten Funken blieben in meinem Körper immer länger erhalten. Besonders große Ausbrüche stachen mir in den Augen, aber ich blieb standhaft.Einige Wochen lang reiben später spürte ich ein gleichmäßiges, elektrisches Kribbeln in meinem ganzen Körper. Ich fing sogar an eigenständig statische Energie an die Wände abzugeben, wenn ich mich ihnen näherte. Dieses Gefühl nahm nur zu, wenn ich weiter an ihnen kratzte, rubbelte und wischte.Bald schon konnte ich deutlich sichtbare Bögen aus elektrischer Energie zwischen meinen metallischen Krallen produzieren und im Laufe der nächsten Tage begann mein Körper durch interne Reibung eigene Elektrizität zu produzieren. Muskeln, Gewebe und meine Organe passten sich bald der Energie an, die ich so sehr verdiente. Veraltete organische Bestandteile fanden eine neue Verwendung, zum Beispiel die ehemaligen Blutgefäße, die nun zu perfekten Kabeln umfunktioniert wurden und in der Lage waren unergründliche Mengen an Elektrizität in Bruchteilen von Sekunden an die metallischen Kontaktpunkte meines Körpers zu leiten – Meine Krallen, die rasiermesserscharfen Zähne, die meine Schnauze säumten und mein Stern am Schwanz.Der Strom begann schnell durch meine Muskeln zu fließen und lud sie mit übermächtiger Kraft auf. Ich war so energiegeladen, dass mein einst so großer Raum nun schmerzhaft eng wurde, denn ich sehnte mich nach nichts mehr, als einfach zu rennen und meine endlosen Mengen an Energie meiner übermenschlichen Muskeln zu verbrennen. Einfach alle meine Kraft sollte ausschließlich Team Rocket gehören.Trotzdem rieb und trainierte ich weiter. Meine Latexorgane rieben immer schneller und kräftiger aneinander und wurden dadurch zu Mini Kraftwerken, die immer größere Unmengen an Strom produzierten. Ich übte diese innere Kraft unter meine Kontrolle zu bringen, sie zu bündeln und zu schießen.Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, öffnete sich eine versteckte Tür in einer der Wände und ein langer, dünner Mann in einem schicken Anzug trat ein. Ein glänzender Zorua Schwanz ragte hinter seinem Rücken hervor. „Du siehst gut aus, Luxtra. Team Rocket ist sehr zufrieden mit deinem Fortschritt.“Ich spürte, wie mein Schwanz ob des Lobes unkontrolliert schlug. War ich ein … ein gutes Haustier?„Erlaube mir eine erste Einschätzung zu machen und dich dann auf ein spezielles Training für deine erste Mission vorzubereiten.“Mein Schwanz wedelte noch heftiger, alleine durch den Gedanken meiner Einheit zugewiesen zu werden und ich konnte mich kaum zurückhalten vor Freude umherzuspringen! Etwas in meinem Kopf sagte mir, dass diese Person einer meiner Trainer war und daher musste ich ihm gehorchen und ihn gut behandeln. Trotz meiner elektrogeladenen Freude gelang es mir, mich zurückzuhalten und mich gehorsam neben seine Füße zu setzen.Aufgrund meiner Reaktion grinste er und kraulte mit seiner Hand meine schwarze Latexmähne. Diese Aktion war jenseits purer Glückseligkeit und Schauer purer Lust zuckten durch meinen Körper. Leider hörte er viel zu schnell wieder auf, trat einen Schritt zurück und fasste in seine Tasche, wo er einen einzelnen Pokéball vorzog. Im Gegensatz zu einem normalen Pokéball war die obere Hälfte schwarz und hatte ein markantes rotes R auf der Vorderseite.„Bist du bereit?“„LUXTRA!!!“Die Stimme aus meinem Hals klang mechanisch, tief und kehlig. Bedrohlich. Perfekt um den Feinden von Team Rocket Angst einzujagen.Ohne ein weiteres Wort warf er den Pokéball auf mich und ich wurde von einem grellen weißen Licht geblendet, bevor alles schwarz wurde. Eine Art Massagegerät streichelte meine Latexhaut, während ich in der Dunkelheit lag und vor Freude strahlte. In der andauernden Nacht machte ich mir Gedanken über meine Zukunft – meine wundervolle, tolle Zukunft. Über meine Meister und meine Mission. Die tödliche Kraft zu sein, die ich war.Ich würde das allerbeste Rubber Luxtra sein, wie keines vor mir war!
Wahlfamilien en gros Teaser 066Kavóy blickte sich in dem abgedunkelten Raum um. Der Geheimdienstchef hatte ihm das Wort erteilt und saß nun mit ungeduldiger Miene zwischen Dyckeburg und Maßberg, die beide ganz Ohr zu sein schienen. Marmor hockte hinter ihnen und strahlte wie ein Kind, das sich auf eine spannende Geschichte freut. Vom Turm wirkte, als ob sie Zahnschmerzen hätte. Das Gesicht des ersten Ministers war nicht zu erkennen, weil er sich auf einen breiten Armstuhl in das Halbdunkel der hintersten Ecke zurückgezogen hatte. Nur seine massige Gestalt war zu sehen, die in dem Stuhl fläzte, ein Bein baumelnd über der Armlehne hängend. Kavóy gab Thúlo ein Zeichen für das erste Bild. Es erschien das Sepia eines vierschrötigen Mannes mit einem dicken Schnurrbart. „Vor sich sehen Sie den Mann, dem wir letztlich alle Erkenntnisse verdanken, die wir Ihnen im folgenden präsentieren werden“, begann Kavóy mit seiner besten Vorlesungsstimme, „Generaldirektor Ukuórcho von der Union & Center Minengesellschaft. Es war seine Idee, die Probleme der Mine im Großen Tal von dreien der besten Wissenschaftler des Innen untersuchen zu lassen, den Von Forts. Es ist im wesentlichen ihrer einzigartigen Arbeit vor Ort zu verdanken, dass wir bereits jetzt ein relativ umfassendes Bild des Bunten Volks besitzen.“ „Hat allerdings auch einen Haufen Geld und Überredung gekostet, ihm beizubringen, dass die Mine flöten ist und dass er die Finger von weiteren Nachforschungen lassen soll“, kommentierte der erste Minister von hinten, „der gute Ukuórcho ist nicht der Typ, der einen so ertragreichen Posten in der Bilanz einfach aufgibt.“ Kavóy registrierte, wie der Geheimdienstchef die Augen verdrehte und beschloss, nicht auf den Kommentar einzugehen. Das nächste Lichtbild erschien und zeigte einen Ausschnitt aus den geheimen Karten des Marineministeriums. Es sagte viel über den Kenntnisstand der Anwesenden, dass niemand zu der unwahrscheinlichen Präzision einen Kommentar abgab. Die Karten, über die nach Wissen Kavóys noch nicht einmal die Union verfügte, waren der bei weitem wertvollste Schatz, der Center aus der kurzen Periode vor dem dunklen Zeitalter geblieben war. Zu sehen war auf dem Ausschnitt das große Zentralmassiv von Sáut und mitten auf dessen innerer Hochebene der ‚Große See’, das mit Abstand größte Süßwasserreservoir der Welt. Er nahm fast ein Zehntel des Südkontinents ein. „Nach dem, was wir wissen, siedelt das Bunte Volk in einer gigantischen Höhle, die sich unter dem südlichen Ende des Großen Sees auf Sáut befindet. Es gibt einen Mythos unter den Mitgliedern des Bunten Volks, der besagt, der See sei künstlich und als Reservoir für die Siedlung angelegt worden. Angesichts dessen, was wir über die Höhle wissen, in der sie leben, können wir nicht ausschließen, dass der Mythos den Tatsachen entspricht.“ Kavóy ließ diese Nachricht einsinken und gab Sárnay ein Zeichen. „Das nächste Lichtbild ist die Wiedergabe einer Skizze, die Karlson Von Fort nach den Angaben unserer Hauptinformantin gemacht hat, einem entflohenen Mitglied der grauen Farbe namens Sprechen“, begann sie. Mit einem klickenden Geräusch schob sich das Bild in den Werfer. Ein Raunen ging durch ihre Zuhörer. Zum guten Teil lag das an Von Forts zeichnerischer Begabung. Er hatte mit nichts als einem Bleistift und etwas von der Feuchtigkeit aufgequollenem Notizpapier eine Vision der Innenansicht eines gigantischen Schneckenhauses erschaffen, die so realistisch wie ein Sepia wirkte. In der Mitte erhob sich eine Säule, schlank an der Basis, die sich wie der Trichter einer riesigen Posaune nach oben immer mehr weitete, bis sie nahtlos in das torusförmige Gewölbe des Dachs überging. Zu ihren Füßen lag eine hügelige Landschaft, die eine Ahnung von der enormen Größe des Raumes vermittelte. „Ist sowas möglich?“, hauchte Maßwerk. „Wo kommt das Licht her?“, fragte Héyyu. „Eine ausgezeichnete Frage“, versetzte Sárnay, „die uns gleich zu einem der wichtigsten Punkte führt. Nach Auskunft von Sprechen gibt es eine Energiequelle, die dafür sorgt, dass die Höhlenwände ein starkes Licht abgeben, das an den Tag- und Nachtrhythmus von Sáut angepasst ist. Das Licht ist so stark, dass es sogar die Züchtung von Nutzpflanzen in der Höhle erlaubt.“ Das schlug ein. „Die Kraft dieser Energiequelle scheint allerdings abzunehmen, was die Anführer des Bunten Volks in eine schwierige Lage bringt“, ergänzte Sárnay, „doch davon später. Es gibt ein riesiges und komplexes System des Luftaustauschs mit der Oberfläche. Sprechen hat uns darüber ein Fülle von Informationen gegeben, denn sie gehörte zu den Technikern, die dieses System am Laufen halten. Über die Energiequelle wusste sie dagegen fast nichts. Sie ist Teil der Geheimnisse, die die führende Kaste des Volks eifersüchtig hütet.“ Sárnay blickte zu Thúlo. Der junge Mann stand hastig auf und räusperte sich ausführlich. Ein neues Lichtbild zeigte eine handgezeichnete Graphik umgeben von zahlreichen kaum lesbaren Kommentarkästchen. „Die soziale Struktur ist vielleicht das Bizarrste am Bunten Volk überhaupt“, begann Thúlo. „Na, ich weiß nicht“, brummte von Marmor dazwischen, „eine beleuchtete Riesenhöhle finde ich auch schon ganz ordentlich abwegig.“ Thúlo blickte ratlos zu Kavóy, der ihm bedeutete, sich nicht irritieren zu lassen. „Das wichtigste soziale Unterscheidungsmerkmal des Bunten Volks ist die Farbe“, begann Thúlo und machte eine kurze Pause für die dumme Bemerkung, mit der er fest rechnete. Als keine kam, räusperte er sich ein weiteres Mal. „Insgesamt gibt es sechs Farben, mit denen sehr unterschiedliche Gruppen gekennzeichnet werden“. Er deutete auf die Graphik, in deren Mittelpunkt mehrere verschieden große Kreise zu sehen waren. „Die relative Größe der Kreise entspricht dem von uns geschätzten Bevölkerungsanteil. Die führende Farbe sind die Violetten. Sie überwachen die lebenserhaltenden Systeme der Höhle. Sie sind aber auch so etwas wie Priester, sie sind diejenigen, die Wissenschaft und Forschung betreiben und sie kontrollieren die Gesetzgebung. Sie sind Telepathen, die ihre Fähigkeiten offenbar mit chemischen oder physikalischen Mitteln extrem zu steigern wissen.“ Sárnay, die ihre Zuhörer aufmerksam beobachtete, registrierte, wie die anderen Héyyu Dyckeburg mit verstohlenen Seitenblicken streiften....
Gedichte
FlandernschlachtenMan sagte einst, das Schwert entscheide,Dass sonst der Leib des Volkes leideUnd dass der Nachbar uns beneide,Nun liegt der Körper auf der Heide In einem aufgewühlten Grab.Die Hölle ist ein Feld in Flandern,Hier sterben wir und auch die Ander’nWo uns‘re Gräben sich mäandern Und Stacheldraht das Land umwarb.Seit Stahlgewitter erstmal krachtenUnd wir mit uns das Unheil brachten,Bleibt uns in Ypern nur das SchlachtenUnd wo dereinst noch Kinder lachten, Ist Chlorgas nun der Stunde Kind.Die Blinden folgen hier den Blinden,Den wohl versproch’nen Ruhm zu findenUnd doch sich nur im Matsch zu winden, Wo blut‘ges Wasser nie verrinnt.Vier Schlachten müssen wir ertragen,Der Menschlichkeit in uns entsagenUnd jede Nacht den Ausfall wagen,Wo viele schon dem Krieg erlagen Und starben tief im Niemandsland.Australier, Franzosen, Briten,Die Deutschen und noch mehr gerietenSchon in die Mühle und beknieten Den Himmel, der im Qualm verschwand.Wir werfen uns dem Feind entgegen,In dem nicht enden woll’nden Regen,Mit Spaten, Bajonett und DegenUnd Ammenmär‘ von Gottes Segen, Wird Mensch zu bloßem Material.Wir bauen Wälle aus den Leichen,Seh’n Grün dem Grau des Schlachtfelds weichen,Erkannten dennoch nicht die Zeichen, Offenbart in krupp’schem Stahl.Vom Jubelwahn zum bitt’ren Ende,Zerwühlten wir das KampfgeländeUnd wuschen zitternd uns die HändeIn Schlacke dunkler Zeitenwende, Verwachsen bald mit dem Morast.Vier Schlachten mussten wir erdulden,Die Toten in den Kratermulden,Die ohne eigenes Verschulden Zur Bahre stürmten voller Hast.In Flandern blüh’n die roten BlütenDes Mohns, wo einst Kanonen glühten,Um zu verstecken all das WütenUnd Massengräber zu behüten, Dass niemand mehr Inferno sät.In Flandern blieb uns nur das Schlachten,Ganz anders als wir anfangs dachtenUnd als den Blutzoll wir erbrachten War’s für die Umkehr längst zu spät.
Traeume by Zeriphon
Fanfictions auf Deutsch
BABYLON-6 - 04. Alte Feinde by ulimann644
Ich wurde ein Vulpix -Kapitel 21-Ich wurde ein Vulpix -Kapitel 21-Original "I became a vulpix" © by ©pic. Übersetzung von ,„Ab jetzt wird alles gut“, flüsterte mir Agnes ins Ohr und umarmte mich feste.„Pico!“, rief Derek, als er auf sein Pokémon zu rannte.Der Tumult hatte viele Trainer angelockt, die meisten begaben sich zu ihren Pokémon und schauten nach ihnen, bevor sie sich mir zuwandten.„DU!“, blaffte Agnes einen von ihnen an, „Hol den Arzt. Schnell!“Agnes hörte auf mich zu drücken und schaute über mich. Sie reagierte nicht auf das Blut, dass aus meinem Ohr und der Pfote floss, sondern flüsterte leise in mein gesundes Ohr und hielt ihre Hände auf mir, um mich zu beruhigen. Die Tatsache, dass ich in ihren Armen lag, fern von jeglicher Gefahr und Pico in meiner Nähe war, der mich beschützt hatte, half mir runter zu kommen und obwohl ich immer noch vor Schmerzen, Panik und Müdigkeit zitterte, war ich in der Lage klar zu denken und mich zu beherrschen.„Geht es ihr gut?“, fragte Derek, nachdem er sichergestellt hatte, dass es Pico gut ging.Agnes drehte ihren Körper leicht zur Seite, um mich sogar vor den Blicken ihres Freundes zu schützen. „Sie ist verwundet.“Pico versuchte nicht einmal etwas über meinen Zustand zu erfahren. Mit hängenden Ohren und Schwanz saß er hinter Derek und schaute gelegentlich zu mir hoch, wandte seinen Blick aber sofort ab, sobald ich zurückschaute.„Was ist hier passiert?“, fragte eine männliche Stimme, die ich nicht kannte. „Wo ist Fenrir? Ist das dein Vulpix, Agnes?“Es dauerte nicht lange, bis der Junge die Abwesenheit seines Pokémon mit meinen Wunden in Verbindung brachte.„Hat … Oh Gott! Ich …“Er deutete mehrfach abwechselnd auf mich und Agnes. Seine Augen und Mundwinkel zuckten vor Bestürzung und er entschuldigte sich mehrfach bei Agnes, bevor er sein Pokémon suchen ging.„Was geht hier vor sich?“, polterte der Arzt los.Seine Stimme zu hören machte mich glücklich. Agnes winkte ihn zu sich und legte mich vorsichtig auf den Rücken. Er rannte zu mir und die anderen Schüler machten ihm respektvoll Platz. Nach einem kurzen Blick über mich, forderte er Agnes auf, mich in sein Büro zu tragen und forderte alle anderen auf zu ihren Aufgaben zurückzukehren. Derek dürfte uns nicht folgen.Im Büro übergab mich Agnes an den Doktor, damit er mich untersuchen konnte. Nach einigen schmerzhaften und unangenehmen Minuten, in denen ich den Arzt tun ließ, was er machen musste, überprüfte er mein Herz, Bauch, die verletzte Pfote, das Ohr und seufzte schließlich.„Ihr geht es gut“, sagte er sichtlich erleichtert. „Sie ist verängstigt und verletzt, aber nicht in Lebensgefahr. Ihr Bauch hat nichts abbekommen, ihre Pfote benötigt aber mehr Behandlung, als ich hier durchführen kann. Daher werde ich sie einfach verbinden und mich vorerst nur um das Ohr kümmern. Ruf im Pokécenter an und bestelle einen Rettungswagen.“Ich spürte, wie er einen Teil meines Ohres bewegte, als Agnes ihr Telefon hervorzog und einen Transport organisierte. Die Zähne von dem Hunduster hatten zwei parallele Schnitte in mein Ohr geschlitzt und hatten einen Streifen herausgetrennt, den der Arzt um die eigene Achse knicken konnte. Ich spürte, wie er am Rest des Ohres rieb, als der Arzt den Streifen wieder richtig positionierte.„Warum blutet sie so stark?“, fragte Agnes sichtlich besorgt, nachdem sie den Anruf beendet hatte.„Das Ohr ist sehr dünn und sehr gut durchblutet“, erklärte der Arzt und wühlte in einem Schrank. „Das blutet echt leicht. Die beiden Schnitte haben die marginale Ohrvene durchtrennt.“„Ist das schlimm?“„Eigentlich nichts Ernstes. Ohrenwunden sind immer ungefährlich. Normalerweise würde ich die Venen kauterisieren, also veröden, und das Ohr mit Narbengewebe heilen lassen, aber sie ist ein Vulpix und es ist so gut wie unmöglich ihre Haut zu verbrennen. Daher werde ich es stattdessen vernähen.“Wieder verschwand er in seinen Schränken, suchte etwas und kam ein paar Augenblicke später wieder zurück. Obwohl er sich Zeit nahm mich zu streicheln und zu beruhigen, während er etwas Nasses in mein verletztes Ohr legte, bewirkten seine Worte das genaue Gegenteil:„Du wirst das jetzt nicht mögen. Du musst so still wie möglich halten. Die Ohren sind mit die empfindlichsten Körperteile.“Als die Nadel das Erste Mal mein Ohr durchstach, zuckte ich so stark, dass ich fast vom Tisch gesprungen wäre, wenn mich Agnes nicht stark, aber vorsichtig festgehalten hätte. Ich managte es irgendwie stehen zu bleiben, auch wenn es eine äußerst unangenehme Erfahrung war. Er nähte mit insgesamt vier Stichen – zwei tief im Ohr, vermutlich nahe der abgerissenen Venen und zwei am Rand, um die Haut richtig auszurichten.„Das wird ziemlich schnell heilen“, sagte der Arzt. „Wir müssen den Bereich verbinden. In der Regel binden wir das ganze Ohr an den Kopf, aber …“Er sah mich an.„Ich denke das würde dir nicht gefallen, oder?“, fragte er mich ohne eine wirkliche Antwort zu erwarten. „Ich werde es anders verbinden, damit dein Ohr nicht an den Kopf gefesselt wird, aber deine Trainerin muss den Verband jeden zweiten Tag wechseln“, fügte er hinzu. „Ihr Handgelenk muss genauer untersucht werden. Je nachdem was passiert ist, kann es schlecht aussehen. Die Schwestern im Pokémoncenter werden dazu mehr sagen können.“Er reinigte mein Handgelenk und verband es, danach streichelte er mir über den Kopf und versicherte mir, dass es mir gut ginge. Er bat Agnes im Büro zu warten, während er nach draußen ging um den Rettungswagen einzuweisen.„Hey Ilma“, sagte Agnes plötzlich.Ich drehte mich herum und stellte fest, dass die Ilma keine andere war, als meine Schwimmlehrerin. Sie sprang zu mir auf den Tisch und schaute mich an. Meine Überraschung konnte ich nicht wirklich zurückhalten:„Warte, du bist sein Pokémon?“„Ja“, antwortete sie mit einem Lächeln. „Wie fühlst du dich?“„Ich bin verwundet und es tut weh.“„Ich weiß“, sagte sie und zeigte lässig auf das fehlende Stück Flosse an ihrem linken Ohr. „Sei froh, dass dein Ohr noch am Stück ist.“„Das ist nicht lustig“, rief ich viel verärgerter als ich wollte.Ilma hörte auf zu lächeln und sah sehr ernst aus.„Was ist passiert?“Ich erzählte ich von dem stalkenden Hunduster und wie er langsam von einem neugierigen Mitschüler zum aggressiven Angriff übergegangen ist. Ich beschönigte den Kampf und sagte einfach, dass er mich versucht hatte zu töten, während ich versuchte zu fliehen.„Also hast du nichts getan, was ihn hätte wütend machen können?“Natürlich verstand ich, dass das eine Routinefrage war, aber in dem Moment wo sie es fragte, fühlte es sich an als würde sich mein Magen umkrempeln. Tränen stiegen auf, meine Kehle verschnürte und ich brüllte einfach:„Ja, ich habe diese super hässliche Narbe auf dem Bauch. Natürlich ist es meine Schuld! Wie kann ich es wagen zu Leben?“Das Aquana schien von meiner Reaktion überrascht, behielt aber die Fassung.„In Ordnung“, verkündete sie einfach. „Warte einfach auf den Krankenwagen und vermeide es deine Pfote auf den Boden zu setzen. Was dein Ohr betrifft, solltest du es vermeiden deinen Kopf zu sehr zu schütteln. Ich denke für den Rest der Woche wirst du meinen Unterricht nicht mehr besuchen, also werden wir einen Weg finden müssen, wie du wieder aufholen kannst. Oh, und wenn du das nächste Mal so mit mir sprichst, werde ich dich ertränken.“Ein erschrockener Schrei presste sich aus mir, als ich zu verängstigt war um mich zu entschuldigen. Bis der Rettungswagen das war brachte ich überhaupt keinen Ton mehr heraus.Kaum im Pokécenter angekommen, wurde ich sofort zu einem kleinen Röntgengerät gebracht, wo von den Schwestern einige Aufnahmen von meinem Pfotengelenk angefertigt wurden. Ich war darüber enttäuscht, dass Schwester Joy diesmal nicht mit vom Team war, aber sie war diejenige, die mit den Röntgenbildern zurückkam."Ich habe gute Neuigkeiten“, kündigte sie schon aus der Ferne an und zeigte Agnes die dunklen Papiere. „Sie hatte eine Menge Glück. Der Biss ist zwar ziemlich tief ins Handgelenk eingedrungen und das hätte schwere bleibende Schäden verursachen können, aber sie hatte wirklich Glück, wie es scheint. Ihre Knochen sind in Ordnung, ihre Sehnen wurden verfehlt und die Wunde ist nicht gerissen. Trotzdem führen Verletzungen an Handgelenken häufig zu schlimmen Infektionen. Ich werde sie für eine Woche auf eine hohe Dosis Antibiotikum und Schmerzmittel setzen. Wenn ihre Pfote danach noch geschwollen ist, bringst du sie bitte wieder zu mir. Die Stichwunden der Zähne heilen ziemlich schnell von alleine ab, sodass ihre Mobilität nicht all zu sehr eingeschränkt werden sollte. Sie wird selber wissen, wann sie ihre Pfote wieder nutzen kann, aber sie sollte eine weitere Woche Wasser und Sport meiden. Jeden Zweiten Tag muss ihre Wunde vorsichtig gewaschen werden und der Verband muss gewechselt werden.“„Danke“, antwortete Agnes.„In den nächsten Tagen wird sie wirklich schlechte Laune haben, da sie trotz der Medikamente Schmerzen haben wird“, fuhr Schwester Joy fort, „Sie könnte sich weigern zu fressen, aber machen Sie sich keine Sorgen und zwingen Sie sie nicht dazu, wenn sie es tut.“Sie drehte sich zu mir.„Darf ich deine Pfote untersuchen?“Ich ließ sie nach meiner verletzten Pfote greifen und sie tastete sie ab, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war. Das war wirklich schmerzhaft, aber ich biss die Zähne zusammen und schwieg. Sie lag recht in der Annahme, dass ich schlechte Laune bekommen würde, aber zeitgleich war ich einfach nur noch müde und überwältigt. Nachdem Agnes noch ein paar Anweisungen bekommen hatte, verabschiedete sich Schwester Joy und wir verließen das Pokécenter. Draußen wartete ein Polizeiauto auf uns und wir fuhren zurück in die Schule. Der Fahrer erklärte uns, dass wir zum Direktor mussten, um die Entscheidung über den Vorfall zu hören.Derek, Agnes, das Hunduster welches mich angegriffen hatte und auch Pico hatten sich alle im Büro des Direktors versammelt und wir warteten in einer Reihe neben unseren Trainern sitzend. Agnes hatte mich in das Gebäude getragen und als sie mich auf den Boden setzte, dachte ich mir es wäre am sinnvollsten das Gelenk nicht zu belasten, daher berührte ich den Boden mit dieser Pfote nicht. Derek und Pico waren klugerweise in der Mitte platziert worden. Ich konnte den brennenden Hass des Hundusters und den stillen Zorn von Pico spüren, was die Situation mehr als unangenehm machte. Agnes schien überhaupt nicht böse zu sein und der Trainer des Hundes war einfach nur verwirrt und bedauerte es sehr.Kaum betrat der Direktor das Büro erstarrten die Menschen zu einem respektvollen Salut. Unsicher was ich tun sollte, schaute ich auf die anderen beiden Pokémon. Sie saßen würdig mit angespannten Muskeln und starr da, also tat ich es ihnen so gut wie möglich nach. Niemand bewegte auch nur ein Härchen, bis sich das Absol des Direktors neben seinen Master setzte und kalt sagte:„Entspannt euch.“Die Atmosphäre war anders, als die freundliche, entspannte vom letzten Mal, als ich in diesem Büro war. Es war klar, dass das eine sehr ernste Situation war und von allen eine angemessene Disziplin verlangt wurde.Der Schularzt und sein Aquana schlossen sich der Runde kurze Zeit später an.Er seufzte.„Lassen Sie mich eines klarstellen“, verkündete er, „In dieser Schule haben noch nie zwei Pokémon so schwer miteinander gekämpft. Es ist ein beispielloses Ereignis gewesen, dazu wirklich kein Gutes. Ich hoffe Sie sind sich dessen bewusst!“Er bekam keine Antwort, nur schluckten die Menschen leise und zwangen sich in die Augen des Direktors zu schauen.