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interview - campino2k by ~weissefeder:iconweissefeder:





DressedInBlack :
gut. beginnen wir mit fakten zu deiner person. wäre nett,
wenn du dich mal vorstellen könntest, woher du kommst, was du machst,
hobbies, etc.



campino2k :
also, ich heisse Christian, komme aus einem kleinen Kaff in
Deutschland, bin 22 Jahre und derzeit arbeitssuchend.
Den Großteil meiner Freizeit verbringe ich mit Musik hören, surfen,
Webseiten basteln etc..


DressedInBlack :
Da steht schreiben bzw. dichten ja gar nicht bei deinen hobbies...
*lach* welchen stellenwert hat das schreiben
also für dich im leben?



campino2k :
Gehört das schreiben denn nicht auf Webseiten? *g* Aber du hast
recht... Ich hab lesen und schreiben vergessen
(die Aufregung)... Aber schreiben und gerade auch lesen ist für mich
sehr wichtig, denn ich finde, in Texten allgemein
kann man sehr gut Gefühle transportieren. Schreiben ist meine
persönliche Art von Therapie, vielleicht merkt man das
meinen Gedichten an... Wie das Sprichwort sagt: Geteiltes Leid ist
halbes Leid.
es geht mir einfach besser, wenn ich meien gefühle auf papier bringen
kann


DressedInBlack :
ist das der einzige grund, warum du zu papier und stift greifst? wenn
ja, kannst du den punkt noch ein bisschen näher
ausführen?



campino2k :
Wenn man sich ansieht, was ich alles schon geschrieben habe, kann man
feststellen, dass das nicht der einzige Grund ist,
manchmal habe ich auch einfach eine Idee, von der ich denke, dass sie
aufgeschrieben werden sollte. So ist meine
"Popp-Star"-Kolumne und die Geschichte "Der Traumtöter" entstanden,
einfach aus Spass am schreiben. Aber wenn ich
Gedichte schreibe, ist das eigentlich immer eine emotionale Phase, die
mich dazu anspornt. Wenn ich nachts spazieren gehe,
wobei ich Zeit habe, einfach mal abzuschalten und nachzudenken, dann
fallen mir immer wieder Sachen ein, aus
Vergangenheit, Gegenwart oder Träume, was passieren kann. Und das kommt
immer darauf an, wie ich mich generell gerade
fühle... Meistens schaffen es aber nur die depressiven Gedanken,
ausfgeschireben zu werden...


DressedInBlack:
heißt das auch für dich, das aufschreiben von depressiven gedanken
hilft dir, dich besser zu fühlen?



campino2k :
genau das... es ist schließlich eine art, darüber zu reden, nur
billiger als beim therapeuthen *lach*
und aussedem ist es nach einigen jahren immer wieder interessant, zu
lesen, was man so mal geschrieben hat


DressedInBlack :
nun hätten wir mal deine beweggründe aufgedeckt, warum du schreibst.
jetzt würde mich natürlich auch interessieren,
ob du speziell beim dichten vorbilder, sprich lieblingsdichter (oder
ein lieblingsgedicht) hast?



campino2k :
oje.. diese frage hab ich gefürchtet, weil man mich für die antowort
verachten oder auslachen wird...
ich habe "Faust" und "MacBeth" verschlungen, ausserdem finde ich die
"Todesfuge" von Celan beeindruckend...
Aber spezielle Lieblingsdichter?
Till Lindemann, Eva Briegel, Andreas Frege ...


DressedInBlack :
gute antwort, wenn auch etwas ungewöhnlich (aber nicht
verachtenswert!!). denkst du, dass diese menschen dich auch beim
schreiben beeinflussen? stilistisch, thematisch?



campino2k :
MOOOMENT
Die sollte jeder kennen... Till schreibt und singt bei Rammstein und
schreibt herrlich abstakt und metaphorisch, Eva Briegel
von Juli weniger, dafür aber ehrlich und bodenständig... Und Andreas
Frege (Campino von den Hosen) hat sich in letzter Zeit
sehr stark aussagekräftigen und metamophen Texten zugewandt, einfach
weg von der Spasslyrik der frühen Jahre


DressedInBlack :
ja, ich kenne sie alle... ich hab sie auch nur als 'ungewöhnlich'
bezeichnet, weil einige aus der musikbranche kommen und
nicht ursprünglich dichtung betreiben.
das hat niemand abgestritten.. aber wenn man an vorbilder für dichter
denkt, erwartet man eher namen wie goethe und
schiller. ;-)



campino2k :
Naja, das kommt auf den Standpunkt an, denn Musik ist auch eine Form
der Dichtung, sie transportiert genauso Gefühle
und Bilder wie Gedichte und Geschichten, jedenfalls bei "ernsthafter"
Musik


