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Wir verwirren die Welt mit unseren Geschichten

Ja, das tun wir. Aber mit welcher Art von Geschichten?

:bulletblue: Von Romatik bis zu Horror.
:bulletblue: Eigene Geschichten und FanFictions!
:bulletblue: Von Kurzgeschichten und Triologien

:damphyr: Wir schreiben was das Zeug hält!

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Prosa
Kapitel 10 - Nachts sind alle Woelfe schwarz [3]Ein äußerst ungutes Gefühl beschlich den Wanderer bei der Sache. Als er so aus dem Fenster sah, erkannte er einen orangeroten Streifen am Horizont. Sie waren die ganze Nacht hindurch gelaufen und nun graute inzwischen bereits der Morgen. Die Strahlen der Sonne reichten bis weit in das Firmament der Nacht und ließen es nun allmählich verblassen. "Ihr schaut aus dem Fenster?", hörte er die Frau hinter sich fragen. Er sah sie über seine Schulter hinweg an. Sie starrte in seine ungefähre Richtung. "Woher wisst Ihr das?". Sie lächelte und nahm einen Kessel aus einem Schrank hier in der Küche. "Man sieht nicht nur mit den Augen, einfacher Wanderer", bisher hatte sie ihn durchweg so genannt. "Ich fühle mich in der Nähe von Städten nicht sehr wohl", bemerkte er und sah wieder aus dem Fenster. Am Horizont konnte man eine graue Mauer sehen, die höher reichte als die Hütte, in der sie sich befanden. Weiß-goldenen Banner der geweihten Klinge hingen an den Türmen herab und wehten leicht im Wind. Von hier aus waren die Wachen auf der Mauer nichts weiter als schwarz-braune Striche, umrahmt vom Schein der aufgehenden Sonne. "Ist das denn der Grund, warum Ihr in der Nacht herum schleicht?"."Ich habe kaum geschlichen", entgegnete er. Er mochte nicht, in welche Richtung das Gespräch zu gehen schien. Oder schlimmer noch: Was ist, wenn sie bereits wusste, dass er der schwarze Wolf war? Seine Lider waren ihm ohnehin schon schwer und er würde bald schlafen müssen. Die letzten paar hundert Meter hatte er Kraft seines Geistes den Körper mehr hierher schlurfen lassen als aufrecht zu gehen. Die bleierne Erschöpfung ließ ihm den Arm einfach hinabfallen, als er vom Vorhang abließ und vom Fenster wegtrat.Inzwischen hatte die Frau den Kessel mit Wasser voll gegossen, Holz in den Ofen gelegt, es angezündet und den Kessel aufgesetzt. Für eine Frau die knapp einem tödlichen Schicksal entgangen war, war sie erstaunlich ruhig, dachte er bei sich. Gerade war sie dabei lilienähnliche Blüttenblätter zu dem Wasser zu geben, die rosafarben waren und zu den Spitzen hin ins Weiß überliefen. "Navathandril-Blütenblätter", erklärte sie. Hatte sie etwa seinen Blick gespürt? Es wäre wohl eine kluge Idee nicht gleich alle Karten auf den Tisch zu legen, also fragte er: "Was ist das?"."Das wisst Ihr nicht?", dies schien sie derart zu verwundern, dass sie in ihrem Tun innehielt. "Ich bin zugegeben neu in dem Wanderergeschäft", verteidigte er sich und da musste sie schmunzeln. "Was?", fragte er. "Wie Ihr das sagtet. Wanderergeschäft", sie hörte nicht auf zu lächeln und sprach weiter: "Dafür, dass Ihr neu seid, konntet Ihr aber sehr gut kämpfen"."Ich hatte ja die Hilfe von dem Kleinen", er deutete mit dem Daumen über seine Schulter und nahm am runden Tisch in der Mitte des Raumes Platz. Es war ein rustikales Möbelstück. Die ganze Behausung machte den Eindruck als hätte man sie mit einem bloßen Stein so lange zusammen geschlagen, bis es einfach hielt. Ganz ohne Nägel, Leim oder Reisig. Der Junge lag im Nebenzimmer im Bett. Zumindest das machte einen komfortablen Eindruck und ließ ihn nun grübeln, wie lange er schon in keinem mehr gelegen hatte. Da es jedoch das einzige Bett hier war, würde er wohl nicht nur noch warten müssen, um es herauszufinden, für ihn war auch davon auszugehen, dass die Frau hier alleine lebte.Jetzt reichte sie ihm einen Krug mit Navathandril-Blütentee und saß sich ihm gegenüber. "Wenn ich nicht irre, und ich glaube fest, dass ich das nicht tue...", fing sie nun an: "...dann hatte der Junge einen von den Dreien verletzt. Ihr aber...", sie wog den Kopf. Irgendwie gruselte es ihn, wie sie ständig so starrte. Was war, wenn sie wirklich mehr sah, als sie sich anmerken ließ? Er musste so schnell wie möglich von hier verschwinden. Doch konnte er den Jungen einfach so zurücklassen? "...hm. Ja ich glaube, Ihr habt zwei niedergestreckt und einen davonkommen lassen". Sie nippte an dem Tee und er entschied sich dasselbe zu tun. So schnell würde er nicht schlafen können, das war ihm klar. Sie könnte ihn an die geweihte Klinge ausliefern. Der Tee roch, wie er ihn eh und je kannte: Nach Honig (wenn man gerade auf einer Weide stand, während man daran schnupperte). Der Geschmack allerdings war bittersüß. Wie eine Walnuss mit süßer Note. Doch das Getränk verfehlte seine ihm bekannte Wirkung nicht: Er wurde munterer. Auch wenn er durchaus noch die Müdigkeit spürte, als würde sie ihm kontinuierlich den Kopf in den Nacken ziehen wollen. "Wollt Ihr darauf eine Antwort?", meinte er schließlich, als sie nicht aufhörte ihn anzustarren. "Nein, nein. Ich bin - verzeiht - ich bin wohl zu neugierig", jetzt stellt sie den Krug ab, an dem sie sich vorher die Hände gewärmt hatte, und reichte nun nach ihrem dunkelblondem Haar, um es zu öffnen und über ihre Schultern zu werfen. "Ich bin Euch von ganzem Herzen für Eure Rettung dankbar. Ohne Euch und Euren Freund wäre ich nicht nur mit dem Schrecken davon gekommen". Sie wog ihren Kopf. Für ihn sah es immer mehr danach aus, als würden ihre Augen in eine andere Welt sehen. "Ich frage mich nur...", fing sie dann an: "...warum habt Ihr ihn gehen lassen?". Bei der Frage verschluckte er sich fast. "Was denn...", er räusperte sich und sprach dann weiter: "...hattet Ihr so einen Blutdurst?". Ihre Hände ballten sich auf dem Tisch zu Fäusten. "Mein Leben lang bin ich durch die umliegenden Wälder gewandert und nicht einmal wurde ich überfallen. Aleron ist in der Nähe und ich habe nie von Halunken gehört, die sich derart in umliegenden Gebieten solcher Städte herum treiben". Bei den Worten juckte es dem Wanderer arg im Nacken. "Was habt Ihr überhaupt so spät draußen gemacht?"