„Wir wissen nicht genau warum das passiert ist, aber wir wissen was passiert ist. Basierend auf dem Bericht von Doktor Belish und seinem Aquana Ilma ist die Situation eindeutig. Weder Pico noch Fenrir zeigen irgendwelche Anzeichen von Verletzungen, nicht einmal einen blauen Fleck, während Ruby als Notfall ins Pokécenter eingeliefert werden musste. Im Stadion gibt es Blutspuren und denke Sie sind nicht überrascht, wenn ich sage zu wem sie gehören. Angesichts der Tatsache, dass Ihr Hunduster von mehreren Pokémon im Stadion verfolgt und festgenommen wurde, während Pico nahe bei Ruby blieb und sie eindeutig beschützte, ist es ziemlich offensichtlich, wer der Aggressor war.“Der Direktor starrte den Trainer des Hundusters an.„Irgendwelche Erklärungen?“„Ich weiß nicht, Sir“, antwortete er wie aus der Pistole geschossen und wurde steif wie ein Stock. „Fenrir hat sich noch nie so verhalten. Zumindest nicht vor dem Tod seiner Schwester.“Der Arzt intervenierte:„Seine Schwester ist das Hunduster, die vor fast zwei Monaten im Pokécenter gestorben ist, Richtig?“„Ja Sir! Wir konnten sie erst letzten Sonntag ordnungsgemäß beerdigen. Die Polizei hatte sie wegen den Ermittlungen noch beschlagnahmt.“Der Direktor und der Arzt sahen sich für einen kurzen Moment an.„Sehr gut. Da dies eindeutig ein Fall von Aggression war, werden sie für den Vorfall voll verantwortlich gemacht.“„Ja Sir“, murmelte der Trainer schluckend.„Angesichts der Umstände denke ich aber nicht, dass eine vollständige Bestrafung angebracht wäre, zumindest nicht für Sie. Sie werden für einen Monat suspendiert. Trauern Sie um Fenris Schwester, verbringen Sie Zeit mit ihm und kommen Sie erneut zurück. Sie werden auch das komplette Stadion wischen, um das Blut loszuwerden, welches Ihr Pokémon vergossen hat. Fenrir wird nächste Woche in die Hundeschule geschickt.„Sir, Ja Sir. Danke.“„Derek“, sagte der Direktor und wandte sich an Agnes Freund.„Sir!“„Das selbstlose Verhalten Ihres Pokémons hat möglicherweise Rubys Leben gerettet. Er war in der Lage den Angreifer zu vertreiben und hat an ihrer Seite gewartet, bis sie in Sicherheit war. Pico und das Pokémon, das Fenrir gestellt hat erhalten meinen vollsten Dank.“„Danke Sir.“„In diesem Fall sind Sie aus dem Schneider. Stellen Sie sicher, dass Pico immer in Rubys Nähe ist.“„Das werden wir. Danke.“„Agnes.“„Sir?“„Ruby ist eindeutig das Opfer dieser Aktion gewesen, daher wird es auch für Sie keine Bestrafungen geben. Ihr Pokémon muss sich ausruhen, bis die Wunden verheilt sind, daher können Sie sich eine Woche frei nehmen, wenn Sie das wünschen, und Zeit mir ihr verbringen.“Agnes schaute mich an, als wollte sie mich um Zustimmung bitten. Vorsichtig schüttelte ich meinen Kopf, da sie nicht wegen mir den Stoff verpassen sollte. Sie zögerte ein paar Sekunden, nickte und drehte sich zurück zum Direktor:„Danke Sir. Bei allem Respekt, aber ich werde den Unterricht weiterhin besuchen. Ich bin in perfektem Gesundheitszustand, daher kann ich weitermachen. Ruby hat mir zugestimmt.“Sichtlich überrascht von meiner Entscheidung schaute mich der Direktor an.„Wie sie es wünscht“, schloss er nach ein paar Sekunden. „Sie sind entlassen.“Als wir die Tür verlassen wollten, tippte Doktor Belish auf Agnes Schulter.„Bringe Ruby morgen bitte zu mir. Ilma möchte sie sehen.“Das Aquana bestätigte mit einem energischen Nicken.„Kein Problem“, sagte Agnes, bevor sie mich hochhob und den Raum verließ.~ ~ ~ ~ ~ ~„Geht es dir gut?“, fragte mich Agnes, als wir in ihr Auto stiegen.Ich nickte. Obwohl ich größtenteils in Ordnung war, jetzt, wo ich endlich Zeit hatte alle Gefühle zu verdauen, spürte ich erst wie schrecklich mein Körper wirklich schmerzte. Trotzdem war ich seltsam aufgeregt. Vermutlich war das nur der noch nicht abgeklungene Adrenalinschub, aber ich hatte ein anhaltendes Gefühl, das ich einfach nicht beschreiben konnte. Ich versprach mir darüber nachzudenken und zu versuchen es zu identifizieren und legte mich so gut ich konnte auf meinen Platz. Während Agnes heimfuhr, nutzte sie jede Gelegenheit um mich zu Streicheln. Sie trug mich vom Auto aus in die Villa und direkt zu meinem Kissen, wo ich auf eine besorgte Topa traf.„Geht es dir gut? Was ist passiert?“„Später“, brummte ich müde und erschöpft. „Ich muss schlafen.“Das war eine Ausrede, um etwas alleine sein zu können, um über das Geschehene nachdenken zu können. Topa hatte das wahrscheinlich erraten und verließ den Raum.Ich war verloren und gedemütigt. Es ging einfach nicht in meinen Kopf, warum Hundusters Verlust es dazu gebracht hat mich anzugreifen. Es überraschte mich noch mehr, da ich so eine Reaktion von einem Tier nie erwartet hätte, da ich mir nicht einmal sicher war, ob Tiere überhaupt verstanden, um was es beim Tod ging. Offensichtlich verstanden es zumindest Pokémon, aber selbst dann gab es keinen Grund für den Angriff, es sei denn, er dachte ich sei für ihren Tod verantwortlich, gerade so als hätte ich sie eigenhändig getötet.Dachte er das tatsächlich von mir? Dachten das die anderen womöglich auch von mir? Wie konnte er überhaupt zu so einer Schlussfolgerung kommen, wenn ich selbst ein Opfer des selben Angriffs war, mit dem Unterschied, dass ich im Gegensatz zu seiner Schwester überlebt hatte? Hatte mich die bloße Tatsache meines Überlebens schuldig gemacht? Warum dachte ich überhaupt darüber nach? Das Hunduster war der Zweite, der mich versucht hatte zu töten, weil ich etwas überlebt hatte, woran andere Pokémon gestorben waren, direkt nach dem Trainer seiner Schwester. Würden es noch mehr Leute versuchen? Wenn das der Fall wäre, müsste ich so schnell wie möglich lernen mich zu verteidigen, oder ich würde nicht mehr all zu lange in dieser Welt bleiben.Und was würde dann passieren? Was wenn ich sterben würde? Würde ich wieder als Mensch aufwachen? Würde ich mich in etwas anderes verwandeln? Würde ich einfach … sterben?Meine empfindlichen Ohren nahmen leise Schritte wahr und ich bemerkte, dass Agnes schweigend in der Tür stand und mich anstarrte. Ich gab vor zu schlafen und hob nicht meinen Kopf zu ihr, konnte sie aber seufzen hören. Sie schaltete das Licht aus und flüsterte:„Wir beide werden zusammen ein hartes Leben haben. Ich hoffe du kannst damit umgehen.“~ ~ ~ ~ ~ ~Am nächsten Morgen wurde ich von Agnes geweckt, als sie mir sanft über den Kopf streichelte, ohne mein verwundetes Ohr zu berühren.„Hey Ruby wie geht es dir?“Ich war deutlich weniger aufgeregt als am Tag zuvor, aber überraschenderweise war ich weder besonders verärgert, noch deprimiert. Obwohl meine Pfote und das Ohr brannten wie Feuer, ging es mir körperlich erstaunlich gut und ich ärgerte mich darüber, dass ich noch eine Woche im Bett verbringen musste. Indem ich freudig antwortete, versuchte ich meinen Trainer zu beruhigen.„Ilma sagte, sie wolle mit dir reden, Erinnerst du dich? Ich werde dich heute Nachmittag zu ihr bringen, aber bis dahin kannst du dich ausruhen. Ich werde dich nach unten tragen, damit du etwas fressen und deine Medizin nehmen kannst.“Ich nickte und tat was sie wollte. Beim Fressen bemerkte ich, dass Pillen in die Nahrung gemischt waren, aber ich war nicht beleidigt. Im Gegenteil, es machte es mir nur leichter sie zu nehmen. Ich wusste nicht genau was es für Pillen waren, aber ich erinnerte mich, dass die Schwester was von Schmerzmitteln gesprochen hatte und angesichts des Zustandes meiner Pfote war ich mehr als glücklich sie zu nehmen. Nachdem ich mit Fressen fertig und Agnes gegangen war, trug mich Rakuen zurück auf mein Kissen und verbrachte einige Zeit damit so viel von meinem Fell zu bürsten, wie sie erreichen konnte. Sie war zwar nicht besorgt, aber gleichzeitig sehr vorsichtig. Schließlich ließen mich die Menschen alleine und Topa gesellte sich zu mir.„Wie geht es dir?“, fragte sie erneut.„Mir geht es … gut“, antwortete ich nach kurzem Zögern. „Und das meine ich ernst. Abgesehen von den Schmerzen in meinem Bein und dem Ohr bin ich alles andere als depressiv. Nur ein bisschen … verloren.“„Was ist passiert?“Ich beschrieb ihr die Ereignisse vom Vortag und versuchte so genau wie möglich zu sein. Sie gehörte genau mit zu, besonders als ich den Kampf beschrieb, und unterbrach mich nicht. Nachdem ich fertig war schwieg sie ein paar Minuten und dachte offensichtlich nach, bevor sie mich anschaute und sprach:„Ich bin überrascht, dass du so ruhig bist. Du bist bedeutend besser drauf als noch vor einer Woche.“„Ja ich weiß auch nicht. Ich bin aktuell nicht depressiv. Ich meine … ich weiß immer noch nicht, warum ich mich in ein Vulpix verwandelt habe und es stört mich nach wie vor, aber ich habe mich damit abgefunden. Das Leben geht weiter, oder?“Sie lächelte.„Es tut mir gut, wenn du so positiv bist. Also, was hast du gelernt?“„Vom Angriff?“„Ja.“„Nun, ich bin eine Lusche im Kampf. Er hat mich vollkommen dominiert, ich hatte nicht die geringste Chance. Pico hat meine Haut gerettet. Ich schulde ihm etwas.“„Das denke ich nicht“, antwortete sie.„Ich schulde ihm nichts? Er hat mein Leben gerettet.“„Das meine ich nicht. Ich denke, du hast dich im Kampf sehr gut geschlagen. Du meintest du hast es zweimal geschafft ihn zu Boden zu werfen, richtig?“„Ja.“„Das ist eine ziemliche Leistung, erst recht bei dem immensen Kräfteunterschied. Du hast gut reagiert. Der Versuch dich auf den Bauch zu drehen, um deine Kehle zu schützen war ein kluger Schachzug von dir, wenn du wusstest, dass du nicht gewinnen konntest. Wie hast du es geschafft ihn zweimal zu Fall zu bringen?“„Ich habe nur … Techniken angewandt, die ich als Mensch in Selbstverteidigung gelernt habe und es hat funktioniert.“Topa nickte.„Wir müssen wrestlen.“„Ich kann nicht“, antwortete ich und winkte ihr mit meiner verbundenen Pfote zu.„Nicht jetzt, aber sobald du wieder darfst, werden wir mit dem Training beginnen. Du musst lernen wie man ringt. Ich bin nicht gut darin, aber die Erfahrung wird dir gut tun.“„Ich würde lieber lernen wie man kämpft.“„ Auch das. Wir haben viel zu tun. Wann darfst du wieder trainieren?“„Die Schwester meinte was von etwa einer Woche, aber ich denke nicht, dass ich so lange warten muss.“„Okay, sobald es deine Pfote zulässt, gib mir Bescheid.“„Wann werde ich neue Attacken lernen?“, winselte ich sie an.„Nachdem du Glut in einem Kampf anwenden kannst, werde ich dir andere Attacken beibringen.“Unzufrieden seufzte ich. Mein Ziel war es mehr Attacken zu lernen und ich hatte das Gefühl, dass nur Glut zu beherrschen deutliche Nachteile mit sich brachte. Ich konnte einfach nicht abwarten Irrlicht selber anzuwenden und blaue Irrlichter zu erzeugen.Der ganze Morgen war super langweilig. Obwohl ich dank der Medikamente keine großen Schmerzen hatte, war meine Pfote immer noch sehr steif und angespannt, was mich immens nervte. Die Menschen hatten offensichtlich die Anweisung bekommen mich zu meiden und sogar Rakuen hielt, trotz ihrer anhänglichen Art seit ich ihr erlaubt hatte mich anzufassen, Abstand. Ich konnte noch nicht mal in den Trainingsraum gehen, ohne, dass meine Nerven brannten. Während ich auf meinem Kissen gefangen war, kam Topa regelmäßig vorbei und sah nach mir, aber wir redeten nicht viel und irgendwie war ich doch sehr erschöpft. Ich wollte einfach nur, dass die Wunden heilten, damit ich wieder üben konnte. Ja ich vermisste sogar meinen Schwimmunterricht.Als ich an den Unterricht dachte, stellte ich fest, dass ich Ilma immer mehr mochte und ich fragte mich, was sie mit mir besprechen wollte. Sie würde mich wahrscheinlich fragen, wie es mir nach dem Kampf ging. Würde es ein Fehler sein Ilma die Wahrheit anzuvertrauen? Meine Gedanken versteckte ich selbst vor Topa, weil sie mich zu sehr liebte, um wirklich objektiv zu sein, würde das Aquana das Ganze besser bewerten können? Wenn ja, war sie intelligent genug, um meine Fragen zu beantworten? Würde es ein Fehler sein meiner Lehrerin meine Probleme aufzudrücken?Ich war mir nicht mehr sicher was ich tun sollte. Ich wollte Topa nicht mit meinen Problemen belasten, brauchte aber wen mit dem ich darüber reden konnte. Von allen Menschen und Pokémon die versucht hatten mit mir zu reden, war Ilma die Erste die mir einfiel.Ich schüttelte meinen Kopf. Wenn ich eh keine Entscheidung treffen konnte, machte es auch keinen Sinn über Fragen nachzudenken, die nicht beantwortet werden konnten. Ich musste nur warten und entscheiden, während ich mit ihr sprach und da ich mir nicht sicher war, ob ich ihr vertrauen konnte, gab es nur einen Weg das herauszufinden…
Ich wurde ein Vulpix -Kapitel 20-Ich wurde ein Vulpix -Kapitel 20-Original "I became a vulpix" © by ©pic. Übersetzung von (Sponsored by ),„Und wie war es?“, fragte Topa interessiert, als Agnes und ich nach Hause kamen.„Ermüdend.“Vermutlich war es am besten, wenn ich ihr nicht all zu viele Details nannte, denn ich hatte keine Lust erneut darüber belehrt zu werden, dass ich mich schlecht fühlte wenn ich schlechter war als die anderen. Ich wollte mich einfach nur noch Ausruhen.„Was habt ihr gemacht?“„Ich habe gelernt zu schwimmen.“„Oh! Das ist großartig! Agnes wird echt glücklich sein. Vielleicht können wir jetzt endlich zum See gehen!“„Welcher See? „„Ja, es ist Tradition in dieser Familie. Agnes, Melissa und ich gehen am Ende der Ferien immer zu einem nahegelegenen See in den Bergen hinter dem Haus. In der Regel sind wir das ganze Wochenende dort, weil wir dort Campen. Diesmal ist es aber ausgefallen, weil Agnes darauf bestanden hat dich mitzunehmen, aber ihre Eltern haben sich geweigert, also hat sie sich geweigert zum See zu gehen. Vielleicht können wir das jetzt nachholen.“„Die Berge da hinten? Also … der Weiße Hut?“„Der Weiße Hut ist zwar nicht weit, aber wir gehen nicht dort hin. Warte…“Sie schwieg einen kurzen Moment.„Wenn wir eine längere Reise planen, besteht die Möglichkeit, dass wir es dort hin schaffen könnten“, sagte sie, „Ich weiß was du denkst. Leider … Der nächste Urlaub von Agnes ist noch lange hin.“„Schaffen wir das nicht in zwei Tagen?“„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wie weit der Gipfel vom weißen Hut vom See entfernt ist. Das müssten wir Agnes fragen.“„Ehhmm…“Ich war enttäuscht, dass Topa meine Idee gerochen hatte, aber gleichzeitig war ich total aufgeregt über den Fakt, dass es für uns möglich war den Weißen Hut zu besuchen.„Hast du andere Pokémon getroffen?“, fragte Topa, um auf das eigentliche Thema zurückzukommen.„Huh…“Ich erzählte ihr von Pico, erwähnte das Absol und Ilma, behielt aber die Details für mich und tat so, als wären sie einfach nur Ausbilder.„Ein Flamara? Das ist kein gewöhnliches Pokémon.“„Ich dachte Evolis wären verbreitete Haustiere?“„Oh ja, das sind sie. Die Entwicklungen sind warum auch immer bedeutend seltener. Weißt du wie Evolis sich entwickeln? Oder Pokémon generell?“„Nun, in den Pokémonspielen gibt es ein Levelsystem, das die Kampferfahrung des Pokémon wiederspiegelt. Wenn ein Pokémon ein gewisses Level erreicht, entwickelt es sich.“„Das ist eine ziemlich genaue Erklärung, obwohl die Entwicklung auch teilweise vom Alter abhängt. Es ist auf diese Weise auch möglich, dass sie sich nie entwickeln, wenn sie es nicht wollen.“„Also ist es ein bewusster Prozess?“„Nicht ganz. Es ist eher so, … dass du es spürst wenn du bereit bist dich zu Entwickeln, aber du kannst dich bewusst dagegen entscheiden. Wie auch immer. Du kannst nicht aus freien Stücken entscheiden dich jetzt entwickeln zu wollen. Es erfordert viel Geduld und Mühe.“„Wie entscheidest du dich, dich nicht entwickeln zu wollen?“„Das weiß ich ehrlicherweise nicht. Die Vulpixlinie entwickelt sich nicht nach diesem Prinzip, also haben wir keine Wahl.“Sie schwieg und wartete offensichtlich darauf, dass ich ihr erzählte, was ich aus den Spielen aus meiner Welt wusste. Ich brauchte ein paar Sekunden um zu verstehen was sie wollte.„In den Spielen benötigen Vulpix einen Feuerstein um sich entwickeln zu können. Das kann man machen egal welches Level das Pokémon hat. Dasselbe gilt für Evolis.“„Ja, das ist korrekt, wir brauchen einen Feuerstein. Evolutionssteine sind selten und teuer. Sogar noch teurer als normale Edelsteine. Ein entwickeltes Pokémon, welches einen Stein zum Entwickeln benötigt galt lange Zeit als Zeichen extremen Reichtums.“„Und jetzt?“„Es gibt keine gesicherten Quellen für Evolutionssteine. Sie werden von Abenteurern und Forschern gefunden. Manche Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf solcher Steine. Heutzutage gibt es einige davon, aber für den Durchschnittshaushalt sind sie immer noch nicht erschwinglich. Im Gegensatz zu normalen Edelsteinen haben die Menschen keine Ahnung wie sie entstehen.“„Also ist Derek … reich?“„Könnte er, oder er hat selber einen Stein gefunden. Manchen Trainern gelingt das, auch wenn das ein ziemliches Abenteuer ist einen Stein für sein Pokémon zu finden. Manchmal wünsche ich mir, Agnes hätte mich mit auf ein solches Abendteuer genommen, aber stattdessen hat ihre Mutter einen Stein gekauft, damit ich mich entwickeln konnte.“Ich war mir nicht sicher was ich sagen sollte. Zum Thema Evolution hatte ich viel zu viele Fragen in meinem Kopf und keine Idee wie ich sie ordnen sollte, um sie zu stellen.„Wo finden die Menschen diese Evolutionssteine?“„Ich weiß es nicht. Zufällig? Soweit ich weiß gibt es dafür keine Minen oder Stellen, wo sie konstant zu finden sind. Sie wachsen weder an Bäumen, noch wachsen sie einfach nach wenn sie gesammelt worden sind. Oftmals ist massiver Bergbau nötig, um sie zu finden. Manchmal sind dann mehrere auf einer Stelle, manchmal liegen sie plötzlich einfach am Boden.“„Werden sie aufbereitet?“„Aufbereitet?“„Wie Eisen. Eisen wird in Erzen gefunden und dann zu Stahl aufbereitet.“„Ah, nein. Sie lassen sich einfach so finden.“„Das ist seltsam.“„Warum?“Ich antwortete nicht. Einerseits fand ich es amüsant, dass ich mich an seltene Items in diversen Spielen mit komplexen Questreihen erinnern konnte, ich mich aber gleichzeitig immer wieder fragte wie sie funktionierten, wo sie herkamen und wie sie entstanden. Hatten diese Entwicklungssteine womöglich sogar etwas mit den Legendären Pokémon zu tun?„Und wie ist es bei Evoli?“, fragte ich.„Evoli ist wirklich speziell. Es kann sich in acht verschiedene Pokémon entwickeln.“„Aquana, Blitza, Flamara, Psiana, Nachtara, Folipurba, Glaziola und…“„Und Feelinara“, ergänzte mich Topa. „Wie funktioniert das in deinen Spielen?“„Die Ersten drei entwickeln sich über Steine, Psiana und Nachtara, ehm.“Ich brauchte etwas Zeit um mir selbst die Erklärung zurechtzulegen, bevor ich sie an Topa weitergab. Die Entwicklung der beiden beruhte auf einer Spielmechanik, sodass ich keine Idee hatte, wie es sich auf das Echte Leben hätte übertragen lassen.„In den Spielen gibt es eine Mechanik, die sich Freundschaft nennt. Je mehr Zeit ein Trainer mit seinem Pokémon verbringt oder mit ihm kämpft, desto freundlicher wird das Pokémon. Wenn das Pokémon verletzt bleibt oder KO geht, fällt der Freundschaftswert. Einige Items erhöhen oder verringern die Freundschaft auch. Und…“„Sorry wenn ich dich unterbreche“, sagte Topa verwirrt, „Was bedeutet KO?“„Knocked out, also besiegt. Das passiert, wenn dem Pokémon die K… Kraftpunkte ausgehen. Das reale Äquivalent wäre, wenn das Pokémon nicht mehr kämpfen kann.“„Ihr nennt das Knockout? Das ist seltsam. In echten Kämpfen kommt Ohnmacht ziemlich selten vor.“Ich ignorierte die Bemerkung und fuhr fort.„Wenn die Freundschaft ein bestimmtes Level erreicht, kann sich das Evoli entwickeln. Dann muss das Pokémon nur noch zu einer bestimmten Tageszeit einen Level-Up machen. Geschieht dies nachts entwickelt es sich zu Nachtara, tagsüber zu Psiana.“„Okay, das ist komisch, aber ich sehe den Realitätsbezug. Der Prozess hier ist sehr ähnlich. Alles was es braucht ist, dass ein Evoli eine bestimmte Erfahrung oder Alter braucht um sich zu entwickeln. So wie ich es dir erklärt habe, es muss bereit sein und sich entwickeln wollen.“„Warte“, fragte ich besorgt, „Wie sammeln sie diese Erfahrung? Im Spiel ist das klar, aber wie funktioniert das im realen Leben?“„Ich bin mir nicht sicher“, gab Topa zu. „Es… passiert einfach. Das Pokémon weiß sobald es bereit ist für die Entwicklung und entscheidet dann bewusst.“„Vorhin meintest du, sie könnten sich nicht entscheiden wann sie sich entwickeln wollen.“„Das stimmt. Sie entscheiden nicht wann ihr Körper so weit ist – sie können nur entscheiden ob sie es wollen wenn der Körper so weit ist.“„Ich verstehe es nicht“, gestand ich.Wie sollte ich auch? Nichts davon ergab Sinn für mich, erst Recht nicht als Mensch. In meiner Welt gab es nichts Vergleichbares.„Okay, ich versuche es anders“, versuchte Topa zu erklären. „Wenn Agnes dir einen Feuerstein gibt, wärst du bereit dich zu entwickeln und wärst dir dessen bewusst, aber es würde erst dann passieren, wenn du das möchtest. Genauso wie du jederzeit bereit bist deine Kräfte einzusetzen, dies geschieht aber erst wenn du dich dazu entscheidest. Niemand kann ein Pokémon dazu zwingen sich zu entwickeln, solange es sich weigert.“„Ich verstehe so langsam. … Ich brauche also den Feuerstein, damit ich mich entwickeln kann, aber eine versehentliche Berührung ohne mein Einverständnis löst nicht sofort die Entwicklung aus?“„Korrekt! Aber wenn du dich entwickeln willst brauchst du in der Tat Kontakt zu dem Stein.“„Was passiert dann? Was passiert mit dem Feuerstein?“„Er … löst sich auf. In gewisser Weise verschmilzt du damit. Oder du benutzt ihn. Niemand kennt die Details von der Entwicklung, noch nicht mal wir Pokémon selber.“„Und was passiert wenn du dich entwickelst?“„Was meinst du?“„Du hast dich weiterentwickelt. Wie fühlt es sich an?“„Es ist komisch“, antwortete sie ehrlich. „Davon werde ich dir an einem anderen Tag berichten.“„Warum?“, brummste ich unzufrieden.„Too much Information“, sagte sie lächelnd. „Ich möchte, dass du Zeuge einer Entwicklung wirst, bevor ich dir mehr darüber erzähle. Es ist eine ziemlich beeindruckende Show und ich möchte dir nicht den Spaß daran verderben. Außerdem, … ich möchte, dass du dir selbst ein Bild davon machst, ob du dich entwickeln möchtest und wenn ich dir den Prozess genau erkläre beeinflusse ich deine Meinung.“„Meh!“Ich war unglücklich über den Fakt, dass sie ohne ersichtlichen Grund wichtige Informationen zurückhielt. Ich war nicht einmal annähernd bereit überhaupt darüber nachzudenken mich zu entwickeln, zumal ich ja im Grunde genommen noch nicht einmal alt genug war, um zur Polizeischule zu gehen.„Okay, nun“, sagte ich schließlich und versuchte meine Unzufriedenheit zu überspielen. „Was ist mit den anderen Entwicklungen?“„Für Evolis?“„Ja. Glaziola, Folipurba und Feelinara?“, fragte ich.„Sie verhalten sich ähnlich wie Psiana und Nachtara, nur die Grundvoraussetzungen sind anders. Feelinara muss einfach nur eine Fee Attacke lernen und kann sich entwickeln, sobald es diese Attacke sicher beherrscht. Folipurba und Glaziola müssen sich in der Nähe spezieller Felsen befinden. Am Moosstein oder am Eisfelsen. Das sind bekannte Orte und Touristenattraktionen und es kostet Geld, damit man einen besuchen kann. Vor Ort ist der Kontakt zum Felsen nur dann erlaubt, wenn eine weitere Gebühr entrichtet wird, aber dann wird dem Trainer auch ein eigener Raum geboten, wo sich sein Pokémon in aller Ruhe entwickeln kann. Wenn man ein Stück vom Felsen abbricht, verliert er natürlich seine Kraft. Im Gegensatz zu den tageszeitabhängigen Entwicklungen, können die am Felsen zu jeder Zeit in jedem Alter durchgeführt werden, da sie nichts mit Freundschaft zu tun haben. Psiana und Nachtara können in der Wildnis übrigens nie gefunden werden.“„Also … existieren sie nur durch die Interaktion mit dem Menschen?“, fragte ich nach.