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Die unsichtbare Prinzessin

fantom125's avatar
By fantom125   |   Watch
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Published: March 11, 2019
Es ist nicht wahr, dass ich auf meiner märchenhaften Wanderung, neulich, am Schloss vorbei, ihr erinnert euch sicherlich, dass ich da kein Märchen entdeckt habe. Und damit es nicht wahr wird, dass ich euch dieses Märchen vorenthalte, erzähle ich es jetzt!

Wirklich wahr ist die Sache mit der unsichtbaren Prinzessin. Und das kam so:

Alles begann damit, dass eine kleine rote Ameise 327.448 Sandkörner übereinander stapelte, weil sie unbedingt in die Küche des schiefen Holzhäuschens gelangen wollte. Das Holzhäuschen stand einsam am Rand eines kleinen Wäldchens und war wirklich schief und bucklich, aber aus der Küche strömte so ein herrlicher Duft, dass auch ihr euch wahrscheinlich überlegt hättet, wie ihr da hinein gelangen könnt, wenn er in eure Nase gekrochen wäre.

Aber jetzt hatte es erst einmal die kleine rote Ameise geschafft, kletterte aufs Fensterbrett und dann in das Häuschen hinein, stürzte auf der anderen Seite in die Küche und landete direkt vor den Füßen der Hexe. Eine Hexe? Ach was! Das Kräuterweiblein war's, und sie hatte ihre berühmte 9-Kräutermischung angesetzt, noch ein paar Früchte hinzugefügt und daraus den wunderbarsten Tee gemacht, den du dir denken kannst.

„Wenn du zu einer Hexe willst, musst du noch ein Stückchen weiter“, erklärte sie, „bis zu Baba Jaga. Und damit du den weiten Weg auch schaffst, musst du eine ganze Kanne von dem Tee auf ex trinken!“

„Vergiss aber auf gar keinen Fall, der Baba Jaga ein Geschenk mitzubringen, am besten etwas für ihre Suppe“, fügte sie hinzu. „Ansonsten kann es passieren, dass du selbst in der Suppe landest!“

Wenn du dich jetzt wunderst, mit wem das Kräuterweiblein da sprach, dann hast du nicht ganz aufgepasst: mit der kleinen roten Ameise natürlich! Wenn es auch keine Hexe war, so hatte sie doch schon lange bemerkt, dass sich da jemand an ihrem Haus zu schaffen machte, und sei es auch nur eine Ameise. Aber sie wusste noch viel mehr, nämlich dass die kleine rote Ameise in Wirklichkeit ein verzauberter Prinz war. Und vor allem wusste sie, was gut für ihn war!

Also wie es die kleine rote Ameise geschafft hat, eine ganze Kanne von dem wunderbaren Tee zu trinken, kann man sich gar nicht vorstellen. Aber sie hat es geschafft, und – hastdunichtgesehn – verwandelte sie sich in ... nein, nicht in den Prinzen, so schnell geht's nun auch wieder nicht, die Ameise verwandelte sich in ein Känguru. Ja, ob ihr's glaubt oder nicht, in ein Känguru!

Na ja, und wofür sind Kängurus bekannt? Dass sie gut und weit springen können! Und das nicht nur ein- und auch nicht zweimal, nein, viele hunderte und tausende Male hintereinander. Und weil direkt vor dem schiefen Holzhäuschen ein Wegweiser mit den Initialen „B.J.“ gestanden hatte, wusste es auch, in welche Richtung es die vielen hunderte und tausende Male springen musste und war in Nullkommanichts bei Baba Jaga.

Also zumindest in Sichtweite von dem berühmten Häuschen mit dem Hühnerbein. Es holte eine Thermoskanne mit dem Tee aus seinem Beutel, trank sie auf ex leer und verwandelte sich augenblicklich – nein, immer noch nicht zurück in den Prinzen, sondern in einen Hund. Aber nicht in irgendeinen Hund, sondern in einen Bernhardiner. Schließlich musste er ja sein Geschenk zur Baba Jaga bringen: ein Fässchen allerfeinsten Wodkas.

Na die kippte vielleicht aus den Latschen! Aber dann ließ sie sich es gutgehen und den Wodka ganz gepflegt die Gurgel hinunter. Der Bernhardiner bekam einen Kessel Gulasch zum Ausschlecken - worauf er sich in eine Baikalrobbe verwandelte - und wurde anschließend weitergeschickt zur Schneekönigin. Oh Mann, da ging's durch alle Flüsse Sibiriens bis zum Nordmeer und immer weiter gen Norden, bis dann endlich auf der letzten noch nicht vom Treibhauseffekt geschmolzenen Eisscholle das Schloss der Schneekönigin in Sicht kam.