."Spazieren war ich. Aber ich schätze es war dumm von mir zu glauben die Welt wäre zumindest hier noch in Ordnung. Ich kann nicht fassen, dass es Männer gibt, die derart nach einem weiblichen Leib trachten - wir sind auch fühlende Wesen!". Der Wanderer grummelte. Er nahm einen großzügigen Schluck vom Tee. In Gedanken stimme er ihr zwar zu, aber für ihn war die ganze Welt ein gottloser Abgrund. Voller Leute die sich gegenseitig töteten, beraubten und nahmen was sie wollten. "Oder seht Ihr das anders?", fragte sie ihn nun und fuhr gleich fort: "Ich meine ich weiß, dass Frauen beispielsweise nicht in den Reihen der geweihten Klinge erlaubt sind, aber...", sie seufzte."Eigentlich gibt es -", er biss sich auf die Zunge. Wie kam er bitteschön auf den Gedanken ihr von Atreya und Shira zu erzählen? Niemand, außer ihm, einschließlich einiger sehr weniger anderer Ausnahmen, wusste überhaupt einmal von den vier Altehrwürdigen Klingen! "Also bei den Elfen", setzte er dann neu an: "Dort soll es auch Frauen im Militär geben. Sogar in führenden Positionen bis hin zum Thron". Sie schüttelte sanft mit dem Kopf. "Das klingt wie eine bessere Welt für mich. Weshalb lässt man uns Frauen nicht in - wie soll ich das sagen - in bestimmte Bereiche?". Er zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. Ich bin nur -"."Ein einfacherer Wanderer", ihr Lächeln wurde wieder breiter: "Richtig. Und ich schluchze Euch Eure sicherlich müden Ohren mit meinen Problemen voll"."Das ist schon in Ordnung. Ich...", Bilder seiner Kindheit in Aston kamen ihm in den Sinn. "...ich weiß wie es sich anfühlt unterdrückt zu werden"."Ist das der Grund warum Ihr keine Städte mögt und in der Nacht schleicht? Ihr meidet Menschen, nicht wahr?". Er schmunzelte. "Vielleicht"."Haben sie Euch sehr weh getan?". In dem Moment war er froh, dass sie ihn nicht sehen konnte. Er verabscheute es, wenn dieses Gefühl in ihm auftauchte und sich in seiner Brust breitzumachen begann. Er merkte auf, als ihre Hand nach seiner suchte und als sie sie fand, sie auf seine Rechte lag. "Ihr müsst nicht darüber sprechen. Meine Neugier, bitte, vergebt mir", sie umfasste seine Hand nun und sicherheitshalber nahm er seine Linke vom Tisch. "Ich möchte Euch nur versichern, dass nicht alle Menschen so sind"."Das ist wirklich stark das zu sagen, nachdem Ihr -", er schüttelte seinen Kopf. "Tut mir Leid"."Ihr meint die drei Männer, nicht? Sollte ich mein ganzes Leben von ihren Schandtaten vergiften lassen? Oder allen Menschen nun mit übergroßem Misstrauen begegnen?"."Es könnte Euch das Leben retten"."Vielleicht. Aber was habe ich von meinem Leben noch übrig, sagt, wenn ich es mit solcherlei Misstrauen vergifte und alle Anderen so von mir abgrenze?". Ihre Hand griff fester nach seiner. Schon lange hatte er nicht mehr die Berührung einer Frau gespürt. In dieser Hinsicht hatte er schon lange überhaupt keine Berührung mehr von irgendjemanden gespürt. Man musste wohl blind sein, dachte er, um den Mut zu haben nach der Hand eines Monsters zu reichen. Ihre Hand war kleiner und zierlicher als seine. "Ist es so, wie Ihr lebt, einfacher Wanderer? Verbringt Ihr so Eure Tage?". Nein. Er nahm die Hand aus ihrer. Es schmerzte ihn in der Brust und das Gefühl drückte ihm bereits, wenn auch nur ein wenig, die Luft weg. "Warum wollt Ihr das alles wissen?", fragte er sie schließlich. "Warum gebt Ihr Euch nicht einfach damit zufrieden, dass Ihr noch lebt?"."Wenn Ihr die ganze Zeit in der Nacht schleicht, dann seht Ihr nie die Sonne. Nie das Licht"."Ich habe es gesehen. Was meint Ihr, warum ich lieber in der Nacht wandere? Und wäre das nicht der Fall, wer hätte Euch dann gerettet?"."Das ist wahr. Und gewiss habe ich Thoran dafür zu danken. Doch vielleicht hat Thoran Euch aus einem besonderen Grund in mein Leben treten lassen"."Vielleicht", log er. Er glaubte weder an Thoran noch an sonst einen Gott. Nicht, dass sie seiner Meinung nach nicht existierten. Er interessierte sich nur nicht für sie. Ganz wie sie sich für ihn nicht zu interessieren schienen. Seiner Meinung nach hatte er sein Schicksal selbst in der Hand. "Vielleicht um Euch aus der Nacht in den Tag zu locken?", hörte er sie fragen. "Nein danke. Ich mag es so wie es ist"."Dann lasst mich an der Schönheit der Nacht teilhaben. Was lockt Euch so in sie?". Am liebsten hätte er ihr gesagt, dass es kein Locken war, sondern eine Flucht. Man hatte ihn dort hinein gezwungen. "Es gibt da einen Spruch...", fing er stattdessen an und leerte seinen Becher in einem letzten Zug."...nachts sind alle Wölfe schwarz". Sie summte nachdenklich. Der Blick in ihren blauen Augen begann zu wandern. "Lorelei Fliederfeder?"."Nein"."Von wem ist es dann?"."Den Elfen"."Kein bestimmter Name?"."Ich habe es von einem wandernden Sonnenelfen erfahren"."Ahh...die Art, die die Drachenfeuer-Krieger bei sich hat, nicht wahr?". Er beäugte sie mürrisch und als ob sie dies gespürt hätte, sprach sie im bedachten Ton: "Ich weiß, ich weiß! Ich weiß ja, dass alles Magische vom König verboten ist, aber...", sie seufzte wieder und strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr."Ach, die Welt wäre doch langweilig, so ganz ohne einen Hauch von Magie, meint Ihr nicht?". Sie wandte ihren Kopf ein Stück zur Seite und ihm das Ohr zu, so als wäre sie auf diese Antwort besonders gespannt. Statt einer Antwort hörte sie ihn jedoch nur atmen. Vorsichtig erhob sie sich und lief am Tisch entlang zu ihm.Dann blieb sie stehen. Sie hörte nicht, dass er sich regte. Doch seine Atmung war anders als zuvor. Er musste eingeschlafen sein. Mit ihren Fingerspitzen reichte sie nach ihm und berührte ihn am Arm. Sie streifte diesen hinauf bis zu seiner Schulter und legte ihm die Hand sanft drauf. Da schnellte er vor! Der Tisch polterte, weil er mit dem Handrücken der Rechten dagegen knallte, als er versucht hatte sein Schwert zu ziehen. Er war auf den Stuhl zurück geplumpst atmete hektisch und sah sich um.Bis er realisierte, wo er sich befand und wie er hierher gekommen war. "I-Ich wollte Euch kein Leid!", versicherte sie ihm. Sie war mehrere Schritte rückwärts getreten und hatte die Hände hinter sich auf einem Schrank neben dem Ofen abgestützt. "Wie lange..."."W-Wie lange was?"."Wie lange liege ich schon hier?!"."Liegen? Ihr seid gerade erst eingeschlafen", sie hörte, wie er zum Fenster lief."Ihr traut mir nicht". Sie hatte wahr gesprochen. Die Sonne war kaum gewandert. Oder sie war schon einmal ganz herum gewandert, aber so fühlte er sich nicht. Die Müdigkeit war immer noch da. "Ich hab' genug Narben am Körper", sagte er ihr dann. "Einige davon können Euch ein paar Geschichten von der Hoffnung eines dummen Jungen erzählen, was das mit dem Trauen betrifft"."Es betrübt mich, dass es jemanden gibt, der derart litt, dass er so etwas Wunderbares als dumm bezeichnet"."Willkommen in meiner Welt", er ging an ihr vorbei hinaus aus der Küche.Einen letzten Blick warf er noch auf den Jungen, welcher nach wie vor im Bett lag. Das Verband saß fest und die Wunde schien nicht mehr so stark zu bluten. Allerdings fing er an vor sich her zu murmeln. Er wusste nur zu gut, wie schrecklich solche Fieberträume sein konnten. "Ich gehe ein bisschen an die frische Luft"."Ihr seid viel zu erschöpft"."Unsinn", er öffnete die Tür und trat hinaus. Doch leider hatte sie Recht. Die Kraft, die er durch den Schrecken bekommen hatte, war nichts weiter als geliehen. Von seinem eigenen Körper. Und der forderte das jetzt mit Zins zurück. Er wollte zu Assar laufen, der an einem Pfahl beim Haus gebunden war und gerade graste, fiel dann aber auf ein Knie. "Wurdet Ihr etwa verwundet?", fragte ihn die Frau und hatte ihre Hände auf seine Schultern gelegt. Mit einem Ruck aus diesen befreite er sich von ihren Griffen. "Fasst mich nicht an!", verlangte er von ihr und fügte dann hinzu: "Mir geht es gut!". Zwar antwortete sie ihm etwas, aber er hörte gar nicht hin. Er band Assar los, stieg etwas unbeholfen auf dessen Rücken und ritt einfach los. Er musste fliehen. Er musste von hier weg! Er spürte den Wind an seinen Ohren vorbei schnellen und hörte wie Assars Hufe das Laub aufwirbelten. Sicherlich würde er -