„Es scheint so, ja. Ich bin mir nicht sicher, ob Evolis dazu schon immer in der Lage waren, oder ob das erst durch die Domestizierung mit den Menschen ermöglicht wurde. Ich bin von beiden Fällen angetan. Es beweist einfach, dass die Interaktion zwischen und den Menschen für uns beide von Vorteil ist.“Danach redeten wir nicht mehr viel. Kurz später wurden wir zum Abendfutter gerufen und gingen danach direkt zu Bett. Ich habe nicht einmal Agnes nach Krauleinheiten gefragt, da ich einfach viel zu erschöpft war und nicht aufhören konnte über die Entwicklung nachzudenken. Hatte Agnes vor mich zu Entwickeln? In Angesicht der Tatsache, dass ich ein Polizeipokémon war, schien es wahrscheinlich, da ich dadurch stärker und mächtiger wurde, aber würde ich das akzeptieren? Das wäre eine weitere Verwandlung und ich war immer noch nicht glücklich über meine Erste. Würde ich dadurch meine Narbe am Bauch loswerden? Würde ich mich dadurch vielleicht in einen Menschen zurückverwandeln, anstelle zu einem Vulnona zu werden?Ich schüttelte meinen Kopf, um diesen Gedanken loszuwerden. Es war für mich viel zu früh überhaupt darüber nachzudenken und ich war zu erschöpft, um wieder in meine Depressionen zu verfallen. Seufzend versuchte ich mein Bestes um einzuschlafen, da ich mir bewusst war, dass eine schreckliche Woche vor mir lag.Wie erwartet wurde ich am nächsten Tag viel zu früh geweckt und ich versuchte nicht einmal auf meinen Beinen zu stehen, als Rakuen mich bürstete, während Agnes sich fertig machte. Mein schlaffer Körper und mangelnde Reaktionen schienen sie zu amüsieren, aber ich war zu müde, um überhaupt darüber nachzudenken. Ich fragte mich nur, warum sie sich die Mühe machte mein Fell zu bürsten, wenn ich den gesamten Morgen wieder im Pool verbringen würde und es war eh wieder unordentlich, wenn ich zurückkam, aber ich protestierte nicht. Mein Fell gebürstet zu bekommen war ein wirklich angenehmes Gefühl und ich wurde dabei sogar hinter den Ohren gekrault. Leider konnte das nicht ewig dauern und ich fand mich in dem Auto wieder, das mich zum Unterricht fuhr. Für einen Moment beneidete ich Agnes Fähigkeit so schnell komplett wach zu sein, aber dann erinnerte ich mich, dass ich das früher auch konnte. Eine weitere Fähigkeit, die ich verlor, als ich ein Vulpix wurde.Als wir aus dem Auto stiegen wurden wir von Pico und Derek begrüßt. Das Flamara musste sich sehr zurückhalten mich nicht anzuspringen und zu überschwänglich zu begrüßen und darüber war ich dankbar. Obwohl ich mich nicht mehr vor ihm fürchtete, fühlte ich mich in seiner Nähe immer noch nicht wohl, oder überhaupt in der Nähe anderer Pokémon. Diesmal bemerkte und spürte ich viele andere Pokémon, die mich mehr oder weniger subtil anstarrten. Unter ihnen ein Hunduster, das mich aufmerksam mit seinen Blicken durchbohrte, selbst als ich es direkt anschaute und ein schüchternes Zigzachs, das sich sofort wegdrehte, sobald ich Blickkontakt aufnahm und verlegen aufjaulte. Ich hatte ein sehr schlechtes Gefühl, als ich das permanent wütende Gesicht von dem Hunduster bemerkte und versuchte Pico zwischen uns zu bringen, glücklich darüber, dass mich das massive Flamara beschützen würde.Als die Menschen beschlossen, dass es Zeit wurde zu den Schwimmhallen zu gehen um nicht aus den Klassen geworfen zu werden, liefen wir Pokémon unwillig in unsere eigenen Räumlichkeiten, um nicht von unseren Ausbildern angeschrien zu werden. Das Aquana kam kurze Zeit später und ohne uns zu grüßen wurden und Befehle entgegengebellt. Die Klasse trennte sich wieder in drei Gruppen und jede ging zu ihren jeweiligen Pool. Bevor ich mich überhaupt bewegen konnte, berührte mich Ilma mit ihrem Schwanz und sah mir in die Augen.„Erinnerst du dich an das, was ich dir gestern gesagt habe?“, fragte sie freundlich.„Ja“, antwortete ich. „Ich werde mich auf meine eigene Leistung konzentrieren und mich nicht mit den anderen vergleichen.“„Besser ist das“, erwiderte sie in einem deutlich schärferen Tonfall. „Heute wird nicht aufgegeben, okay? Ich möchte, dass du die ganzen vier Stunden im Wasser bleibst. Das ist dein Ziel.“„Ich werde es probieren“, versprach ich.Sie wies mich danach an zu den anderen zu gehen und zu warten, während sie den beiden anderen Gruppen ihre Aufgaben gab. Ich hörte den Anweisungen der anderen Gruppen nicht zu und bemerkte, dass das schüchterne Zigzachs Teil meiner Gruppe war. Mein Herz machte einen Aussetzer, als ich mich fragte, ob es mich auch schon gestern bei meinem Beinahe Ertrinken angestarrt hatte und wusste was für eine schlechte Schwimmerin ich war. Peinlich berührt gesellte ich mich zu Pico, der in einer Ecke der Schwimmhalle hockte und offensichtlich unglücklich über das ganze Wasser um ihn herum war. Ich gab vor ein Gespräch mit ihm zu beginnen, damit der Dachs wegschaute.Als Aufwärmübung sollten wir einige Male von einem Beckenrand zum anderen schwimmen. Obwohl ich mit dem Schwimmen immer noch nicht warm wurde, versuchte ich mit den anderen mitzuhalten. Pico war alleine wegen seiner schieren Größe vorne, aber alle schienen ebenso zu kämpfen wie ich. Jedes Mal wenn ich zwei Bahnen geschwommen war, machte ich eine kurze Pause um sicherzugehen, dass mein Bauch nicht erneut verkrampfte. Danach ließ Ilma uns wieder in Zweierteams gegeneinander antreten. Ich absolvierte ein paar Rennen gegen Pico, die ich allesamt verlor, bevor mein Bauch wieder begann zu schmerzen. Sofort erinnerte ich mich an das, was am Vortag passiert war, als ich versuchte mit Bauchschmerzen zu schwimmen, daher gönnte ich mir eine kleine Pause bis ich mich besser fühlte und kehrte danach in die Aufgabe zurück. Mit einem Blick zur Seite, bemerkte ich, dass sich die Helfer Notizen machten und meine unautorisierte Pause vermutlich bemerkt hatten, aber das störte mich nicht. Am Ende der vier Stunden war ich erschöpft, hatte aber mein Versprechen gehalten.„Gut gemacht“, gratulierte Ilma mir, als wir alle das Wasser verließen. „Du hast die vier Stunden durchgehalten.“„Ich habe eine Pause gemacht“, gestand ich. „Mein Bauch hat wieder zu sehr weh getan und da musste ich aufhören.“„Ist das so?“, fragte das Aquana mit einem Grinsen. „Ich habe nicht gesagt, dass du die vier Stunden ohne Pause durchhalten musst. Du hast verstanden, dass du eine Pause machen musstest, um dich nicht zu überstrapazieren und das ist gut. Das beweist, dass du Zurückhaltung kennst, und das wird für deine zukünftige Karriere immens wichtig sein. Mache dir keine Sorgen um deine Kondition, denn am Ende vom Training wirst du bedeutend besser sein. Wir verlangen nicht, dass du schwimmst wie ein Fisch. Wir verlangen nur, dass du dein Bestes gibst und das hast du. Mach weiter so.“Während Agnes mich abtrocknete war ich in einer fantastischen Stimmung. Sie bemerkte es und war selber auch sehr glücklich.„Wir gehen jetzt Mittag machen“, sagte sie, während sie mich wieder auf den Boden setzte, nachdem sie mich so gut wie möglich abgetrocknet hatte. „Pokémon sind in der Cafeteria nicht zugelassen, leider, also müsstest du leider warten. Bleib am Besten bei Pico, es wird nicht lange dauern.“Mein Herz schmerzte, als ich ihr hinterher sah, aber ich wusste dass sie bald zurückkommen würde und akzeptierte es.Das deutlich größere Problem war, dass ich nun alleine mit Pico war und bemerkte wie viele Pokémon eigentlich an der Schule waren. Vorher hatte ich mich nicht dafür interessiert, aber nun sah ich Schwärme von ihnen, die die Gebäude verließen. Die Pokémon, die ohne ihre Trainer die Gebäude verließen, schienen alle in das Stadion zu gehen.„Wir gehen dort hin“, erklärte Pico, als er meinen Blick verfolgte. „Normalerweise warten wir dort, solange unsere Trainer essen.“Ich folgte ihm dicht und hatte Angst vor der großen Anzahl an Pokémon. Zu meiner Überraschung war das Stadion übertrieben groß, konnte problemlos mehrere Fußballfelder fassen und es gab für jedes einzelne Pokémon mehr als genug Platz. Die meisten hatten sich in Gruppen versammelt und unterhielten sich angeregt. Andere spielten miteinander, rasten kreuz und quer durch das Gebäude, kämpften, oder verglichen ihre Kräfte. Die Atmosphäre war extrem unbeschwert und obwohl es hier recht laut war, fühlte ich mich hier deutlich wohler als draußen.Pico und ich saßen relativ vereinzelt in der Nähe einer der Wände. Von hier aus konnte ich die anderen Pokémon gut beobachten und war froh, dass mich niemand beachtete. Ich erkannte das mürrische Evoli, das einzeln in einer Ecke lag und sah ein paar Pokémon, die ich in einer Polizeischule nicht erwartet hätte: Frizelbliz und Mauzi. Flüchtig bemerkte ich ein weiteres Evoli, aber dieses schien deutlich kontaktfreudiger zu sein und unterhielt sich freudig mit einer Gruppe Fukanos. Die prozentuale Anzahl von Hundepokémon, Fukanos und Hundustern war enorm. Abgesehen von Pico konnte ich kein entwickeltes Pokémon erkennen, was auch erklärte, warum er an der Schule so hoch angesehen war. Wie mir gesagt wurde, war ich aber das einzige Vulpix in dem gesamten Gebäude.Nachdem ich mich einige Minuten mit Pico unterhalten hatte, stand er auf und sagte, er müsse schnell etwas erledigen, sei aber bald wieder zurück. Ich fühlte mich unsicher, als er ging, aber mit all dem Tumult um mich herum und dem Fakt, dass mir niemand Aufmerksamkeit schenkte, warf ich das seltsame Gefühl ab und legte mich für ein Nickerchen hin.Lange konnte ich mich nicht ausruhen, als eines der Hunduster, welches sich mit anderen Pokémon das Rennen quer durch das Stadion geliefert hatte, sein Spiel unterbrach und zu mir kam um mit mir zu sprechen. Ich erkannte sofort, dass es sich um das Pokémon handelte, das mich so durchbohrend angestarrt hatte.„Hey“, begrüßte er mich, als er nah genug war um nicht mehr schreien zu müssen. „Entschuldigung, darf ich dir Gesellschaft leisten?“„Hi, klar“, antwortete ich und versuchte zu verbergen, dass ich eigentlich alleine gelassen werden wollte.Er setzte sich neben mich. „Du bist neu hier, oder?“Aus Höflichkeit setzte ich mich ebenfalls auf.„Yep.“„Ich habe noch nie zuvor ein Vulpix gesehen“, gab er zu ohne seine Neugier zu verbergen. „Woher kommst du? Wie bist du zu einem Polizeipokémon geworden?“Ich wusste nicht wie ich auf die Erste Frage antworten sollte und entschied mich für eine vage Antwort, um das Gespräch fortzuführen.„Ich war wild, bis Agnes mich gerettet hat, also … ist es einfach passiert.“„Dich gerettet? Bist du das Vulpix aus dem Fernsehen?“Ich zuckte zusammen. Für meine Aussage hätte ich mich jetzt selber schlagen können.„Ja, das bin ich.“„Wow … also hast du …“Er deutete auf meinen Bauch. Ich seufzte und drückte meinen Beine näher an meinen Körper, um die Narbe zu verdecken. Meine Instinkte waren in volle Alarmbereitschaft versetzt und das beunruhigte mich. Irgendetwas an die.sem Hunduster war seltsam.„Beeindruckend, dass du das überlebt hast“, kommentierte er. „Weißt du, mindestens acht andere Pokémon sind daran gestorben. Du solltest dich glücklich schätzen.“„Ich hätte Glück gehabt, wenn ich diese Wunde nicht hätte“, antwortete ich grob und ärgerte mich.„Du bist so jung und so schwach. Andere die viel stärker waren als du sind gestorben, weißt du?“„Ja? Es ist nicht meine Schuld.“Meine Gefühle bestätigten mich immer mehr und waren immer weniger interpretierbar. Der Hund wurde immer aufdringlicher, stand auf und näherte sich mir langsam. Ohne es zu bemerken war ich instinktiv ebenfalls aufgestanden und trat Schritt für Schritt zurück, um einen gewissen Abstand zu halten.„Trotzdem hast du überlebt“, beharrte er. „Ich kenne jemanden, der es nicht geschafft hat.“„Pardon?“Genau in diesem Moment spürte ich, wie mein Hintern gegen die Wand schlug. Weiter zurück konnte ich nicht und die Angst stieg immer mehr.„Das neunte Opfer, das Hunduster das im Pokécenter gestorben ist. Sie war meine Schwester!“Ich hatte nicht darauf geachtet, aber nachdem er das erwähnt hatte, merkte ich, dass er einen sehr ähnlichen Geruch hatte. Sofort erinnerte ich mich wieder an den hilfesuchenden Blick des Pokémons, als sie starb und mein Herz begann zu rasen. Schwer atmete ich.„Nun? Ich hatte damit nichts zu tun. Es war nicht meine Schuld! Was willst du?“Er antwortete nicht. Ich verstand, dass ich jetzt besser gehen sollte, aber sobald ich mich bewegte, blockierte er mich.„Was hast du vor?“, fragte ich und konnte meine Angst nicht länger verbergen. „Was möchtest du von mir? Lass mich gehen.“Ich wusste was er vorhatte, wollte einen Ausweg finden, wusste aber, dass ich dazu nicht in der Lage war. Als ich mich hilfesuchend umsah, merkte ich, dass uns niemand bemerkt hatte und zum ersten Mal fühlte ich mich beschämt, dass mir niemand Beachtung schenkte.„Hast du Angst?“, fragte das Hunduster und brauchte seinen falschen freundlichen Charakter nicht länger vorheucheln. Stattdessen zeigte er ein bösartig herablassendes Lächeln.„Ja. Warum tust du das? Lass mich gehen!“In einem Versuch zu fliehen wich ich seitlich aus und versuchte wegzurennen, doch das Pokémon reagierte überraschend schnell und stoppte mich. Ihm war vollkommen bewusst, dass er sich in einer beherrschenden Position befand und grinste mich nach wie vor so herablassend an. Immer noch nach einer Fluchtmöglichkeit suchend überlegte ich mir möglichst schnell einen Plan. Ich war ein Mensch – ich konnte doch sicherlich einen einfachen Hund überlisten.Ich täuschte eine Flucht nach rechts Richtung Wand vom Eingang weg vor und wie erwartet fiel das Pokémon darauf herein und rannte in die selbe Richtung, um meine Flucht zu blocken. Ich nutzte sein Stolpern, drehte mich um und rannte an der Wand entlang.So panisch war ich nicht mehr, seit der Trainer im Pokémoncenter versucht hatte mich zu erwürgen. Ich durchlebte die Szene erneut und rannte schneller, möglicherweise rannte ich sogar um mein Leben. Wieder waren seine Augen auf mich gerichtet, als er versuchte mich zu töten, weil ich im Gegensatz zu seinem Pokémon überlebt hatte – und jetzt wollte der Bruder eben dieses Pokémons mit mir das selbe tun. In blanker Panik versuchte ich hinter mich zu schauen, um zu schauen wie weit das Hunduster aufgeholt hatte.Das war ein Fehler. Zeitgleich stolperte ich, krachte mit meiner Schnauze in den Boden, überschlug mich und landete auf der Seite. Das offensichtlich sehr zufriedene Hunduster sprang mit gefletschten Zähnen auf mich zu und zielte auf meinen Hals. Ich drehte mich um, sodass ich meine Schwänze zwischen uns schob und als er auf meinen vier Beinen landete trat ich ihn mit meinen Hinterläufen so kräftig wie möglich. Glücklicherweise flog mein Angreifer dadurch zur Seite und landete ebenfalls unglücklich auf dem Boden. Während er sich aufrappelte stand ich so schnell ich konnte auf, doch meine Narbe schmerzte so stark, dass ich massiv verlangsamt wurde und ich hatte nicht genug Zeit um abzuhauen, bevor er erneut angriff. Er traf mich mit dem grau glänzenden, knöchernen Teil seines Schädels, seitlich am Brustkorb, was mich vor Schmerzen aufjaulen ließ und ich spürte, wie sich meine Rippen verschoben. Mein Körper wurde durch die Kraft der Attacke kurzzeitig in die Luft geschleudert bevor ich hinter ihm aufschlug. Er drehte um und sprang wieder auf mich. Eine Pfote drückte meine Kehle ab, als er versuchte damit zu Kratzen. Panisch versuchte ich ihn mit meinen Beinen zur Seite zu drücken, aber er war einfach zu stark und ich wusste, dass ich ihm schutzlos ausgeliefert war. Ich erinnerte mich an meinen Kampfkunstunterricht als Mensch und hörte auf ihn von mir zu drücken, versuchte stattdessen unter seinem Körper herauszuschlüpfen. Er verlor sein Gleichgewicht, ich trat ihm in seine Schnauze, um Luft zu bekommen und drehte mich auf meinen Bauch. Leider hatte er kein Problem damit mich erneut zu fangen, presste meinen Kopf auf den Boden und biss in eines meiner Ohren, was mich schmerzerfüllt aufbrüllen ließ, während sich seine Reißzähne durch mein Fleisch bohrten. Irgendwie schaffte ich es erneut ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und eine zerreißende Form des Schmerzes paralysierte mein Ohr während es einriss, als ich meinen Kopf gewaltvoll aus seiner Schnauze zog. Vor Schmerzen und Panik heulend versuchte ich davon zu kriechen, aber sein Kopf traf mich erneut, ich brach wieder zusammen und landete auf dem Rücken, den Bauch freiliegend. Er sprang wieder auf mich und verbiss sich in einer meiner Pfoten, weil ich sie schützend vor mich hielt. Wieder heulte ich auf, diesmal bedeutend lauter als die Male zuvor und versuchte ihn erneut mit meinen Hinterbeinen zu treten, wie ich es von meinen Katzen kannte, wenn sie miteinander spielten. Leider fehlte mir immer noch die Kraft und meine Tritte streiften einfach nur sanft seinen Körper. Mit beiden Vorderbeinen pinnte er meine fest und zielte erneut auf meine freiliegende Kehle. In dem Moment wo sich sein Kopf über mich senkte und ich mit meinem Leben abschloss flog er kraftvoll zur Seite. Ohne darüber nachzudenken kroch ich hinter das Pokémon, das mich gerettet hatte.Es war Pico! Er stand bedrohlich knurrend in der selben Position, die Topa mir gezeigt hatte und sah schrecklich beeindruckend aus, während ich mich unter ihm versteckte und heulte wie ein Schlosshund. Das Hunduster hatte Probleme beim Aufstehen und war sichtlich verwirrt was gerade passiert war. Als er Picos Aggressivität bemerkte, floh er wortlos. Andere Pokémon hatten sich um uns versammelt und versuchten einen Blick auf mich zu erhaschen, aber niemand traute sich näher an uns heran. Einige von ihnen verfolgten meinen Angreifer. Betäubt und in Trance bemerkte ich nicht wie mich Hände aufhoben, aber ich erkannte sofort Agnes Geruch und wehrte mich nicht. Stark zitternd und heulend war ich einfach nur froh in Sicherheit zu sein.
Ciro Schattenlaeufer - Verborgene PfadePrologEs war einmal…Eine Stunde also… Nun gut, wenn mir nur eine Stunde bleibt, dann möchte ich doch höflichst bitten, bei meinen Ausführungen nicht unterbrochen zu werden.Also mal sehen: Wo sollte ich beginnen? Am besten fange wohl bei bei mir selbst an. Mein Name ist Alricio Loratan, gelernter Buchhalter aus dem wunderschönen Kuslik. Dort habe ich auch meine Lehrmeisterin kennengelernt, die mich in der Kunst des Diebeshandwerks unterwiesen hat, aber das ist eine andere Geschichte und tut hier wohl nichts zur Sache. Ihr dürft mich übrigens Ciro nennen, das tun alle. Nur, wie gesagt: Im Augenblick solltet ihr mich wirklich nicht unterbrechen.Es ist nun schon fast einen Götterlauf her, dass ich mich hier in Perricum niedergelassen habe. Eine herrliche Stadt, keine Frage. Allein, sich mit den hiesigen Diebesgilden zu arrangieren, erwies sich doch schwieriger als gedacht. Das Wertvollste, was mir meine Meisterin mitgab, war die Diebeskarta, so eine Art Ehrenkode für Diebe. Bitte verzeiht meine Offenheit, aber Ehre scheint unter den Mitgliedern der hiesigen Gilden ein rar gesätes Gut zu sein.Jedenfalls versuche ich den Umgang mit den Diebesgilden so weit wie möglich zu meiden. An Abgaben zahle ich so wenig wie möglich, denn offen gestanden ekeln mich ihre Methoden an. Ich lebe in der Hoffnung, dass ihnen durch meine Aktivitäten mehr Einnahmen entgehen, als sie durch meine Abgaben kassieren. Und natürlich hoffe ich auch, dass sie das nicht allzu bald bemerken. Ich kann mich doch auf eure Verschwiegenheit verlassen? Ich meine, wenn ihr nicht schweigen könnt, wer dann? Hab ich nicht recht? Gut.Kapitel 1Von Dieben und MördernZurück zu meiner Geschichte: Alles begann vor drei Tagen. Da wurde die erste Tür gestohlen. Jedenfalls war es der erste Fall, von dem ich Wind bekommen hatte. Ich meine, wer bitteschön stiehlt eine Tür und lässt alles Übrige unangetastet? So etwas erregt Aufmerksamkeit. Noch aufmerksamer wurde ich, als der arme Tropf, dem die Tür gestohlen worden war, in der nächsten Nacht auf unschöne Weise umgebracht wurde. Das war also vor zwei Tagen.Vor einem Tag wurde wieder eine Tür gestohlen, was uns schon zur letzten Nacht führt. Da legte ich mich nämlich auf die Lauer, um zu sehen, ob wohl jemand auftauchen würde, der dem neuerdings türlosen Zimmermann ans Leben wollte.Die Zügigkeit, mit der sich der Türdiebstahl ereignet haben musste, und die Tatsache, dass niemand vor der Stadtwache aussagen wollte, deuteten auf eine der Gilden hin. Da sich zudem keine Gilde über Türdiebstähle in ihrem Revier zu beschweren schien, vermutete ich, dass die Finsterwölfe dahinter steckten. Ihnen gehört nämlich das Gebiet, in dem die Türen gestohlen worden waren.Ich hatte also in einer Gasse Stellung bezogen, von der aus ich die Tür, oder vielmehr das provisorisch verbarrikadierte türförmige Loch in der Wand, gut im Auge behalten konnte. Dann kam mir in den Sinn, dass ich wohl ein Idiot sein müsse, und ich eilte ungesehen um das Haus herum. Würde ich nämlich versuchen hier einzusteigen, würde ich es sicher nicht von der Straßenseite aus tun, insbesondere, da der gute Dalman aus der Stadtwache gerade auf seinem nächtlichen Patrouillengang um die Ecke bog.Ich kam eben noch rechtzeitig im mondbeschienenen Hinterhof an, um die durchaus rahjagefällige Kehrseite einer mir bekannten Diebin zu sehen, die sich gerade durch ein aufgebrochenes Fester ins Haus schlängelte.Das war zweifellos Aylas Hinterteil. Ich hatte es schon des öfteren gesehen, wenn wir uns des Nachts zufällig über wen Weg liefen, hin und wieder auf der Jagd nach der selben Beute. Ayla war flink, geschickt, schlagfertig und ich hätte sie wirklich mögen können, wenn sie nicht ausgerechnet zur Gilde der Finsterwölfe gehören würde. Ehrlich gesagt war ich enttäuscht, sie hier zu sehen. Ich meine, die Gilde ist rücksichtslos und brutal, aber in Ayla hatte ich nie eine Mörderin gesehen. Hatten die Finsterwölfe sie geschickt, den Zimmermann zu töten?Geräuschlos huschte ich über den Hof und glitt durch das offenstehende Fenster. Gerade wollte ich mich nach meiner Rivalin umschauen, als sich ein gewaltiger Schatten über den staubigen Boden der Schreinerei ergoss. Langsam wandte ich meinen Blick zurück zum Fenster und dort auf dem Fensterbrett, eingehüllt ins Licht des Vollmondes, saß Jonas.Der schneeweiße Kater mit den leuchtend gelben Augen regte keinen Muskel, während er mich mit vorwurfsvoller Miene anstarrte. Ich ließ meinen angehaltenen Atem entweichen und beschloss, den alten Besserwisser zu ignorieren. Falls er nur hier war, um mir zu sagen, dass ich mich mal wieder in Gefahr begab, konnte er sich das getrost schenken. Falls Mada ihn geschickt hatte, mir hinterher zu spionieren… Nun, auch dagegen konnte ich im Augenblick wenig tun. Hätte ich versucht ihn zu verscheuchen, hätte mich das dämliche Fellknäuel am Ende noch angefaucht und meine Anwesenheit verraten.Während ich weiter durch die Werkstatt schlich und angestrengt auf jedes Geräusch lauschte, sprang der Kater auf leisen Pfoten ins Haus und heftete sich in lauernder Haltung an meine Fersen, gerade so als pirschten wir uns gemeinsam an ein ahnungsloses Vögelchen oder eine Maus heran. In dem Moment hörte ich im Stockwerk über uns eine Tür knarren. Da war unser Mäuschen also. Falls sie es auf das Leben des Zimmermanns abgesehen hatte, blieb keine Zeit mehr!Mit wenigen Schritten hechtete ich die Treppe hinauf und sah Ayla, die sich mit gezogenem Messer zu mir umwandte. Sie stand auf einer Türschwelle, hinter welcher ich im dämmrigen Licht das Schlafzimmer des Hausherrn erahnen konnte. Auch ich hatte mein Messer gezogen und so standen wir uns wer weiß wie lange schweigend gegenüber. Schließlich war sie es, die mit zischender Flüsterstimme das Schweigen brach: „Ciro? Was beim Namenlosen machst du hier? Bist du seinetwegen gekommen?“ Sie deutete mit einer raschen Kopfbewegung in Richtung Schlafzimmer. „Ich dachte immer, heimtückischer Mord wäre nicht dein Stil. Hast du nicht irgend so einen dämlichen Kodex?