DressedInBlack :
können wir auf die obrige frage zurückkommen? ob dich deine vorbilder
in irgendeiner weise beeinflussen?



campino2k :
gerne.... Als Vorbilder beeinflussen mich diese Leute auf jeden Fall,
sowohl bei der Wahl der Worte als auch unbewusst bei den
Themen über die ich schreibe


DressedInBlack :
und welche themen behandelst du 'unbewusst' des öfteren?



campino2k :
Wie gesagt, ich schreibe des öfteren eher depressive / traurige
Gedichte, wobei ich immer versuche auch mal was
fröhliches zu schreiben, aber Trauer udn Leid sind eben viel einfacher
und vielseitiger als Glück und Freude ...(zumindest
scheint es mir so)


DressedInBlack :
wie stehst du zum thema liebe/romantik in gedichten? kann es
glaubwürdige, ehrliche dichtung ohne eine emotionale
komponente darin geben?



campino2k :
ich bin kein gegner romantik oder liebesgedichten (boah... mist), ich
lese das schon gerne, aber ich kann mich damit meistens
leider nicht identifizieren... ich bin sicherlich ein romatischer kerl,
aber ich hab immer angst, in eine hollywood-kitsch-schiene
zu rutschen...
und zur ehrlichen dichtung ohne emotionale komponente: das ist meiner
meinung nach nicht möglich, denn dichtung ist ja
geschriebene Emotion


DressedInBlack :
da bin ich ganz deiner meinung... dann machen wir mal einen 'radikalen'
themenwechsel. frage: ein dichter hat einmal
den zusammenhang zwischen prosa und lyrik mit dem vergleich zwischen
wertvollem gestein und kristallen ausgedrückt.
kannst du etwas damit anfangen, bzw. kannst du dem zustimmen,
widersprechen und warum?



campino2k :
im grunde ist es richtig, denn gute prosa zu schreiben ist immer
einfacher als gute lyrik. ein roher diamant ist ja auch erst
wertvoll, wenn er etsprechend geschliffen wurde... und bei lyrik ist
das ganze dementsprechend schwieriger zu "schleifen"
weil man sich in ein bestimmtes schema (metaphern, rhytmus, silbenzahl,
reime, ... ) hineinarbeitet.
eine gute prosa erfordert niemals das maß an arbeit wie gute lyrik...
aber wenn wir ehrlich sind: ist wertvolles gestein nicht auch was
schönes?


DressedInBlack :
kommt nun:  du hast eben gesagt, du arbeitest dich in gewisse schemen
hinein... heißt dass, für dich sind gewisse regeln,
schemata in gedichten von belang?



campino2k :
auf gewisse art und weise, ja.
sicher kann ich bei meinen nicht behaupten, sie besäßen ein erkennbares
schema, aber wenn ich sie schreibe, habe ich einen
"plan" vor mir, und das ist dann doch ein schema, oder?


DressedInBlack :
das heißt, du bist eher der 'klassische' dichter, der sich noch mit
gewissen 'alten' poetischen formen auseinandersetzt
(reim, metaphern, versformen, etc.)?



campino2k :
nein eben gerade nicht. meine gedichte haben zwar ein schema, aber kein
erkennbares für aussenstehende... ich wähle mir
ja meine zeilenumbrüche, worte, etc alles selbst aus, von daher hat das
gedicht _für mich_ auch ein schema, ob das jemand
anderes erkennt ist dann eine andere sache.
aber ich bin niemand der sich auf reime oder ähnliches konzentriert -
ausser metaphern *lach* zumindest versuche ich es...


DressedInBlack :
das wäre dann widerum ansichtssache... also siehst du dich selbst als
'freeverse' dichter mit hang zu klassischer symbolik?



campino2k :
so könnte man es sagen...


DressedInBlack :
wie wirds mit dir und dem schreiben weitergehen? wäre es ein problem,
das hobby an den nagel zu hängen? würdest du
gerne mal etwas veröffentlichen?



campino2k :
wie das ganze mit mir und dem malen von buchstaben seinen lauf nimmt,
kann ich nicht sagen, aber ich wäre nicht gewillt,
das schreiben aufzugeben, wenn ich gezwungen würde. ich würde gerne was
von mir in einem buch lesen, sei es nur in einer
gedichtesammlung... wer weiss, vielleicht bekomm ich diese chance ja
mal irgendwann, wehren würde ich mich nicht dagegen.


DressedInBlack :
malen von buchstaben klingt etwas ironisch?!



campino2k :
nein, eigentlich nicht, ich male meine gefühle mit buchstaben, andere
malen bilder.


DressedInBlack :
danke für die schönen abschließenden worte.
©2004-2008 ~weissefeder
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Submitted: Oct 20, 2004
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