Kapitel 10 - Nachts sind alle Woelfe schwarz [2]"Haltet s'e schön fest!", knurrte ein stämmiger Mann, der sich gerade mit dem Handrücken der Linken Blut von einer Platzwunde an der Wange schmierte und das Gewicht seines Dolches in der Rechten verlagerte. Ihm gegenüber wurde eine junge Frau mit nadelgrünen Gewand und braune Pelerine von zwei weiteren Männern an einen Baumstamm gedrückt. Ihr Gesicht war tränenüberlaufen und in ihren Augen lag enorme, lebensermüdende Hoffnungslosigkeit, der ein langer, auszehrender Kampf vorausgegangen war. Zuvor hatte sie noch herum gestrampelt, aber nun hing sie nur mehr halb aufrecht, da die Männer sie, jeder an einem Arm, empor hielten und ihren Kopf so zurecht rückten, dass sie den Dritten von ihnen ansehen musste. "Weißt'e?", meinte dieser jetzt und betrachtete kurz das Blut an seinem Handrücken. "Wir hätt'n einfach nur schön zusamm'n kuscheln und die Nacht mit'nander verbring'n könn'n. Aber du musst ja so'n elendes Biest sein". Er trat näher an sie heran und packte sie am Kiefer; dabei ihre Wangen mit Daumen und Zeigefinger zusammendrückend. Ihr Atem flatterte, als er ihr den Dolch an die Schläfe legte und sprach: "Ich werd' mir dein hübsches Gesicht einfach an'n schönes Plätzchen hängen, Süße"."Nicht bevor ich deins ordentlich in den Boden gerammt haben werde!", hallte ein Ruf lautstark her. Der Mann riss herum und alle drei blickten sie auf einen Jungen (oder war es ein junger Mann?) der in einer Rüstung der geweihten Klinge steckte. Nur der Blick der Frau schien ein wenig an ihm vorbeizugehen. "Ja leck mein'n Arsch!", meinte einer der Beiden, die die Frau hielten, und der Andere fügte hinzu: "Ich dacht' ihr seid alle im Süden beschäftigt und weiß ich nich' was?"."Was macht'n Spinner der geweihten Klinge zu der Stunde hier? Und dann auch noch sooo einsam?", meinte der Mann mit dem Dolch in der Hand und trat nun auf ihn zu. "Ich bin nicht -", sagte der Junge zuerst, belehrte sich dann rasch eines Besseren und meinte mit tieferer Stimme und gehobener Brust: "Ja! Die geweihte Klinge! Glaubt ihr etwa der König lässt solche Schandtaten freien Raum? Die Gerechtigkeit Thorans gilt nicht weniger, nur weil seine Diener-"."Halt' deine Fresse Kleiner!", er deutete mit der Spitze seines Dolches auf den Jungen. "Wenn du nich' verrecken willst, du erbärmliches Stück Scheiße, dann sieh gefälligst zu, dass du deine kleinen Beinchen in die Hände nimmst und dich verpisst! Oder 's wird was gescheh'n, was dein Thoran dir nich' mehr heile mach'n kann!"."Nicht ehe ich diese Frau sicher weiß!"."Warum willst du dieser Schnepfe helfen?! Du weißt nicht' mal was hier los ist Kleiner!". Da schüttelte der Junge den Kopf. "Ich hasse es so genannt zu werden...", sagte er nur noch und schon hatte er sein Schwert gezogen. Das erste Mal, seit seinem Kampf gegen den Wanderer. Und genau deshalb erinnerte er sich gerade jetzt erst, dass es ja entzwei gebrochen war. Sein Kontrahent brach in Gelächter aus und auch die anderen Männer schmunzelten. "Was is'n das für'n Königsköter, der mit 'ner zerbrochenen Klinge herum stolziert? Ha! Scheiße! Sagt ja 'ne Menge über uns'res beschissenes Land! Das is' ja zu herrlich!"."Ist es das, was ihr von eurer ganzen Arschkriecherei so kriegt?", fragte ein Anderer und deutete dabei auf die gebrochene Klinge. "Wir sind zu dritt du kleiner Pisser", meinte der Mann mit dem Dolch nun wieder, der sich dem Jungen inzwischen bis auf wenige Schritte Abstand genähert hatte. "Was willst du machen? Deinen Gott um Gnade anrufen und darum bitten, dass'er-", er schrie vor Schmerz auf, als der Junge ihm die halbe Klinge in den Schenkel rammte. Einer der anderen zwei Männer ließ daraufhin von der Frau ab und zog sein Schwert. Derweil hatte der verletzte Mann dem Jungen geschlagen. Der wurde von der Rückhand derart an der Wange getroffen, dass er rückwärts zu Boden fiel. "Bring' diesen kleinen Wichser UM!", brüllte der Mann und legte die Hand um den Griff des in seinem Bein steckenden Schwertes. Doch egal wie sehr er die Zähne zusammenbiss, er wagte es nicht die Klinge einfach raus zu ziehen. Das Blut war ihm schon bis zum Fuß gelaufen. Der Dritte hatte die Frau währenddessen im Würgegriff genommen und hatte sich ein paar Schritte vom Geschehen entfernt. Aber auch er hatte ein Kurzschwert gezogen und war zum Kampf bereit. Sein Kumpel stach gerade mit dem Schwert nach dem am Boden liegenden Jungen, aber der rollte sich ab und wuchtete sich auf die Beine."Na? Schiss?", fragte er das Kind. Und tatsächlich: Es war Furcht in seinen Augen zu sehen. Doch viel mehr wurde die Frage in ihm laut, wie er sich ohne Waffe gegen den Mann verteidigen sollte. Dann waren da noch die anderen Beiden. Vielleicht war das Ganze doch keine so gute Idee gewesen. Er wich dem ersten Angriff mit einem Satz nach hinten aus und schnappte sich dann einen Ast um den nächsten Schlag zu blocken. Viel hielt das Holz gegen so eine Schneide jedoch nicht aus, sodass es nach wenigen Hieben bereits klein gehackt war.Da gelang es ihm das Bein des Mannes mit einem Seitenhieb zu erwischen, was ihm daraufhin einklappte, sodass er auf das Knie stürzte und den nächsten Schlag direkt auf den Kopf bekam. Der Junge lachte siegessicher, als der Typ zu Boden ging. Aber das Lachen blieb ihm in der Kehle stecken, als mit einem Mal der Dolch des anderen Mannes mitten in seine Schulter stieß. "Hab' ich dich du kleiner Wicht!", ächzte der Mann zwischen den zusammengebissenen Zähnen. Mit einem Ruck riss er den Dolch aus dem Jungen und trat ihm in den Rücken, dass er mit dem Gesicht voran in den Dreck fiel. Der Junge wimmerte vor Schmerz und hielt sich die klaffende Wunde mit der rechten Hand. So schnell schien er nicht mehr aufzustehen, also ließ sich sein Angreifer Zeit vorsichtig zu ihm zu humpeln und befahl dem Anderen dabei zu ihrem Kumpanen zur Frau zu gehen und darauf zu achten, dass diese nicht abhaue. "Aber eins nach dem Anderen", grummelte er schließlich zufrieden und