“ Damit hatte sie mich überrumpelt. Es war beinahe, als hätte sie mir meinen Text geklaut. Statt zur verbalen Gegenattacke über zu gehen, erwischte ich mich doch tatsächlich dabei, ihre Frage zu beantworten: „Ähm… ja, na klar hab ich den. Das ist sogar die erste Regel der Diebeskarta: Wir foltern nicht, wir morden nicht.“ In diesem Moment ging mir auf, was sie da gerade gesagt hatte. „Dann bist du auch nicht hier, um ihn zu töten?“ Sie schüttelte den Kopf. „Die Gilde hat mich geschickt, um ihn zu beschützen.“Ich versuchte ganz ruhig und gefasst zu reagieren, aber die Enthüllung, dass die Finsterwölfe sich neuerdings als edle Retter in der Not verdingten, brachte mich wohl doch ein ganz klein wenig aus der Fassung. Damit will ich sagen: Ich stand da und gaffte sie mit offenem Maul und weit aufgerissenen Augen an. „Deine Gilde? Dieses mörderische Pack versucht jemanden zu beschützen? Habt ihr dem armen Kerl nicht erst gestern wie ein Haufen Wandalen die Vordertür demoliert?“ Jetzt war sie es, die um Selbstbeherrschung ringen musste. „Wir haben überhaupt nichts demoliert, kapiert? Wir haben sie gestohlen. Das war eine hervorragend geplante und sauber ausgeführte Aktion gewesen!“Ein plötzliches schnarrendes Geräusch hinter Ayla ließ uns erschrocken herumfahren. Es war das Schnarchen des Hausherrn, der sich von einer Seite auf die andere wälzte. Ein Zimmermann mit Leib und Seele sägt eben auch im Schlaf. Nachdem wir uns sicher waren, dass er nicht erwachen würde, ergriff ich wieder das Wort: „Dann haben sich die Finsterwölfe jetzt also auf Türdiebstähle spezialisiert? Kannst du mir das bitte mal erklären?“ Aylas dunkle Augen verengten sich zu Schlitzen. „Ich muss dir gar nichts erklären! Jedenfalls fürchtet die Gilde, dass jemand dem Alten das Licht ausblasen will. Deshalb soll ich ihn in Sicherheit bringen.“ Ich brauchte einen Augenblick, um das zu verarbeiten. „Du willst ihn entführen?“ Zum Zeichen des Guten Willens steckte ich demonstrativ mein Messer weg und sie tat es mir gleich. Dann nickte sie. „Zu seiner eigenen Sicherheit, ja. Hast du damit ein Problem?“Ich wollte gerade darauf Hinweisen, dass Entführung gegen die dritte Regel der Diebeskarte verstößt, als wir das Knarren der Treppenstufen hörten. Jonas, der sich während des gesamten Gesprächs still verhalten hatte, fauchte wild und sprang hinter mich. Ayla trat an meine Seite. In stillem Einvernehmen nickten wir einander zu und zogen unsre Dolche.Es war unmöglich, dass dem Eindringling das Fauchen des Katers entgangen war, dennoch blieben seine Schritte ruhig und gleichmäßig. Vermutlich hatte er auch unser Gespräch in aller Ruhe belauscht. Ich ärgerte mich über meine Nachlässigkeit, schob den Gedanken aber schnell beiseite, um meine Aufmerksamkeit ganz auf die Gestalt zu richten, die gerade die Treppe hinauf stieg und sich aus den Schatten schälte.Ein groß gewachsener, hagerer Mann trat uns aus der Dunkelheit entgegen. Bis auf einen Sehschlitz war sein Gesicht, wie auch der Rest seines Körpers, von schwarzem Tuch verhüllt, ein Attentäter wie er im Buche steht. An der Seite trug er einen Khunchomer mit geschwärzter Klinge. Nichts an seiner Körperhaltung deutete darauf hin, dass er uns anzugreifen gedachte. Er stand nur schweigend da, als wolle er uns die Gelegenheit geben einfach weg zu gehen und ihn seine Arbeit verrichten zu lassen.Zudem vermutete ich, dass der gute Mann nicht mit uns hätte sprechen können, selbst wenn er es gewollt hätte. Professionellen Attentätern wird oft schon in jungen Jahren die Zunge herausgeschnitten, damit sie ihre Auftraggeber selbst unter Folter nicht verraten können. Außerdem passen Geschwätzigkeit und Meuchelmord einfach nicht zusammen. Darum bin ich auch lieber Dieb als Mörder. Ich schätze nämlich eine gute Konversation. Aber ich schweife ab.Wo war ich stehen geblieben? Ach ja: Der Attentäter stand einfach so da und wir standen ihm zu dritt gegenüber: Zwei Diebe in schwarzem Leder und ein Kater in weißem Fell. Keiner von uns war gewillt zurück zu weichen und wie auf ein geheimes Kommando stürmten wir aufeinander los!Der Attentäter zog seinen Khunchomer und schwang die gebogene Klinge in unsere Richtung. Ayla setzte mit einem Salto darüber hinweg, während ich auf den Knien schlitternd unter seinem Hieb hindurch tauchte und mit meinem Dolch auf seinen Knöchel einzustechen versuchte. Leider reagierte der Mann schneller als erwartet. Mit einem Satz sprang er nach vorne und entging meiner Dolchattacke. Dummerweise stand er nun an der Tür zum Schafzimmer, während Ayla und ich am oberen Rande der Treppe zum Stehen kamen. Für einen Moment schien er abzuwägen, ob er uns angreifen oder sich seinem Ziel zuwenden sollte. Ich ahnte seine Entscheidung voraus und rannte auf ihn zu, während er sich umdrehte undins Schafzimmer stürmte. Sicher hätte ich ihn auch zu fasse gekriegt, wenn nicht dieser verdammte Kater mit einem Mal vor meine Füße gerannt wäre! Ich strauchelte, stolperte und fiel zu Boden, wodurch ich um Haaresbreite dem Wurfmesser entging, das Ayla dem Attentäter hinterher geworfen hatte. Der Attentäter hatte weniger Glück. Er stand vor dem Bett des Zimmermanns, den Khunchomer hoch über den Kopf erhoben, als wolle er das ganze Bett mit nur einem Streich zerteilen, da bohrte sich das Messer in seinen Rücken und schickte ihm mit einem letzten Aufschrei zu Boden.Der kehlige, zungenlos ausgestoßene Schrei schreckte schließlich auch den Hausherrn aus seinem Tiefschlaf und hallte bis hinaus auf die Straße. Nun konnte es nicht mehr lange dauern, bis auch die Wache das Haus stürmen würde.Der Zimmermann, ein hagerer Geselle um die 40 Götterläufe mit spitzem Kinn und strähnigem Haar, kauerte sich am Kopfende seines Bettes zusammen und tastete mit zittrigen Fingern nach seiner Brille. Ich ließ ihm keine Zeit sich zu sammeln. Aus meiner Tasche fischte ich einen Knebel, schwang mich zu ihm aufs Bett und erstickte seinen Aufschrei noch ehe dieser seine Kehle verlassen konnte. Während ich den guten Mann fesselte, schwang sich Ayla rittlings auf den Rücken des niedergestreckten Angreifers und trieb ihm ihr Messer so tief sie konnte in den Leib. Ein schauderhaft knackendes Geräusch ließ keinen Zweifel mehr daran, dass der Attentäter spätestens jetzt seinen Weg in Borons Hallen angetreten hatte. Angewidert deutete ich auf das blutige Messer. „Das hätte auch mich erwischen können!“ Darüber dachte sie einen Moment nach. Dann zuckte sie mit den Schultern. „Macht nichts. Ich hätte noch ein weiteres gehabt.“Im Stockwerk unter uns hämmerte jemand von Außen gegen den verbarrikadierten Hauseingang. „Hey! Was geht da drinnen vor?“ Ja, das war Dalman. Unter all den Triefnasen, die sich Stadtwächter schimpfen, ist er einer der wenigen, die ich respektieren kann. Er ist nicht immer der hellste, doch anders als bei den meisten seiner Zunft glaube ich, dass er die Menschen dieser Stadt wirklich beschützen will.„Los, gehen wir!“, zischte ich Ayla zu und ließ den gefesselten Hauseigentümer auf seinem Bett zurück. Alya zückte einen kleinen silbernen Schlüssel aus ihrer Tasche, der im Mondlicht auffallend hell funkelte. Dann packte sie den sich windenden Zimmermann und schleifte ihn zu einer schmalen Tür, hinter der sich, ausgehend vom Grundriss des Hauses, eigentlich nichts weiter als eine Abstellkammer oder ein Kleiderschrank verbergen konnte. Mit einem feinen Klicken drehte sie den silbernen Schlüssel im Türschloss.„Was tust du da?“, fragte ich leicht überrumpelt. „Willst du ihn da drinnen verstecken? Wozu?“ Als die Tür einen Spalt aufschwang, konnte ich zu meiner Verblüffung einen schwachen Fackelschein erahnen und glaubte zudem leise Stimmen von jenseits des Spalts zu hören. Ohne ein Wort der Erklärung stieß sie den Zimmermann durch die Tür, bevor sie sich noch einmal mir zuwandte. „Also dann, lass dich nicht schnappen, Ciro!“ Dann verschwand auch sie in der Kammer und schloss die Türe hinter sich. Mit nur zwei Schritten folgte ich ihr durch den Raum, riss die Tür auf… und starrte auf einen Putzeimer und einen Wischmop. „Magie“, knurrte ich leise.Ein heftiges Rumpeln unter meinen Füßen riss mich aus meinen Gedanken und machte mir klar, dass es Dalman wohl endlich gelungen war, die Barrikade zu überwinden. „Maaauu!“, jaulte der weiße Kater. Ich sah mich um. Wo war Jonas eigentlich? Das Jaulen kam von jenseits eines geschlossenen Fensterladens. Ich öffnete den Laden und da saß er auf dem Ast einer knorrigen Steineiche, wenigstens 3 Schritt vom Fenster entfernt. Wie er nach draußen gelangt war, würde wohl sein Geheimnis bleiben. Wie ich entkommen würde, war hingegen weniger rätselhaft. Ich nahm so viel Anlauf wie die kleine Kammer erlaubte und machte einen Hechtsprung durch das Fenster. Meine Finger bekamen einen der äußersten Äste zu fassen, der sich unter meinem Gewicht durchbog und brach. Ich landete auf den Füßen. Jonas saß vor mir und leckte sich die Pfote, als wolle er sagen: „Wird ja auch Zeit dass du endlich kommst.“Nachdem wir einige Minuten lang durch die nächtlichen Straßen und Gassen Perricums gelaufen waren, ohne dass uns jemand zu verfolgen schien, nahmen wir uns schließlich einen Augenblick Zeit zu verschnaufen. „Also, ich weiß nicht genau, was Ayla da gerade abgezogen hat, aber da war auf jeden Fall Zauberei im Spiel.“ Ich betrachtete den Kater, der den Kopf schief legte und mich mit seinen goldgelben Augen musterte. „Ich denke, es wird Zeit, dass wir deine Freundin besuchen.“Kapitel 2Die Zähne der RaubkatzeIch vermute, einige von euch haben wohl schon von der blinden Hellseherin mit dem weißen Haar gehört. Mada Schneefuchs gehört zu meinen ältesten Bekanntschaften. Gemeinsam mit mir ist sie vor gut einem Jahr aus Kuslik hierher in den Norden gereist und hat sich in kürzester Zeit einen beachtlichen Ruf geschaffen. Ich meine, wen wundert‘s? Wer sie ansieht, glaubt die wahrhaftige Verkörperung ihrer göttlichen Namenspatin vor sich zu sehen. Doch eins kann ich euch sagen: hinter der Fassade aus Anmut, Mysterien und Reinheit verbirgt sich das wilde Herz der Stute und der listige Geist des Fuchses.Und falls ihr euch das gefragt habt: Nein, ich bin ihr noch nicht verfallen. Das verdanke ich wohl meinem phexgegebenen Instinkt, der mich vor Fallen warnt. Versteht mich nicht falsch: Ich betrachte Mada als Freundin, vielleicht gar als meine beste Freundin. Beispielsweise würde sie sich nie darüber beschweren, dass ich, wie in diesem Moment, mit größter Selbstverständlichkeit des Nachts durchs Fenster in ihr Haus steige. Sie respektiert meine Natur ebenso wie ich die ihrige. Doch wenn sie lächelt, seh ich im Geiste stets die scharfen Zähne einer Raubkatze, die sich hinter diesem Lächeln verstecken.Im Augenblick schlief das Raubkätzen jedoch. Ich trat hinter dem wallenden Vorhang in die Dachkammer, wo sie sich ihr Nachtlager eingerichtet hatte. Ich sog den Duft von Räucherstäbchen und Parfüm ein, der hier zu jeder Zeit in der Luft lag und mich, wie alles andere in diesem Raum, mit leichter Wehmut an meine Heimat erinnerte. Der Holzboden war mit Teppichen ausgelegt, die in Musterung und Farbe aus dem lieblichen Felde hätten stammen können. Von der Decke baumelten Windspiele aus Buntglas, die das Mondlicht einfärbten und in sanften Wogen durch den Raum tanzen ließen.Ich schmunzelte. Meine eigene Dachkammer war wesentlich pragmatischer eingerichtet. Klar, man sollte meinen, dass sich ein Meisterdieb wie ich mit kostbaren Schätzen umgibt, aber ehrlich gesagt: Ich stehle allein für den Nervenkitzel und die Herausforderung. Ich verkaufe was ich erbeute und investiere den Lohn in bessere Ausrüstung. Was aber meine Einrichtung betrifft, lebe ich eher bescheiden: Ein paar Schränke, ein paar Truhen, eine Waschschale und ein schlichtes Bett. Mehr brauche ich eigentlich nicht.Apropos Bett: Ihr Bett war alles andere als schlicht. Es stand in der Mitte des Raums, war kreisrund, maß etwa einen Schritt in der Höhe und gut zweieinhalb Schritt im Durchmesser. Und dort in der Mitte, zusammengerollt zwischen Kissen und bunten Decken, lag Mada in weißem Seidenhemd. Ihr langes, weißblondes Haar war wie ein Fächer um sie herum ausgebreitet und rahmte ihr feengleiches Gesicht ein. Wie gesagt: Jeder andere Mann hätte ihr leicht verfallen können, aber all das wirkte zu perfekt, zu inszeniert, um Zufall zu sein. Mada Schneefuchs setzte sich selbst im Schlaf gekonnt in Szene.„Na, hast du dich genug umgesehen?“, fragte sie plötzlich ohne auch nur einen überflüssigen Muskel zu bemühen. Sie hatte nicht geschlafen. Natürlich hatte sie nicht geschlafen. Mit einem Lächeln richtete sie sich auf uns setzte sich im Schneidersitz auf ihr Bett. Die Augenlider ließ sie geschlossen. Wozu sollte eine blinde Hellseherin auch ihre Augen bemühen? Sofort sprang Jonas auf ihren Schoß und fixierte mich mit seinem leuchtend gelben Augen, während sie ihm über das Fell streichelte. Ich weiß, es mag verrückt klingen, aber ich hatte oft das Gefühl als könne sie mich durch die Augen des Katers sehen.„Was führt dich zu mir, Ciro?“ Ich kratzte mich verlegen am Hinterkopf. „Nun, eigentlich dachte, ich, dass du mich vielleicht sprechen willst. Dein Katerchen hat mich mal wieder bei der Arbeit gestört. Ich schwöre, irgendwann werde ich noch geschnappt, weil die Wachen spitz kriegen, dass sie nur nach einer weißen Katze Ausschau halten müssen, um mich zu finden!“ Ich wartete auf irgendeine Reaktion, natürlich vergeblich. Ihr zuckersüßes Lächeln blieb unverändert. „Aber wie auch immer“, fuhr ich schließlich fort, „Wenn Jonas auftaucht, ist irgendwie immer Magie im Spiel, gerade so als ob er sie aufspüren würde.“ Jetzt öffnete Mada ihre Augen und richtete ihren milchig leeren Blick direkt auf mich. „Seltsam“, sagte sie in ruhigem Ton. Dann hob sie ihren Kater an und beide blickten sich auf eine Weise an, als würden sie ein stummes Zwiegespräch führen.Schließlich wandte sie sich wieder mir zu. „Diese junge Frau mit den dunklen Augen gehört zu einer der Diebesgilden, nicht wahr?“ Es überraschte mich nicht, dass sie Ayla erwähnte. Irgendwie wusste Mada immer über alles Bescheid, was ihr Kater erlebt hatte. „Ja, sie gehört zu den Finsterwölfen. Das sind so ziemlich die schlimmsten Halsabschneider, manchmal wortwörtlich. Und plötzlich stehlen sie Türen und entführen deren Besitzer, damit die nicht von Auftragsmördern umgebracht werden. Ist das verrückt oder seh nur ich den Zusammenhang nicht?“Jetzt musste Mada tatsächlich schmunzeln. „Es wirkt schon ein wenig… ungewöhnlich. Aber wenn ich bedenke, dass deine süße Kollegin in einer Besenkammer verschwunden ist, vermute ich, dass da mehr dahinter steckt. Es hat alles mit diesem silbernen Schlüssel zu tun.“ Ich nickte stumm. Ich hatte Aylas seltsamen Schlüssel nur für einen Moment gesehen, war mir aber sicher, dass dies kein gewöhnlicher Schlüssel für eine Besenkammer war. „Das ist irgend so ein magisches Ding, nicht wahr?“ Ohne darauf zu antworten stand Mada plötzlich auf. „komm mit mir!“Mit flinken, sicheren Schritten eilte die blinde Hellseherin durch den Raum, die Wendeltreppe hinunter in jenen Teil des Hauses, wo sie ihre zahlende Kundschaft zu empfangen pflegte. Hier herrschte eine ganz andere Atmosphäre. Die Gerüche waren weniger weich, dafür würziger. In den Regalen türmten sich Tierschädel und Flaschen voll geheimnisvoller Tinkturen. Ich wusste genau, dass das alles zur Darbietung gehörte, unnötiges Brimborium, das die Kunden beeindrucken und auf subtile Weise einschüchtern sollte. Es wirkte.„Setz dich!“, kommandierte sie mit freundlicher Stimme, die dennoch keinen Widerspruch zuließ. Ich nahm auf einem der drei Stühle platz, die um den kleinen runden Tisch in der Mitte des Raumes herum standen. Mada ging zu einer Truhe und kehrte mit einem etwa kopfgroßen Gegenstand zurück, der in ein rotes Tuch eingewickelt war. Auf dem Tisch entfaltete sie das Tuch und legte eine bläulich schimmernde Kristallkugel frei. Ich hob theatralisch eine Augenbraue. „Willst du mir jetzt meine Zukunft vorhersagen?“ Mada beachtete mich kaum und widmete ihre ganze Aufmerksamkeit dem nebligen Wabern, das sich nun im inneren der Kugel zu bilden schien. „Dazu brauche ich keine Kristallkugel. Du endest im Gefängnis oder mit einer Klinge im Bauch.“ Ich ließ die Augenbraue wieder sinken. „Du bist keine Hellseherin, du bist eine Schwarzseherin! Also, was zeigt uns dein magischer Hokuspokus?“In diesem Moment sprang Jonas auf den Tisch und kauerte sich vor Mada, sodass ich seine gelb leuchtenden Augen durch die Kugel verzerrt und auf gespenstische Weise vergrößert sah. Dann veränderte sich das Bild und aus den Katzenaugen wurde Aylas silberner Schlüssel. Irgendwie ahnte ich, dass ich ihn nun so sah, wie ihn der Kater im Haus des Zimmermanns wahrgenommen hatte, und ich musste zugeben: Im Halbdunkel der Schlafkammer waren Jonas Augen den meinen deutlich überlegen gewesen. Der Schlüssel selbst schien tatsächlich aus poliertem Silber zu bestehen. Der filigrane Schlüsselbart deutete auf eine komplexe Schlossmechanik hin und die Schlüsselreite zierte das Symbol des Phex: Ein stilisierter Fuchskopf umgeben von einem Kreis, der den vollen Mond andeutete. Mada pfiff durch die Zähne. „Wirklich hübsch. Vielleicht bekomme ich einen Eindruck von dem ursprünglichen Besitzer.“ Mit einer Hand kraulte sie den Nacken ihres Katers, während die Fingerspitzen der anderen Hand über den Kristall glitten.Das Bild des Schlüssels zerfloss und wurde ersetzt von einem groß gewachsenen, schlanken Mann um die 30 Götterläufe mit einer auffälligen Hakennase und haselnussbraunem Spitzbart, das dunkelbraune Haupthaar streng zurück gekämmt. Er trug schlichte hellbeige Leinenkleider mit lederner Weste und einem breiten Gürtel, an dem neben einigen Beuteln und Taschen auch ein schmaler Dolch hing. Um den Hals trug er eine silberne Kette, die unter dem Leinenhemd verschwand. Etwas an dem was ich sah kam mir seltsam vertraut vor, obschon ich den Mann wohl noch nie gesehen hatte. Es dauerte einen Moment bis es mir plötzlich klar wurde. Es war der Hintergrund. Hinter dem Mann war deutlich eine Gasse zu erkennen, nicht viel anders als andere Gassen und doch erkannte ich sie wieder: Hier gab es einen verborgenen Zugang zu einem Versteck der Finsterwölfe.„Danke, damit kann ich was anfangen“, sagte ich und stand auf. Im selben Moment löste sich das Bild in der Kristallkugel in Rauch auf. „Du hast was gut bei mir. Ich lass dich wissen, was ich rausgefunden hab.“ Auch Mada war aufgestanden und hatte mir den Rücken zugewandt. „Du willst da hingehen und diesen Mann finden. Richtig?“, fragte sie ohne sich zu mir umzudrehen. Sie ging auf einen schweren Vorhang im hinteren Bereich des Raums zu, hinter dem sie sich auf ihre Auftritte als mystisches Medium vorzubereiten pflegte. Ich war mir nicht sicher, ob sie wirklich eine Antwort auf ihre Frage erwartete, aber sie redete ohnehin weiter. „Na ja, egal. Ich werde jetzt sowieso keinen Schlaf mehr finden.“Mit diesen Worten löste sie das schmale Band, das ihr seidenes Nachthemd um ihre Hüften geschlossen hielt und ließ den Stoff von ihren Schultern gleiten. Ich erinnere mich noch, wie ich dachte, dass dies bereits das zweite rahjagefällige Gesäß war, dass ich in dieser Nacht zu Gesicht bekam. Dann kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht etwas sagen sollte. „Ähm… was genau hast du jetzt vor?“ Über ihre Schulter hinweg lächelte sie mich an. „Na, ich begleite dich natürlich.“ Ihr lächeln und ihr Tonfall waren von einer Art, die keinen Widerspruch duldeten. Dann verschwand sie hinter dem Vorhang. Ich seufzte. Da waren sie: Die verborgenen Zähne der Raubkatze.Kapitel 3In den SchattenPraios schickte bereits die ersten schwachen Strahlen des neuen Tages über die Dächer der Stadt, wodurch die Schatten in den Straßen und Gassen noch schwärzer wirkten.Mada hatte sich etwas, wie sie fand, passenderes angezogen: Sie trug ein langes, weißes, ärmelloses Kleid, dass dank eines weißen Ledermieders eng an ihrer Taille anlag. Darüber hatte sie sich ein, natürlich ebenfalls weißes, Cape gebunden, dessen Kapuze ihr tief ins Gesicht fiel und das trübe Weiß ihrer Augen verbarg. Kurz gesagt: Sie hätte unmöglich auffallender gekleidet sein können. Aber das war nun mal ihre Natur und jetzt war es an mir, damit zurecht zu kommen.Immerhin trug sie festes Schuhwerk und stellte sich nicht einmal ungeschickt an, während sie mir durch die Schatten folgte. Tatsächlich bewegte sie sich mit der selben scheinbar mühelosen Leichtigkeit, die auch ihrem Kater gegeben war und die man von einer blinden Frau niemals erwarten würde.Jonas folgte ihr auf Schritt und Tritt und streifte dabei immer wieder den Saum ihres Kleides. Bei jeder Berührung nickte sie kurz. Ich hatte schon des öfteren beobachtet, wie die beiden sich als Einheit bewegten. Es war faszinierend und erinnerte beinahe an einen Tanz. Natürlich gab es Unauffälligeres als eine hinreißend schöne Frau in weißem Kleid, die mit ihrem weißen Kater durch die nächtlichen Straßen tanzt.Ihr seht also: Dass wir nicht ungesehen unser Ziel erreichten war schwerlich meine Schuld.Die Gasse war bereits in Sicht, als sie uns schließlich eingekreist hatten. Sie kamen von beiden Seiten und ließen uns keinen Raum zum Rückzug.Die Mitglieder der Diebesgilden tragen nicht gerade Uniformen, doch wenn man weiß, worauf man achten muss, sind sie in der Regel nicht allzu schwer zu erkennen. Die Blutkrähen beispielsweise tragen Tätowierungen oder Narben in Form von drei Strichen, die eine Kralle darstellen sollen. Im Fall der Finsterwölfe sind es zwei kurze Striche, eingerahmt von zwei langen, keilförmigen Strichen. Ich vermute, es soll an die Reißzähne eines Wolfes erinnern und ich frage mich, ob ich ihnen mal sagen sollte, dass es eigentlich vier kurze Striche sein müssten. Damit könnte ich ihnen so richtig die Laune vermiesen.Jedenfalls waren es eindeutig Finsterwölfe, die uns jetzt den Weg verstellten. Aus der Gasse, die wir zu erreichen versuchten, drangen Kampfgeräusche zu uns herüber. Ich hörte schnelle Schritte und immer wieder Klingen, die aufeinander trafen. Im Augenblick aber mussten wir uns um unser eigenes kleines Problem kümmern. Mada und ich standen Rücken an Rücken. Ich hielt einen Dolch in der einen und ein Wurfmesser in der anderen Hand. Mada ging ein wenig in die Hocke und ich spüre eine Art Hitzewelle von ihr ausgehen. Ein kurzer Blick offenbarte mir, dass sich ihre Finger in lange, schwarz schimmernde Krallen verwandelt hatten. Unter ihrem Cape glommen ihre Augen im gleichen goldenen Licht wie die ihres Katers, der ihr jetzt nicht von der Seite wich und unsre Freunde von der Gilde fauchend mit gesträubtem Fell beobachtete.Ich hasse Gewalt. Ehrlich gesagt bin ich weder im Austeilen noch im Einstecken sonderlich gut. Worin ich gut bin, ist im Vermeiden. Ich umgehe meine Widersacher lieber als mich ihnen zu stellen. Manchmal kann man einen Konflikt auch mit Worten umgehen. Manchmal. „Wir sind nur auf der Durchreise. Und wir haben auch nichts von Wert bei uns.“ Na ja, ich konnte es zumindest versuchen. Drei Männer und zwei Frauen kamen langsam auf uns zu. Die Frauen und einer der Männer hielten Messer in den Händen. Die zwei anderen Männer waren eher von der grobschlächtigen Sorte, jener Sorte die gerne knüppelt. Diese Sorte hasse ich am meisten.„Du bist Ciro. Ayla hat uns erzählt, dass du deine Nase mal wieder in Sachen steckst, die dich nichts angehen.“ Ich war überrascht. Das war einer der Knüppler, der da gerade das Wort ergriffen hatte. Und was er sagte klang sogar halbwegs intelligent. Da kann man doch mal sehen, wie sehr der Schein oftmals trügt. „Also genau genommen hab ich ihr geholfen. Seid ihr vielleicht gekommen, um mich für meine Unterstützung zu entlohnen?