Ich weiß gar nicht, was er von der bekam – eine Wanne Stracciatella oder so etwas ähnliches wahrscheinlich, jedenfalls verdarb er sich damit endgültig den Magen, kotzte alles Zauberzeug aus und wurde so endlich wieder zum Prinzen. Ha!

Ähm, und die Prinzessin? Die unsichtbare Prinzessin? Was ist nun mit der? Ja, die kommt jetzt gleich ins Spiel. Kleinen Moment noch! Die Schneekönigin schickte den Prinzen nämlich zur Zauberin, weil sie von der wusste, dass die schon lange auf den Prinzen wartete. Aber da der wiederum nun partout nichts mehr zu sich nehmen geschweige denn sich verwandeln lassen wollte, ließ sie ihren Schlitten anspannen und fuhr ihn eben gleich hin.

Und da erfuhr er es: Die Zauberin hatte nämlich beim letzten Betriebsausflug aus Versehen Katzenminze anstelle von Zitronenmelisse in den Trank gemixt, welchen die Kaiserin von Hinterdenbergenundunterdenlanden bei ihr bestellt hatte. Die wollte diesen Trank für ihre Tochter haben, für die schöne Prinzessin Amarja von Hastubessernichtgesehn, um sie von ihrer schweren Krankheit zu heilen.

Durch diesen höchst peinlichen Lapsus der Zauberin war nun aber nicht nur die Krankheit, sondern auch die Prinzessin vor ihren Augen verschwunden und hatte sich ins Unsichtbare verabschiedet. Die diensthabende Seherin beim Betriebsausflug hatte nun vorhergesehen, dass niemand anders als der damals noch in eine kleine rote Ameise verzauberte Prinz die Prinzessin wieder sichtbar machen könne! Und daher bat die Zauberin ihn nun inständig, er möge ihr unbedingt helfen, was der Prinz auch ohne großes Nachdenken zusagte.

Was er nicht wusste: wenn er es nicht getan hätte, wäre er wieder in die kleine rote Ameise verwandelt worden! So aber wurde er zum Gemach der unsichtbaren Prinzessin geführt und trat ein. Er sah, dass er die Prinzessin tatsächlich nicht sehen, aber zumindest hören konnte, und hatte auch gleich eine Idee.

Er nahm einen großen Schluck Tee, atmete ganz tief ein, und als er wieder ausatmete, kondensierte sein feuchter Atem auf der Haut der unsichtbaren Prinzessin. Erst wurden nur ein paar Umrisse sichtbar und so musste er das ganze Prozedere noch ein paar Mal wiederholen, bis er auch ihr Gesicht wahrnehmen konnte.

Weil er aber aus irgendwelchen Gründen den obligatorischen Erlöserkuss vergaß, wurde die Prinzessin zunächst tieftraurig und dann wieder unsichtbar. Und wie sie vor seinen Augen verschwand, verschwand sie auch aus seinem Gedächtnis, und deshalb streift die Prinzessin noch immer unsichtbar durch die Welt und auch ihr habt die Chance, sie demnächst zu erlösen. Der Prinz ging seines Weges, und die Zauberin beschwerte sich vergeblich bei der Seherin, denn sichtbar hatte der Prinz die Prinzessin ja gemacht, wenn auch nur für kurze Zeit. So war's und so ist's und wenn ihr die Prinzessin nicht bald erlöst, geistert sie wohl auf ewig unsichtbar durch die Lande.

Na Leute, war das nicht ein schönes Märchen?
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© 2019 fantom125
Dresden, Germany, 2019


        Ergänzung zu [link]


        Ich wollte explizit kein "deutsches" Märchen (mit Es war einmal usw.) schreiben, daher habe ich versucht, den Tonfall ähnlich frech-verrückt wie bei irischen Märchen zu halten.
        Ich hoffe, euch gefällt's trotzdem!-)



Weitere Gedichte und Texte: [link]

My English poems and texts: [link]

English short stories: [link]
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ofDragonsAndThiefs's avatar
ofDragonsAndThiefsHobbyist Writer
Der frechverrückte Tonfall ist dir auf jeden Fall sehr gelungen! Die Geschichte war ein spaßiger Ritt mit allerlei verrückten Tieren, Menschen, Zauberwesen und allem dazwischen. Du hast mich auf jeden fall zum lachen gebraucht, auch wenn ich wenig Lust habe Prinzessinen zu jagen und mit Tee zu bespucken (gut, letzteres vielleicht, wenns der gute Tee aus der Geschichte ist)
fantom125's avatar
Vielleicht gibt's ja auch noch eine andere Möglichkeit, die Prinzessin zu erlösen!-)

Danke!
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