kniete sich zum Jungen nieder, der sich auf den Rücken gerollt hatte. Schlagartig hub der Bursche mit der Faust zu. Aber die fing der Mann ganz einfach in seiner Linken. Genüsslich begann er sie nach hinten durchzudrücken, bis der Junge vor Schmerzen aufzuschreien begann. "Was meint ihr wie lange das braucht um zu brechen, so ein Knabengelenk?", fragte er seine Kumpels, derweil die Frau in Thorans Namen darum bat das Kind gehen zu lassen, sie hatten doch schließlich sie. "Ihr könnt zusammen sterben, wenn wir -".Die beiden Männer sahen einander an. Ihr Gefährte sah sie nur mehr an. Beinahe so, als wäre ihm plötzlich etwas ganz Wichtiges eingefallen. Bevor sie jedoch fragen konnte, um was es sich dabei handelte, stürzte der Mann zur Seite und blieb regungslos liegen. Jetzt erkannten sie, dass ein Pfeil in seinem Rücken steckte und direkt sein Herz erwischt haben musste. Der Junge kroch einige Meter rückwärts und versuchte etwas in der Dunkelheit auszumachen. Da schreckten sie alle zusammen auf, als plötzlich eine Stimme sprach: "Seltsam"."Hä?", der eine Mann sah ratlos zum Anderen. Der wiederum rief: "Zeig dich du elender Mistkerl!"."Ich war der Annahme, dass man es euch gesagt hätte", sprach die Stimme wieder aus der Dunkelheit, die nun aus einer anderen Richtung zu kommen schien. "Was gesagt?!". Der Junge hatte sich inzwischen gesammelt, auf die Füße gerichtet und nutzte die Gelegenheit, um hinter einem Busch in Deckung zu gehen. "Das ihr die Nacht zu fürchten habt"."Und warum sollt'n wa sowas tun? Weil so'n Möchtegern uns aus'm Hinterhalt angreift? Warum kommst'e nich' aus dein'm Versteck und stellst dich wie'n richtiger Mann es tun würde?"."Monster verstecken sich in der Nacht", sprach die Stimme wieder, einmal mehr aus einer anderen Richtung. "Die Dunkelheit gehört ihnen, weil man ihnen das Licht genommen hat"."Wenn du nich' mit dem Schwachsinn aufhörst, dann bringen wir diese Schlampe hier um, verstand'n?!". Ein Sterbensschrei hallte durch den Wald. Der eine Mann war von dem Anderen weg geschreckt, wodurch er von der Frau abließ. Eine riesige Schnittwunde klaffte quer in dessen Rücken und Blut strömte nur so daraus hervor. Er kippte vornüber zu Boden und blieb regungslos liegen, gefolgt von einem erstickten Schrei von der Frau. Jetzt sah der einzig Verbliebene von den Dreien eine in schwarz gerüstete Gestalt. Sie trug eine gleichfarbige Maske in Form eines Wolfs. "N-N-Ne-", stammelte der Mann und taumelte rückwärts, trunken von Furcht. "Nicht du!", gelang es ihm schließlich hervorzuwürgen. Er versuchte eine zweite Klinge von seinem Gürtel zu ziehen, rutschte aber mehrmals an ihr ab. In einer langsamen aber gleichmäßigen Bewegung hob der schwarze Wolf den Blick vom Toten auf und richtete ihn, wie eine Puppe von der Schnur gezogen, zum Überlebenden. Und als der sah, wie die blaugrünen Augen aus der Maske in schrecklicher Leere hervor stierten, sprach der schwarze Wolf nur ein einziges, sehr deutliches Wort: "Renn". Die Gurgel des Mannes hüpfte. Seine Lippen bebten und er ließ die Klinge fallen. Aber dann gelang es seinem Willen die Fesseln der Furcht zu sprengen: Er riss herum stürzte einmal auf die Knie, richtete sich wieder auf und rannte in die Dunkelheit.Die Frau lag auf dem Boden. Wimmernd. Sie zitterte am ganzen Leib. Da schrie sie auf, als sie eine Hand am Rücken berührte. "Ssscht...", flüsterte eine Stimme sanft und die Hand streichelte sie vom Rücken bis zur Schulter. "...der Alptraum ist vorbei"."Bist du das?", fragte der Junge, der nun aus dem Busch hervorgekommen war und erstaunt auf den Mann mit der Maske sah. Der reckte jetzt den Kopf in den Nacken und nahm sie sich in einem Zug ab. Hervor kam das Gesicht, dessen Besitzer ihn die letzten Wochen begleitet hatte. "Also bist du doch gekommen!", frohlockte der Junge, ächzte dann aber, da ihn seine Wunde schmerzlich an ihre Existenz erinnerte. Der Wanderer pfiff und schüttelte dann den Kopf. Derweil Assar aus dem Wald zu ihnen trat, meinte er: "Du hättest hierbei sterben können!"."W-Wer seid Ihr?", hörten sie die Frau fragen. "Der sch-", die Laute des Jungen erstickten, als der Wanderer ihm die Hand auf den Mund legte. "Habt Ihr das nicht gesehen?", fragte er die Frau verwundert, die sich auf die Knie gerichtet hatte und nun da hockte, scheinbar ziellos in die Gegend starrend. Und da bemerkte er es. "Ich bin blind - b-bitte, wer-wer seid Ihr?"."Ich bitte tunlichst um Verzeihung", der Wanderer verbeugte sich und der Junge fragte sich wofür. Daraufhin trat er zu der Frau, nahm sie bei der Hand und half ihr auf die Füße. "Ich bin nur ein einfacher Wanderer, gnädige Frau, der manchmal des Nachts auf wenig betretenen Pfaden läuft - Zuflucht im Licht der Sterne suchend". Als er ihn das sagen hörte, rollte der Junge mit den Augen. "Hat Thoran mein stilles Flehen erhört?", fragte die Frau. Zwar bebte der Ton ihrer Stimme noch leicht, aber ihre Finger griffen fester um seine Hand. "Seid Ihr gekommen um mich zu retten?"."Ehm...nun...", er kratzte sich mit der freien Hand den Nacken und deutete mit einem Nicken des Kopfes zum Burschen. "Eigentlich war das mehr der junge Soldat der geweihten Klinge hier", zwar sagte er das mit Jux, dann kam ihm aber, dass sie ja blind war und ihn vermutlich beim Wort nahm. Sollte es so sein. Vielleicht war es auch das Beste so. Als die Frau den Mann bei ihr jedoch erschrocken einatmen hörte und spürte, wie er sie losließ, fragte sie: "Was ist geschehen?!"."Du Idiot!", strafte der Wanderer den Jungen mit harten Worten. "Warum hast du nichts gesagt?"."Ich wollte euch Zwei nicht stören...", ächzte das Kind grinsend. "Ist er...verwundet?", ein Zucken durchfuhr den Wanderer. Er hatte die Frau gar nicht heran kommen hören. "Übel. Ich kann mich um die Wunde kümmern - kein Problem, aber er wird Bettruhe brauchen", antwortete er ihr. Da sah er, wie sie ihre Hand nach ihnen reichte. "Das Mindeste das ich tun kann, ist euch mein Heim anzubieten, um euch zu kurieren"."Und woher wollt Ihr wissen, wo das liegt? Ihr wurdet doch entführt oder nicht?"."Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis. Mein Leben lang konnte ich nicht sehen, doch bin ich hier aufgewachsen. Ich weiß vermutlich mehr wo ich bin, als Ihr dies tut, einfacher Wanderer". Eigentlich wäre es ihm das Liebste gewesen einfach zu gehen. Aber er konnte den Jungen nicht so zurücklassen und die Frau würde ihn gewiss nicht tragen können. Er ballte die Linke zur Faust, dass das Leder knarzte."Na schön", beschloss er schließlich. "Lasst mich nur die Wunde versorgen und dann folge ich Euch", und dazu dachte er sich noch: "So seltsam wie das klingt...einer Blinden folgen". Denn inzwischen hatte der Junge das Bewusstsein verloren und begann bereits zu fiebern.