“ Also gut, jetzt spielte ich eher auf Zeit. Deeskalierende Gesprächsführung sieht zwar anders aus, aber manche Typen lassen sich gerne auf Wortgefechte ein. Vielleicht war der grobschlächtige Kerl ja im Inneren ein Meister der Rhetorik. Und schon setzte er zu einer gewieften Erwiderung an: „Los, schnappt sie euch!“ Andererseits, vielleicht auch nicht.Ich erspare euch die Einzelheiten des Kampfes. Nur soviel sei gesagt: Er war kurz aber episch! Mada stürzte sich völlig undamenhaft auf den zweiten Knüppler und trieb ihm ihre Klauen in den Hals und ins Gesicht. Der Boden erzitterte als der große Kerl jaulend unter ihr zusammenbrach. Ich selbst trieb mein Wurfmesser einer der Messerschlitzerinnen in die Schulter, worauf sie nun messerlos dastand. Ich schaffte es sogar noch, sie mit einem schnellen Streich meines Dolches in die Knie zu zwingen, als ich auch schon das Messer der zweiten Schlitzerin an meiner Kehle spürte. Ich ließ meinen Dolch fallen und blickte hoffnungsvoll zu Mada hinüber, die sich aber inzwischen hilflos im Griff des rhetorisch begabteren Knüpplers wand. Ihre Klauen hinterließen blutige Striemen im massigen Unterarm ihres Peinigers, doch je stärker er zudrückte, desto mehr erstarb ihr Widerstand. Kurz gesagt: Es sah gerade nicht allzu rosig für uns aus. Dann fiel mir auf, wie still es auf einmal war. Auch die Kampfgeräusche in der Gasse waren erstorben. Und ebenso wie den Geräuschen würde es auch uns gleich ergehen.Und plötzlich war da der Fremde aus der Kristallkugel. Die Kleider des spitzbärtigen Mannes waren teilweise zerschlissen und blutverschmiert, doch er bewegte sich mit erstaunlicher Gelassenheit und trug ein verschmitztes Lächeln zur Schau, während er aus der finsteren Gasse ins Licht der nächsten Straßenlaterne trat.Von einem Augenblick auf den anderen galt alle Aufmerksamkeit allein ihm. Und ich meine nicht allein die unserer Angreifer. Auch ich und selbst Mada konnten unseren Blick nicht von dem Fremden lösen. Ich bin nun wirklich kein Experte für Zauberei, aber selbst ich ahnte, dass das mehr als Magie war. Ich verspürte… Ehrfurcht!Dann Sprach der Fremde: „Husch, Husch!“ Zwei Worte und alles war vorbei. Die Finsterwölfe nickten eifrig und konnten sich gar nicht genug beeilen, ihre Verwundeten zu schnappen und sich aus dem Staub zu machen.Kaum waren sie außer Sichtweite, war auch der Bann des Fremden plötzlich gebrochen. Die Aura aus grenzenloser Zuversicht und schierer Willenskraft war mit einem Schlag verschwunden als der Spitzbärtige keuchend in sich zusammensackte. Jetzt erst konnte ich die zahlreichen Verletzungen, Schnittwunden und Prellungen sehen, die der Unbekannte wohl im Kampf in der Gasse davongetragen hatte.Mada und ich liefen auf ihn zu. Die Hellseherin beugte sich über ihn, wobei sich ihre blutverschmierten Krallen wieder in zierliche Hände verwandelten. Alle Wildheit war aus ihren Zügen verschwunden während sie ihn mit erstaunlicher Zärtlichkeit und wahrhaftiger Traurigkeit in die Arme nahm. Dann begann sie zuerst seine Wunden und schließlich seine Lippen mit Küssen zu bedecken, gerade so als sei er ihr Liebster, der gerade aus der Ferne zu ihr zurückgekehrt sei, und nicht ein völlig fremder, den sie in dieser Nacht zum ersten mal sah. Und während sie im Verlauf ihrer innigen Liebkosung allmählich schwächer zu werden schien, ging der stockende Atem des Fremden immer ruhiger und gleichmäßiger.Im Schein der Straßenlampe betrachtete ich mir den spitzbärtigen Mann genauer. Sein Leinenhemd war eingerissen und gab den Blick auf den Edelstein frei, den er an einer silbernen Kette um den Hals trug. Ein leuchtend blauer Mondstein. Nur um sicher zu gehen streifte ich seinen Ärmel nach oben und betrachtet mir die Innenseite seines rechten Unterarms. Da war es: Das Symbol des Fuchsgottes. „Der Mann ist ein geweihter Phexdiener“, flüsterte ich Mada zu. Sie hob ihren Blick. „Ach, ist dir das auch schon aufgefallen, ja?“Gemeinsam hoben wir den Fremden an und trugen ihn in die Gasse. Bis der Tag endgültig die Nacht vertreiben würde, musste es noch fast eine Stunde dauern. Ich wusste nicht, wie lange es wohl noch dauern würde, bis die Finsterwölfe es sich anders überlegen und uns erneut angreifen würden. Also beschloss ich, die Flucht nach vorne zu wagen. In den Gassen waren wir eine leichte Beute. Im Versteck der Finsterwölfe gab es verborgene Winkel und Räume, in die sich so gut wie nie jemand verirrte.Zwischen zwei Häusern, die scheinbar Wand an Wand gebaut waren, gab es in Wahrheit einen vermauerten Spalt, der am unteren Ende eine niedrige Lücke aufwies. Da die Gasse schmal und sehr verwinkelt war, erreichte das Tageslicht selbst zur Praiosstunde niemals die verborgene Lücke, wodurch sie nahezu unsichtbar war. Erst als ich mich bückte und scheinbar in der Wand verschwand, begriff Mada und half mir, den halb Bewusstlosen durch den geheimen Zugang zu ziehen.Im Inneren des Spalts tasteten wir uns eine schmale Treppe hinunter, die schließlich zu einer alten hölzernen Kellertür führte. Die Tür war immer verschlossen. Sie verriegelte sich bei jedem Schließen durch einen raffinierten Mechanismus. Zudem war sie von innen mit Eisenstangen verstärkt und weitaus robuster als sie den Anschein erweckte. Statt eines normalen Schlüssellochs, gab es nur ein kleines Löchlein, gerade groß genug für einen Dietrich. Hier durfte eben nicht jedermann rein.Zu unserem Glück war ich nicht jedermann. Das Schloss hatte ich in 15 Sekunden geknackt. Mit einem befriedigenden Klicken glitt der Riegel zurück und gab uns den Weg in den verwinkelten Kellerbau der Gilde frei.Kapitel 4Unter den StraßenSchmale Gänge aus feuchtem, modrigem Mauerwerk, nur spärlich ausgeleuchtet durch trübe flackernde Öllampen... Die Zuflucht der Finsterwölfe war ein wahrhaftes Labyrinth. Alte Holztüren mit schwerem Eisenbeschlag führten in Kammern, die einst der Stadtwache als Gefängniszellen, Wachstuben oder Lagerräume gedient hatten. Unter uns gab es noch mindestens 2 weitere Ebenen, verbunden durch Leitern und ausgetretene Treppen.Offiziell existierten all diese Gänge und Kammern schon lange nicht mehr. Sie waren zugeschüttet worden, nachdem das Gebäude darüber aus ungeklärten Gründen bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. So stand es in den offiziellen Papieren. Heute standen dort längst neue Gebäude und damit war die Angelegenheit erledigt und vergessen. Schon vor Monaten hatte ich versucht, in den Archiven der Stadt einen Grundriss des alten Wachhauses zu ergattern. Es dürfte euch wenig überraschen zu hören, dass das vergebliche Liebesmüh war.Damit will ich sagen: Meine Kenntnisse über den inneren Aufbau der Zuflucht waren gelinde gesagt mangelhaft. Auf der obersten Ebene, wo wir uns nun aufhielten, kannte ich mich zumindest noch ein wenig aus. Ich hatte der Gilde den einen oder anderen mehr oder weniger genehmigten Besuch abgestattet und mich bei diesen Gelegenheiten ein bisschen umgesehen. Einige Kammern dienten als Zwischenlager für verschiedene Güter. Diese waren in der Regel verschlossen und gelegentlich sogar bewacht.Andere Kammern waren spärlich mit Strohbetten und anderem Mobiliar eingerichtet worden. Hier konnte man meist unbehelligt ein und aus gehen und für einige Tage abtauchen, falls man mal unbeabsichtigt zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Das Problem war, dass man nie wissen konnte, auf wen man dort traf.Schließlich gab es noch jene Räume, die durch das Feuer Schaden erlitten und tatsächlich ganz oder teilweise eingestürzt und verschüttet waren. Einige Bereiche galten als unzugänglich oder unbewohnbar. Das waren für mich die interessantesten.Mada und ich stützten den Geweihten, der inzwischen wieder halbwegs klar im Kopf zu sein schien. Jonas lief stets einen Schritt vor uns, so als kundschafte er die Lage aus. Ich führte unsre kleine Gruppe jene Gänge entlang, die mir am sichersten erschienen und tatsächlich war Phex wohl mit uns, denn wir trafen auf keine Menschenseele und auch aus der Ferne war kein Geräusch zu hören. Dann erreichten wir einen Gang, der sich in der Finsternis verlor. Hier waren keine Öllampen aufgehängt worden. Den Grund dafür kannte ich. Er lag dort im Dunkeln, keine 30 Schritt entfernt.Das war der Moment, indem wir hinter uns das ferne Knarren einer Tür hörten. Vielleicht waren es jene freundlichen Gesellen, die uns in den Straßen aufgelauert hatten. Vielleicht waren auch nur unbescholtene Diebe, die einen Platz zum Schlafen suchten. Ich wollte nicht warten, um es heraus zu finden.So tasteten wir uns den stockdunklen Gang entlang, bis wir an die Stelle kamen, an der sich das Mauerwerk abgesenkt und den Gang blockiert hatte. Was außer mir noch niemand bemerkt zu haben schien: Die abgesenkte Decke hatte die linke Mauerwand beschädigt. Einige Steine waren zermalmt und andere ausreichend gelockert worden, dass ich sie mit wenig Anstrengung hatte lösen können. Der entstandene Durchbruch war etwa 2 Spann hoch, gerade ausreichend um drunter durch zu kriechen. Natürlich hatte ich das Loch mit einigen Steinen wieder provisorisch verborgen.Das war vor acht Wochen gewesen und ich war seitdem nicht mehr hier gewesen. Dennoch fanden meine Finger auch in völliger Dunkelheit die Stelle sofort wieder. So leise wie möglich schob ich das Gestein zur Seite und legte den Durchgang frei.Nachdem wir uns alle unter der massiven Steinmauer hindurch gewunden hatten, verstellte ich den Durchbruch wieder und schob die verkohlten Überreste einer Tür davor, um sicher zu gehen, dass kein Lichtschein mehr durch die Ritzen fallen würde. Dann zog ich Feuerstein und Anzünder aus meiner Tasche und entzündete eine der Lampen, die hier an schweren Eisenketten von der Decke hingen.Ein schwacher, orangeroter Lichtschein erhellte die geräumige Halle um uns herum und offenbarte Ketten, die von den Wänden und der Decke baumelten, gruseliges Schmiedewerkzeug neben einer Feuerschale und eine hölzerne Bank, deren auffallende Mechanik, inklusive Hand- und Fußfesseln, keinen Zweifel an ihrem Verwendungszweck ließen. „Willkommen in meinen Reich“, flüsterte ich mit ausladender Handbewegung. Meine Begleiter musterten ihre Umgebung mit unverhohlener Abscheu. Ich konnte es ihnen nicht verübeln.Wir zogen uns ans hintere Ende der Kammer zurück bevor wir in Flüsterton unser weiteres Vorgehen besprachen. „Wir bleiben hier eine Stunde“, schlug ich vor. „Wenn der Tag angebrochen ist, gehen wir wieder nach oben und du kannst uns vielleicht ein paar Fragen beantworten.“ Diese Worte hatte ich an den Geweihten gerichtet, der jetzt mit ernster Mine den Kopf schüttelte. „Nein, genau hier wollte ich hin. Und ich gehe erst wieder, wenn ich gefunden habe, wonach ich suche.“ Dann senkte er seine Stimme weiter zu einem kaum hörbaren, bedrohlichen Zischen. „Mein Name ist Chadim. Ich würde mich ja für euren Beistand bedanken, aber letztendlich habt ihr nur mehr Gildenmitglieder angelockt, euch überrumpeln lassen und mich so genötigt euch zu retten. Alles in Allem habt ihr mir meine Mission doch eher erschwert, also… nichts für Ungut. Ihr könnt ja wieder nach oben steigen, aber mein Weg führt mich weiter nach unten.“Ich schaute kurz zu Mada herüber, deren gebannter Blick deutlich machte, dass ihr wohl die gleichen Fragen durch den Kopf gingen wie mir. Wenn Mada und ich eine Eigenschaft teilten, dann war es die Neugier. „Zuerst einmal wollen wir ein paar Antworten“, entgegnete ich schließlich mit möglichst fester Stimme. „Was sucht ein geweihter Diener des Phex aus dem verborgenen Tempel im Unterschlupf einer Diebesgilde? Und warum zum Namenlosen entführen die Finsterwölfe irgendwelche Stadtbewohner und stehlen Haustüren?“Damit hatte ich seine Aufmerksamkeit. Chadim hob eine Augenbraue und sah mich eindringlich an. „Was weißt du über die Sache mit den Türen?“ Ich atmete tief durch und beschloss mit offenen Karten zu spielen. „Ich weiß von einem silbernen Schlüssel. Ich habe gesehen, wie ein Mitglied der Gilde damit durch eine Tür ging und einfach verschwunden ist. Der Schlüssel trägt das Symbol des Fuchsgottes. Bist du deswegen hier? Ist das vielleicht dein Schlüssel?“Die Andeutung eines Lächelns huschte über das Gesicht des Geweihten. „Also darüber entscheide ich nicht. Darüber entscheidet allein Phex. Im Augenblick gehört der Schlüssel den Finsterwölfen. Schließlich haben sie ihn erfolgreich aus dem verborgenen Tempel gestohlen. Ich dagegen möchte dieses Besitzverhältnis möglichst bald wieder ändern. Also ja, ich bin hier, um mir den Schlüssel zurück zu holen. Und vielleicht hat der Fuchsgesichtige euch ja geschickt, um mir dabei zu helfen.“Ich nickte, was Chadim wohl als Zustimmung auslegen mochte. Ich hingegen war nur froh, endlich ein paar Antworten zu bekommen. Also bohrte ich weiter. „Und was hat das ganze mit der Entführung des Zimmermanns und dem Diebstahl seiner Haustür zu tun?“ Der Geweihte zögerte einen Moment. Schließlich kam er vermutlich zu dem Schluss, dass es wohl besser wäre, uns reinen Wein einzuschenken, insbesondere falls wir tatsächlich von seinem Gott persönlich geschickt worden waren.„Der Schlüssel der verborgenen Pfade öffnet beinahe jedes Schloss, solange es zu einer fremden Tür gehört. Statt auf die andere Seite gelangt man dadurch jedoch an jeden beliebigen Ort, den man schon einmal gesehen hat. Phex duldet keinen Mord, deswegen funktioniert es nur, wenn der eigentliche Besitzer der Tür wohlauf ist. Ich vermute die Finsterwölfe haben erkannt, wie nützlich es sein kann, eine gestohlene Tür ständig zur Verfügung zu haben. Natürlich müssen sie dann für die Sicherheit des Besitzers sorgen.“Verblüfft stieß ich den angehaltenen Atem aus. Das ganze klang einfach nur verrückt. Dennoch ergab das Verhalten der Gilde nun irgendwie einen Sinn. Um sicher zu gehen, fasste ich das ganze nochmal zusammen. „Mit dem Schlüssel und der gestohlenen Tür kommen sie also so ziemlich überall rein und auch wieder raus. Das dürfte die Finsterwölfe zur mächtigsten Gilde von allen machen. Aber falls der Besitzer getötet wird, wird seine Tür für sie nutzlos.“„Genau“, bestätigte Chadim, „Deswegen müssen wir uns den Schlüssel zurückholen. Seid ihr dabei?“ Ich wusste genug über die Kirche des Phex um zu wissen, was jetzt von mir erwartet wurde. „Und was springt für uns dabei raus?“Ganz ehrlich: Ich hätte es auch umsonst getan. Wann kriegt man schließlich schon mal die Chance, einer Diebesgilde so heftig eins auszuwischen? Aber für die Diener des Phex gilt nun mal: Jede Leistung verlangt nach einer Gegenleistung. Also saßen wir in dieser Folterkammer und verhandelten. Zuerst wusste ich gar nicht, was ich verlangen sollte, aber dann kam mir das eine in den Sinn, das ich schon immer einmal tun wollte.Um es kurz zu machen: Chadim war einverstanden. Aus seiner Tasche kramte er Pergament, Tintenfässchen und Federkiel. Dann setzten wir einen Vertrag auf, unterzeichneten ihn und besiegelten das Ganze mit einem Handschlag. Rückblickend hätte ich genauer auf den Wortlaut achten sollen, dann wären wir jetzt nicht in dieser Situation, nicht wahr. Aber sei‘s drum.„Und wie finden wir wir nun diesen Schlüssel?“, fragte ich, nachdem der Vertrag unterzeichnet und in meiner Tasche verstaut war. Abermals griff Chadim in seine Tasche. Diesmal zog er eine Karte hervor, die doch tatsächlich den Grundriss des Kellergewölbes zeigte. Ich sparte mir die Frage, wie er da ran gekommen war. Offenbar hatte es allerlei Vorzüge ein Geweihter des Gottes der Diebe zu sein. „Laut Karte gibt es da diesen Raum, in dem man früher die schlimmsten Schwerverbrecher bis zu ihrer Hinrichtung untergebracht hat. Zumindest früher war dieser Ort besser verteidigt als jeder andere Raum hier unten. Ich rede von unüberwindlichen Sicherheitsmechanismen und tödlichen Fallen!“ Die unverhohlene Vorfreude in seiner Stimme angesichts der vor uns liegenden Gefahren ließ mich schmunzeln. „Also wenn ich ein Finsterwolf wäre und den Schlüssel verstecken müsste, würde ich es dort tun“, beendete er seine Ausführungen.Ich griff nach dem Plan und begann, die oberste Seite zu studieren. „Tja, ich schätze mal, diese Hochsicherheitszelle ist nicht gleich hier nebenan, oder?“ Chadim grinste und schüttelte den Kopf. Dann hob er den Zeigefinger… und deutete nach unten.Kapitel 5Auf IrrwegenVier Ebenen, so tief ragte das Gewölbe tatsächlich in die Erde. Die dritte Ebene erreichten wir noch ohne nennenswerte Zwischenfälle. Ein paarmal mussten wir uns eine alternative Route suchen, um Wächter zu umgehen oder herumstreunenden Gildenmitgliedern auszuweichen. Es half, dass wir uns den Gebäudeplan eingeprägt hatten, weil es stets mehrere Wege hinab auf die nächsttiefere Ebene gab. Es half auch, dass Mada zuvor zweimal durch den schmalen Spalt zur Folterkammer hatte kriechen müssen, da ihr Kleid nun nicht mehr weiß, sondern eher aschgrau und weit weniger auffällig war.Kurz vor der vierten Ebene änderte sich alles. Das ging damit los, dass es, entgegen dem Plan, nur noch eine einzige breite Treppe hinab zu dieser Ebene gab. Ein zweiter, schmalerer Treppenabgang und ein Leiterschacht waren offenbar zugemauert worden. Der Zugang zu besagter verbliebener Treppe war mit einem Gittertor verschlossen. Das allein wäre wohl noch kein Hindernis gewesen. Das eigentliche Hindernis bestand in dem über 2 Schritt hohen, griesgrämig dreinschauenden Koloss, der hier offenbar als Wächter abgestellt worden war und mit polternden Schritten vor dem Tor auf und ab patrouillierte.Glücklicherweise brannte eine Laterne gleich neben dem Gitter, wodurch sich die Augen des Wächters nicht an das dämmrige Licht des Ganges gewöhnen konnten. So konnten wir uns relativ gefahrlos ein Stück weit aus einem angrenzenden Seitengang herauslehnen, ohne gleich entdeckt zu werden. Der glatzköpfige Riese mit der breiten Nase und dem schartigen Breitschwert trug ein Lederwams, dass sich über seinen fülligen Leib spannte. Eine wulstige Narbe zog sich von seinem Ohr bis zu seiner Oberlippe. Womöglich hätten wir es zu dritt mit ihm aufnehmen können, aber kaum ohne jeden auf dieser und der nächsten Ebene auf unsre Anwesenheit aufmerksam zu machen.Während Chadim und ich noch im Geiste unsre Optionen durchgingen, war Mada bereits zur Tat geschritten. Kurzentschlossen hatte sie ihre Schuhe ausgezogen und mir in die Hand gedrückt. Dann strich sie sich über ihre Kleider und eine seltsame Veränderung ging mit ihr vor, die ich in der Dunkelheit nicht genau benennen konnte. Bevor einer von uns sie aufhalten konnte, trat Mada aus dem Seitengang in den Schein der nächsten Lampe, direkt vor den riesigen Wächter. Doch die Person, die da plötzlich im Licht stand, hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Mada, die ich kannte. Dort stand nun ein kleines Mädchen um die 8 Götterläufe mit struppigem strohblondem Haar und zerschlissenen Kleidern.„Hey Kleine, du hast hier nichts verloren“, brummte der Riese. „Los, lauf zurück zu deiner Mami!“ Statt zu antworten, hob das Mädchen einen Stein vom Boden auf und zog eine Zwille aus der Tasche ihres Lumpenkleids. Der Große schüttelte ungläubig den Kopf „Lass den Unsinn, du dummes Gör!“ Lächelnd und in aller Seelenruhe spannte das Mädchen die Zwille... und schoss. Pfeifend sauste der Stein durch die Luft und knallte mit Wucht gegen den Oberschenkel des Wächters. „Autsch, verdammt! Na warte, du kleine Kröte!“ Während der Wächter schon auf sie zugestampft kam, streckte ihm die Kleine noch die Zunge heraus. „Bääh!“ Dann machte sie auf dem nackten Fuße kehrt und rannte in die Dunkelheit, vorbei an dem Seitengang, in dem Chadim und ich uns versteckt hielten. Mit hochrotem Kopf rannte der Wächter ihr hinterher und war Augenblicke später um die Nächste Ecke verschwunden.Nun blieb uns nicht viel Zeit. Gleichgültig ob er das Mädchen zu fassen bekäme oder nicht, er würde seinen Posten sicher nicht lange verlassen. Außerdem hoffte ich, dass sein Stolz ihn davon abhalten würde, bei seiner Jagd nach einem kleinen Mädchen um Hilfe zu rufen. Darauf hatte vermutlich auch Mada gesetzt. Ich betete, dass sie dem großen Kerl würde entkommen können. Dann schob ich den Gedanken beiseite und eilte auf das Gittertor zu, wobei ich bereits mit geübtem Griff meine Dietriche aus der Tasche zog. Chadim und Jonas folgten mir lautlos.Es dauerte 20 Sekunden, dieses verfluchte Schloss zu knacken! 20 Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, da ich jeden Moment damit rechnete, dass der Riese hinter uns auftauchen und mir sein rostiges Messer durch den Leib treiben würde. Und gerade als das Schloss endlich nachgab, hörte ich die Schritte auf uns zugerannt kommen. Ich wollte bereits meinen Dolch ziehen, als mir klar wurde, dass es nackte Füße auf steinernem Grund waren. Ich öffnete das Gittertor und und keine Sekunde Später waren Chadim, Jonas und das strohblonde Mädchen hindurchgeschlüpft. Ich folgte ihnen, zog das Tor zu und wollte mich gerade daran machen, das Schloss wieder zu verschließen, als polternde Schritte die Rückkehr des übel gelaunten Riesen ankündigten.Schnell eilten wir einige Stufen die Treppe hinab und kauerten uns in die Dunkelheit, während der massige Wächter wieder seinen Posten bezog. Wir konnten nur hoffen, dass das geöffnete Schloss möglichst lange unbemerkt bleiben oder zumindest kein Aufsehen erregen würde.Leise schlichen wir Stufe für Stufe abwärts und erreichten schließlich einen uralten, schmalen Tunnelgang mit gewölbter Decke, der sowohl nach links als auch nach rechts führte und in regelmäßigen Abständen von Fackeln erhellt wurde. Der Tunnel beschrieb einen leichten Bogen. Von Chadims Plan wusste ich, dass es sich um einen Rundgang handelte, der einen Kreis bildete und schließlich wieder zur Treppe zurück führte. Die Karte zeigte keine Abzweigungen oder Türen. Ich konnte nur vermuten, dass eine weitere Kammer im Zentrum des Kreises lag, deren Zugang auf dem Plan nicht eingezeichnet war.Wir folgten dem Gang nach links. Die Fackeln bildeten Inseln aus Licht, zwischen denen der Gang immer wieder in vollständiger Dunkelheit versank. Als wir aus dem Dunkel in den Schein der nächsten Fackel traten, war das kleine Mädchen plötzlich verschwunden und an ihrer Stelle stand nun wieder Mada im Licht. Ich erwartete keine Erklärung und sie gab mir keine. Magie war ihr Metier und ich hatte gelernt, mich mit dem Unerklärlichen abzufinden. Lächelnd streckte sie ihre Hand in meine Richtung aus und nach einem Moment der Verwirrung gab ich ihr ihre Schuhe zurück.Der Tunnel beschrieb tatsächlich einen Kreis und am Ende standen wir wieder am Fuß der Treppe. Weder waren wir auf Abzweigungen, noch auf Türen gestoßen. Auch im Dunkeln hatte ich die Wände nach verborgenen Gängen oder Schaltern abgetastet, leider vergeblich. Ich hätte ja die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass es hier tatsächlich nichts zu entdecken gab, wenn da nicht der Wächter gewesen wäre. Niemand würde einen sinnlosen Rundgang bewachen. Was zur Niederhölle übersah ich hier?Dann wurde mir plötzlich klar, was ich übersehen, oder vielmehr überhört hatte: Der Wächter! Seine polternden Schritte waren nicht länger zu hören. Nun, vielleicht war er einfach nur mal stehen geblieben, hatte sich hingesetzt oder ein Nickerchen gemacht. All das war möglich, aber mein Instinkt sagte mir, dass hier etwas nicht stimmte. Also schlich ich wieder die Stufen nach oben. Und siehe da: Der Wächter war verschwunden! Leise versuchte ich, das Gittertor zu öffnen. Es war verschlossen. Ganz allmählich formte sich in meinem Geist ein Gedanke, fast schon eine Theorie.Ich stieg die Stufen wieder hinan. „Wartet kurz hier“, flüsterte ich Mada und Cadim zu. „Ich muss nur kurz was überprüfen.“ Dann lief ich allein eine Runde durch den engen Tunnelgang. Als ich schließlich zur Treppe zurück kam, hatten sich die beiden scheinbar in Luft aufgelöst. Dafür hörte ich nun wieder die Schritte des Wächters von oben herab hallen. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf. Entweder spielten hier alle ein äußerst albernes Versteckspiel mit mir, oder aber es gab zwei Treppen, die zu zwei identischen Gittertoren führten. Hier im Dunkeln war es leicht, die Orientierung zu verlieren. So hatten wir statt einer Runde lediglich eine halbe hinter uns gebracht und waren am anderen Ende des Rundgangs angekommen.Ich kehrte zu den anderen beiden auf die Rückseite des Ganges zurück und versuchte, ihnen die Lage zu erklären. Sie wirkten zunächst wenig überzeugt. Also führte ich sie die Treppe hinauf. Der Raum hinter dem Gitter sah haargenau so aus, wie jener, den wir auf dem Weg hierher durchquert hatten. Mit wenigen Handriffen hatte ich das Schloss geöffnet. Diesmal ging es deutlich schneller. „Genau von hier sind wir gekommen“, beharrte Chadim. „Nein, sind wir nicht“, erwiderte ich und versuchte möglichst überzeugt zu klingen. Die Täuschung war perfekt, aber es musste einfach eine Täuschung sein!Wir gingen zurück in den Gang, aus dem wir scheinbar gekommen waren. Hier hatte Mada in Gestalt des blonden Mädchens den riesigen Wächter abgelenkt. Nein, erinnerte ich mich. Wir sollten nur denken, dass es der selbe Gang ist. Das ganze war ganz offensichtlich eine…Es war natürlich eine Falle. In der trügerischen Sicherheit zu wissen, was hinter der nächsten Biegung liegt, vergisst man jede Vorsicht. Und so blickte ich entsetzt in den Abgrund, der sich da wie aus dem Nichts vor uns auftat! Ein Fuß trat ins Leere. Eine Hand krallte sich gerade noch rechtzeitig in eine Fuge der Seitenwand und bewahrte mich vor dem tödlichen Sturz. Schwer atmend zog ich mich von der gähnenden Leere zurück.Auf eine Distanz von etwa 8 Schritt hatte der Gang einfach keinen Boden. Nun, vermutlich war da doch irgendwo ein Boden, aber er musste wenigstens 20 Schritt unter unseren Füßen liegen, dort wo sich alles in tiefschwarzer Dunkelheit verlor. Ich war keineswegs scharf darauf, ihm einen Besuch abzustatten. Jenseits des Abgrunds ging der Gang weiter und führte zu einer schwarzen Holztüre.Nun bestand zumindest kein Zweifel mehr, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Ich sah mich um. Wahrscheinlich gab es auf dieser Seite irgendeinen Mechanismus, mit dem man die Schlucht überwinden konnte. Schließlich war das hier früher mal so eine Art Verlies gewesen. Klar, wer oder was immer da jenseits der schwarzen Tür war, sollte nicht heraus gelangen können. Aber eigentlich musste es doch zumindest einen Weg hinein geben. Auf der andern Seite des Abgrunds bemerkte ich eine längliche Vertiefung im Mauerwerk. Ich beugte mich über den Rand und entdeckte die Kante einer Holzplanke, die sich Stück für Stück herausziehen ließ. Die Planke fügte sich anstandslos in die Vertiefung ein und bildete eine hölzerne Brücke.Chadim strahlte vor Freude und machte sich augenblicklich daran, den Abgrund zu überqueren. Er bewegte sich mit bewundernswerter Gelassenheit. Mada und ich folgten ihm deutlich behutsamer.Als wir drüben ankamen, hatte er die Tür bereits geöffnet. Offenbar verfügte sie über kein erkennbares Schloss, lediglich über eine Klinke. Nun, das machte uns die Sache einfacher… und mich nervöser. Alles was einfach wirkt, tendiert dazu, mich nervös zu machen. Ich vermute dann immer sofort eine Falle. Bestenfalls erweist sich mein Verdacht als unbegründet. In diesem Fall tat er das leider nicht.Kapitel 6Göttliche PrüfungDer Raum hinter der schwarzen Tür war achteckig, durchmaß an die 5 Schritt und war etwa 10 Schritt hoch. Die acht Wände neigten sich am oberen Ende aufeinander zu und vereinten sich über unsren Köpfen zu einem steinernen Kuppeldach. In jede Wand war eine schwere, eisenbeschlagene Tür eingelassen. Neben jener Tür, durch die wir gekommen waren, gab es also noch sieben weitere Türen, hinter denen wohl die berüchtigten Kerkerzellen liegen mussten. Und hinter einer dieser Türen lag hoffentlich auch unser kleiner magischer Silberschlüssel. Öllampen an den Wänden tauchten den Raum in ihren rötlichen Schein.Was unsre Blicke aber sofort fesselte, war die steinerne Skulptur in der Mitte des Raums. Genau genommen, waren es vier Statuen, die zu einem Standbild angeordnet waren.Im Zentrum stand ein junger Prinz oder König in herrschaftlichem Gewand mit reich verzierter Krone auf dem Haupt und wissendem Lächeln auf den Lippen. Ornamente auf der Kleidung zeigten ein stilisiertes Auge und die Schwingen eines großen Raubvogels. Zu seinen Füßen stand ein schlichter tönerner Krug. Die Arme hielt er ausgebreitet und deuteten auf zwei goldene Schalen, die von zwei weiteren steinernen Figuren gehalten wurden.Die zwei Gestalten knieten links und rechts neben dem Gekrönten. Sie hielten ihre Blicke gesenkt, als wagten sie es nicht, den Mann in ihrer Mitte anzuschauen.Die linke Figur zeigte einen Mann, dessen Alter sich schwer abschätzen ließ. Er trug das schlichte Tuch eines Bettlers oder Vagabunden. Langes, glattes Haar fiel ihm fließend über die Schultern und rahmte ein schmales Gesicht ein, in dessen Augen sich Wehmut und Traurigkeit widerspiegelten.Bei der rechten Figur handelte es sich zweifellos um eine junge Frau. Das ließ sich schon deswegen problemlos erkennen, da sie, abgesehen von einigen Blüten in ihrem lockigen Haar, keinerlei Kleidung trug. Trotz des demütig gesenkten Blickes umspielte ein zartes Lächeln ihre Lippen.Auch bei der vierten Gestalt handelte es sich um eine junge Frau, gekleidet in eine schlichte Kapuzenrobe, die ihr Haar bis auf wenige Strähnen verdeckt hielt. Sie lag zu Füßen des Bettlers, zu dem sie mit flehendem Blick hinauf schaute. Ihre eine Hand ruhte auf seinem nackten Fuß, während die andere mit ausgestrecktem Zeigefinger zu dem lächelnden Lockenschopf hinüber deutete.„Götter“, sagten der Geweihte und ich wie aus einem Munde und nickten uns einvernehmlich zu. Das war nicht schwer zu erkennen gewesen. Bei der Skulptur handelte es sich zweifellos um die Darstellung von vier Alveraniern, die auf eigentümliche Weise zueinander in Beziehung gesetzt worden waren.Für Mada war das ganze, trotz ihres eigenen alveranischen Namens, scheinbar nicht ganz so offensichtlich. Sie stemmte die Hände in die Hüften, betrachtete die Figuren eingehend aus jedem Blickwinkel und schüttelte schließlich ratlos den Kopf. Chadim lächelte mich gönnerhaft an und deutete mit ausgestrecktem Arm zu den steinernen Gestalten herüber. „Willst du‘s ihr erklären?“Ich lächelte. „Kein Problem. Also, der überhebliche Kerl in der Mitte ist natürlich der Sonnengott Praios. Auf seiner Kleidung sind das allsehende Auge und die Schwingen des Greifen zu erkennen. Links neben ihm kniet Boron, der griesgrämige Gott des Todes. Und auf der rechten Seite… vielleicht Rahja?“Okay, das hatte ich nur geraten, weil sie nackt war. Die Liebesgöttin wird schließlich oftmals nackt dargestellt. Anderen Anhaltspunkte hatte ich nicht und natürlich lag ich falsch.Chadim grinse und stellte sich neben den nackten Lockenschopf. Mit den Fingerspitzen strich er über die Blüten in ihrem Haar. „Wohl eher Tsa, oder?“Selbstverständlich hatte er recht und ich ich ärgerte mich, das nicht selbst erkannt zu haben. So ergab das ganze Bild auch gleich einen Sinn: Die Göttin des Lebens und der Gott des Todes knieten Seite an Seite und über ihnen thronte der Gott der Gerechtigkeit, schwang sich so gleichsam zum Herrscher über Leben und Tod auf.Blieb nur noch die junge Frau zu Borons Füßen. Diesmal war ich mir sicher. „Und das hier muss Borons Tochter Marbo sein. Sie legt bei ihrem Vater ein gutes Wort für die Toten ein.“„Ja, vermutlich“, stimmte mir der Geweihte zu. „Es ärgert mich nur, dass Phex gar nicht vertreten ist. Aber das wäre vermutlich zu viel verlangt, in Herzen einer alten Kaserne meine ich.“ Chadim zwinkerte. „Wie dem auch sei. Wir sind nicht wegen Praios hier, sondern um etwas zu stehlen.“ Mit diesen Worten schritt er an der Skulptur vorbei und ging auf die erste der sieben Türen zu. „Hmm!“, brummte er missmutig und lief zur nächsten, dann zur übernächsten Tür. „Also wirklich, was soll denn das?“ Endlich wandte er sich wieder Mada und mir zu. „Die Schlüssellöcher sind mit Metallblenden verdeckt. Wie soll man denn da reinkommen?“Ich trat näher an die Praiosstatue heran. „Das ist vermutlich so eine Art Rätsel, eine Prüfung, damit nicht einfach jeder die Zellen aufsperren kann.“ Mit geübten Griffen tastete ich den Kopf der Statue nach verborgenen Schaltern oder einem Hinweis auf einen versteckten Mechanismus ab. Als ich die Krone abtastete, fiel mir etwas auf. „Ich hab‘s immer geahnt. Praios ist ein Hohlkopf.“ Schneller als ich reagieren konnte, war Chadim zu mir herüber geeilt und schlug mir mit der flachen Hand so hart ins Gesicht, dass es durch den Raum hallte. „Autsch! Meine Güte, das... war doch nur ein Scherz!“, brachte ich stotternd hervor. Der Geweihte sah mich mit versteinerter Miene an. „Hab schon bessere gehört“, entgegnete er kühl. Dann atmete er tief durch und fuhr in versöhnlicherem Ton fort: „Ich bin sicher kein Freund von Praios, aber zeig lieber ein bisschen Respekt, Junge. Worauf wolltest du eigentlich hinaus?“ Ich rieb mir währenddessen noch immer die glühende Wange. „Eigentlich meinte ich nur, dass da ein Loch im Kopf der Statue ist, direkt über der Krone.“ Einer Ahnung folgend betrachtete ich mir Praios‘ Hände. „Und da sind auch löcher in den Händen. Wenn man oben etwas einfüllt, dann fließt es direkt in die Schalen.“ Ich lächelte vor Stolz auf meine eigene Genialität und griff nach dem tönernen Wasserkrug.Mit einem lauten Knall schlug die schwarze Tür zu. Gleichzeitig ertönte ein leises Zischen und die Luft wurde von einem üblen Gestank erfüllt. „Giftiges Gas!“, rief Chadim, lief zur schwarzen Tür und rüttelte am Griff. Nichts tat sich. Ich schaute unter den Krug. Dort war ein Metallstift aus dem Boden gefahren. Ich drückte ihn zurück, doch das Gas strömte weiter durch unsichtbare Schlitze im Mauerwerk in den Raum und die Tür blieb verriegelt.Offenbar blieb uns nicht viel Zeit, das Rätsel zu lösen. Also hob ich den Krug an, der zu meiner Erleichterung tatsächlich mit Wasser gefüllt war, und füllte etwas davon durch das Loch in Praios‘ steinernen Schädel. Die Augen der Statue leuchteten golden auf, blickten mir bis tief in die Seele und für einen Moment konnte ich mich nicht mehr rühren. Dann verglomm das Leuchten und mit leisem Gluckern floss dass Wasser in Borons Schale. Es hatte einen ungesunden, dunkelroten Farbton angenommen und ich hatte wenig Zweifel an seiner mangelhaften Bekömmlichkeit.„Es ist eine Prüfung der Seele“, erklärte Chadim das Offensichtliche. Ohne ein Wort übergab ich dem Geweihten den Krug und beobachtete, wie auch er etwas Wasser in das Loch laufen ließ. Wieder leuchteten die Augen der Statue auf… Und wieder floss das Wasser in Borons Schale.Allmählich wurde mir schwindlig. Das Giftgas begann seine Wirkung zu zeigen. Chadim und ich sahen einander ratlos an. Dann blickten wir gemeinsam zu Mada herüber. „Wie bitte? Ich?“ Mada lachte. „Wenn selbst der Geweihte nicht besteht?“ Schließlich stöhnte sie resignierend, trat vor und nahm den Krug entgegen. „Bleibt uns ja wohl nichts anderes übrig.“ Gespannt verfolgten wir, wie sie das Wasser in den Kopf der Statue laufen ließ und reglos erstarrte, als die leuchtenden Augen in ihren Geist blickten. Dann gluckerte es leise und das Wasser floss abermals in Borons Schale.“Ich sank auf die Knie, hustete und röchelte, während mir ganz allmählich schwarz vor Augen wurde. „Vielleicht sollten wir es einfach trinken“, meinte Mada mit halb erstickter Stimme. Ich schüttelte energisch den Kopf. „Aus Borons Händen kann man nur Tod, Schlaf und Vergessen annehmen. Nichts davon rettet uns jetzt!“ Statt dessen nahm ich einen Schluck aus dem Krug, doch auch das half nicht. Es war nichts als Wasser.Ich weiß noch wie ich dachte, wie unfair dieser Test doch war. Vor Praios‘ strengem Blick konnte doch niemand bestehen! Und von dem gnadenlosen Boron war auch keine Rettung zu erhoffen. Dann fiel mein Blick auf die sanftmütige Marbo.„Wieso… ist sie hier?“, röchelte ich und deutete auf die Statue der am Boden kauernden halbgöttlichen Tochter des Todes. Chadims Augen folgten meinem Fingerzeig. „Marbo ist gnädig“, brachte er hustend hervor. „Vielleicht bittet sie um ein milderes Urteil.“ Das klang logisch, aber irgendetwas daran stimmte nicht. „Warum blickt sie dann zu ihrem Vater und nicht zu Praios? Wenn das Urteil schon gesprochen ist, was kann sie sich dann noch erhoffen?“Inzwischen konnte ich nur noch Schemen sehen, während jeder Atemzug in meinen Lungen brannte. Mir wurde fürchterlich schwindlig und ich hielt mich an etwas fest. Es war der ausgestreckte Finger Marbos. Sie zeigte noch immer auf die Göttin des Lebens. Da wurde es mir schlagartig klar. „Sie will..., dass sich Boron über Praios‘ Urteil hinwegsetzt!“Mit letzter Kraft zog ich mich auf die Beine und nahm mit zitternden Fingern Borons Schale. Torkelnd schwankte ich auf die jugendliche Göttin des Lebens zu und füllte das rote Gift in ihre Schale. Es zischte und brodelte, als sich die Farbe des Tranks änderte und ein helles blau annahm. Schon halb ohnmächtig beugte ich mich darüber und trank.Schlagartig war mein Kopf wieder klar und ich konnte frei atmen. Ich nahm die Schale, trug sie zu Mada, Chadim und Jonas und ließ auch sie trinken. Alle erholten sich augenblicklich.Es dauerte noch fünf Minuten bis sich die Verriegelung wieder öffnete und die schwarze Tür aufsprang. Zu diesem Zeitpunkt wären wir ohne das Gegengift aus den Händen der Göttin längst tot gewesen. Auch die Blenden vor den Schlüssellöchern der sieben Zellentüren waren verschwunden.„Gut mitgedacht“, lobte Chadim, während er sich bereits daran machte, das Schloss der ersten Tür mit einem Dietrich zu knacken. „Aber wenn du Praios nicht einen Hohlkopf genannt hättest, hättest du vielleicht auch ohne Marbos Gnade bestanden.“ Erschöpft lehnte ich mich gegen die Wand und ließ mich auf den Boden sinken. „Nein, sicher nicht. Ich bin ein Dieb. Auf Gerechtigkeit kann ich nicht hoffen.“Kapitel 7Die DornenprinzessinSchätze können verschiedenster Art sein. Gleiches gilt für Schatzkammern. Und man weiß im Voraus nie, was einen erwartet. Genau das macht diesen Beruf so spannend! Man kann noch so gut vorbereitet sein, am Ende steht man doch immer wieder vor dem Unbekannten.In diesem Fall nahm das Unbekannte die Gestalt von sieben Käfigen an, die sich in den uralten, überraschend geräumigen Kammern hinter den sieben Türen verborgen hatten.Die Käfige selbst bestanden aus schwarzen, massiven Gitterstangen und erweckten den beunruhigenden Eindruck, dereinst für monströse Riesenvögel konstruiert worden zu sein. Sie waren kreisrund, mit Kuppeldächern versehen und durchmaßen etwa drei Schritt in der Länge und vier Schritt in der Höhe.Na gut, die Käfige an sich waren soweit natürlich wenig überraschend. Schließlich waren diese Räume ehemals Gefängniszellen gewesen. Sechs der Kammern lagen in gespenstischer Dunkelheit und die schwarzen Käfige darin waren leer. In der siebten Kammer aber brannte das schwache Licht einer einzelnen Öllampe. Und was sich in dem Käfig dieser Kammer befand, war durchaus überraschend.Zunächst einmal: Dieser Käfig war vollständig von Dornenranken überwuchert, die zum Teil selbst den Boden bedeckten. Von der Decke des Käfigs hing eine Eisenkette herab, und an einem Hacken am Ende dieser Kette baumelte doch tatsächlich unser Schlüssel! Direkt dahinter hatte man einen hölzernen Rahmen aufgestellt, in den eine leicht windschiefe Tür eingelassen worden war.Auf normalem Wege hätte man durch diese Tür nirgendwo hin gelangen können. Sie stand einfach nur da im Käfig. Mit dem Schlüssel aber, soviel hatte ich inzwischen verstanden, konnte man durch sie an jeden bekannten Ort der Stadt gelangen, ja vielleicht sogar an jeden Ort Aventuriens! Nur eine Sache verwirrte mich ein wenig: Das war nicht die Haustür des Zimmermanns.Zudem hatte ich gehofft, dass auch der Zimmermann selbst hier unten gefangen gehalten würde. Und als wir den Raum betraten, hatte ich tatsächlich für einen Augenblick geglaubt, jemanden im hinteren Bereich des Käfigs stehen zu sehen. Doch es waren nur ein paar Ranken gewesen, die sich umeinander geschlungen und eine grob menschenähnliche Form angenommen hatten.Wie die anderen sechs Käfige war auch dieser mit einem alten, robust wirkenden Schloss versehen. Ich gestehe, es erfüllte mich mit nicht unbeträchtlichem Stolz, als der Geweihte seine Bemühungen, das Schloss zu knacken, schließlich aufgeben und mir widerwillig den Vortritt lassen musste. Noch stolzer war ich natürlich, als die rostige Gittertür nach gut drei Minuten endlich quietschend aufschwang.Etwas, das ich nur als eine Welle aus Kummer und Schmerz beschreiben kann, wehte uns plötzlich entgegen. Dann war da dieses Geräusch zu hören, dass mich zunächst an entfernte Trommelschläge erinnerte. Zeitgleich begann sich etwas im inneren des Käfigs zu regen. Erschrocken trat ich einen Schritt zurück, die Hand am Griff meines Dolches, und blickte gebannt ins Halbdunkel.Mit unbeholfenen, torkelnden Schritten trat eine Gestalt aus den Schatten. Uns allen stockte für einen Moment der Atem, denn ein Mensch war das nicht. Die Gestalt bestand ganz aus Dornenranken. Tatsächlich waren es die selben Ranken, die mich bereits beim Betreten des Raumes an einen Menschen erinnert hatten. Jetzt waren sie zu unnatürlichem Leben erwacht und stapften schwankend auf uns zu.Während sich das Wesen näherte, wuchs das Rankengeflecht in seinem Inneren, verästelte sich mehr und mehr und nahm dabei deutlichere Konturen an. Die Gestalt war nun eindeutig als Frau zu erkennen. Die nach oben ragenden Dornen auf ihrem Kopf erinnerten an eine Krone. „Die Dornenkönigin!“, hauchte Chadim überrascht.Sicher habt auch ihr schon von der urbanen Legende der Dornenkönigin gehört. Sie soll unter den Straßen der Stadt leben und sich vom versickernden Blute jener ernähren, die von Meuchlern heimtückisch abgestochen wurden. Es heißt auch, der Zorn der Ermordeten brenne noch immer in ihrem Blut und treibe die Königin zur Raserei. Dann mache sie sich auf, die Mörder zu jagen und zur Strecke zu bringen. Also ich konnte die Dornenkönigin aus er Legende immer gut leiden. Tja, wie sich herausstellte, mochte die Dornenkönigin mich leider überhaupt nicht.Mit dornenbewehrten Krallen hieb sie auf mich ein. Glücklicherweise stand ich noch immer außerhalb des Käfigs, den sie offensichtlich nicht verlassen konnte. Ihre Dornenkrallen verfehlten mich nur um Fingersbreite. Das trommelnde Geräusch war inzwischen deutlich angeschwollen, ein dröhnender Herzschlag, der aus ihrer Brust zu kommen schien. Schließlich schwankte sie zurück ins Zentrum des Käfigs, wo sie damit begann, in sturer Beharrlichkeit den Schlüssel zu umkreisen.„Einer muss da rein und sich den Schlüssel schnappen“, stellte Mada in sachlichem Ton fest. Dabei verschränkte sie demonstrativ ihre Arme, als wolle sie sagen: „Also ich mach das sicher nicht.“ Auch Chadim war offenbar dieser Meinung. Er nickte nur zustimmend und wandte sich dabei mir zu. „Aha, und ihr seid offenbar der Meinung, dass ich das machen soll“, stellte ich fest. „Warum macht sich unser Geweihter nicht mal nützlich? Also auf mich wirkt das Ding da im Käfig ziemlich dämonisch. Ist das nicht irgendwie deine Aufgabe oder so?“ Doch Chadim schüttelte nur bedächtig den Kopf. „Nicht wirklich mein Spezialgebiet. Ich meine, ich könnte deine Waffe weihen, falls du gegen sie kämpfen willst. Aber ich schätze, die Dornen sind ziemlich giftig.“ Na super, das wurde ja immer besser. „Aber ich will überhaupt nicht gegen dieses Ding kämpfen!“,rief ich empört. „Musst du ja auch nicht“, beschwichtigte mich der Geweihte und lächelte versöhnlich. „Du gehst einfach da rein und schnappst dir den Schlüssel. Also, ich würd‘s ja selbst machen, aber du bist jünger und agiler als ich. Außerdem bin ich verwundet.“ Wie um seine Aussage zu unterstreichen, griff er sich mit der rechten Hand an die linke Hüfte und verzog schmerzverzerrt das Gesicht. Irgendwann hab ich mal gehört, dass der Klügere stets nachgeben sollte. Ich muss ja so was von klug sein. „Also schön, ich bekomm das schon hin.“Ich bekam das nicht hin. Kaum war ich auch nur einen Schritt im inneren des Käfigs, schlug die Tür zu, und schlagartig hatte ich die volle Aufmerksamkeit der Königin. Ich versuchte, nach dem Schlüssel zu greifen, war aber zu sehr damit beschäftigt, ihren Schlägen auszuweichen und dabei nicht auf die Dornenranken am Boden zu treten. Mada und Chadim rüttelten am Gitter, doch auch dort hatten sich nun dicke Ranken gebildet und hielten das Tor fest verschlossen. Schlimmer noch: Mit jeder Sekunde schien die Königin sich schneller und geschickter zu bewegen, während das Netz aus Ranken auf dem Boden und am Käfiggitter immer dichter wurde. Ich sprang und tänzelte über todbringende Dornen hinweg, bis nur noch ein einziger Fleck blieb, an den ich mich flüchten konnte. Ich presste mich an die letzte Stelle der Gitterwand, die noch nicht überwuchert war, während die Dornenkönigin auf mich zu stolzierte. Ich blickte in ihre leeren Augenhöhlen, hörte den wilden Schlag ihres Herzens und sah, wie sie ihre Krallen für den letzten Streich hob. Dann erstarrte sie und blickte zur Tür des Kerkers, wo in diesem Moment jemand eingetreten war.Die Halle der Götterstatuen war deutlich heller erleuchtet als die Kerkerkammer. Daher konnten wir die Person, die dort in der Tür stand, zunächst nur als schwarze Silhouette erkennen. „Ciro?“ Diese Stimme hatte ich heute schon einmal gehört. „Sag mal, musst du dich eigentlich überall einmischen oder hast du‘s speziell auf mich abgesehen?“ Ja, da bestand kein Zweifel mehr. Das war Ayla. Die junge Diebin mit dem rabenschwarzen Haar kam auf uns zu und funkelte mich mit ihren großen, dunklen Augen wutentbrannt an.Manchmal sagt man ja: „Wenn Blicke töten könnten...“ Nun, in diesem Fall war das wohl tatsächlich eine Option. Ich war mir sicher: Die Dornenkönigin wartete nur auf einen einzigen Blick, einen winzigen Fingerzeig, um mir ihre giftigen Stacheln in den Leib zu stoßen. Auf irgendeine Weise hatte Ayla Macht über sie.Während sich die Diebin dem Käfig nährte, zogen sich die Ranken wie auf ein geheimes Zeichen zurück. Sie würdigte Mada und Chadim keines Blickes, während sie an ihnen vorbei schritt, die quietschende Gittertüre öffnete und zu mir in den Käfig trat. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich, dass sie all ihren Zorn auf mich richtete und deswegen alles andere um sich herum ignorierte. Inzwischen denke ich, dass sie wohl ihre ganze Konzentration brauchte, um die Krallen der Dornenkönigin von meinem Hals fern zu halten. Ayla baute sich vor der gekrönten Gestalt auf, und als sie ihr mit festem Blick in die leeren Augenhöhlen sah, spürte ich wieder eine Welle von Gefühlen. Diesmal war es eine Mischung aus Wehmut und Bedauern. „Du wirst ihn nicht töten, verstanden?“ Die Königin neigte leicht den Kopf und augenblicklich zogen sich all ihre Dornen ins Fleisch der Ranken zurück.Vorsichtig betraten nun auch Chadim und Mada den Käfig. Schließlich war es Chadim, der das Wort ergriff. „Die Dornenkönigin hört auf dich?“ Ayla wandte sich dem Geweihten zu und bedachte ihn mit einem erstaunten Blick, so als habe sie seine Anwesenheit gerade eben erst bemerkt. „Die Dornenkönigin ist nur ein Mythos. Das hier ist nur eine Wächterin.