Kapitel 10 - Nachts sind alle Woelfe schwarz [1][n. D. 1179, 23. April]Der schwarze Wolf hatte das flackernde Flämmchen der Kerze zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrückt. Nun war es duster.Zuerst noch musste er sich mit den Händen herum tasten, aber schon bald gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und er hatte den Weg entlang der maroden Wand aus der brachen Hütte hinaus gefunden.Zufrieden schloss er die Tür und wandte sich Assar zu, der bei einem Busch auf ihn wartete. Neben dem Tier stand der Junge und kickte gerade einen Haufen Laub mit seiner Stiefelspitze zunichte. Kaum hatte der schwarze Wolf ein paar Schritte getan, hörte er es knarzen. Als er über seine Schulter hinweg sah konnte er nur noch zusehen, wie die eben geschlossene Tür aus den Angeln fiel und mit einem dumpfen Krachen zu Boden stürzte. Kurz darauf gab das Häuschen ein erlöstes Quietschen von sich und brach gänzlich zusammen."Wow", kommentierte der Junge mit der Hand vor seinem Gesicht wedelnd, nachdem sich der Staub einigermaßen gelegt hatte. "Euch scheint die Zerstörung ja überall hin zu folgen". Der Wanderer antwortete nichts darauf, rollte einfach nur die Zügel vom Busch und nahm den Friesen hinter sich her. Zügigen Schrittes machte er sich auf. Denn davon war sicherlich die ganze Nachbarschaft wach geworden. "Seht ihr?", fragte er das Pferd und sah danach zum Jungen. "Ich hab' euch doch gesagt, dass ich nicht die ganze Nacht da drin verbringen werde", sein Blick reichte wieder zu Assar: "Und du hast mich so angesehen, als ob ich dich bis morgen allein draußen stehen lassen würde - also wirklich. Scheinbar soll ich erschlagen werden, wenn ich das jemals tun sollte". Das Tier schnaubte und stieß mit seinem Kopf sanft nach vorn.Die Nacht trug eine angenehme Luft. Der Winter lag hinter ihnen. Allein deshalb empfand er jedes Mal, wenn er zu dieser Zeit draußen war, inzwischen so etwas wie Freude. Zumindest glaubte er, dass es das war, was die Leute als Freude bezeichneten. Nicht nur, dass er sich keine Sorgen mehr machen musste als Eiszapfen zu erwachen, er konnte auch viel öfter auf das Feuer verzichten. Letzteres half enorm dabei um Leute abzuhängen. Er war sich noch immer nicht ganz gewiss, ob er die geweihte Klinge fürs Erste wieder los war. Denn auch wenn viel der Streitmacht des Königs im Süden konzentriert war, war Sankthor nach wie vor nicht frei von den Soldaten der geweihten Klinge. Durchaus zu wenig um alle Dörfer zu beschützen (wo nicht einmal die Miliz reichte), aber er merkte den Unterschied ohnehin kaum, da sowieso jeder darauf aus schien, sich einen Ruf aus dem Fell des schwarzen Wolfs zu schnitzen. Jedoch, dass musste er sich eingestehen, schien die Rüstung der geweihten Klinge, die sich der Junge ergaunert hatte, bei den Leuten einen guten Eindruck zu machen und scheinbar hatte er sogar das entfernte Glück, dass etwas davon auf ihn abstrahlte. Selbst wenn der Junge es das letzte Mal so raus hängen ließ, als wäre er sein einfacher Handlanger. Doch es half, denn sie waren just aus dem Eberdorf gekommen, wo sie glaubten ihr Diebstahl wäre unentdeckt geblieben. Als man sie jedoch diesbezüglich konfrontierte, hatte der Knabe so getan, als würde er sich gemeinsam mit seiner Begleitung der Sache widmen und ihr auf den Grund gehen.Die Nächte waren wieder etwas heller geworden. Zumindest wenn man sich vom Wald fern hielt. Im Winter hatten die meisten Bäume ihre Kronen abgeworfen, aber nun wuchsen wieder Blätter und nur wenig Mondlicht gelang durch das relativ dichte Dach des Grüns. Es wäre ein knochenbrecherisches Abenteuer gewesen ohne Lichtquelle dort langzulaufen. So hielt es ihn eher auf Straßen, wenn er sich kein Licht machen wollte. Dennoch beunruhigte ihn dies nicht. Er wusste, dass die meisten Leute bei Dunkelheit in der Regel einen Ort mit vier sicheren Wänden und einem dichten Dach über dem Kopf bevorzugten. Genau dies war ein Grund weswegen er sich in der Finsternis sicherer fühlte. Als einsamer Wanderer hier eine Fackel zu führen, da brauchte man nicht einmal gesucht sein, um aufzufallen. Plötzlich hielt er inne. Auch Assar hatte das linke Ohr aufgestellt."Du hörst das doch auch, oder?", flüsterte er dem Pferd zu. "Was hören?", fragte der Junge und sah sich um. Irgendwo in der Ferne war ein Geschrei zu vernehmen. Ein gepeinigtes. Und dann mindestens noch ein Anderes. Voller Zorn. Oder war es Ungeduld? "Das klingt als wäre jemand in Schwierigkeiten!", rief der Junge und hatte stracks die Hand vom Wanderer auf dem Mund. Er zischte verärgert und meinte: "Nachdenkerstimme! Nicht Marktschreier!". Der Junge wuchtete die Hand des Wanderers von sich und wollte gerade etwas erwidern, als er merkte, wie der einfach nur den Pfad weiter ging. "Wollt Ihr gar nichts unternehmen?", hörte der Wanderer die Stimme des Jungen fragen. Aber er antwortete nicht. Da holte der Knabe den Wanderer ein, wiederholte seine Frage und fügte dem hinzu: "Hört sich so an, als wäre da eine Frau in Not!"."Warum sollte mich das interessieren...", da er nicht mehr die Schritte des Jungen hörte, hielt er inne und sah hinter sich. Dort stand er, mit den Händen zu Fäusten geballt. "Ich dachte Ihr wärt besser als die Anderen", meinte er dann schließlich. Da ließ der Wanderer die Leine von Assar los und trat vor den Knaben. Er beugte sich auf Augenhöhe und antwortete dann: "Soll ich dir mal was sagen?". Der Junge schwieg, hielt aber seinem Blick eisern stand. "Reich den Leuten deine Hand und sie werden danach greifen"."Natürlich greifen sie danach! Sie brauchen Hilfe!"."Und was willst du machen, wenn sie dich mit in den Abgrund ziehen? Oder mehr von dir nehmen als das was du angeboten hast?"."Na und?!", erwiderte er trotzig. "Irgendwo muss es schließlich beginnen besser zu werden!"."Hast du das auch den Kopfgeldjägern gesagt, bevor du sie getötet hast?"."Wisst Ihr was? Wenn Ihr zu feige seid zu helfen, dann mach' ich es eben allein! Ihr müsst ja nicht mitkommen! Geht einfach Euren Weg weiter!". Bevor der Wanderer etwas dazu sagen konnte, war der Junge los gerannt. Er hatte die Hand nach ihm ausgestreckt.Dann krampfte er sie zu einer Faust und biss die Zähne zusammen. Just in dem Moment kam ihn ein Knabe in den Sinn, der einst gar nicht so unähnlich gedacht hatte. Er seufzte.Schließlich lief er zurück zu Assar, nahm die Zügel wieder in die Hand und sagte: "Schaut so aus, als wären es wieder nur wir Zwei, Kumpel". Vielleicht war es das Beste so. Denn was sollte man von ihm schon lernen? Außerdem konnte der Bursche hervorragend auf sich selbst aufpassen. Der würde seinen Kopf nicht nur selbst Überwasser halten können, sondern hoffentlich auch noch was draus machen.Also nahm er seinen Weg wieder auf. Den drei Monden entgegen. Es war ohnehin schon längst Zeit einen geeigneten Platz zum Schlafen zu finden.