“ Behutsam, beinahe zärtlich, legte die Diebin ihre Hand auf die Wange der Königin. Das war das erste mal, dass ich Ayla aufrichtig, ohne eine Spur von Spot oder Hochmut, lächeln sah. „Sie war mal ein Mensch, wisst ihr? Aber dann hat sie einen Fehler gemacht. Sie hat sich in den falschen verliebt. Für ihren Liebsten hat sie alles geopfert, am Ende sogar ihren freien Willen.“ Ihre Gesichtszüge verhärteten sich, als sie weitersprach. „Für Koradin war sie nur ein Spielzeug und schließlich ein leichtgläubiges Opfer!“Ach ja, nur für den Fall, dass ihr das nicht wissen solltet: Koradin ist der wahre Name des obersten Finsterwolfs, den meisten besser bekannt als „Rudelführer“ oder „der Wolfsvater“. Oh, das wusstet ihr schon? Dann verzeiht die Unterbrechung. Wo war ich? Ach ja: Ayla erzählte uns gerade die wahre Geschichte der Dornenkönigin.„Es gab eine Zeit, da hat sich Koradin mit finsteren Mächten eingelassen. Er kannte diesen Dämonenmeister namens Zaresch, der aussah als würde er an mindestens zehn todbringenden Seuchen gleichzeitig leiden. Jedenfalls überzeugte Zaresch den Führer der Finsterwölfe davon, dass dieser einen unsterblichen Diener bräuchte, um seine wertvollsten Schätze zu bewahren. Dazu musste er nur einen Menschen opfern, der ihm vollkommen loyal ergeben war.“Für einen Augenblick stockte Ayla in ihrer Erzählung und ich sah, wie sie ihre Hände zu Fäusten ballte. „Weil Tamara ihm bedingungslos vertraute, ließ sie sich auf das Ritual ein. Und da sie ihm im Leben treu ergeben war, ist sie es jetzt auch im Untod. Der Mensch, der sie einst war, ist längst verschwunden. Sie ist nur noch eine leere Hülle, die allein auf Koradins Befehl hört.“An diesem Punkt mischte sich der Geweihte ein, der bislang aufmerksam schweigend zugehört hatte. „Aber das stimmt nicht. Sie hört auch auf deinen Befehl, nicht wahr?“ Ayla nickte. Dann stahl sich ein Schmunzeln auf ihre Lippen. „Wenn unser große Rudelführer das wüsste, wäre er sicher außer sich vor Zorn! Zu meinem Glück hat er keine Ahnung und ich kann mir seinen tollen Schlüssel ausborgen, wann immer ich mag.“„Und wieso hört sie auf dich?“, fragte ich, von Neugier getrieben, und merkte sofort, dass ich einen Wunden Punkt getroffen hatte. Ayla senkte den Blick und verschränkte die Arme vor der Brust. Es war Mada, die mich auf das Offensichtliche aufmerksam machen musste: „Na weil sie ihre Tochter ist, du Blödmann.“Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mich schlagartig wie Dreck fühlte. Immer wenn wir uns begegnet waren, saß ich auf meinem hohen Moralross, prahlte mit meiner Karta und fragte sie, wieso sie sich nicht einfach von dieser Mörderbande lossagte. Dabei war sie die Tochter des Obermörders, der ihre Mutter auf die schlimmste Art missbraucht und zerstört hatte und immer noch gefangen hielt. Das Bild, das ich mir von Ayla gemacht hatte, änderte sich schlagartig für immer. Sie war keine naive Göre und weit mehr als nur eine talentierte Diebin. Ayla war die Dornenprinzessin.Ganz ehrlich: Ich sah mich nie als der strahlende Held, der die Jungfer in Nöten aus ihrem Elfenbeinturm befreien würde. Und tatsächlich war es ja Ayla gewesen, die mich gerade gerettet hatte. Trotzdem wollte ich in diesem Moment nichts mehr, als ihre Mutter zu erlösen und sie aus dieser Hölle heraus zu holen. Leider war mir diese Macht nicht gegeben. Zum Glück ahnte ich aber, wem sie gegeben war. Mit leiser, aber fester Stimme wandte ich mich an Chadim: „Jetzt tut mal was für euren Gott!“ Der Geweihte nickte und verstand sofort. Dann streckte er Ayla seine Hand entgegen. „Gib mir bitte deinen Dolch, mein Kind.“Ich hatte einen Protest oder zumindest ein Zögern erwartet, stellte aber fest, wie überzeugend die Worte eines Phexgeweihten sein konnten. Ayla sah Chadim an und überließ ihm ihren Dolch ohne jeden Widerstand. Der Geweihte strich über die schimmernde Klinge und flüsterte ein paar Worte, die ich nicht verstehen konnte, weil seine Stimme einen seltsam hallenden Klang angenommen hatte. Dann leuchtete das Metall kurz auf und schimmerte im Licht zahlloser Sterne. Mit dem verzauberten Dolch in der Hand stand Chadim da und zögerte. „Wenn ich es versuche, wird sie ihre Dornen ausfahren und mich stechen.“ Mit diesen Worten gab er Ayla ihren Dolch zurück. „Sie wird es zulassen, wenn du es tust.“Aylas Augen weiteten sich, als sie begriff, was von ihr verlangt wurde. Tränen stiegen in ihren Augen auf und sie biss sich auf die Unterlippe, um den Schmerz zu bekämpfen. Dann nickte sie stumm. Wir anderen traten einen Schritt zurück, gaben ihr Raum um zu tun, was sie tun musste, was nur sie tun konnte. Ayla richtete ihren Dolch auf die Brust der Dornenkönigin, die sie nur stillschweigend anstarrte. Dann wichen die Ranken beiseite und legten ein menschliches Herz frei, das noch immer schlug und dröhnte wie Trommelschläge. Dann flüsterte Ayla ein paar letzte Worte an ihre Mutter, die ich an dieser Stelle nicht wiederholen werde, und stach zu.Die Königin der Dornen zerfiel zu Staub. Dabei drang ein einzelnes Geräusch aus ihrem angedeuteten Mund. Es war vermutlich das einzige Geräusch, dass sie seit ihrem Tod von sich gegeben hatte: Ein erleichtertes Aufatmen. Im Nächsten Moment war nichts mehr von ihr übrig. Der Dolch klirrte, als Ayla ihn zu Boden fallen lies. Dann brach auch sie schluchzend zusammen.Kapitel 8Kammer der Verlorenen„Danke“, brachte Alya schließlich mit schwacher Stimme hervor. „Ihr könnt das Ding mitnehmen“, sagte sie, ohne dabei aufzuschauen. „Deswegen seid ihr doch hier.“ Ich blickte zu der Kette herüber, an deren Ende eben noch der Schlüssel gehangen hatte. Er war nicht mehr dort. „Sehr freundlich“, entgegnete Chadim und betrachtete dabei das silberne Kleinod in seiner Hand. „Ich war bereits so frei.“Aus seiner Tasche zog er eine Münze, die mit dem Siegel der Phexkirche geprägt war. Er schnippte sie in die Luft und ließ sie auf auf den Boden fallen, wo sie ein paar mal klingend aufsprang, ausrollte und schließlich zum Liegen kam. „Ich denke, der Rudelführer sollte wissen, dass die Phexkirche sich ihr Eigentum zurückgeholt hat.“ Dann blickte er auf Ayla herab. „Du aber solltest hier wohl besser keine Spuren hinterlassen, Kleine.“Mit diesen Worten steckte er den Schlüssel ins Schloss der alten Tür. Gerade als er ihn herumdrehen wollte, kam mir noch ein Gedanke. „Aber was ist denn jetzt mit dem Zimmermann?“ Der Geweihte sah mich verdutzt an. „Den brauchen wir nicht zu finden. Ohne den Schlüssel ist die gestohlene Tür für die Gilde nutzlos. Den Besitzer brauchen sie dann auch nicht mehr. Vermutlich werden sie ihn einfach laufen lassen.“ Ayla lachte bitter während sie aufstand und sich den Staub von der Kleidung wischte. „Da kennst du aber meinen Vater schlecht. Doch selbst wenn er wollte, könnte er den Zimmermann nicht gehen lassen. Er hat ihn an einen Ort bringen lassen, der nur mit dem Schlüssel zu erreichen ist.“Und damit komme ich endlich zur legendären Kammer der Verlorenen und dem eigentlichen Grund, warum ich euch diese Geschichte überhaupt erzähle. Ayla erklärte es uns so: Die Gilde hatte einen Ort erschaffen, dessen Lage weitgehend unbekannt war und den nur wenige Eingeweihte zu Gesicht bekommen hatten. Dann, nachdem sie die gestohlene Tür dorthin gebracht hatten, versiegelten sie den einzigen Zugang gründlich und dauerhaft. Es sollte ein nahezu unerreichbarer Ort werden, eine ideale Schatzkammer… oder auch die perfekte Gefängniszelle, denn eben dort habe man den Zimmermann einquartiert.Somit war nun endlich auch geklärt, wo die Tür des Zimmermanns abgeblieben war. Für mich stellte sich nur noch eine Frage. „Aber wem zum Gehörnten gehört denn jetzt diese hier?“ Ich deutete auf die alte, leicht morsche Holztür, in der noch immer der silberne Schlüssel steckte. „Oh, die gehört auch Elim“, erklärte Ayla beiläufig. „Als wir gestern Nacht die Haustür gestohlen haben, da haben wir auch gleich seine Kellertür mitgehen lassen.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Wir brauchten schließlich zwei Türen: Eine hier beim Schlüssel und eine in der Kammer.“Elim, das war offenbar der Name des Zimmermanns. Der war mir bis dahin nicht bekannt gewesen, was ich mir natürlich nicht anmerken ließ. Ein guter Einbrecher kennt immer den Namen seines Gastgebers, das gebietet schon allein die Höflichkeit. Andererseits hatte ich den lieben Elim ja gar nicht bestehlen wollen, als ich Ayla in sein Haus gefolgt war. Insofern hatte ich mir da auch nichts vorzuwerfen. Aber ich schweife schon wieder ab.Nun, Chadim war grundsätzlich nicht allzu begeistert, als ich darauf bestand, den Schlüssel zu nutzen, um den Zimmermann zu befreien. Andererseits klangen die Worte „ideale Schatzkammer“ wohl noch in seinen Ohren nach. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Meine Neugierde war ebenfalls geweckt. Also überließen wir Ayla noch einmal den Schlüssel, damit sie ihn nutzen konnte, um uns den Zugang zur Kammer aufzuschließen. Es klickte und die Tür öffnete sich einen Spalt.„Na was ist, kommst du mit?“, fragte ich Ayla, doch die winkte ab. „Ihr kommt schon klar. In der Kammer sollte höchstens eine Wache sein. Niemand hält sich gerne dort auf.“ Dann gab sie Chadim den Schlüssel zurück und wandte sich zum gehen. „Warum hält sich dort niemand gerne auf?“, rief ihr Mada hinterher, worauf sich Ayla noch einmal umdrehte. „Weil jeder dort unten ein Gefangener ist, wenn er nicht diesen da hat.“ Sie deutete auf den silbernen Schlüssel in Chadims Hand. Dann wandte sie sich ab und verließ die Zelle.Mein Herz klopfte vor Aufregung, als wir Elims knarrende Kellertür durchschritten. Ich erwartete eine Art Wunderhöhle voll unglaublicher Kostbarkeiten auf der anderen Seite vorzufinden. Dann erblickte ich sie: Die Kammer der Verlorenen! Es war… ein alter, muffiger Kellerraum. Die abgestandene Luft stank nach Schimmel und es herrschte ein beklagenswerter Mangel an Schätzen. Eigentlich herrschte Mangel an so ziemlich allem. Anders ausgedrückt: Abgesehen von der Tür, durch die wir gerade eingetreten waren, war der Raum vollkommen leer… und dunkel. Der Kater fasste treffend zusammen, was uns wohl allen in diesem Moment durch den Kopf ging: „Mau.“ Ja, es war schon etwas enttäuschend. Ich entzündete meine Laterne, bevor wir die Tür hinter uns schlossen und uns genauer umsahen.Also gut, streng genommen, war der Raum nicht vollkommen leer. Erstens gab es, wohlwollend formuliert, Atemluft. Zweitens gab es einen schmalen, niedrigen Gang, der an einen Bergbauschacht erinnerte und dessen Wände mit modrigen Holzbrettern verkleidet waren. Wir folgten dem Gang um ein paar Biegungen und gelangten an eine weitere Tür, die ähnlich vermodert und gleichermaßen enttäuschend wirkte. Langsam drückte ich die Klinke herunter, öffnete die Tür einen Spalt weit und wagte einen vorsichtigen Blick hinein. Na also, hier wurde es schon interessanter.Ich meine, es war immer noch ein trostloser Keller, aber dieser Raum hatte etwas, das der erste nicht hatte: Zwei gemauerte Nischen, die mit Gittertoren verschlossen waren. Zudem gab es hier einige Lampen an den Wänden, die genug Licht spendeten, dass ich meine eigene Laterne getrost löschen konnte. Ich sah mich um und seufzte leise. Gerade waren wir aus einem Kerker entkommen, nur um gleich darauf im nächsten zu landen. Die beiden Nischen waren auf die gleiche, schlichte Weise eingerichtet: Eine hölzerne Pritsche. Mehr gab es da nicht, mal abgesehen von den beiden Männern, die auf den Pritschen lagen und zu schlafen schienen.Den Mann in der linken Zelle kannte ich nicht. Er mochte um die 50 Götterläufe alt sein und erweckte den Anschein, als habe er schon sein ganzes Leben in Kerkerzellen zugebracht: Seine Kleidung bestand großteils aus Lumpen, seine Haut war bleich und mit Narben übersät, das Gesicht verformt und unrasiert, das spärliche Haupthaar ergraut. Lediglich die Stiefel wirkten robust und beinahe neu. Vielleicht hatte er sie irgendwann mal einem anderen Gefangenen abgenommen, der keine Verwendung mehr für sie hatte.Den Mann in der rechten Zelle kannte ich durchaus. Das war Elim, der spitzbärtige Zimmermann. Er war noch immer in das gleiche, schlichte Nachthemd gekleidet, das er bereits bei unsrer ersten Begegnung trug. Elim schnarchte.Das war‘s auch schon. Mehr gab es hier nicht. Da war weder ein Wächter, noch eine weitere Tür. Und da allein wir den Schlüssel zu dieser Kammer hatten, sollte uns eigentlich auch niemand hierher folgen können. Dennoch achteten wir darauf, uns möglichst leise zu bewegen, während wir uns Elims Zellentor nährten. Keiner von uns hatte übermäßige Lust, den anderen Gefangenen zu wecken. Hinter Gittern oder nicht: Der Kerl sah nach Ärger aus. Oh, natürlich maß ich mir kein endgültiges Urteil an. Schließlich mochte das ein gar freundlicher Geselle in rauer Schale sein, und ich war durchaus bereit, auch ihn zu befreien. Aber erst einmal wollte ich mit Elim sprechen. Vielleicht konnte er uns ja etwas über seinen Mitbewohner verraten.Es dauerte eine Weile das schwere, robuste Schloss zu knacken, aber schließlich musste es sich doch meinem Talent mit dem Dietrich geschlagen geben. Wir schlüpften in die Zelle und ich klopfte dem Zimmermann erst leicht, dann etwas fester auf die Schulter. Der Mann hatte einen robusten Schlaf. Ich wollte schon zu drastischeren, und möglicherweise lauteren, Mitteln greifen, als mich Mada zurück hielt. Aus einem Beutel holte sie eine Hand voll blauem Pulver, das sie Elim ins Gesicht blies. Zuckend öffneten sich seine Augenlider.Als er die junge Hellseherin vor sich sah, grinste er breit. „Hmm, ein schöner Traum!“ Mada schenkte ihm ihr bezaubernstes Lächeln. „Tut mir wirklich leid, mein Lieber, aber das ist leider die Wirklichkeit.“ Ächzend setzte sich der Zimmermann auf. Noch immer wie verzaubert strich er über ihre Wange. „Kein Grund sich zu Entschuldigen, wenn die Wirklichkeit so aussieht.“ Mada wandte sich mir zu und zog lächelnd eine Augenbraue hoch. „Hm, ein Charmeur. Also den mag ich!“Ich ging nicht weiter darauf ein, sondern trat an ihr vorbei, um selbst ein Wort mit dem charmanten Zimmermann zu wechseln. „Hallo, ich bin Ciro. Wir sind uns schon mal begegnet. Erinnert ihr euch?“ Seine Augen weiteten sich. „Ja… du bist in mein Haus eingebrochen. Ähm, eigentlich würde ich lieber wieder mit deiner Begleiterin sprechen.“ Ich ließ ihm die Unhöflichkeit ausnahmsweise durchgehen. „Später. Im Moment möchte ich gerne wissen, was ihr mir über euren Mitgefangenen sagen könnt.“ Verwirrung zeichnete sich auf den Gesichtszügen des Zimmermanns ab. „Welchen Mitgefangenen?“ Etwas ging mir durch den Kopf. Es waren die Worte, die Ayla zu uns gesagt hatte: „Weil jeder dort unten ein Gefangener ist.“ Selbst die Wächter, ergänzte ich im Geiste, doch da war es bereits zu spät.Knallend fiel das Gittertor zu und wurde im selben Moment abgeschlossen. Draußen vor unsrer Zelle stand der bleichgesichtige Kerl von nebenan. Sein Lumpengewand hatte er abgelegt. Darunter trug er eine fleckige Stoffhose, ein altes Leinenhemd und eine abgetragene Lederweste. Außerdem zielte er mit einer Armbrust auf uns. Ich schalt mich für meiner eigenen Dummheit. Warum nur waren wir alle in die Zelle gestiegen? Was für ein dämlicher Anfängerfehler.„Her mit dem Schlüssel!“, fuhr er uns an. Ich war überrascht. Kein oberflächliches Geplauder. Der Mann kam gleich zum Punkt. „Ich weiß, dass ihr den Schlüssel haben müsst, sonst wärt ihr nicht hier. Und wenn ihr ihn habt, dann kommt auch niemand von der Gilde um mich abzulösen! Aber ich werde hier ganz sicher nicht mit euch verrotten, also her damit!“ Mein Blick zuckte kurz zum Schloss, was unsrem Aufseher nicht entging. „Oh sicher könnt ihr versuchen, das Schloss noch einmal zu öffnen, aber glaubt mir: Ich bin schneller.“ Er klopfte gegen seine Armbrust, um sein Argument zu bekräftigen.Etwas in den Augen des Geweihten veränderte sich. Dann schien sich die ganze Welt zu verändern, als wäre plötzlich alles allein auf ihn ausgerichtet. Auf unbenennbare Weise wirkte Chadim geradezu übermenschlich. Ich wäre vollkommen gebannt gewesen, wenn ich das ganze nicht schon einmal erlebt hätte. Es war die gleiche göttliche Aura, die der Geweihte auch gegen die Bande der Finsterwölfe eingesetzt hatte. „Du wirst uns hier jetzt herauslassen!“, sagte er in einem ruhigen, bestimmten Ton an, der mehr war als ein Befehl. Es war eine Tatsache. Und für einen Moment wollte unser Wächter auch tatsächlich gehorchen. Doch dann schüttelte er den Bann regelrecht ab und schlagartig war die Welt wieder normal. „Nein! Euch gehen zu lassen wäre mein Tod. Ich käme hier nie wieder raus. Gebt den Schlüssel heraus, oder ich schieße!“Ein aussichtsloser Augenblick. Wir saßen in der Falle. Nun, ich schätze, Jonas hätte sich durch die Stäbe quetschen können, doch bezweifelte ich aufrichtig, dass er etwas gegen den großen Kerl hätte ausrichten können. Entweder starben wir also durch Bolzenbeschuss, oder wir würden in dieser Zelle verenden, während unser Aufseher durch die Tür des Zimmermanns… Die Tür des Zimmermanns!Ich hatte eine Idee, die ich nur als genial bezeichnen kann! Aber um sie umzusetzen, musste ich zunächst Chadim überzeugen. Ich legte eine Hand auf den Rücken des Geweihten. Mit der Spitze meines Zeigefingers zeichnete ich dort ein paar Linien und hoffte inständig, dass ein Diener des Fuchsgottes ihre Bedeutung verstehen würde. Er verstand.„Also schön“, sagte Chadim und holte den kleinen Silberschlüssel hervor. „Du hast gewonnen.“ Er streckte die Hand durch das Gitter und der Wächter riss ihm den Schlüssel aus den Fingern. „Hah!“, rief er triumphierend. Dann drehte er sich um und verschwand durch die Tür in den Kellergang, durch den wir herein gekommen waren.„Was sollte das?“, fauchte mich Chadim an. Ich hatte mit dem Finger die füchsischen Zinken für „tu es“ und „vertrau mir“ auf seinen Rücken gezeichnet. Für Erklärungen blieb allerdings keine Zeit. Ich wandte mich direkt an den Zimmermann, packte ihn an den Schultern und sah ihm fest in die Augen. „Du musst jetzt sofort etwas tun, das ziemlich verrückt erscheint, aber tu‘s einfach, verstanden?“ Er tat es.Nur wenige Sekunden später kam unser Aufseher wutschnaubend zurück in den Kerkerraum gestürmt. „Das ist nicht der Schlüssel! Gebt mir sofort den echten!“ Unbeeindruckt trat Chadim an das Gitter heran. „Ich schwöre bei Phex, das ist der echte Schlüssel.“ Der grobschlächtige Kerl hob erneut die Armbrust. „Ach ja? Und warum funktioniert er dann nicht?“ Der Geweihte ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Er wird funktionieren, wenn ich ihn benutze. Wir gehen hier gemeinsam raus, oder keiner von uns.“ Unser Aufseher zögerte. „Wenn ich ihn dir überlasse, lasst ihr mich hier zurück.“ Chadims Stimme nahm einen besänftigenden Klang an. „Und wenn ich dir mein Wort gebe? Mein Wort als Diener des Phex? Gibst du ihn mir dann?“Eine angespannte Stille breitete sich aus und dröhnte regelrecht in meinen Ohren. Dann endlich nickte der Wächter. „Gebt mir euer Wort!“ Und Chadim sprach: „Beim Fuchsgesichtigen und bei allen Zwölfen schwöre ich, dass wir dich hier herausholen und dir nichts zuleide tun werden, solange du uns nicht angreifst.“ Auf seiner Brust zeichnete er ein Dreieck, dass den Fuchsgott repräsentierte. Und endlich senkte der Finsterwolf seine Armbrust, schloss das Gittertor auf und übergab Chadim den Schlüssel der verborgenen Pfade.Natürlich funktionierte der Schlüssel, als der Geweihte ihn in die Tür steckte. Könnt ihr euch denken warum? Wie gesagt war das eine ziemlich geniale Idee von mir. Und der bleichgesichtige Finsterwolf weiß selbst in diesem Moment noch nicht, warum der Schlüssel in seiner Hand versagte. Aber euch will ich‘s verraten: Der Schlüssel versagte bei ihm, weil es seine eigene Tür war. Ich hatte den Zimmermann überredet, seine Haustür an seinen Aufseher zu verschenken. Eine reine Formalität, die uns allen den Arsch gerettet hat! Oh, bitte verzeiht meine Ausdrucksweise.Der Zauber des Schlüssels brachte uns in eine abgelegene Seitenstraße Perricums. Als wir durch die Tür schritten, ließ ich unauffällig ein Messer in den Türspalt fallen, so dass sie sich nicht ganz schloss, als Chadim sie hinter sich zuzog. Der finster dreinblickende Finsterwolf spielte offenbar kurz mit der Idee, ob er es wagen sollte, sich mit uns allen anzulegen und den Schlüssel zurück zu erbeuten. Aber wir alle schienen seinen Gedanken zeitgleich zu erraten und unser Blick jagte ihn in die Flucht.Und somit waren wir nur noch zu fünft: Eine Hellseherin, ein Kater, ein Geweihter, ein Dieb und ein Zimmermann. „Also… ich geh dann mal ja?“, stammelte Elim und trat leicht unsicher von einem Bein auf das andere. Mada lächelte verschmitzt und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Bis bald!“, säuselte sie keck und gab ihm einen leichten Stups. Das riss ihn aus der Benommenheit und er straffte die Schultern. „Und du halt dich in Zukunft von meinem Geschäft fern!“ Er deutete auf mich. „Und was ist wenn ich mal einen Zimmermann brauche?“, fragte ich beleidigt, während er schon davon schritt. „Dann such dir einen anderen!“, rief er, ohne sich noch einmal umzudrehen.Nun blieb nur noch eine Sache zu klären. Also wandte ich mich an den Geweihten. „Du hast den Attentäter beauftragt.“ Chadims lächeln erlosch. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er keinen Augenblick zögerte, die Wahrheit zu gestehen. „Ja, das hab ich. Als mir klar wurde, dass die Gilde fremde Türen stiehlt, musste ich dafür sorgen, dass sie nichts damit anfangen kann. Und wenn der Besitzer stirbt...“ Diesmal war ich es, der ihm mit der flachen Hand einen Schlag ins Gesicht versetzte. Ein äußerst befriedigender Moment. „Dafür wirst du dich rechtfertigen müssen!“, fuhr ich ihn an. Er rieb sich die Wange und sah mich an. „Vor dir?“ Ich schüttelte den Kopf und öffnete die Tür hinter ihm. Er drehte sich um und erkannte verblüfft, dass noch immer die Kammer der Verlorenen hinter ihm lag. Blitzschnell riss ich ihm den Schlüssel aus der Hand und versetzte ihm einen harten Stoß, der ihn in den Keller zurücktaumeln ließ. Dann schloss ich die Tür, indem ich mein Messer mit einem schnellen Fußtritt zur Seite fegte.Und weg war er. Und ich hielt den Schlüssel in meiner Hand. „Damit könntest du der größte Dieb aller Zeiten werden“, raunte Mada in bedeutungsschwangerem Ton. Ich sah sie an und grinste. „Ich werde ganz bestimmt der größte Dieb aller Zeiten.“ Dann hielt ich den Schlüssel hoch. „Aber ganz sicher nicht so.“ Mada nickte erleichtert. „Und was wirst du dann damit machen?“ Ich kramte den Vertrag aus der Tasche, den ich mit dem Geweihten geschlossen hatte. „Da fällt mir schon was ein.“Epilog...da lebte ein DiebIch weiß schon, meine Zeit ist abgelaufen. Aber ich bin ja auch am Ende angelangt, nicht wahr? Der Wortlaut des Vertrags erlaubt mir heute hier vor euch zu stehen, im verborgenen Tempel, euer Hochwürden persönlich den Schlüssel zu übergeben und dabei eure Hand zu schütteln. Den Versuch, euch bei der Gelegenheit den Siegelring vom Finger zu stehlen, könnt ihr mir schwerlich verdenken. Also schön, ihr habt mich erwischt. Dieses Mal jedenfalls.Erwähnte ich bereits, wie kleinlich das ist, mich deswegen gleich der Stadtwache übergeben zu wollen? Nun gut, meine Freiheit habe ich mir nun hoffentlich zur Genüge verdient, denn das war unsre Vereinbarung nicht wahr? Ich versprach euch zu zeigen, wo ihr euren vermissten Geweihten finden könnt. Ich hoffe, ihr bedenkt, was er getan hat, wenn ich euch gleich die Tür zur Kammer der Verlorenen aufschließe. Als Gegenleistung, so habt ihr es zugesagt, schenkt ihr mir die Freiheit, sowie eine Stunde eurer Zeit.Also, ich weiß ja nicht, wie‘s euch geht, aber ich hab unsre Zeit sehr genossen!
Songtexte