Kapitel 9 - Im Schatten des schwarzen Wolfs [2]Am Abend saßen sie gemeinsam beim Feuer. Über das Knistern der Flammen hinweg fragte der Wanderer schließlich: "Hast du einen Namen?". Das Kind schüttelte nur den Kopf. "Keinen, an den ich mich erinnern will", er hob sein Haupt und sah zu ihm auf: "Wie ist es mit dir?". Da lächelte der Mann müde. "Mir geht's da so ähnlich". Schon seit einer Weile hörte der Wanderer den Magen des Jungen knurren. Doch der sprach kein Wort darüber. "Hast du Hunger?", fragte er ihn schließlich. Grillenzirpen."Willst du was essen?"."Und wenn dem so wäre? Was muss ich dafür tun?"."Es fangen"."Wa-", schon hatte der Wanderer ein Stück gedörrtes Fleisch hinter dem Harnisch hervorgezogen und es ihm zugeworfen. Der Junge hatte es nicht nur gefangen: Kaum war es in seinen Händen machte er sich darüber her wie ein ausgehungertes Tier. Wieder spürte der Wanderer den Schmerz in der Brust. "Ich sag' dir, was du wirklich dafür tun kannst"."Zu spät", erwiderte der Knabe und kaute hastig weiter. "Hör auf das so herunter zu schlingen. Du musst das genießen. Kaue eine Weile darauf herum. Koste es aus". Da hielt der Junge tatsächlich inne. Er beäugte den Mann vor ihm wie einen Menschen, von dem man denkt er ist unheimlich dumm, aber man ist halt höflich und gerade deswegen ganz arg bemüht, alles was sich so an Wörtern im Halse anstaut zurückzuhalten, damit es einem nicht von der Zunge über die Lippen kommt. Stattdessen schluckte er herunter und beim nächsten Bissen versuchte er einfach was ihm vorgeschlagen wurde. Das hat aber nur ein paar Sekunden gehalten, schon verschlang er den Rest des Mahls. "Gut, wenn es eh zu spät ist, wie wäre es dann wenn du mir trotzdem erzählst, wie ein Bursche wie du zu einem Kopfgeld kommt?"."Das würdest du gerne wissen, nicht wahr? Dir die Summe einstreichen". Der Wanderer lehnte sich an einen Felsen und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. "Ich bin nicht an deinem Kopfgeld interessiert", meinte er und steckte sich dann einen Grashalm zwischen die Zähne. "Natürlich bist du das nicht"."Sei nicht so trotzig. Was hätte ich von dem Geld, wenn ich mich derart an die geweihte Klinge ausliefere?", der Junge sah ihn nachdenklich an. "Du hast mich doch erkannt. Als den schwarzen Wolf". Das Kind nickte. "Dann müsstest du doch wissen, dass ich ebenfalls gesucht bin"."Wie viel ist denn auf dich ausgesetzt?"."Tausend Astonier"."T-T-Tausend?!", der Junge verschluckte sich fast beim letzten Bissen. Und jetzt gerade konnte man die Bilder fast aus seinem Gesicht lesen, die er sich ausmalte, was sich damit alles machen ließe. "Wenn ich dich umbringe, dann erlässt man mir bestimmt mein Kopfgeld und von dem Rest kann ich immer noch ganz viel machen"."Ha!"."Was ist daran so witzig?"."Ich weiß, dass du das nicht machen wirst"."Ach ja?". Der Wanderer nickte. "Und woher?"."Du sehnst dich geradezu nach Gesellschaft. Aber du hast nichts weiter als die eigene Ehre und den Anstand, die dich davor bewahren ein Wilder zu werden. Gut, es ist ein ständiger Kampf, zugegeben, aber scheinbar hast du ihn noch nicht ganz verloren"."Und was ist mit dir?"."Was soll mit mir sein?"."Du redest offensichtlich von dir, wie du mal warst. Wie ist es heute?". Er blieb still, als er sah, wie der Mann den Finger auf die Lippen gelegt hatte. Der schwarze Wolf erhob sich in einer gleichmäßigen, langsamen Bewegung und legte dabei allmählich die Hand auf den Griff des Langschwerts. Plötzlich kam ein Fuchs mit einer Maus im Maul aus dem Busch. Er beäugte sie kurz, verschwand dann aber rasch hinter anderen Büschen.Seufzend lehnte sich der Wanderer wieder gegen den Felsen und streckte die Beine aus."Was muss so'n Bursche wie du anstellen, dass Kopfgeldjäger einen verfolgen?", fragte er das Kind, dass daraufhin mit den Schultern zuckte. "Nicht viel", antwortete es zuerst und fügte dann hinzu: "Eigentlich hat das alles mit ein paar Ausbrüchen von Daheim angefangen. Na ja - und weil ich dann weniger Zuhause war, kam ich auch weniger an was zum Futtern. Es hat ja ohnehin schon nicht viel gegeben"."Also hast du geklaut"."Es war entweder das oder verhungern!", beschwerte es sich. "Das war kein Vorwurf von mir Kleiner"."Hör auf mich so zu nennen! Ich bin nicht so klein!". Der Wanderer machte eine rudernde Bewegung mit der Hand aus dem Gelenk: "Erzähl weiter"."Warum interessiert dich das so? Was hab' >ich< bitteschön davon?". Als Antwort reichte der Mann noch einmal hinter seinen Lederharnisch und warf ihm ein weiteres Stück Dörrfleisch zu. Der Junge fing es, bevor er jedoch abbiss, fragte er: "Warum bewahrst du das dort auf?". Der Wanderer hob eine Braue: "Ernsthaft?"."Wie "ernsthaft"? Was ist das für ein Ort um sein Essen aufzubewahren?"."Wow. Ich dachte so jemand wie du wüsste wie wertvoll Essen ist"."Ich weiß das sehr wohl! Aber warum musst du das -", das Kind hielt inne. Es hatte sich die Frage in Gedanken selbst beantwortet. "Scheint so, als hätte dir noch nie jemand nach dem Essen getrachtet. Nur nach dem Leben, hm?". Wieder zuckte der Junge mit den Schultern. Nun biss er nur zaghaft ab. "Ist auch besser das hier zu haben, weil wilde Tiere es nicht so gut riechen können"."Dafür riecht es nach altem Männerschweiß". Da deutete der Zeigefinger des Wanderers auf den Jungen. "Hey! Das gibt dem Zeug erst die richtige Würze"."Das ist widerlich!", erwiderte der Junge ohne auch nur ein Anzeichen von Humor zu zeigen. Der Wanderer grummelte. "Das >ist< widerlich", gab er dann zu, schien sich dabei seinem Gesichtsausdruck nach aber nicht sonderlich Vorwürfe zu machen."Irgendwann...", erzählte das Kind dann einfach weiter: "...haben sich die ganzen Diebstähle zumindest gesammelt. Irgendwer hat wohl mitgezählt oder so. Immerhin war es ja nur ein und dasselbe Dorf", es zuckte mit den Schultern: "Man hat mich raus getrieben". Eine Weile kaute es still auf dem Bissen herum, ehe es gestand: "Na ja...das ist nicht wirklich wahr. Ich bin abgehauen. Man verlangte von mir zu bezahlen oder man würde die geweihte Klinge holen". Er schlug mit der Faust in die Luft und rief mit lauterer Stimme: "Was ist an denen so -", da zischte der schwarze Wolf mit dem Zeigefinger auf den Lippen, woraufhin der Junge fragte: "Hast du etwa Schiss vor denen?"."Selbst wenn es wahr wäre, hältst du es für eine gute Idee mit deinen nackten Fingern in ein Wespennest zu stechen?"."Was soll denn das heißen?"."Das du nicht unnötig auf uns aufmerksam machen brauchst, Kleiner". Da knirschte der Junge mit den Zähnen und zeigte diese dabei auch gleich mal deutlich. "Hey", entgegnete der Wanderer daraufhin: "Wenn du auf mich hörst, dann hör' ich auch auf dich. Vielleicht"."Du bist dumm!"."Ich hab' nie was Anderes behauptet"."Und du stinkst!"."Ist ja auch kein Wunder, wenn man solange hier draußen ist"."Ach ja? Du – du -", der Blick des Kindes wanderte umher, als würde sich die nächste Beleidigung hier irgendwo finden lassen. Aber dann senkte es resignierend den Kopf. "Ist doch alles bescheuert...". Eine Weile lang war es still und man hörte nichts weiter als den Ruf eines Fuchses. Vielleicht derselbe, den sie zuvor gesehen hatten."Woher hast du eigentlich dieses Pferd?", fragte der Junge schließlich, als er mit dem Essen fertig war. "Auch gestohlen?"."Sag mal was soll das denn heißen, "auch"?"."Na warum jagt man dich denn?"."Das weißt du nicht?"."Doch. Aber ist es denn wahr?"."Manches davon"."Wie das Kind, dass du abgemurkst hast?". Der Mann seufzte. "Sag das nicht so"."Aber es ist doch tot oder?"."Ja..."."Hast du's abgemurkst?"."Ja..."."Na dann hast du es doch abgemurkst! Was soll ich da nicht so sagen?Und wann bringst du mich um?"."Wenn du genug blöde Fragen gestellt hast überleg' ich mir's vielleicht". Er sah, wie der Junge ihn erschrocken anschaute. "Das war ein Scherz"."Du bist nicht gut im Scherzen"."Weil das Leben bislang kein Scherz war, Kleiner". Der Junge gluckste. "Wem sagst du das..."."Würde es dich beruhigen, wenn ich dir sage, dass ich das Kind aus Notwehr umbrachte?"."Notwehr?", jetzt musste der Junge lachen. "Du bist der schwarze Wolf! Welches Kind -"."Hör auf zu lachen du Idiot!", rief der Mann ihn plötzlich an. Er knurrte ehe er hinzufügte: "Frag' mich noch einmal nach irgendetwas diesbezüglich und ich werde richtig sauer, verstanden?!". Zwar sagte der Knabe nichts, aber man konnte es in seinen Augen sehen, dass er verstanden hatte.Nachdem er in einem langen Zug ausgeatmete hatte, meinte der Wanderer weiter: "Es reicht schon, dass ich davon schlecht träume..."."Es war also ein Unfall", ehe der Mann darauf reagieren konnte, hob der Junge die Hände und meinte zu seiner Verteidigung: "Ich hab' mit mir selbst geredet! Ich hab' dich nicht danach gefragt!"."Wenn du jetzt noch anfängst klugzuscheißen -"."Mir ist einmal etwas Ähnliches passiert...", auf diese Worte senkte der Wanderer seinen mahnend gehobenen Finger wieder. Das Kind erzählte ihm in der kommenden Stunde, wie es dazu kam, dass es seinen eigenen Vater tötete.Letztendlich stellte sich heraus, dass ihn das auch verfolgte. "Man lernt zwar damit zu leben, aber das klingt noch zu gut", schloss das Kind schließlich ab. "Denn es klingt nach so einer geheilten Wunde. Aber da ist gar nichts geheilt"."Für mich sind das Narben, die sich hin und wieder melden. Mal juckend, mal schmerzend"."Ja! Das trifft es viel eher! Und manchmal hindern sie einen so am Tun...oh weh...", mit einem Mal wirkte es ziemlich niedergeschlagen. "Thoran wird mich in die Schattenebenen von Antaram verbannen, für das was ich getan habe"."Du bist in Ordnung Kleiner". Das Kind lächelte schwach. "Ich denke du bist der Einzige, der das so sieht"."Tja. Das ist wie man so sagt: Sobald du einmal Mist verzapft hast, hängt dir das immer nach. Selbst wenn du es tun musstest. Beispielsweise um zu überleben, verstehst du? Aber man hängt es dir immer nach und damit ist es auch einfacher einem noch andere Sachen anzuhängen. Heutzutage fällt es den Meisten leichter die Schuld einem Anderen zuzuschieben, als mal innezuhalten und drüber zu brüten, wie viel Schuld man vielleicht selbst hat". Da zeigte der Junge nickend auf den Mann. "Genau so fühle ich auch! Weißt du, wie viele Große es gibt, die mir einfach nicht zugehört haben? "Ich bin noch ein Kind", meinten sie. "Ich verstünde das nicht", oder: "Werd' erst einmal älter". Dabei weiß ich ganz genau, dass sie auch Fehler gemacht haben! Viele von den sogenannten Erwachsenen vertuschen das auch noch!"."Tja...", der Wanderer grinste müde."Weißt du, was ich manchmal glaube?", fragte der Bursche nach einer Weile. "Ich glaube, dass das Böse in Wahrheit das Gute ist und das Gute das Böse. Aber als Gutes verkleidet, verstehst du?". Da der Mann nicht antwortete, sah er zu ihm auf. "Ich denke", entgegnete er ihm daraufhin: "Dass du jetzt schlafen solltest. Ich wache zuerst und danach du. Einverstanden?". Das Kind schmälerte seinen Blick, so als würde es abschätzen, ob dem Kerl da wirklich zu trauen war. Aber was hatte es schon für Optionen? Außerdem hätte er ihn zuvor töten können, wenn er es wirklich wollte. Warum sollte er damit warten, bis er eingeschlafen wäre? Dieser Gedanke hatte ganz viel bleierne Müdigkeit mit sich gebracht. Erst jetzt wurde ihm so richtig gewahr, wie schwer ihm die Glieder doch waren und wie zwei davon vom zuvorgegangenen Kampf gegen den schwarzen Wolf noch immer weh taten. Still legte er sich auf den nackten Boden, zog die Beine an den Leib und schloss die Augen.Eine Weile hatte der Wanderer das Kind nun schon beäugt. Er schüttelte den Kopf, denn erst jetzt war er zu dem Gedanken gekommen, dass der Knabe die Rüstung eines Rekruten von der geweihten Klinge trug. Ein blauer Lederharnisch mit silbernen Nähten. Er war sich ziemlich sicher, dass der Junge nicht zu ihnen gehörte. Aber das würde bedeuten, dass er die Rüstung gestohlen haben musste. Direkt von der geweihten Klinge selbst. Und das war schon ordentlich dreist. Aber so konnte er sich erklären, wie der Knabe von der Geschichte mit der Ein-Mann-Armee erfahren haben musste. Die Sache, die er da mit den Seilen gemacht hatte, dass die beim Zug die Bolzen von den Armbrüsten lösten - das war dieselbe Taktik, die er mal in einem Kampf gegen mehrere Soldaten der geweihten Klinge angewandt hatte. Er wusste aus Erfahrung, dass die Soldaten angehalten waren, Stillschweigen über sämtliche Informationen bezüglich des schwarzen Wolfs zu halten. Zumindest was dessen Fähigkeiten und Verhalten im Kampf betrifft. Die Leute waren schon in Aufruhr genug und es sollten nicht noch mehr Funken in diesen dürren Zeiten gestreut werden. Der Bursche dort musste also nicht nur die Rüstung gestohlen haben, sondern auch Berichte der geweihten Klinge. Doch warum?Er wog den Kopf und löste das Kurzschwert von seinem Gürtel, um den Griff wieder gegen die Schulter und die Spitze der Scheide auf dem Boden zu stützen. Danach legte er die Rechte um den Griff und ruhte das Kinn auf das Handgelenk der Rechten.Wohl möglich hatte der Knabe die Befürchtung, dass die Soldaten etwas über ihn in Erfahrung gebracht haben mögen. Dass er solange überlebte, konnte er höchstwahrscheinlich nur seinen scharfen Verstand verdanken. Und er zweifelte auch nicht mehr daran, dass er Kopfgeldjäger zur Strecke brachte, die ihn verfolgten. Er selbst hatte schon seit einer Weile keinen mehr von der Sorte gesehen. Er schätzte, dass sie wohl gelernt hatten, dass man sich am schwarzen Wolf nur die Finger verbrennt. Terror war eine gute Waffe, dachte er bei sich, wenn man gegen solch eine Übermacht streiten musste. Er wusste, was für Geschichten die Leute sich über ihn erzählten. Sicher nicht alle, aber genug. Da hob er seine Linke, die wie fast immer im Handschuh steckte, und begutachtete sie. Es bohrte sich die Frage in sein Herz, wie viel Wahrheit in ihnen liegen mochte? Und es hallten die Worte in seinem Kopf wider, die sein Vater zu ihm sprach. Von wegen, dass er unter einem bösen Stern geboren sei. Es verwunderte ihn aufs Neue, dass er nicht mit einer Klinge an der Kehle aufwachte. Oder sich selbst über sich schwebend mit einer aufgeschlitzten vorfand. Assar lag auf allen Vieren und sah ihn fast vorwurfsvoll an, so als hätte das Tier die Wachschicht übernommen, die eigentlich dem Jungen zugefallen wäre. Ächzend erhob sich der Wanderer und streckte sich gähnend durch.Da erwachte auch der Junge. Und als er feststellte, dass die Sonne schon ein gutes Stück über dem Horizont war, sprang er auf und riss herum. "Ich dachte du weckst mich!"."Guten Morgen!"."Ach...", der Knabe warf mit der Hand ab und suchte seine Sachen zusammen. "Du denkst sicher...", sagte er dabei: "...ich wäre nicht gut genug dafür"."Also um ehrlich zu sein bin ich eingeschlafen". Das Kind sah auf und erblickte einen Mann, der sich - tat er das etwa aus Verlegenheit? - den Nacken kratzte und mit den Schultern zuckte. "Du bist viel zu unvorsichtig!", belehrte ihn der Junge sofort. "Was ist, wenn uns in der Nacht Soldaten der geweihten Klinge gefunden hätten? Oder Räuber gekommen wären?". Der Mann deutete mit dem Kopf auf den schwarzen Hengst. "Der hätte uns geweckt, wenn das der Fall gewesen wäre. Er hat gute Ohren. Außerdem lebe ich heute doch noch, nicht wahr? Assar begleitet mich erst seit Kurzem"."So heißt das Pferd?". Der Wanderer nickte. "Dann musst du wohl einfach eine Menge Glück gehabt haben, so doof wie du bist"."Ich war müde. Außerdem hast du mir vertraut, also...was macht das aus dir?". Der Junge hatte seine letzten Sachen eingesammelt, stand nun aufrecht und sah ihn stumm an. Aber er grinste rasch darauf. "Ich mag dich"."Echt? Mach' das lieber nicht zur Gewohnheit", neckte er den Jungen und meinte dann schließlich zu ihm, dass sie sich lieber aufmachen sollten. Wenn man gejagt wurde, dann war es seiner Erfahrung nach keine gute Idee, zulange an einer Stelle zu verweilen. Erstens könnte man sonst Wurzeln schlagen (der Junge wusste nicht, wie er das wirklich meinte) und zweitens fing man selbst als Ungesuchter an dann allmählich bekannter zu werden.In den kommenden Tagen hatte der Junge für sich entdeckt, dass es eigentlich viel einfacher ist, wenn man zusammen stahl. Wenn man eine Person hatte, die die Aufmerksamkeit auf sich zog, bevor es zur Sache ging. Außerdem half es gewaltig, dass der Partner einen am Ende nicht in den Rücken stach.Der Wanderer war nicht stolz darauf stehlen zu müssen. Aber er rechnete auch nicht damit, dass ihn jemand wirklich verstand. Stehlen ist nicht etwas, dass er gerne tat. Er hätte durchaus lieber für die Mahlzeiten gearbeitet. Aber Arbeit war nicht etwas, dass es immer gab. Ebenso wenig Mahlzeiten. Der Hunger jedoch - ja - das war ein regelmäßiger Besucher. Gnade hingegen wieder nicht. Außerdem war er sich um seiner Ausstrahlung bewusst (denn um seinen Ruf brauchte man sich ihm nach nicht streiten).Für den schwarzen Wolf war jedoch klar: Er würde diesen Jungen nicht lange bei sich behalten können. Das Kind brauchte eine Familie. Eine Gute. Es war noch zu retten.Nicht so wie er.
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:iconweltderworte::iconscpwikide::icondie-drachen-studio:
:bulletblue: Uhuu, das Wetter ist ganz schön schrecklich...:bulletblue:

Es ist ja eine ganze Weile ehr, seitdeem ich mich mal gemeldet habe. Daher dachte ich mir mal wieder einen Blogeintrag zu posten auch wenn er vielleicht keinen Sinn hat. Tja, so kann das Leben halt sein.

Heißer Kakao, eine Wärmflasche und ein Gutes Buch. Das wäre es was ich jetzt bei diesem Wetter gebrauchen könnte. Ich friere ganz schön und kann kaum glauben das es erst September ist. Das ist mal wieder typisch Deutschland. Vor einer Woche bin ich wieder in mein geliebtes Heimatland zurückgekommen und jetzt vermisse ich doch Australien... Da war es wenigstens warm und ich hatte nicht das Gefühl, das meine Füße zu einem Eis-Block erstarren.
Aber was solls auch, Ich würde zu gerne wissen wie ihr, die lieben Gruppenmitglieder, einen kalten Sonntag verbringt. Wie ich, die einfach nur auf ihrem Sofa leigt und ein gutes Buch liest oder doch eher was Aktionreiches?

Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr friert nicht,
eure Mina-Chan
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Herzlich willkommen bei GermanWriters
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:iconjanisdude:
janisdude Featured By Owner Feb 13, 2022
Hallo liebe GermanWriters community,
mein Name ist Janis, ich bin 37 Jahre alt und ich suche für meine kleine Startup Firma eine Kurzgeschichte. Dafür haben wir einen Geschichtsschreibwettbewerb ausgeschrieben (eiszumfrühstück.work…) der mit 500 € dotiert ist. Ich bin auf der Suche nach Teilnehmer:innen und dachte eure Community könnte vielleicht daran interessiert sein? Ich würde mich freuen von euch zu hören, lieber Gruß Janis
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:iconmiguel-sepulveda:
Miguel-Sepulveda Featured By Owner Feb 26, 2021  Hobbyist Writer
Sag mal, kennt sich einer mit Deutsch und Englisch übersetzen sich besten aus?
Reply
:iconmiguel-sepulveda:
Miguel-Sepulveda Featured By Owner Nov 14, 2020  Hobbyist Writer
Tag^^
Sind zufällige einige Beta-Lesern unter euch?
Reply
:iconkizami-art:
kizami-art Featured By Owner Nov 20, 2020  Hobbyist Digital Artist
Hi! Ich würde Betalesen mal ausprobieren. ^^
Ich studiere Sprachwissenschaft und bin auch selbst hin und wieder als Autorin tätig. :D Würde aber pro Seite Text (in Word) 5€ berechnen, da es doch relativ aufwendig ist, Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck zu verbessern. Garantiere dafür aber ein sehr gutes Endergebnis. Adorable Girl Anime Emoji (Kawaii Wink) [V6] 
Reply
:iconmiguel-sepulveda:
Miguel-Sepulveda Featured By Owner Nov 20, 2020  Hobbyist Writer
Eigentlich mache, ist da eine Freiwillige Sache und gebe nicht so gerne Geld aus xD
Reply
:iconkizami-art:
kizami-art Featured By Owner Nov 20, 2020  Hobbyist Digital Artist
Ok, kann ich auch nachvollziehen :D :D
Reply
(1 Reply)
:iconmiguel-sepulveda:
Miguel-Sepulveda Featured By Owner Sep 1, 2020  Hobbyist Writer
The Dragon Studio: A difficult situation.Dear Watchers,I would like to use this journal to say that the situation with our group in Discord: Die Drachen Studio is a bit downhill.Especially my team colleagues:@Gohan0: has to do even much with some projects, only if these are to end, it can help us, but it took its time simply.@JaydenChrom: tried begging some of the artists to help us, but each of them he asked for money or think we should do it ourselves which sucks, then me and him had a fight, which made him leave the dragon studio and join other projects of his friends.@BandBSketches: Is our only beta-reader, but she also has her own problems, which I made her take a break, where critics who criticize my group said and claim that she will never come back and doesn't feel like it anymore, which really upset me.@red-dragon-x7: is our 2nd draughtsman but he also has his limits to one he makes orders from his clients and also has his work on the neck, which makes him take longer than usual to make the drawings, which led to the argument with me and some of my colleagues.And now for me, I have my own problems, because first of all I'm a solo and I'm more into solo projects, which I don't want I want to work with others, I tried one, but this one wanted to have this and that and wanted to be the leader of my group, he even said that I'm not capable of leading and this one was too control addicted and never wanted to admit his mistakes and wanted to be right, so I kicked him out of the group.Okay I'm kicking and threatening some which I regret very much and I'm trying my best to be a good leader, so I ask you all who wants to join the Dragon Studio, we have a DA group here and a Discord group.Discord: https://discord.gg/SGq5yCtDeviantArt group: https://www.deviantart.com/die-drachen-studio
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:iconstarkite1:
StarKite1 Featured By Owner Sep 15, 2019  Student Traditional Artist
Danke für´s Aufnehmen.:)
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:icontherniliasnordwacht:
TherniliasNordwacht Featured By Owner Mar 18, 2019
Hallo,

wer daran interessiert ist die Leseprobeversionen meines ersten Buches zu lesen und oder Bilder in Bezug darauf anzuschaun, bei meinem Profil sind schon mal ein paar Bilder veröffentlicht sowie die Links zu meiner Blogseite.
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