Mature Content

Artwork zu den Stories
Das Cover meines neuen Buchs by MartinEngelbrecht
Cub'ai Ze'rax - 3000 BC-2026 AD by Neferchau
Sait by MartinEngelbrecht
Meno by MartinEngelbrecht

Affiliates

:iconscpwikide::icondie-drachen-studio::iconart--is--love:
:bulletblue: Uhuu, das Wetter ist ganz schön schrecklich...:bulletblue:

Es ist ja eine ganze Weile ehr, seitdeem ich mich mal gemeldet habe. Daher dachte ich mir mal wieder einen Blogeintrag zu posten auch wenn er vielleicht keinen Sinn hat. Tja, so kann das Leben halt sein.

Heißer Kakao, eine Wärmflasche und ein Gutes Buch. Das wäre es was ich jetzt bei diesem Wetter gebrauchen könnte. Ich friere ganz schön und kann kaum glauben das es erst September ist. Das ist mal wieder typisch Deutschland. Vor einer Woche bin ich wieder in mein geliebtes Heimatland zurückgekommen und jetzt vermisse ich doch Australien... Da war es wenigstens warm und ich hatte nicht das Gefühl, das meine Füße zu einem Eis-Block erstarren.
Aber was solls auch, Ich würde zu gerne wissen wie ihr, die lieben Gruppenmitglieder, einen kalten Sonntag verbringt. Wie ich, die einfach nur auf ihrem Sofa leigt und ein gutes Buch liest oder doch eher was Aktionreiches?

Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr friert nicht,
eure Mina-Chan
More Journal Entries

Admins

Herzlich willkommen bei GermanWriters
Deutsche Texte sind hier ein Muss! Also blos nicht stören lassen, irgendwelche Texte zu posten! Wer ein Kommi auf seiner Story will und das in Deutsch ist hier richtig!

:damphyr: Übers Joinen :
:bulletblue: Jedem ist es erlaubt beizutreten!
:bulletblue: Am besten wäre es wenn man Deutschsprachig ist oder die deutsche Sprache beherrscht

:damphyr: Über's Submitten :
:bulletblue: NUR deutsche Texte ins die davor vorgesehenen Felder
:bulletblue: Immer bitte kommetieren:

Founder


:iconschattenmaler:
Schattenmaler

Deviants

Comments


Add a Comment:
 
:iconmiguelofking:
MiguelofKing Featured By Owner Feb 26, 2021  Hobbyist Writer
Sag mal, kennt sich einer mit Deutsch und Englisch übersetzen sich besten aus?
Reply
:iconmiguelofking:
MiguelofKing Featured By Owner Nov 14, 2020  Hobbyist Writer
Tag^^
Sind zufällige einige Beta-Lesern unter euch?
Reply
:iconkizami-art:
kizami-art Featured By Owner Nov 20, 2020  Hobbyist Digital Artist
Hi! Ich würde Betalesen mal ausprobieren. ^^
Ich studiere Sprachwissenschaft und bin auch selbst hin und wieder als Autorin tätig. :D Würde aber pro Seite Text (in Word) 5€ berechnen, da es doch relativ aufwendig ist, Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck zu verbessern. Garantiere dafür aber ein sehr gutes Endergebnis. Adorable Girl Anime Emoji (Kawaii Wink) [V6] 
Reply
:iconmiguelofking:
MiguelofKing Featured By Owner Nov 20, 2020  Hobbyist Writer
Eigentlich mache, ist da eine Freiwillige Sache und gebe nicht so gerne Geld aus xD
Reply
:iconkizami-art:
kizami-art Featured By Owner Nov 20, 2020  Hobbyist Digital Artist
Ok, kann ich auch nachvollziehen :D :D
Reply
(1 Reply)
:iconmiguelofking:
MiguelofKing Featured By Owner Sep 1, 2020  Hobbyist Writer
The Dragon Studio: A difficult situation.Dear Watchers,I would like to use this journal to say that the situation with our group in Discord: Die Drachen Studio is a bit downhill.Especially my team colleagues:@Gohan0: has to do even much with some projects, only if these are to end, it can help us, but it took its time simply.@JaydenChrom: tried begging some of the artists to help us, but each of them he asked for money or think we should do it ourselves which sucks, then me and him had a fight, which made him leave the dragon studio and join other projects of his friends.@BandBSketches: Is our only beta-reader, but she also has her own problems, which I made her take a break, where critics who criticize my group said and claim that she will never come back and doesn't feel like it anymore, which really upset me.@red-dragon-x7: is our 2nd draughtsman but he also has his limits to one he makes orders from his clients and also has his work on the neck, which makes him take longer than usual to make the drawings, which led to the argument with me and some of my colleagues.And now for me, I have my own problems, because first of all I'm a solo and I'm more into solo projects, which I don't want I want to work with others, I tried one, but this one wanted to have this and that and wanted to be the leader of my group, he even said that I'm not capable of leading and this one was too control addicted and never wanted to admit his mistakes and wanted to be right, so I kicked him out of the group.Okay I'm kicking and threatening some which I regret very much and I'm trying my best to be a good leader, so I ask you all who wants to join the Dragon Studio, we have a DA group here and a Discord group.Discord: https://discord.gg/SGq5yCtDeviantArt group: https://www.deviantart.com/die-drachen-studio
Reply
:iconstarkite1:
StarKite1 Featured By Owner Sep 15, 2019  Student Traditional Artist
Danke für´s Aufnehmen.:)
Reply
:icontherniliasnordwacht:
TherniliasNordwacht Featured By Owner Mar 18, 2019
Hallo,

wer daran interessiert ist die Leseprobeversionen meines ersten Buches zu lesen und oder Bilder in Bezug darauf anzuschaun, bei meinem Profil sind schon mal ein paar Bilder veröffentlicht sowie die Links zu meiner Blogseite.
Reply
:iconmiguelofking:
MiguelofKing Featured By Owner Apr 29, 2018  Hobbyist Writer
Gibt es Betaleser/in hier?
Reply
Add a Comment: